Der Roque Nublo, das Wahrzeichen Gran Canarias
© Joachim Negwer

Ein mystischer Ort

Der Roque Nublo auf Gran Canaria

Hilke EckardtRedakteurin

Markant ragt ein eigenwilliger Felsen in den Himmel – der Roque Nublo (spanisch für „Wolkenfelsen“) hat seinen Namen wahrlich verdient. Seit Jahrtausenden wird der 65 Meter hohe Monolith bewundert und verehrt, und noch heute gilt er als ein Wahrzeichen der Insel Gran Canaria. 

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Opferplatz für den Sonnengott

Der Roque Nublo thront auf dem gleichnamigen Berg im Zentrum von Gran Canaria. Seine Spitze markiert eine Höhe von 1813 Meter über dem Meeresspiegel und zählt damit zu den höchsten Erhebungen der Insel. Doch es ist nicht unbedingt die Größe, die ihn so besonders macht. Er wirkt wie ein Kunstwerk, das von Götterhand auf dem Berg platziert wurde und von zwei Statuen flankiert ist: Neben ihm stehen „La Rana“, „der Frosch“, der zum Wolkenfelsen heraufschaut und „El Fraile“, „der Mönch“, der die Hände zum Gebet gefaltet zu haben scheint. 

Schöne Interpretationen zum Wesen der Felsformationen, ihre Entstehungsgeschichte ist allerdings etwas nüchterner. Tatsächlich sind die Felsen Überreste eines einst viel höheren, längst erodierten Stratovulkans. Der heutige Roque Nublo war ein Pfropfen im Vulkanschlot. Er überstand mehrere Ausbrüche, erhärtete sich und blieb schlussendlich als Felsnadel von immenser symbolischer Kraft für die Ureinwohner der Insel stehen. Den Altkanariern war der Basaltfelsen heilig. Mit dem Boden verwurzelt und zugleich verbunden mit dem Himmel war er der perfekte Kultort, an dem sie dem Sonnengott ihre Opfer darbrachten. 

Wanderer an einer Infotafel am Roque Nublo auf Gran Canaria
Wanderung zum Roque Nublo © Joachim Negwer

Der vielfältigste Naturraum der Insel

Der gesamte Ort hat wirklich etwas Mystisches. Nicht selten wird die Spitze des Roque Nublo von Wolken umhüllt – daher auch der Name „Wolkenfelsen“. Und ringsherum eröffnet sich eine zerklüftete Landschaft von unglaublicher Vielfalt. Schroffe Felswände treffen auf tiefe Täler, und von den Bergen aus lassen sich eingesunkene Krater des ehemaligen Vulkans bewundern, wie zum Beispiel die Caldera de Tejeda mit einem Durchmesser von 25 Kilometern. Bester Aussichtspunkt auf das Naturwunder ist der Mirador Degollada de las Palomas, der weite Blicke über das Tal bietet.

Der Roque Nublo ist in den größten Naturraum Gran Canarias eingebettet, den nach ihm benannten Parque Rural del Nublo. 2005 wurde die 26.000 Hektar große Region von der UNESCO zum Weltbiosphärenreservat erklärt. Die biologische Vielfalt ist bemerkenswert, die Palette reicht von kanarischen Kiefernwäldern über Strauchlandschaften bis hin zu farbenfrohen Blütenpflanzen wie dem leuchtend gelben Ginster.

Blick in die Berge und Täler am Roque Nublo auf Gran Canaria
Wanderung zum Roque Nublo © Joachim Negwer

Pilgerort und Wanderziel

Die mystische Kultstätte ist heute noch ein symbolträchtiger Wallfahrtsort für die Einheimischen. Doch auch Touristen und Touristinnen wollen den Felsen bewundern und in der schönen Gegend wandern. Es gibt zahlreiche Routen, viele davon sind nicht allzu beschwerlich und bieten trotzdem tolle Panoramen. Die beliebteste Trekkingroute (ca. 4,7 km, 2 Stunden, leicht) startet am Steinplateau La Goleta, wo ein Parkplatz (Aparcamiento de la Degollada de La Goleta) angelegt ist. Schon die Fahrt dorthin ist ein Erlebnis, es geht bergauf durch eine enorm vielfältige Landschaft, wobei immer wieder ein Fotostopp lockt.

Wichtig: Für den beliebtesten Zugang über den Wanderweg S-70 ab Degollada de La Goleta gelten inzwischen Besucherbeschränkungen. Während der regulierten Zeiten ist eine kostenlose Online-Reservierung erforderlich. Zudem ist das Parken direkt am Einstieg nicht mehr erlaubt. Stattdessen stehen Park-and-Ride-Parkplätze unter anderem in Tejeda und Cruz de los Llanos zur Verfügung. Von dort bringen Shuttlebusse BesucherInnen zum Startpunkt der Wanderung. Informiere Dich am besten vor Deinem Ausflug über die aktuellen Regelungen.

Vom Parkplatz führt der Wanderweg S-70 mit nur wenigen Steigungen zum Roque Nublo. Unterwegs begleiten Dich weite Ausblicke über die Berge und das kleine Dorf Ayacata. Auf dem Plateau angekommen, erwartet Dich ein beeindruckendes Panorama über die Insel. Bei klarem Wetter reicht der Blick sogar bis zum Teide auf der Nachbarinsel Teneriffa. Nimm Dir einen Moment Zeit und genieße die besondere Atmosphäre dieses außergewöhnlichen Ortes, bevor Du auf demselben Weg wieder zum Parkplatz zurückkehrst.

Mutige und erfahrene Kletternde setzen sogar noch eins oben drauf und nehmen die Besteigung des eigentlichen Felsens in Angriff – mehrere Klettersteige führen hinauf auf die Spitze. Doch keine Sorge, auch ohne die letzten Höhenmeter wird euch der Roque Nublo mit seiner geologischen und spirituellen Geschichte stets im Gedächtnis bleiben.

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Geschrieben von:Hilke Eckardt