Reisebericht Rundreise Vietnam und Kambodscha - von Hanoi nach Siem Reap
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- Tag: 13.10.09, Hoi An – My Son – Hoi An
Frühstücken bei schönem Wetter im offenen Pavillon ist einfach was Schönes. Vor allem, wenn es um 7 Uhr schon an die 26 Grad hat. Wir können heute leider nicht ausschlafen, da unser Bus nach My Son schon um halb 9 auf uns wartet. Dass dieser dann noch knapp eine Stunde durch Hoi An fährt und dabei 20 andere Hotels abklappert, kann man ja nicht wissen. Aber auch das überstehen wir und dann geht es auf nach My Son.
My Son ist eine alte Anlage der Cham. Dieser Volksstamm war vor ca. 800 Jahren in Teilen der heutigen Staaten Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnam vertreten. Charakteristisch sind die Tempel und Bauten aus roten Ziegelsteinen und die filigranen Verzierungen. Kleine Vorsprünge, Figuren von Tänzerinnen oder auch Statuen von Göttinnen sind fein gearbeitet und erinnern teilweise an die noch feiner gearbeiteten Fresken in Angkor Wat. Unser Guide leitet eine gemischte Truppe und erklärt alles in Deutsch und Englisch.
Die Anlage selbst ist in verschiedene Gruppen gegliedert, wobei die erste die am besten erhaltene ist. Die zweite Gruppe ist noch ganz ansehnlich, aber bei der letzten kann man die Folgen des Kriegs noch sehr gut erkennen. Wir fotografieren wie wild, umrunden Tempel, steigen in sie hinein, posieren hinter kopflosen Figuren und suchen nach dem besonderen Motiv. Mittendrin unser Guide, der leider recht monoton versucht uns die Kultur der Cham näherzubringen. Nach der ersten Gruppe entscheiden wir uns gegen den Guide und erkunden den Rest der Anlage auf eigene Faust. Rings um uns ist tropischer Wald und zwischen den Stämmen kann man schon die nächsten Ruinen erkennen. Von den Bäumen hängen Sternfrüchte und Longans herab, der Boden ist mit Mimosen bedeckt.
Die letzte Anlage ist mit Bombenkratern übersät und überall liegen Trümmer der Tempel herum. Einige sind gerade im Wiederaufbau und einer ist abgestützt um zumindest die nebenstehenden Gebäude nicht zu gefährden. Man merkt mal wieder, wie wenig Kultur im Kriegsfalle zählt.
Nach knapp 2 Stunden machen wir uns auf den Rückweg und sehen unterwegs wieder voll beladene Mopeds, die Massen an Betelnüssen zum Markt transportieren.
Unser Nachmittagsprogramm besteht aus shoppen in Hoi An und dem Besuch des hiesigen Marktes. Kaum in der Stadt angekommen, werden die ersten Sachen gekauft. Ich besorge mir Essstäbchen und ein paar Stände weiter werden wir bei Seidentischläufern fündig. Natürlich handeln wir wie die Wilden, da man zuerst extrem überhöhte Preise vorgesetzt bekommt.
Auf dem Markt kommen wir an einer Halle vorbei, die komplett aus Stoffen und Schneidern besteht. Wir schlendern weiter durch viele schmale Gassen und an jeder Ecke gibt es kleine Schneidereien, die einem ihr Angebot recht lautstark anpreisen. Da wir uns schon eingedeckt haben, wollen wir eigentlich nichts mehr kaufen, aber als uns dann ein schwarz gekleideter, unverkennbar homosexuell angehauchter Vietnamese mit roten Fingernägeln und einem wahnsinnigen Hüftschwung auf der Straße anspricht, ist es um Angi geschehen. Wir landen im Laden und alle Ausreden helfen nicht weiter. Im Endeffekt lässt Angi sich ein Oberteil schneidern, das nach knapp 50 Minuten auch wirklich fertig ist. In einer Schneiderei im Hinterhof des Marktes arbeiten drei Frauen an einer alten Singer-Nähmaschine, um damit möglichst schnell fertig zu werden. Die Anprobe erfolgt im Schlafzimmer der Familie und es wird auch noch ein Erinnerungsfoto mit allen geschossen.
Den restlichen Nachmittag schlendern wir noch etwas durch Hoi An und um 18 Uhr müssen wir zu unserer Schneiderei vom Vortag, um meine Hosen und das Business Kostüm anzuprobieren. Tja, beim Anzug muss etwas geändert werden und wir sind zuerst ein wenig ratlos. Morgen um 8 Uhr fahren wir von hier weg und haben keine Möglichkeit, nochmals vorbei zu schauen. Hier kommt uns die Flexibilität der Vietnamesen entgegen. Die Änderungen werden über Nacht durchgeführt und am nächsten Morgen um 7 Uhr wollen die Angestellten die Klamotten dann bei uns vorbei bringen. Na da lassen wir uns doch mal überraschen, ob das klappt. Bezahlt haben wir schon und nun vertrauen wir einfach mal unserer Schneiderin.Den Abend lassen wir gemütlich mit Ulla und Eduard in einem kleinen Restaurant gegenüber unseres Hotels ausklingen.
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- Tag: 14.10.09, Hoi An – Quy Nhon
Wer hätte das gedacht. Während wir noch unsere Koffer packen, klingelt es an der Türe und wer steht vor uns? Unsere kleine Schneiderin, voll beladen mit unseren Hosen und dem Anzug. Schnell noch alles probieren und dann auch im Koffer verstauen. Aber, haben wir auch etwas Anderes erwartet?!
Wir genießen unser letztes Frühstück im Freien und fahren schon recht zeitig los. Unser Tagesziel lautet Quy Nhon als Zwischenstopp nach Nha Trang. Die Etappe kann sich sehen lassen: Knapp 450 Kilometer werden zurückgelegt.
Schon kurz nachdem wir Hoi An verlassen haben, bietet sich unseren Augen das typische vietnamesische Bild: Links und rechts der Straße weite Flächen mit Reisfeldern, dazwischen Wasserbüffel und Bauern mit ihren Reishüten. Viel Abwechslung für die Augen gibt es da nicht. Unterwegs begegnen wir mehreren Mopeds, die u.a. massenweise Hühner oder Gänse in Körben transportieren. Auch eine „Herde“ Enten wird vor unserem Bus über die Straße getrieben.
Einen ersten Zwischenstopp machen wir beim Cham Tempel Chieu Dem. Vor dem Tor posiert ein Brautpaar für die Hochzeitsfotos. Als sie uns sehen, muss alles schnell gehen, damit die Touristen nicht die Session stören. Wir lassen die beiden erstmal Richtung Tempel ziehen und schauen uns das angrenzende Museum an, während mehrere Kinder um uns herumspringen. Hier sind einige Fresken und Figuren ausgestellt, die rund um die Chamtürme gefunden wurden.
Die Türme hier stehen denen von My Son in nichts nach, nur dass diese hier weniger bewachsen und überwuchert sind. Trotzdem schon faszinierend, wie fein die Darstellungen der Tänzerinnen sind. In einen der Türme kann man auch hinein, wobei man im Inneren nichts Besonderes sehen kann.
Jetzt machen wir uns auf, einen der schrecklichsten Orte in Vietnam zu besuchen, My Lai. Das Dorf erreichte traurige Berühmtheit durch die komplette Auslöschung durch die Amerikaner. Über 500 Menschen, darunter viele Frauen, Greise und Kinder wurden an einem Nachmittag hier hingemetzelt. Zur Vertuschung wurde das Dorf niedergebrannt, zerbombt und danach noch mit Bulldozern platt gemacht. Heute erinnert ein Museum mit Fotos der damaligen Kriegsfotografen, mit diversen Fundstücken aus den Häusern der Menschen und einer riesigen Gedenktafel mit allen Namen der Toten an dieses Massaker. Beim Rundgang bekommt man schon ein beklemmendes Gefühl. Zuvor haben wir noch einen kleinen Film gesehen, der das Zusammentreffen eines GIs von damals mit einem der wenigen Überlebenden zeigt.
Dort, wo früher das Dorf stand, findet man eine große Gedenkstatue, sowie mehreren Gedenktafeln, die vor Attrappen von zerstörten Häusern angebracht sind. Diese sollen den Besuchern zeigen, wie viele Menschen hier gelebt und umgekommen sind. Die Sinnlosigkeit eines Krieges wird einem hier wieder so richtig bewusst gemacht.
