Kulinarik
Der Berliner kommt nicht aus Berlin & Toast Hawaii nicht aus Hawaii – kennst Du diese kulinarischen Mogelpackungen?
Wer ein Wiener Schnitzel bestellt, erwartet eine Spezialität aus Wien. Wer einen Hamburger ordert, denkt an die deutsche Hansestadt, beim Toast Hawaii an die exotische Inselgruppe im Pazifischen Ozean. Doch nicht immer verrät der Name eines Gerichts auch seine tatsächliche Herkunft. Tatsächlich gibt es zahlreiche Speisen, die nach Städten, Regionen oder Ländern benannt sind – obwohl sie dort nie erfunden wurden oder nur wenig mit dem jeweiligen Ort zu tun haben. Manche Namen sind durch Marketing entstanden, andere durch Missverständnisse oder kreative Köche. Wir zeigen die bekanntesten kulinarischen Irrtümer der Welt.
Berliner
Kulinarischer Streifzug durch die Jahrhunderte
Im 18. Jahrhundert soll ein Zuckerbäcker Kugeln aus Hefeteig geformt und diese in heißem Fett ausgebacken haben. Da der Mann in Berlin lebte, taufte er sein Werk Berliner. Doch obwohl diese süße Leckerei in Deutschlands Hauptstadt geboren wurde, trägt sie dort den Namen Pfannkuchen. Im Süden Deutschlands wird sie als Krapfen bezeichnet. Diese Bezeichnung verweist auf eine andere Legende. Danach soll das Gebäck in Wien von der Hofratsköchin Cäcilie Krapf erfunden worden sein. Möglicherweise reichen die Wurzeln des Berliner aber sogar bis ins antike Rom zurück, wo kleine frittierte Teigkugeln mit Honig und Mohn bestreut wurden. Dann wäre der Berliner wohl ein Römer …
Toast Hawaii / Pizza Hawaii
Es gibt keinen Toast auf Hawaii
Hawaii ist prädestiniert für den Anbau von Ananas, aber das Toast Hawaii stammt keineswegs von dieser Inselkette im Pazifischen Ozean. Das Gericht, das aus je einer Scheibe Toast, gekochtem Schinken, einer Ananas und Käse besteht und im Ofen überbacken wird, geht vielmehr auf den deutschen Fernsehkoch Clemens Wilmenrod zurück. 1955, inmitten der Wiederaufbaujahre Deutschlands, stellte er es erstmals der Öffentlichkeit vor. Die krönende Kirsche folgte übrigens erst drei Jahre später.
Ähnlich verhält es sich mit der Pizza Hawaii, die Du übrigens niemals in Italien bestellen solltest, da sie dort als Tabubruch gilt. Sie wurde 1962 von einem griechischstämmigen Pizzabäcker in Kanada erfunden.
Wiener Schnitzel
Der Klassiker stammt aus Italien
Beim Wiener Schnitzel ist die Sache etwas komplizierter. Das dünn geklopfte, panierte und in Fett ausgebackene Kalbsschnitzel zählt heute ganz selbstverständlich zu den berühmtesten Spezialitäten der Wiener Küche. In Wien kannst Du es ebenso problemlos bestellen wie in vielen Restaurants rund um die Welt.
Um seine Herkunft rankt sich jedoch eine hartnäckige Legende. Demnach soll Feldmarschall Radetzky im 19. Jahrhundert in Mailand die Cotoletta alla Milanese kennengelernt und das Rezept nach Österreich gebracht haben. Am Wiener Hof wurde die Idee aufgegriffen – und aus dem italienischen Vorbild entwickelte sich nach und nach eines der bekanntesten Gerichte Österreichs. Ganz eindeutig belegt ist diese Geschichte allerdings nicht, weshalb das Wiener Schnitzel bis heute ein besonders spannender Fall kulinarischer Namensgeschichte bleibt.
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Hamburger
Ein kulinarisches Rätsel
Der Hamburger verdankt seinen Namen tatsächlich der Hansestadt Hamburg – erfunden wurde der moderne Burger jedoch vermutlich in den USA. Bereits im 19. Jahrhundert brachten deutsche AuswanderInnen das sogenannte „Hamburg Steak“ nach Nordamerika: eine Art Frikadelle aus gehacktem Rindfleisch. Daraus entwickelte sich später der Hamburger, bei dem das Fleisch zwischen zwei Brötchenhälften serviert wird. Wer genau diese Idee zuerst hatte, ist bis heute umstritten. Fest steht jedoch, dass der Hamburger spätestens seit der Weltausstellung 1904 in St. Louis seinen Siegeszug antrat. Heute gehört er zu den bekanntesten Gerichten der Welt – und erinnert mit seinem Namen noch immer an die norddeutsche Hafenstadt.
