Lavendelblüte in der Provence
Lavendelblüte in der Provence: Die tolle Spots und die besten Zeiten
Lila, so weit das Auge reicht: Die Lavendelblüte gehört zu den stimmungsvollsten Reisezeiten in Südfrankreich. Zwischen Mitte Juni und August verwandelt sich die Provence in ein violettes Farbenmeer. Überall duftet es nach Lavendel, auf den Dorfmärkten werden frische Kräuter, Honig und Seifen angeboten. In diesem Guide zeigen wir Dir, wo Du die Lavendelblüte am intensivsten erleben kannst, wann der beste Zeitpunkt für Deine Reise ist und wie Du die schönsten Dörfer und Naturspots ideal miteinander verbindest.
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Alle anzeigenPlateau de Valensole
Das große Lavendelmeer
Einer der fotogensten Spots ist das Plateau de Valensole: Die sonnige Hochebene liegt im Süden der Alpes-de-Haute-Provence, ganz in der Nähe des Flusses Verdon und des türkisblauen Lac de Sainte-Croix. Hier im größten zusammenhängenden Lavendelanbaugebiet der Provence erstrecken sich die Felder bis an den Horizont – besonders eindrücklich rund um die Orte Valensole und Puimoisson. Wenn Du die klassischen Postkartenmotive mit den einsamen, alten Steinhütten inmitten der lila Reihen suchst, wirst Du vor allem entlang der Landstraßen D6 und D953 fündig.
Dass diese Gegend heute das weltbekannte Symbolbild der Provence ist, liegt an einer landwirtschaftlichen Besonderheit. Der Anbau hat sich in den vergangenen Jahrzehnten aus den rauen Bergregionen in die flachere, weite Ebene rund um Valensole verlagert. Auf einigen tausend Hektar wächst hier vor allem Lavandin. Diese robuste Hybridsorte bildet besonders große, gleichmäßige Büsche und blüht intensiv dunkelviolett. Am schönsten lässt sich dieses Naturereignis am frühen Morgen oder zum Sonnenuntergang erleben, wenn das weiche Licht die Farben noch mehr zum Leuchten bringt – und die Touristenbusse noch nicht da oder schon wieder weg sind.
Wenn Du noch tiefer in die Welt der Düfte eintauchen möchtest, plane einen Abstecher nach Manosque ein. Dort liegt das Werk von L’Occitane en Provence mitsamt mediterranem Garten und interaktivem Museum. Das Museum bietet Einblicke in die traditionsreiche Verarbeitung der Pflanzen. Wenn Du Dich vorab anmeldest, kannst Du bei einer Führung auch einen Blick in die Produktionshallen der Fabrik werfen.
Blütezeit: Ende Juni bis Mitte Juli. Achte auf den Wetterbericht, denn in heißen und trockenen Sommern kann die Erntezeit bereits Anfang Juli beginnen.

Annas Tipp
Das knapp 30 Kilometer entfernte Moustiers-Sainte-Marie gilt als eines der schönsten Dörfer Frankreichs. Es liegt spektakulär an einer steilen Felswand direkt am westlichen Eingang der berühmten Verdonschlucht, Gorges du Verdon. Von hier aus lassen sich die Ausflüge in die violette Blütenwelt ideal mit einer Kajaktour durch die Schlucht oder einem entspannten Nachmittag am türkisblauen Stausee Lac de Sainte-Croix kombinieren.
Digne-les-Bains
Späte Blüte in der Haute-Provence
Willkommen in der historischen Hauptstadt des Lavendels: Eingebettet in die voralpine Kulisse der Haute-Provence, gilt Digne-les-Bains als Zentrum des traditionellen Lavendelhandels. Noch heute bestimmen der Anbau und die Destillation der lilafarbenen Pflanze die Identität des Ortes. Wenn Du die Lavendelblüte etwas später im Sommer erleben möchtest, bist Du in dem bekannten Thermalkurort, der auch eine wichtige Etappe an der Panoramastraße Route Napoléon darstellt, richtig. Da Digne-les-Bains und die umliegenden Täler Mézel und Thoard rund 100 Meter höher liegen als das berühmte Plateau von Valensole, verschiebt sich hier die Blütezeit nach hinten: Bis weit in den August hinein leuchten die Felder in kräftigem Violett.