Mit etwas gedrückter Stimmung verlassen wir diesen Ort und fahren nun endgültig Richtung Quy Nhon. Unterwegs halten wir noch an einem Stand, der den regionalen Reisschnaps mit einer besonderen Einlage verkauft: Hier werden alle möglichen Tiere, Kräuter und Wurzeln darin eingelegt. Unter anderem sehen wir Schlangen, Seepferdchen, Seesterne, Skorpione sowie ganze Echsen eingelegt in diesem Reisschnaps. Als Geschenk sind diese Flaschen aber keine gute Idee, denn sie werden bei der Einreise in die EU am Zoll gleich konfisziert. Nicht selten werden bedrohte oder geschützte Tierarten in die Flaschen gesteckt.
Eine Stunde später erreichen wir unser Hotel direkt am Strand. Da dort heute eine Hochzeit stattfindet, werden wir zum Abendessen in ein schnell umfunktioniertes Zimmer verfrachtet. Richtig wohlfühlen können wir uns hier aber nicht. Die Klimaanlage kühlt den Raum auf gefühlte 13 Grad, die Essensauswahl ist begrenzt, wir kommen uns total beobachtet vor, da die beiden abgestellten Kellner uns immer im Blick haben. Besser wird es dann, als wir uns für eine Stunde an den Hotelpool verziehen und dort noch einen Kaffee zu uns nehmen. Fledermäuse schwirren über unsere Köpfe und aus dem Hotel klingt die Musik der Hochzeitsgesellschaft zu uns herüber. Da unsere Zimmer aber in den oberen Stockwerken liegen, haben wir dort wenigstens ein bisschen Ruhe.
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- Tag: 15.10.09, Quy Nhon – Nha Trang
Der Morgen begrüßt uns mit Sonnenschein und wir haben einen schönen Blick auf das naheliegende Meer. Der zweite Lichtblick des Tages ist dann auch das Frühstück. So eine reichliche Auswahl wie hier hatten wir bisher noch nicht. Mehrere Köche stehen für uns bereit um frische Omelettes oder Nudelsuppen in allen Variationen zuzubereiten. Diverse Wurst- und Käsesorten stehen zur Auswahl und man kommt nicht dazu alles zu probieren. Das ist mal ein gelungener Start in den Morgen.
Unser heutiger Tag ist relativ entspannt, es steht nur der Transfer nach Nha Trang auf dem Plan. Kaum sind wir aus der Stadt heraus, schon umgibt uns wieder das typische vietnamesische Landschaftsbild. Hier und dort stehen Palmen, dazwischen erstrecken sich große Flächen mit Reisfeldern. Farbtupfer stellen die Wasserbüffel dar, die immer wieder vereinzelt auf den Feldern zu sehen sind.
Mittagspause legen wir an einem Strand ein. Hier haben wir erstmal eine Stunde Zeit, um uns am Wasser zu entspannen. Duschen etc. gibt es hier nirgends, so dass wir alle darauf verzichten, baden zu gehen. Aber die Füße werden sofort ins Meer gehängt.
Eingesäumt von Felsen liegt hier ein unberührter Sandstrand. Und in den Felsen tummeln sich hunderte von Krebsen. Da steigt gleich der Hunger nach Meeresfrüchten.
Die Stunde vergeht wie im Flug und auch der Hunger macht sich langsam bemerkbar. Das Mittagsessen gibt es diesmal in der vietnamesischen Servierweise: Alle Schüsseln kommen auf den Tisch und jeder nimmt sich was er will. Dies wird den Touristen leider fast nie angeboten, aber wir haben es schon öfter in Garküchen bei Einheimischen gesehen. Die Portionen sind (wie fast immer) sehr reichlich und wir setzen die Fahrt pappsatt fort. Der weitere Weg führt immer wieder an der Küste entlang und gibt teilweise spektakuläre Blicke auf das Meer frei. In den Dörfern entlang der Küste kann man sehen, dass Fischfang die Haupteinnahmequelle ist. Auf großen Reisiggestellen werden sie dort überall an der Sonne getrocknet. Viele dieser Fische werden für die Produktion der Fischsoße (nuoc mam) verwendet. Eine dieser Fabriken besuchen wir jetzt. Im „Verkaufsraum“ kann man Flaschen in allen Größen erstehen. Von 100 ml bis hin zu Plastikflaschen mit mindestens 3 Litern Inhalt ist alles zu bekommen. In einer Vitrine sind alle möglichen Arten von Trockenfisch zu bestaunen. Umwerfend aber ist der Geruch, der hier herrscht. Die Soße wird gewonnen, indem man die Fische in einen Bottich gibt und mit Salz vermengt. Die Masse wird mit Steinen beschwert und dann ruht die Sache mal ein paar Monate. Das Salz entzieht den Fischen das komplette Wasser und die daraus resultierende Flüssigkeit ist die Fischsoße. Je älter und „gehaltvoller“ die Flüssigkeit in den Bottichen ist, umso grässlicher stinkt sie zum Himmel. Verwunderlich ist nur, dass die Soße wirklich gut schmeckt. Ich würde gerne ein Fläschchen mitnehmen, aber leider machen sie nicht den dichtesten Eindruck. Und Kleidung, die nach Fischsoße stinkt, brauche ich im Urlaub nicht wirklich.
Nun machen wir uns aber endgültig auf den Weg nach Nha Trang. Am Strand sehen wir verschiedene Fischerboote. Darunter auch runde, im Durchmesser vielleicht 2 Meter messende Nussschalen, mit denen die Fischer regelmäßig aufs Meer fahren. Sicher schauen die nicht aus, aber anscheinend erfüllen sie ihren Zweck.
Kurz darauf fahren wir schon in die Stadt Nha Trang ein. Entlang der langen Uferpromenade geht es ins Touristenviertel. Rechts der Straße reihen sich Hotels und Restaurants auf wie an einer Perlenkette. Und links liegt der Strand, allerdings komplett verwaist. Die Wirtschaftskrise und der Taifun vor 2 Wochen haben die Touristenzahlen extrem zurückgehen lassen. Mehrere Hotels haben komplett geschlossen und auf den Straßen sieht man so gut wie keine Europäer.
Wir beziehen unser Hotel unweit des Strandes, in einer schönen, ruhigen Seitenstraße. Nachmittags schlendern wir etwas am Strand entlang und am Abend treffen wir uns zum gemeinsamen Abendessen. Entlang der Promenade lachen uns die verschiedensten Restaurants an, aber wir gehen es heute mal ganz urig an. Am Straßenrand sitzt eine Fischerin und bietet frische Tigerprawns, Krebse sowie Hummer an, daneben glüht unter einer Palme ein Grill. Der Preis für die Tigerprawns ist unschlagbar. Das Stück kostet einen Dollar! Schnell einigen wir uns darauf, dass wir alle haben wollen. Um die Ecke in einer Hofeinfahrt stehen dann auch schon die Plastikstühle und der Tisch für uns bereit. Daneben ein Kübel mit Eis und Bier. Was braucht man mehr? Aus der Hecke neben der Straße zieht unsere Köchin dann noch mehrere Teller mit diversen Kräutern und macht uns daraus eine Mischung für die gegrillten Meeresfrüchte. Frisch vom Grill mit Kräutern und Salz schlemmen wir wie die Gourmets. Trotzdem gehen wir im Anschluss noch in ein Restaurant und schlagen hier nochmals zu. Dazu wieder das obligatorische Tiger Bier, da kann man es sich doch gut gehen lassen.
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- Tag: 16.10.09, Nha Trang
Heute ist erstmal ausschlafen angesagt. Zwei freie Tage stehen auf dem Programm und wir wollen uns noch zusammen die Thap Ba Ponaga Chamtürme ansehen. Das Wetter ist eher mittelmäßig, etwas Sonne, aber auch immer wieder Regenschauer. Doch bei 30 Grad macht Regen nicht so viel aus.
Wir sind ohne Bus unterwegs und laufen die knapp 3 Kilometer an der Uferpromenade entlang. Hier herrscht relativ wenig Verkehr und es geht weitgehend geordnet zu. Am Rand des Hotelviertels sieht man die Slums der Fischer, die in ärmsten Verhältnissen hausen. Wellblechhütten kleben am Ufer des Flusses und des Strands, dazwischen liegen ihre Boote und die zum trocknen ausgelegten Fische. Und über diese Kulisse ragen die Türme von Thap Ba Ponaga in der Ferne auf. Noch schnell über die Brücke und schon sind wir da. Aber leider nicht nur wir, sondern auch ca. 20 Busse eines Kreuzfahrtschiffes, das heute angelegt hat. Hier kann man Massentourismus in seiner Reinform erleben. Guides mit Schildern in der Hand führen schnell Gruppen mit 30 Leuten durch das Areal. Schuhe ausziehen bei den Tempeln gibt es nicht und jeder zweite hat ein Regencape an. Die Preise für Getränke und Eis sind auch gesalzen, wobei hier der Kreuzfahrttourist so richtig abgezockt wird. Ein Beispiel: Ein Eis kostet 2 Dollar, ich habe dafür aber nur 25.000 Dong (1 Dollar) bezahlt. Aber wer tauscht schon sein Geld in einheimische Währung, wenn er nur einen Tag im Land verbringt.