Brioche Parisienne
Der köstliche Genuss stammt eigentlich aus Venedig
Die Brioche Parisienne klingt nach einer Spezialität aus den Cafés der französischen Hauptstadt. Tatsächlich bezieht sich ihr Name jedoch weniger auf ihren Ursprungsort als auf ihre Form und Popularität in Paris. Die charakteristische Brioche mit dem kleinen Teigkopf auf der Oberseite – in Frankreich auch als Brioche à tête bekannt – wurde vor allem durch die Pariser Patisserien berühmt. Die Wurzeln der Brioche selbst reichen jedoch deutlich weiter zurück und werden je nach Quelle anderen Regionen Frankreichs zugeschrieben. Die Brioche Parisienne verdankt ihren Namen also vor allem ihrem Siegeszug in Paris – nicht unbedingt ihrer Erfindung dort.
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Spaghetti Bolognese
Das Gericht gibt es so gar nicht
Kaum ein Gericht steht so sehr für Italien wie Spaghetti Bolognese – dabei würdest Du diese Kombination in Bologna kaum auf einer traditionellen Speisekarte finden. Die berühmte Fleischsoße stammt tatsächlich aus der norditalienischen Stadt und heißt dort Ragù alla Bolognese. Serviert wird sie klassischerweise jedoch mit frischen Tagliatelle und nicht mit Spaghetti. Ihren Namen verdankt die Soße also tatsächlich ihrer Herkunft. Die weltweit bekannte Kombination aus Spaghetti und Bolognese-Soße entstand erst später außerhalb Italiens und entwickelte sich vor allem in Deutschland, Großbritannien und Nordamerika zu einem echten Klassiker.
Jaffa-Kekse
Eine süße Täuschung
Wenn Du an Jaffa-Kekse denkst, stellst Du Dir vielleicht die malerischen Gassen der zu Tel Aviv gehörenden Hafenstadt Jaffa vor. Doch die Wahrheit ist eine andere: Diese köstlichen Kekse mit Orangenmarmeladefüllung und Schokoladenüberzug stammen eigentlich aus Großbritannien. Im Jahr 1927 brachte der Gebäckhersteller McVitie & Price Ltd. die Jaffa-Kekse auf den Markt. Obwohl die klebrige Orangenfüllung im Inneren des Gebäcks nach der Jaffa-Orange benannt ist, einer speziellen Orangensorte aus dem Gebiet des heutigen Israel, liegen ihre Ursprünge in der britischen Inselküche. Ein kleiner Schock für FeinschmeckerInnen? Vielleicht. Aber egal woher sie kommen, Jaffa-Kekse gehören bis heute zu den beliebtesten Keks-Kombinationen der Welt.
Russisch Brot
Eine süße Reise durch Kulturen
Auch der Name dieser Köstlichkeit ist irreführend. Russisch Brot, ein Gebäck aus einem Kakao-Eiweiß-Teig, das in Buchstabenform gebacken wird, stammt zwar aus Sankt Petersburg, ist aber nicht typisch für die russische Küche. Ein gewisser Ferdinand Friedrich Wilhelm Hanke brachte das Rezept nach einem Aufenthalt in Russland mit nach Deutschland und eröffnete 1844 in Dresden eine Bäckerei, in der er erstmals in Deutschland Russisch Brot anbot, allerdings nur mit lateinischen Buchstaben. Vermutlich, um seine neugierige Kundschaft nicht zu verwirren. Der Name könnte darauf zurückzuführen sein, dass der Bäcker einen ausländischen Namen wählte, um eine gewisse Eleganz oder Kultiviertheit zu vermitteln.
Piemont-Kirschen
Marketingidee: Eine solche Frucht gibt es nicht
Die Piemont-Kirsche, das sagenumwobene Geheimnis von Mon Chéri, der Praline mit Likörfüllung, gibt es gar nicht. Sie ist lediglich eine Marketingidee ihres italienischen Herstellers Ferrero. Das Unternehmen wurde zwar 1946 in Alba in der italienischen Region Piemont gegründet, aber eine Kirschsorte mit diesem Namen existiert nicht. Es handelt sich um eine eingetragene Marke. Die verwendeten Kirschen stammen nicht aus Italien, sondern hauptsächlich aus Polen, Deutschland und Chile. Insgesamt ist es dem Hersteller gelungen, seinem Produkt einen Hauch von Exklusivität zu verleihen. Das zeigt sich auch daran, dass die Pralinen im Sommer nicht erhältlich sind.
Caesar Salad
Kein Bezug zum römischen Imperator
Zum Schluss darfst Du Dich fragen, was der römische Imperator Julius Cäsar mit dem Caesar Salad zu tun hat. Die einfache Antwort lautet: gar nichts. Der Caesar Salad mit seinem leckeren Dressing aus Eiern, Parmesan und Croûtons wurde nicht in Rom, sondern in der mexikanischen Stadt Tijuana erfunden. Und zwar in den 1920er-Jahren von einem italienischen Koch namens Caesar Cardini, der dorthin ausgewandert war. Ursprünglich als Restegericht gedacht, entwickelte sich der Caesar Salad schnell zu einem weltweiten Klassiker. Obwohl der Name an den berühmten römischen Herrscher erinnert, hat der Salat nichts mit dem antiken Rom zu tun.