Diese späte Pracht feiert die Stadt im August gleich zweifach: Den Auftakt macht Anfang August der berühmte Corso de la Lavande – ein fünftägiges Volksfest mit festlich geschmückten Umzugswagen, Musik und Feuerwerk. Ende August folgt dann die Foire de la Lavande. Auf dieser traditionellen Messe dreht sich alles um Lavendelöle, Handwerk und die kulinarischen Schätze der Region.
Blütezeit: Anfang Juli bis Ende August
Luberon-Gebirge
Lavendel, Ockersteinbrüche und Bergdörfer
Lavendelfelder zwischen Weinbergen, Olivenhainen und hellen Steinhäusern: Der Luberon zeigt die Provence von ihrer kleinteiligeren Seite. Der Höhenzug erstreckt sich zwischen Avignon und den Alpes-de-Haute-Provence, sein höchster Punkt, der Mourre Nègre, liegt auf 1.125 Metern. Landschaftlich ist die Region abwechslungsreicher als das weite Plateau de Valensole, wo der Lavendel fast allein die Landschaft bestimmt.
Idealer Ausgangspunkt für Entdeckertouren ist das Bergdorf Gordes. Schon von der Zufahrtsstraße aus blickst Du auf das Dorf, dessen helle Steinhäuser sich terrassenförmig den Hang hinaufziehen. Von hier aus liegen die Höhepunkte der Region nur wenige Kilometer entfernt. Im Musée de la Lavande Luberon in Coustellet erhältst Du einen Einblick in die Geschichte des Lavendels. Der Audio-Guide führt Dich durch Anbau und traditionelle Verarbeitung, ergänzt durch historische Fotos, alte Destillationsapparate sowie interaktive Stationen und Filme, die den Weg vom Feld bis zum fertigen ätherischen Öl zeigen. Einen farblichen Kontrast zum Violett der Felder bietet das nahegelegene Roussillon. Der Rundweg Sentier des Ocres führt durch ehemalige Ockersteinbrüche, vorbei an steilen Felswänden in Rot-, Orange- und Gelbtönen. Der Weg ist gut ausgebaut und dauert je nach Wanderroute 30 bis 50 Minuten.
Blütezeit: Ende Juni bis Mitte Juli. Die Lavendelfelder im Luberon blühen tendenziell etwas früher als jene auf dem Plateau de Valensole, die Ernte beginnt hier oft schon im Juli.
Abbaye de Sénanque
Lavendel vor jahrhundertealten Klostermauern
In der Nähe des Bergdorfes Gordes liegt mit der Abbaye de Sénanque eines der bekanntesten Fotomotive der Provence. Die mittelalterliche Zisterzienserabtei befindet sich in einem abgelegenen Tal des Luberon, umgeben von bewaldeten Hängen, hellem Kalkstein und symmetrisch angelegten Lavendelfeldern. Bis heute ist Sénanque ein aktives Kloster: Mönche bauen den Lavendel selbst an, destillieren das kostbare Öl und stellen vor Ort regionale Produkte wie Honig, traditionelle Kekse und Olivenöl her, die man im Klosterladen kaufen kann.
Wenn Du diesen Ort besuchen möchtest, solltest Du das Timing genau planen. Aufgrund der geschützten, tieferen Tal-Lage beginnt die Lavendelblüte hier recht früh – die beste Reisezeit liegt meist zwischen Mitte Juni und Mitte Juli. Bereits in der zweiten Julihälfte wird das Feld vor der Abtei meist geerntet. Zudem zieht der Ort viele BesucherInnen an: Für ruhige Momente und das beste Licht empfiehlt sich eine Anreise am frühen Morgen. Gut zu wissen: Das Betreten der Felder ist strikt untersagt, und in den historischen Gemäuern wird um angemessene Kleidung und Ruhe gebeten.
Blütezeit: Zwischen Mitte Juni und Juli
Sault
Spätere Blüte am Fuß des Mont Ventoux
Wenn Du später im Sommer durch die Provence reist, ist Sault ein guter Anlaufpunkt. Der Ort liegt auf rund 760 Metern Höhe auf einem Felsrücken über einer weiten Hochebene. Durch das etwas kühlere Klima beginnt die Lavendelblüte hier deutlich später als auf dem Plateau von Valensole oder im Luberon. Auch das Landschaftsbild unterscheidet sich von den riesigen, flachen Monokulturen anderer Regionen: Die Lavendelreihen ziehen sich durch eine hügelige Kulturlandschaft und wechseln sich mit Dinkelfeldern ab. Hier wird der traditionelle Haute-Provence-Dinkel Petit Épeautre angebaut.