Die verschiedenen Türme sind recht ansehnlich, in mehreren befinden sich auch buddhistische Tempel. Vor dem Besichtigen müssen wir natürlich die Schuhe ausziehen, um dann in einen schwülen, mit Räucherstäbchen verqualmten, engen Raum zu kommen, in dem eine große Buddhastatue den größten Teil einnimmt. Daneben sitzt eine alte Frau vollkommen ins Gebet versunken, die keinerlei Kenntnis von uns nimmt.
Ohne die Massen und den damit verbundenen Geräuschpegel wäre die Besichtigung bestimmt angenehmer gewesen, aber wir haben sie ja überstanden. Am Strand entlang schlagen wir dann wieder den Weg zurück ins Hotel ein. Ein bisschen werden die Füße ins Wasser gehalten, aber da der Taifun den ganzen Meeresgrund aufgewühlt hat, sehen die Wellen eher einer Dreckbrühe ähnlich als einer Einladung zum Baden.
Den restlichen Tag verbringen wir mit dem Sortieren und Zuordnen der Fotos. Am Abend flanieren wir etwas durch das Vergnügungsviertel und kehren in ein kleines Restaurant ein, das etwas ruhiger liegt und uns nicht gleich mit ohrenbetäubender Musik oder dem Angebot „Hamburger und Pizza“ empfängt. Wir sind die einzigen Gäste und unterhalten uns ganz gut mit der Besitzerin. Nach dem Servieren setzt sie sich an den Nebentisch und öffnet ein Glas mit kleinen, grünen Früchten. Wir schauen etwas neugierig und sofort steht sie auf und und bietet uns an, sie zu probieren.. Alle schauen etwas skeptisch und ich muss natürlich als Erster zugreifen. Der Geschmack lässt sich schwer beschreiben, leicht säuerlich und ein bisschen nach Gurke, Aubergine. Ein deutsches Wort dafür gibt es nicht, auf Vietnamesisch heißt die Frucht „coc“. Wieder was dazugelernt, Neugier zahlt sich eben aus.

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- Tag: 17.10.09, Nha Trang
Unser zweiter freier Tag empfängt uns mit bewölktem Himmel und Regen. Deshalb lassen wir es erstmal gemütlich angehen und frühstücken etwas ausgiebiger. Da sich das Wetter aber anscheinend nicht bessern will, packen wir unsere Regenklamotten ein und düsen los. Keine 100 Meter weiter stellen wir fest, dass Regenklamotten bei knapp 30 Grad definitiv nicht die beste Lösung sind. In null Komma nix bin ich durchgeschwitzt und will nur wieder raus aus dem Zeug. Wie überall in Vietnam säumen kleine Läden die Straße und hier werden wir auch fündig nach einem Regenschirm. Ein Import aus China für einen Dollar ist gerade gut genug für uns. Nur gut, dass wir zu Hause bestimmt 15 weitere Regenschirme haben.
Versehen mit einem Stadtplan machen wir uns auf den Weg Richtung Innenstadt, weg vom beschaulichen Strand, hinein in das vietnamesische Verkehrschaos. Wie selbstverständlich überqueren wir vielbefahrene, vier- und sechsspurige Straßen, schlängeln uns durch den fließenden Verkehr, als hätten wir nie etwas Anderes getan. Man gewöhnt sich echt schnell daran.
Über eine Nebenstraße treffen wir auf eine der Hauptstraßen der Stadt. Im krassen Gegensatz zum Grau des Wetters und der Umgebung sticht eine kleine Bäckerei mit ihren farbenfrohen Kuchen heraus. Da ist es naheliegend, dass wir die Auslage näher betrachten müssen. Es gibt zig verschiedene kleine Kuchen und Gebäckstücke in allen erdenklichen Farben und eine kleine Auswahl wird gleich mitgenommen. Ein Zuckerschock ist vorprogrammiert.
Keine 200 Meter weiter ist auch schon die angestrebte Long Son Pagode. Für die Besichtigung fällt laut Reiseführer kein Eintrittsgeld an, aber die geschäftigen Mädels vor Ort wollen uns weismachen, dass wir dafür Postkarten kaufen müssten. Aber Hartnäckigkeit zahlt sich aus und wir wimmeln mit der Zeit alle ab. Der Pagode vorgelagert ist ein schöner Platz mit verschiedenen Statuen und Blumen. Aber interessanter ist der Aussichtsplatz etwas weiter oberhalb (Dort trohnt ein großer, weißer Buddha, der weithin sichtbar ist. Über glitschige Treppen, vorbei an einer Glocke, die von einer Nonne geschlagen wird, erklimmen wir die Plattform. Zusammen mit uns schwirrt eine vietnamesische Schulklasse herum. Sobald wir stehen bleiben, schleichen sich ein paar Jungs und Mädels an und versuchen möglichst unauffällig ihre Haut mit der unsrigen, hellen zu vergleichen. Aber das Kichern trägt nicht dazu bei, unauffällig zu wirken. Wir lassen uns davon nicht stören und schauen uns noch die kleine Pagode innerhalb des Buddhas an. Draußen werden wir schon wieder von der Klasse erwartet.

Auf dem Weg zurück zum Eingang finden wir noch einen riesigen, liegenden Buddha, der sehr schön gearbeitet ist. Weitere Sehenswürdigkeiten sind eher rar und so haben wir uns nur noch die Kathedrale von Nha Trang vorgemerkt. Da die Bäckerei auch wieder auf dem Weg liegt, wird gleich noch mal Nachschub gekauft, damit der Zuckerspiegel nicht absinkt. Die Kathedrale ist wenig beeindruckend, sieht eben aus wie jede andere Kirche auch. Einzig auffällig sind die Ventilatoren, die über jeder Sitzreihe angebracht sind.
Da es erst Mittag ist, wollen wir noch zum Hafen schauen. Den Weg dorthin schlendern wir am Strand entlang. Unterwegs kommen wir an verschiedenen geschlossenen Hotels und Restaurants vorbei. Es ist wirklich nicht viel los. Am ganzen Strand sehen wir vielleicht 60 Leute, was aber auch am Wetter liegen kann. Es ist weiterhin bewölkt und immer wieder fällt etwas Regen. Ganz bis zum Hafen kommen wir nicht, da eine eklige Brühe quer über den Strand Richtung Meer fließt und wir keine Lust haben, durch diese Suppe zu laufen. Auf dem Rückweg stoppen wir in einem der wenigen geöffneten Restaurants. Hunger habe ich keinen und so begnüge ich mich mit einem Kaffee und einem besonderen Eis: Durianeis. Gleich eins vorneweg: Der Geschmack ist äußerst gewöhnungsbedürftig und verfolgt mich noch den gesamten Nachmittag. Wollte ich probieren, brauch ich aber nicht mehr. Den restlichen Tag verbringen wir mit faulenzen, am Abend gehen wir nochmals gut und lecker Essen. Nach diesen beiden ruhigen Tagen werden wir den morgigen Tag wieder länger im Bus verbringen, da es weitergeht, nach Saigon.
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Sobald wir stehen bleiben, schleichen sich ein paar Jungs und Mädels an und versuchen möglichst unauffällig ihre Haut mit der unsrigen, hellen zu vergleichen. Aber das Kichern trägt nicht dazu bei, unauffällig zu wirken. Wir lassen uns davon nicht stören und schauen uns noch die kleine Pagode innerhalb des Buddhas an. Draußen werden wir schon wieder von der Klasse erwartet.
....mir ist es mehrfach passiert, dass kinder und jugendliche auf mich zukamen,
mir ganz höflich die hand gaben und sehr freundlich fragten, ob sie sich wohl
etwas auf englisch mit mir unterhalten könnten. ihre lehrerin hätte ihnen das geraten.
das waren sehr nette gespräche, begleitet von lachen und gesten, wenn der wortschatz
mal nicht ausreichte.
welch großartige visitenkarten für ihr land diese jungen leute doch sind ! -
- Tag: 18.10.09, Nha Trang – Saigon (Ho-Chi- Minh-Stadt)
Pünktlich zur Abreise wird das Wetter wieder besser und die Sonne kommt zwischen den Wolken durch. Gut gelaunt und wohlgenährt machen wir uns auf den Weg.
Nach ca. 2 Stunden Fahrt kommen wir an einem schönen Chamturm vorbei und halten an. Das Gelände ist abgesperrt, da die Restaurierungsarbeiten noch nicht abgeschlossen sind. Etwas gutes Zureden und eine kleine Aufmerksamkeit später sind wir dann doch drin und haben die Möglichkeit, die Sache etwas näher zu betrachten. Eine grandiose Landschaft bildet einen schönen Hintergrund, der Turm setzt das Highlight. Da muss der Fotoapparat gezückt werden.
Es geht weiter und schon bald steht der nächste Stopp an: ein wunderschöner Strand bei strahlend weißem Himmel. Die Wellen sind recht hoch, so dass man nicht ins Wasser kann, aber hier wären sogar wir schwach geworden. Es werden schnell noch ein paar Muscheln gesammelt und schon schwingen wir uns wieder in den Bus, um eine Drachenfrucht-Plantage anzusteuern. In Vietnam wachsen zwei verschiedene Sorten mit weißem oder rotem Fruchtfleisch. Im Gegensatz zu den bei uns erhältlichen Früchten, haben diese reifen Früchte sogar einen Eigengeschmack. Drachenfrüchte sind Kakteengewächse und werden hier in riesigen Plantagen angebaut. Am Verkaufsstand sind Berge davon aufgestapelt und wir dürfen frisch geerntete Früchte probieren. Außerdem gibt es noch verschiedene Kekse und Süßigkeiten der Region und auch hier werden wir unser Geld los.
Zwischendurch platzt noch ein Reifen, aber das Problem wird schnell behoben, da wir nebenan gleich zum Essen einkehren. Das Restaurant ist auf viele Gäste ausgelegt, aber heute sind wir anscheinend die einzigen. Das Essen kommt schnell und ist lecker, der Ausblick ist schön direkt aufs Meer, was will man mehr?
Wieder zurück auf der Straße begegnen wir den unterschiedlichsten Tiertransporten, u. a. wieder Schweinen und Enten in Körben auf den kleinen Mopeds. Eigentlich ist für heute Nachmittag noch die Stadtbesichtigung in Saigon angesetzt, aber nachdem der Verkehr immer dichter wird, müssen wir einsehen, dass wir das leider auf den nächsten Tag verschieben müssen. Eine einzige, lange Kolonne von Bussen und LKWs schiebt sich auf die Stadt zu, links und rechts werden wir ununterbrochen von wild hupenden Mopeds überholt. Verkehrschaos à la Vietnam. Dieses Chaos verlassen wir erst wieder 3 Stunden später, als wir am Hotel ankommen. Schnell das Zimmer beziehen und dann gleich wieder raus ins Getümmel. Unweit unseres Hotels liegt der Ben Than Markt und ab 18 Uhr öffnet in der Nähe ein Nachtmarkt seine Pforten. Dieser umfasst alle nahegelegenen Querstraßen, umschließt den geschlossenen Ben Than Markt, und auch die Straße direkt vor unserem Hotel.
Zum Essen gehen wir nur um die Ecke ins „Pho 2000“. Ein Schnellrestaurant, in dem schon Bill Clinton zu Gast war. Davon zeugen auch mehrere Fotos an den Wänden.
Zum Abschluss wird noch der Nachtmarkt unsicher gemacht, da vor 24 Uhr eh mit wenig Ruhe zu rechnen ist. Solange dauert der Markt und damit auch die Geräuschkulisse.
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- Tag: 19.10.09, Saigon (Ho-Chi-Minh-Stadt)
Da wir gestern etwas länger auf der Straße unterwegs waren, steht heute die Stadtbesichtigung an. Deshalb müssen wir leider auf den Besuch von Cu Chi, die berühmten Tunnel der Vietcong, verzichten.
Wir werfen uns gleich zu Beginn in den allmorgendlichen Berufsverkehr und fahren zum Rathaus, vorbei an allen möglichen Botschaften. Das Rathaus ist im französischen Stil gebaut, wie viele Gebäude in der Stadt. Um einen kleinen Rundblick auf die nähere Umgebung zu bekommen, entern wir einfach schnell das nebenan liegende Nobelhotel und fahren mit dem antiken Aufzug zur Terasse hoch. Vorbei an zahlungskräftigen Nobeltouristen, die wir beim Frühstücken aufschrecken, streben wir der Brüstung entgegen und müssen einfach zugeben, der Blick von hier oben ist ... langweilig. Man sieht das Rathaus von oben, einen Teil der Hauptstraße und das war´s.
Da laufen wir dann lieber weiter zur Oper, durch immer dichter werdenden Verkehr. Hier staut sich alles und die Mopeds weichen schon auf den Fußweg aus. Frank (aus unserer Reisegruppe) meint, er müsste einen dieser Rollerfahrer belehren, was aber nicht von Erfolg gekrönt ist.
Zur Kirche Notre Dame fahren wir mit dem Bus, da die Entfernungen in dieser Großstadt teilweise enorm sind. Der Name und die Bauweise lassen nur einen Schluss zu: Die Franzosen haben sich hier ausgetobt. Die Madonna im Inneren mit ihrem Neon-Heiligenschein stammt aber definitiv von den Vietnamesen.
Gegenüber der Kirche liegt die Hauptpost, die von Gustav Eiffel mit entworfen wurde.
Nächste Station ist der Wiedervereinigungspalast, in dem der Vertrag zum Zusammenschluss von Nord- und Südvietnam unterschrieben wurde. Der quadratische Bau ist typisch für den Sozialismus.
Etwas Handwerkskunst muss auch bestaunt werden und wir fahren zu einer der vielen Lackfabriken des Landes. Hier werden teilweise sehr hochwertige Arbeiten hergestellt. Die Palette erstreckt sich von Tabletts, über Flaschenhalter, Untersetzer hin zu Bildern und Möbeln. Die besten Arbeiten bestehen aus bis zu 100 Lackschichten, die jeweils eine Woche zum Trocknen benötigen. Die Bilder entstehen aus Perlmutt oder Eierschalen, die auf das Bambusholz aufgeklebt werden. Für die Möbel kann man auch gerne mal mehrere Tausend Dollar hinblättern.
Nun aber hinein ins chinesische Viertel. Der Tempel Hoi Quon Tue Thanh ist einer der schönsten hier. Dessen Giebel sind komplett mit kleinen, mythologischen Figuren verziert. Der freie Innenraum riecht nach Räucherstäbchen, die hier zu hunderten abgebrannt werden. Es gibt auch Monatsräucherspiralen, die an der Decke hängen und wirklich bis zu 30 Tage brennen. Hier lassen wir auch unsere Wünsche zurück und hoffen, dass sie in Erfüllung gehen.
Der chinesische Markt ist ein Großmarkt, auf dem sich die anderen Händler mit Waren eindecken. Davor zieht noch schnell eine laute Prozession vorbei, die zu einem Begräbnis unterwegs ist. In den Hallen des Marktes herrscht großes Gedränge und eine ohrenbetäubende Geräuschkulisse. Es fängt an zu regnen, sofort werden überall Planen gespannt und dann geht das Treiben munter weiter. Hier wird so gut wie alles gehandelt: Obst, Gemüse, Trockenfisch, Einlagen für Reisschnaps, getrocknete Seegurken. Inmitten des Marktes lassen wir uns dann kulinarisch verwöhnen. An einem der Suppenstände gönnen wir uns eine Suppe mit Fisch und Fleischeinlage. Günstig und richtig authentisch.
Den Nachmittag haben wir zur freien Verfügung und so schauen wir uns das Kriegsmuseum an. Schon der Innenhof empfängt einen mit Panzerhaubitzen und alten Hubschraubern der Amerikaner. Im Innenraum sind dann Bilder des Kriegsverlaufs, verschiedene Waffen und nüchterne Zahlen über Bombenabwürfe und Verluste der jeweiligen Seite zu sehen. Bedrückend sind die Bilder der Dioxinopfer. Millionen Liter des hochgiftigen Pflanzengifts „Agent Orange“ wurden im Krieg über Vietnam versprüht und damit auch mehr als hundert Kilo Dioxin. Alleine ein Gramm davon kann tausende Menschen vergiften und sogar töten. Durch das Essen und das Wasser nahmen und nehmen die Menschen teilweise immer noch die Giftstoffe auf. Folgen davon sind missgebildete Kinder, die auch heutzutage noch geboren werden. Dieses Erbe wird das Land noch einige Zeit verfolgen.