Eine Besonderheit des Ortes ist seine lange Festtradition. Seit mehr als 35 Jahren wird in Sault am 15. August die Fête de la Lavande gefeiert. Der Termin markiert traditionell das Ende der Erntesaison in den Bergen und gilt als das größte Lavendelfest der Region. Neben einer Schnitt-Meisterschaft mit der Sichel, bei der Amateure und Profis im Feld gegeneinander antreten, gibt es Festumzüge mit Trachtengruppen, Musik und eine Handwerksmesse. Zugang zum Festgelände und Parkplätze sind kostenlos.
Blütezeit: Anfang Juli bis Mitte August
Ferrassières und Plateau d’Albion
Berglavendel abseits der bekannten Routen
Echter Berglavendel statt Lavandin: Auf rund 1.000 Metern Höhe wächst in Ferrassières diese seltenere, fein duftende Lavendelsorte. Alte Bauernhöfe, schmale Straßen und lichte Eichenwälder prägen die Hochebene von d’Albion. Menschenmassen wie auf dem Plateau de Valensole bleiben hier aus.
Aufgrund der weiten, verkehrsarmen Straßen lässt sich die Blütenpracht hier besonders schön bei einer Radtour erleben. Die Strecken über die Albion-Hochebene führen oft direkt an den blau-violetten Feldern vorbei und bieten spektakuläre Ausblicke über die voralpine Kulisse. Wenn Du Deinen Besuch mit einem besonderen Erlebnis verbinden möchtest, reise am ersten Sonntag im Juli an: Dann feiert das Bergdorf Ferrassières sein traditionelles Lavendelfest, das offiziell die Erntesaison der Region einläutet. Neben einem provenzalischen Markt wird vorgeführt, wie der Lavendel mit Sichel geerntet und daraus Öl gewonnen wird.
Blütezeit: Anfang bis Ende Juli
Simiane-la-Rotonde und Pays de Forcalquier
Burgdorf und Ziegenkäse
Mittelalterliche Burg mit Rotonde, alte Steinhäuser und schmale Gassen: Simiane-la-Rotonde ist eines der besterhaltenen Dörfer der Region und als Village de caractère ausgezeichnet. Es liegt auf einem Felsrücken zwischen Luberon und Plateau d'Albion, mit Blick auf die Lavendelfelder der Hochebene. Hier ist alles noch ziemlich authentisch, da es selbst zur Hauptsaison ruhig zugeht.
Von Simiane-la-Rotonde lohnt sich ein Abstecher ins nahegelegene Banon. Der kleine Ort ist für etwas ganz Anderes bekannt: den traditionellen Banon-Ziegenkäse. In Kastanienblätter gewickelt und mit Bast verknotet, reift er zu einer leicht säuerlichen, würzigen Delikatesse.
Blütezeit: Ende Juni bis Ende Juli / Anfang August
Gut zu wissen
Beste Reisezeit und praktische Tipps
Für die meisten Provence-Reisen ist die Zeit von Ende Juni bis Mitte Juli das sicherste Zeitfenster. Auf dem Plateau von Valensole und im Luberon blüht der Lavendel meist früher, während Sault, das Plateau d’Albion und die Region um Digne-les-Bains etwas später dran sind.
Da die Lavendelregionen nah beieinander liegen, lassen sie sich wunderbar auf einer Rundreise verbinden. Am besten wählst Du einen oder zwei feste Standorte und planst von dort aus die Ausflüge. Buche Deine Unterkünfte unbedingt frühzeitig – besonders wenn Du Valensole im Juli oder Sault zum großen Fest am 15. August besuchen möchtest. Ein Mietwagen ist vor Ort fast unverzichtbar, da viele Felder, Dörfer und Aussichtspunkte nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. Die besten Zielflughäfen sind Marseille und Nizza; vom Flughafen Marseille aus bist Du mit dem Auto in knapp zwei Stunden in Valensole.
Für das entspannte Erlebnis vor Ort hier noch drei Regeln: Bitte immer auf den Wegen und Randstreifen bleiben. Lavendelpflanzen sind empfindlich und die Felder sind die Existenzgrundlage der lokalen Bauern. Stelle Dich auf lautes Summen ein – die Felder sind voller Bienen, die friedlich sind, solange man nicht nach ihnen schlägt. Da es im Sommer extrem heiß wird, gehören ausreichend Wasser, eine Kopfbedeckung und Sonnenschutz ins Gepäck. Die flirrende Mittagshitze verbringst Du am besten in kühlen Museen oder in schattigen Cafés.
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