Zum Abendessen wollen wir in ein Restaurant, das Anthony Bourdaine (ein Koch der durch die Welt reist und landestypische Spezialitäten vorstellt) als eines der besten der Stadt empfohlen hat. Nach 30 Minuten durch Quergassen und Parks stehen wir vor dem Laden und müssen feststellen, dass er geschlossen hat, wegen Umbau. Also machen wir uns wieder auf den Weg zurück und kommen nochmals an der Oper vorbei. Genau gegenüber liegt das Café Givral, das durch einen Roman relativ berühmt wurde. Hier treffen wir Ulla und beschließen, gemeinsam ein Restaurant zu suchen. Nach längerem Stöbern in unseren Reiseführern gehen wir los und müssen zum zweiten Mal heute Abend feststellen, dass wir einfach kein Glück haben. Dieses Restaurant gibt es gar nicht mehr.
Unsere Suche endet dann in der Nähe unseres Hotels in einem Restaurant, das Barbecue anbietet. In jedem Tisch ist ein Grill eingebaut und man kann gemütlich vor sich hingrillen. Das tun wir auch ausgiebig und so können wir den Abend doch noch gemütlich ausklingen lassen. Die Suche nach einem Cocktail wird dann aber doch eher die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, denn wir finden keine einzige Bar mit einem entsprechenden Angebot. Auch die nett gemeinten Hinweise so mancher Restaurantbesitzer stellen sich als wenig erfolgversprechend heraus und so schlendern wir dann ohne Cocktail noch etwas durch den Nachtmarkt, bis wir fertig in unsere Betten fallen.
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- Tag: 20.10.09, Mekong Delta
Auf geht´s zur Lebensader von ganz Südostasien: dem Mekong Delta. Es fließt durch Laos, Burma, Kambodscha und Vietnam. Und wir wollen heute Abend eine Nacht bei einer einheimischen Familie in deren Haus verbringen.
Zuvor steht uns aber wieder der Verkehr der Stadt im Weg. Wir kämpfen uns hupend durch die Massen an Mopeds und kommen so dem Rand der Stadt langsam aber sicher näher. Kurz außerhalb machen wir Halt bei der Thanh That Ben Cuc Pagode, die der Cao Dai Sekte gehört. Hier erschlägt einen die Fülle an Farben beinahe. Das allgegenwärtige ********** springt uns gleich ins Auge, wobei dies in der hiesigen Kultur einfach ein Sonnensymbol darstellt. Die Pagode selbst ist größtenteils in Blau gehalten, die Verzierungen in Gelb, Grün und Rot. Diese vier Farben spiegeln sich auch in den Roben der Priester wider.
Auf unserem Weg nach Cai Be, dem Ort, an dem wir unser Schiff betreten werden, hält unser Bus noch an einem Restaurant. Dort kann, wer will, sich noch stärken. Wir lassen das lieber sein und schauen uns die Anlage an. Ganz nett, aber halt eine Touristenfalle, an der anscheinend alle Busse halten müssen. Wir sind auch ganz froh, als wir wieder weiterfahren.
Nach kurzer Zeit erreichen wir dann auch endlich den Mekong. Eine braune Brühe wälzt sich da Richtung Meer und darauf herrscht reger Verkehr. Alle Arten von Schiffen kreuzen unseren Weg, vom kleinen Fischerboot bis hin zu großen Frachtern. Eines haben fast alle Boote gemeinsam: zwei große Augen am Bug des Schiffes. Diese Augen sollen dem Glauben nach die bösen Wassergeister fernhalten. Klappt anscheinend, denn uns ist nix passiert.
Links und rechts am Ufer reihen sich Häuser an Fabriken, das tägliche Leben ist vom Strom geprägt. Die Häuser stehen auf Stelzen und oft kann man einen Blick in das Innere der einfachen Behausungen werfen. Auch die Wege so manches Bedürfnisses können eindeutig nachvollzogen werden. Rechter Hand taucht eine Ziegelei auf und wir steuern zielbewusst darauf zu. Kurz zuvor kreuzt uns noch eine Fähre, die brechend voll mit Mopeds und deren Fahrern beladen ist.
Die Ziegelei brennt zum einen die normalen Ziegel, zum anderen aber auch Tongefäße und Zierfiguren für den Garten. Die Brennöfen werden mit Reisspelzen geschürt, so wird von dieser Pflanze so gut wie alles verarbeitet. Alles in allem eine nette Abwechslung, aber so richtig sehenswert war das nicht.
Interessanter ist da schon die jetzt angesteuerte Baumschule. Dort werden viele verschiedene Pflanzen und Bäume angebaut, um sie auf dem Markt zu verkaufen. Hier kann man auch mal die Durians, Jackfruits und Sternfrüchte sehen, wenn sie noch am Baum hängen. Faszinierend ist auch die Bananenblüte, da wir mit ihr am Abend einen Salat zubereiten werden. Am Ende unseres Rundganges erwartet uns noch eine kleine Folkloreeinlage. Versüßt wird uns diese recht leidenschaftslos vorgetragene Vorführung durch Kostproben von Pomelos, Jackfruits und Longans.
Wir verabschieden uns und fahren auf den Mekong weiter Richtung unserer Insel. Auf schmalen Nebenkanälen des Flusses schlängeln wir uns durch dichte Vegetation und müssen kleineren Schiffen öfters Platz machen. Irgendwann geht es nicht mehr weiter. Wir steigen aus und legen den restlichen Weg zu unserem Mittagsaufenthalt zu Fuß zurück. Dank den Gezeiten fällt der Pegel des Flusses mittags so stark, dass die kleinen Kanäle fast austrocknen und man zu einem zwei- bis dreistündigen Stopp gezwungen ist. Aber da sich der Magen eh durch häufiges Knurren meldet, kommt uns der Aufenthalt gerade recht. Wir marschieren an kleinen Bauernhöfen vorbei und kommen nach 15 Minuten an dem beschaulichen und gemütlichen Restaurant an. Zur Begrüßung erwartet uns schon eine große Flasche mit dem berühmt berüchtigten Schlangenschnaps. Das Gefäß fasst locker 10 Liter und auch die eingelegte Schlange ist nicht von schlechten Eltern. Knapp einen Meter wird die bestimmt haben. Aber bevor wir uns an diese Leckerei machen, essen wir erstmal leckere gebratene Nudeln mit diversen Fleischbeilagen.
Nach dem Essen werfen wir uns in die rundherum angebrachten Hängematten und wagen uns zögerlich an den Schnaps. Er schmeckt ganz gut und man kann nur ein paar Kräuter ausmachen, Schlange hat man nicht geschmeckt. Bevor es weitergeht, hängen wir hier erst noch ne knappe Stunde ab und lassen die Seele baumeln.
Ohne weitere Unterbrechung fahren wir zu unserer Insel, auf der wir bei einer einheimischen Familie übernachten. Auf unserem letzten Stück zu Fuß rennen uns mehrere Kinder ganz aufgeregt nach. Wir laufen an mehreren Familienbetrieben vorbei, welche die überall wachsenden Longans trocknen und von den Kernen befreien. Die anfallende Schale wird gleich wieder zum Schüren verwendet. Das Haus unserer Familie ist eines der ältesten in der Gegend und besteht schon seit gut 150 Jahren. Die Einrichtung ist größtenteils noch erhalten und strahlt ein schönes, antikes Flair aus. Unsere Übernachtungsgelegenheit ist da schon eher zweckdienlich. Wir sind in einem großen Raum untergebracht, der an die 10 Betten enthält. Wobei Betten übertrieben ist. Es handelt sich um normale Tische, auf die eine Matratze und ein Leintuch gelegt worden sind. Die nötigen Moskitonetze sind über jedem der „Betten“ angebracht, damit man die Nacht zumindest ohne Plagegeister verbringen kann. Es gibt auch eine Honeymoon Suite, die wir beide beziehen dürfen. Hier herrscht schon fast Luxus, da man eine Tür zum anderen Raum hat. Die Dusche gleich nebenan ist dagegen eher gewöhnungsbedürftig. Ein weiß gekachelter Raum mit WC, Waschbecken einem Duschkopf und einer großen Regentonne. Aber auf dem Areal sind noch weitere Duschmöglichkeiten, die etwas vertrauenserweckenden aussehen.
Am Abend haben wir unseren Kochkurs, der daraus besteht, Frühlingsrollen zu drehen, Kürbisblüten zu füllen und einen Salat aus der Bananenblüte zu kredenzen. Den Rest erledigt die Frau des Hauses. Und das ist eine ganze Menge. Zu Beginn gibt es eine leckere Gemüsesuppe, gefolgt von unseren mit Hackfleisch gefüllten Kürbisblüten und den Frühlingsröllchen. Im Anschluss folgt gegrillter Pangasius und frische Tigerprawns. Den Abschluss bildet ein Obstsalat, den aber eigentlich niemand mehr braucht, da man schon nach den Frühlingsröllchen restlos satt war. Den restlichen Abend verbringen wir zusammen mit unserem Reiseleiter Thang, der uns seine bisherigen Videoaufnahmen unserer Reise vorführt. Dabei probieren wir vietnamesischen Wein, der geschmacklich nicht überragend, dafür aber umso süffiger ist.
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- Tag: 21.10.09, Mekong Delta - Saigon
Hart, härter, unser Bett... So in etwa kann man die Beschaffenheit der Matratzen am besten beschreiben. Wie viel erholsamen Schlaf wir diese Nacht hatten, lässt sich auch ganz gut davon ableiten. Aber nach einer Katzenwäsche sieht das alles schon wieder besser aus. Beim Frühstück können wir dann aus vollen Zügen die verschiedensten Früchte genießen und uns für die Fahrt zu den schwimmenden Märkten stärken.
Schnell noch alles zusammenpacken und dann sind wir schon wieder auf dem Weg zu unserem Boot. Wir tuckern die Seitenarme des Mekong entlang, bis wir wieder auf den Hauptstrom treffen. Den schwimmenden Markt erkennt man schon von weitem, da er aus vielen großen Booten besteht, die alle ihre Produkte feilbieten. Aus der Ferne sieht man schon die dargebotenen Waren an langen Bambusstangen gen Himmel ragen. Die kleineren Boote der verschiedenen Bauern und Händler runden das geschäftige Treiben ab. Wir kurven zwischen den schwimmenden Ständen herum und lassen die Eindrücke auf uns wirken. Wie überall im Land herrscht rege Betriebsamkeit und keiner kommt wirklich zur Ruhe. Und die kleinen Boote mit ihren Außenbordmotoren tragen das ihrige dazu bei, dass man das Gewusel auch hört.
Unweit des Marktes legen wir am Ufer an und steuern auf eine kleine, unscheinbare Hütte zu. An der Straße werden Reiscracker mit Sesamsamen verkauft. In der Hütte haben wir die Möglichkeit, bei der Produktion von Reispapier zuzusehen. Diese eintönige Arbeit wird von zwei Arbeiterinnen ausgeführt. Eine sitzt vor einem großen Topf, in dem Wasser kocht und über den ein Leintuch gespannt ist. Darauf wird die wässrige Reisstärkemasse dünn aufgetragen. Diese wird durch das 12-stündige Einweichen von Reis gewonnen. Durch den Wasserdampf gart die aufgestrichene Reismasse dann innerhalb von 30 Sekunden komplett durch. Danach werden die Reisfladen auf Bastmatten gelegt und in der Sonne getrocknet.
Ein Stück weiter können wir ein paar zierlichen Vietnamesinnen beim Herstellen der leckeren Kokosbonbons zusehen. Die zähe, zuckrige Kokosmasse wird zu langen, dünnen Schnüren geknetet und dann in kleine Stücke geschnitten. Anschließend verpacken die Mädels jedes einzelne Bonbon von Hand in hauchdünnes Reispapier. Eine Wahnsinnsarbeit für einen recht kargen Lohn. Aber zumindest ein Päckchen dieser Bonbons findet den Weg in meinen Rucksack.
Letzte Station dieser Leckereien-Tour ist ein kleiner Hof, in dem Puffreis hergestellt wird. Dazu erhitzt ein Arbeiter in einem großen Kessel eine Menge Sand. Nach einiger Zeit wird dem Sand Kokosfett beigemischt und weiter eingeheizt. Wenn der Sand die optimale Temperatur erreicht hat, wird der Reis hinzugefügt. Nach kurzem Rühren poppt die ganze Masse innerhalb von ein paar Sekunden zu Puffreis auf. Mit einem Sieb wird der Reis von Sand und Spelz getrennt und gleich weiterverarbeitet zu gesüßtem Puffreis oder zu Barren mit Nüssen, Beeren etc. Natürlich darf ein kleiner Verkaufsstand nicht fehlen, aber wir widerstehen der Versuchung
Nach diesen leckeren Eindrücken und bepackt mit mehreren frischen Süßwaren, besteigen wir unseren Bus und machen uns auf den Weg zur ,in dieser Region sehr berühmten, Schlangenfarm. Hier werden alle möglichen Giftschlangen gehalten und auch gemolken, um die wichtigen Gegenmittel gegen Schlangenbisse zu erhalten. Angegliedert ist auch eine Klinik, die auf die Behandlung von Schlangenbissopfern spezialisiert ist. (neue Zeile)
Hier schauen wir uns zuerst eine Dokumentation der Farm an, die auch ein paar anschauliche Beispiele der Opfer von Schlangenattacken/Schlangenbissen enthält. So ein Biss ist wirklich kein Spaß. Gleich nach Ende des Films gehen wir zum Restaurant und fragen nach, ob es möglich wäre, Schlange zu essen. Keine zwei Minuten später hält der Koch ein Exemplar in die Luft und wir haben uns entschieden: Die soll es sein. Im Anschluss können wir uns frei im Gelände bewegen und uns den angegliederten Zoo ansehen. Wobei „Zoo“ doch etwas übertrieben ist. Die armen Tiere hausen in engen Käfigen, die keinerlei Schutz vor der stechenden Sonne bieten und auch keine Möglichkeit, um sich irgendwie zu beschäftigen. Die Affen, Enten, Bären etc. vegetieren vor sich hin und sehen auch ziemlich heruntergekommen aus. Warum eine Schlangenfarm einen eigenen Zoo haben muss, bleibt uns schleierhaft.Zurück im Restaurant werden wir schon von den leckeren Düften aus der Küche umweht. Als Einstimmung stehen auf unserem Tisch zwei Gläser, die zum einen Schlangenblut und zum anderen die Galle des Tiers enthalten. Na Danke! Aber in Vietnam werden diese beiden Flüssigkeiten zum Erhalt der Potenz gerne getrunken. Ich denke, es wird in Zukunft auch ohne klappen. Aber da kommt auch schon der Koch um die Ecke und als ersten Gang bekommen wir Schlangenhackfleisch serviert. Lecker gewürzt schmeckt es ganz gut, aber nicht außergewöhnlich. Der zweite Gang besteht aus einer Suppe, in der die restliche Schlange komplett verarbeitet wurde. Kleine Fleischstücke wechseln sich mit Stückchen der Leber und größeren Hautstücken ab. Das Fleisch schmeckt recht neutral und die Haut ist einfach nur gummig. Also nicht wirklich ein wahrer Genuss. Aber versuchen wollten wir es und jetzt sind wir eine Erfahrung reicher. Der Nachtisch ist dann doch recht bizarr: Es werden frittierte Schlangenknochen gereicht. Schmecken nach nichts, aber sind recht kross gebraten und werden ähnlich wie Chips nebenzu geknabbert.
Auf dem Rückweg nach Saigon halten wir noch an der Vinh Trang Pagode, in der als besonderes Wahrzeichen ein riesiger, weißer Buddha im Tempelvorhof steht.. Bei brütender Hitze schlendern wir durch den sonnigen Garten und Vorhof und bestaunen das Bauwerk. Aber wir sind auch froh, als wir nach 15 Minuten wieder in den klimatisierten Bus dürfen. Kurz vor der Stadtgrenze halten wir nochmals an und bestaunen in einem Wassergraben hunderte von Lotusblüten. Zu dieser Jahreszeit sind sie recht selten, da sie eigentlich schon verblüht sind.
Am Abend unternehmen wir zum Abschied noch eine kleine Hafenrundfahrt, die sich eher als Touri Nepp herausstellt. Die Fahrt ist kostenlos, aber man muss an Bord etwas Essen, was einem zu sehr teuren Preisen angeboten wird. Auf der Rechnung erscheint dann auch noch ein Extraposten, mit dem man die kostenlose Fahrt dann doch wieder irgendwie verrechnet. Die Fahrt an sich ist recht schön und man kann einen schönen Blick auf die beleuchtete Skyline Saigons werfen. Leider haben wir während unseres Aufenthalts in Saigon keine Zeit gehabt, die berühmten Tunnel von Cu Chi zu besuchen. Wieder ein Grund mehr, eventuell nochmals zurück zu kommen.
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- Tag: 22.10.09, Saigon – Grenze – Phnom Penh
Heute nun ist der Tag des Abschieds gekommen. Wir steuern mit unserem Bus unaufhaltsam in Richtung kambodschanische Grenze. Etwas Wehmut macht sich breit, da wir ein faszinierendes und interessantes Land hinter uns lassen. Aber wir sind natürlich genauso auf die neuen Eindrücke von Kambodscha und speziell Angkor Wat gespannt. Auf der vietnamesischen Seite verabschieden wir uns von Fahrer und Reiseleiter und marschieren zügig zum Ausreiseschalter. Allerdings ist hier erstmal Warten angesagt, da andere Menschen sich mit allen möglichen Pässen an uns vorbei drängeln und wir der Landessprache nicht wirklich mächtig sind. Aber mit etwas Geduld und einem energischen Hinlegen der Pässe sind wir dann doch irgendwann durch die Kontrolle durch. Zu Fuß geht es weiter durchs Niemandsland zwischen den beiden Ländern und auf der anderen Seite werden wir schon von unserem kambodschanischen Reiseleiter empfangen. Hier wieder das übliche Prozedere mit massig Anträgen ausfüllen, Visum bezahlen, Gesundheitscheck machen etc.
Nach gefühlten Stunden sind wir durch alle Kontrollen durch und fahren auf wesentlich weniger befahrenen Straßen auf, zu neuen Zielen. Zum Mittagessen halten wir an einem kleinen Restaurant am Straßenrand und hier fällt uns schon ein großer Unterschied zu Vietnam auf: Die Menschen in Kambodscha essen nicht mit Stäbchen, sondern alles wird mit Gabel und Löffel zu sich genommen. Lecker ist es allemal und fast genauso günstig wie in Vietnam.
Auf unserem Weg nach Phnom Penh steht als Zwischenstopp der Besuch einer dörflichen Schule auf dem Programm. Unser Reiseveranstalter „World Insight“ hat dieser Schule ein Unterrichtsgebäude finanziert und stattet deshalb bei jeder Reise dem Dorf einen kleinen Besuch ab. Unser Weg zum Dorf führt an der Tour mit einem kleinen Motorboot nicht vorbei. In der Trockenzeit ist die Schule mit dem Bus problemlos erreichbar. Da wir jedoch zur Regenzeit das Land bereisen, sind wie üblich 60% des Landes überflutet. Diese Überflutungen sind notwendig, um Nährstoffe auf die Felder zu spülen, damit das restliche Jahr Landwirtschaft betrieben werden kann. Also fahren wir mit unserem Boot an vielen Bäumen vorbei, die bis zur Krone im Wasser stehen und einem zumindest anhaltsweise den Weg zeigen. Nach über einer Stunde erreichen wir einen Bereich, der überwuchert ist mit Wasserhyazinthen. Diese werden von den Schülern des Dorfes zusammengebunden, damit so die Wasserwege frei bleiben. Das Dorf selbst besteht aus einer Pagode und ein paar Behausungen in denen Mönche sowie die restlichen Bewohner untergebracht sind. Die momentane Hauptbeschäftigung der der Dorfbewohner besteht darin, ein Langboot von fast 40 Metern fertig zu stellen. In zwei Wochen steht das alljährliche Wasserfest an, das mit einem Drachenbootrennen seinen Höhepunkt hat. Aus allen Teilen des Landes reisen Gruppen an, um an diesem Spektakel teilzunehmen.
Die Schule, die wir nun besuchen, besteht aus mehreren Unterrichtsgebäuden, die alle recht einfach eingerichtet sind. Zuerst empfängt uns der Rektor und erklärt uns die Begebenheiten des kambodschanischen Schulsystems. Im Anschluss dürfen wir in eine Klasse reinschauen, die extra wegen uns nochmals zusammengetrommelt wurde. Auf dem Plan steht Englischunterricht und stolz wird uns das gelernte Wissen gezeigt. Leider ist es um die Englischkenntnisse des Lehrers nicht so gut bestellt. Er versteht unsere auf Englisch gestellten Fragen nicht wirklich und auch seine Fragen sind nur sehr schwer zu erahnen. Und von ihm sollen die Kinder die englische Sprache lernen.
Mit unserem Boot geht es zurück zum Bus und nun stehen eigentlich der Weg nach Phnom Penh sowie die Besichtigung der Stadt auf dem Programm. Wie merken aber schnell, dass das nicht zu schaffen ist. Eine riesige Kolonne von Fahrzeugen wälzt sich Richtung Hauptstadt und an ein schnelles Vorwärtskommen ist nicht zu denken. Und wir befinden uns zu diesem Zeitpunkt noch gut 80 Kilometer vor Phnom Penh!!!
Im Stadtgebiet selbst geht es noch langsamer vorwärts, da die Hauptstraße vollgestopft ist mit Fahrzeugen, die versuchen, sich an den Baustellen vorbei zu schlängeln. Als wieder einmal alles steht, sehen wir neben uns ein Moped mit einem Anhänger, auf dem ungelogen mindestens 40 Fahrräder gepackt sind. Und oben drauf sitzt noch einer, der wahrscheinlich aufpasst, dass nix runterfällt.Das Weiterkommen wird zusätzlich noch durch die Fahrzeuge und die rollenden Verkaufsläden gestört, die von der Seite auf die Straße drängen. So kommt es schon mal vor, dass sich vor dem Bus einige Motorräder quer zur Fahrtrichtung oder komplett dagegen bewegen. Aber auch dieses Chaos überstehen wir irgendwie und gelangen so gegen 20.00 Uhr zum Hotel, direkt an der Hauptstraße. In unmittelbarer Umgebung befindet sich kein Restaurant und somit essen wir im hoteleigenen Lokal. Die gedämpften Teigtaschen mit unbekannter Füllung schmecken sehr lecker, aber satt machen sie einen nicht.
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- Tag: 23.10.09, Phnom Penh
Heute steht ein weiterer ereignisreicher Tag auf dem Programm: die Erkundung der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh. Den Anfang macht der Königspalast inmitten der Stadt. Die Besuchszeiten sind streng reglementiert und pro Tag auf die Zeit zwischen 10.00 und 14.00 Uhr beschränkt, dementsprechend viel ist natürlich los. Kaum sind wir im inneren Bereich angekommen, schon ziehen uns die pastellfarbenen, gelben Gebäude in ihren Bann. Die Giebel der verschiedenen königlichen Bauten sind kunstvoll geschwungen und die Fassaden sind mit vielen filigranen Figuren verziert. Der vordere Teil des königlichen Areals ist für alle zugänglich und es können unter anderem die Thronhalle sowie verschiedene Gebäude der königlichen Angestellten besichtigt werden. Auch das Theater ist offen für alle Besucher.
Im hinteren Bereich befindet sich der königliche Palast, der vom aktuellen König auch heute noch bewohnt wird und nur der Familie offen steht. Das einzige befremdlich wirkende Gebäude ist ein Geschenk Gustaf Eiffels zu Ehren des damaligen Königs, die sogenannte Villa. Sie steht vor der Banketthalle und wirkt mit seiner Metallkonstruktion á la Eifelturm in dieser Umgebung einfach deplaziert. Heutzutage wird sie als Verwaltungsgebäude verwendet.
In der Thronhalle kann man den goldenen Thron des Königs bewundern, auf dem er auch immernoch seine Audienzen abhält. Der hier ausgestellte Prunk verschlägt einem den Atem. Leider herrscht hier Fotografierverbot, denn mit Worten lassen sich die Eindrücke nur schwer beschreiben. Die nächsten 30 Minuten schlendern wir auf dem Gelände herum und versuchen die Schönheit der Anlage in Pixel festzuhalten. Wir sehen unter anderem gut erhaltene königliche Gewänder aus vergangenen Zeiten und auch einen Teil des Schmucks, der zu gewissen Zeremonien angelegt wird.
Im Anschluss gehen wir, vorbei an abenteuerlich aussehenden Baugerüsten, auf denen die Arbeiter herumturnen, zur Silberpagode. Den Namen trägt sie zu Recht, da sie im Inneren komplett mit Silber verkleidet ist. Der Boden besteht aus Silberplatten und die Besucher laufen auf Teppichen, um ihn nicht zu beschädigen. In der Pagode selbst stehen viele verschiedene Buddha-Statuen von kleinen, nur wenige Zentimeter großen Figuren, bis hin zu der großen Skulptur, die gut 2 Meter misst. In Glasvitrinen sind unterschiedliche Statuen zu sehen, die Buddha in diversen Stellungen darstellen: sitzend, liegend, unter einem Baum, beschützt von der Naga Schlange etc. Jede Handstellung Buddhas hat eine bestimmte Bedeutung und steht z.B. für Glück, Harmonie oder Weisheit. An den Wänden wird dessen Leben in Bildern erzählt, damit alle, egal welche Bildung oder welche Sprache, etwas damit anfangen können.
Das Areal rund um die Silberpagode wird von einer Mauer umschlossen, die in Fresken die hinduistische Schöpfungsgeschichte erzählt. Die Mauer erstreckt sich insgesamt über fast 400 Meter, bietet also reichlich Platz für die Geschichte über den Kampf der Götter Brahma, Vishnu, Krishna etc. Überragt wird die Anlage vom weißen Turm „Phnom Mondap“, der die Form einer geschlossenen Lotusblüte hat.
Mit vielen verschiedenen Eindrücken verlassen wir den königlichen Palast und laufen die kurze Strecke zum Nationalmuseum. Hier sind diverse Skulpturen der verschiedenen Hindugottheiten ausgestellt, die im Einflussbereich der Khmer verehrt und bei Ausgrabungen wieder gefunden wurden. Einige der hier ausgestellten Fresken sind Originale aus Angkor Wat, die dort als Nachbildungen ausgestellt werden. Wir schlendern durch die Hallen und genießen den Schatten, den der schöne Innenhof spendet. Hier ist auch die Figur des Lepra-Buddhas ausgestellt, der in der Nähe der Elefanten-Terrasse in Angkor zu finden ist. Die entstellte Figur wird zwar als Lepra-Buddha verehrt, aber tatsächlich sind deren Entstellungen durch den Krieg und Umwelteinflüsse entstanden.
Anschließend schlendern wir am Ufer des Tonle Sap entlang, der als Transportweg stark genutzt wird. Von hier aus kann man auch per Speedboot quer über den Tonle Sap See nach Siem Reap fahren. Leider sieht man dabei nichts von der Landschaft, weil man unter Deck bleiben muss. Da dieser Transport aber sehr teuer ist, wird immer öfter der länger dauernde Landweg genutzt. So werden auch wir morgen mit dem Bus den Weg nach Siem Reap zurücklegen. Aber das ist noch Zukunftsmusik und wir lassen uns erstmal in einem Café nieder, und flößen uns einen guten Kaffee ein und beobachten das Treiben um uns herum. In unserem Reiseführer finden wir einen kleinen Markt, der gleich ums Eck ist und beschließen, diesen umgehend zu besuchen. Über mehrere kleine Gassen erstreckt sich der kleine Markt, der trotz der geringen Größe alles zu bieten hat, was das Herz begehrt. Auch eine kleine Bäckerei ist in der Gegend und die wird gleich mal unsicher gemacht.
Wenn man durch die Straßen Phnom Penhs zieht, sieht man teilweise krasse Gegensätze. Einige Straßenzüge erstrahlen hell und freundlich und machen einen aufgeräumten Eindruck, gerade in den Bereichen, die die Touristen eher besuchen. Etwas abseits der Touristenströme starren dann die Straßen vor Dreck und es riecht stellenweise abstoßend nach Kloake.
Ein paar dieser eher schlechteren Straßen durchqueren wir auf dem Weg zum Wat Phnom, dem kleinen Hügel inmitten Phnom Penhs, mit seiner Pagode Preah Chan. Der Hügel ist als Park angelegt, in dem Affen wild durch die Bäume springen und sich von den Touristen und Einheimischen füttern und fotografieren lassen. Mit einem Elefanten kann man zur Spitze des Hügels reiten oder man nimmt den „beschwerlichen“ Pfad über ein paar Stufen in Kauf, was wir dann machen. Auf dem Weg hinauf kommen wir an einem kleinen Schrein vorbei, vor dem Kinder kleine Vögel für einen Dollar verkaufen. Diese Vögel soll man dann frei lassen und das wiederum bringe Glück. Die armen Tiere werden wahrscheinlich kurz nach dem Freilassen wieder eingefangen und an die nächsten Touris verkauft.
Oben angekommen, besichtigen wir nun die Pagode Preah Chan. Er ist recht schön gestaltet und im Innenraum ist wieder die Lebensgeschichte Buddhas mit Bildern an der Wand dargestellt.Mit einem Tuk Tuk geht es nun zum schrecklichsten Ort der Hauptstadt, dem berüchtigten Foltergefängnis der Roten Khmer, Tuel Sleng. Der Weg dorthin führt wieder durch teilweise verwahrloste Straßen. Vor dem Foltermuseum wird man von ein paar übel zugerichteten und verstümmelten Bettlern empfangen, die einen kleinen Obolus abbekommen möchten. Alleine dieser Empfang ist schon beklemmend. Im Innenbereich kann man auf den ersten Blick nichts Sonderbares erkennen, außer dass die Gebäudefronten mit ihren Balkonbrüstungen mit Stacheldraht verkleidet sind. An ein paar Tonnen vorbei, erreichen wir das erste Gebäude. Aus der mitgegebenen Broschüre lesen wir heraus, dass dieses Foltergefängnis vor dem Terrorregime von Pol Pot als Grundschule genutzt wurde. Das ehemalige Schaukelgestänge wurde schnell zu einem Galgen und Folterinstrument umfunktioniert. Richtig Beklemmung macht sich dann breit, als wir die ersten Räume in Gebäude Nummer 1 besichtigen. Diese Zimmer wurden zum Foltern der Gefangenen genutzt. In den gekachelten Räumen steht nur ein Metallbett mit Fesseln, mehr nicht. Dort wurden die Gefangenen angekettet und dann auf alle erdenklichen Weisen gefügig gemacht. Über jedem der Betten hängt ein Bild, auf dem man in etwas erkennen kann, wie die Befreier die Räume vorgefunden haben. In jedem Bett war ein Gefangener noch bestialisch gefoltert worden und dann liegen gelassen worden. Unvorstellbar, was da vor sich gegangen sein muss.
In den weiteren Räumen sieht man noch verschiedene Arten von Zellen, sowie eine Ausstellung von Fotos aus der Zeit der Roten Khmer.In Gebäude Nummer 2 sind viele Fotos der Gefangenen zu sehen, die wie im Dritten Reich bei der Einlieferung fotografiert und dokumentiert wurden. Ein Gefangener war als Maler angestellt und musste Pol Pot zeichnen. Jener Maler überlebte als einer von Dreien diese Massaker, denen insgesamt alleine in Tuel Sleng über 15000 Menschen zum Opfer fielen. Im gesamten Land kamen zu dieser Zeit über 2 Millionen Menschen ums Leben, über 10% der Gesamtbevölkerung. Besagter Maler hat nach seiner Befreiung einige Bilder gemalt, die das Leben in der Gefangenschaft und die verschiedenen Folterungen zeigen. Erschreckend, zu was Menschen fähig sind. Auch erfahren wir bei der Führung: Der Stacheldraht vor den Fensteröffnungen und den Balkonen sollte verhindern, dass die Gefangenen sich aus dem Fenster stürzen.
In Gebäude Nummer 3 befinden sich nochmals Räume, in denen Fotos aus der Zeit Pol Pots ausgestellt sind. Im obersten Stockwerk wird zweimal am Tag ein Film gezeigt, der das Leben aus der Sicht eines Kambodschaners zeigt, der während des Regimes gelebt hat. Gleich nebenan ist ein Kiosk in dem man verschiedene DVDs und Bücher über Kambodscha, die Roten Khmer und Pol Pot kaufen kann. Irgendwie ist dieser Verkaufsstand vollkommen fehl am Platz und passt nicht wirklich in diese beklemmende Umgebung.
Auf dem Rückweg zum Hotel kommen wir an einem Supermarkt vorbei und decken uns dort mit Getränken für die nächsten Tage ein. Hier fällt mir zum wiederholten Male das Getränk „Bird´s Nest“ auf und ich kaufe mir eine Dose davon. Es beinhaltet einen Extrakt, der aus Schwalbennestern gewonnen wird, sowie kleine Stücke eines weißen Pilzes. Sehr gewöhnungsbedürftig und auch unglaublich süß. Wird definitiv nicht mein Lieblingsgetränk, aber ich hab schon Schlimmeres getrunken. Am Abend gehen wir gemeinsam Essen und wollen wieder so richtig schlemmen. Aber nachdem wir die Portionen serviert bekommen, sehen wir recht schnell ein, dass in diesem Restaurant das Sattwerden relativ teuer wird. Dafür ist das Essen aber geschmacklich eine wirkliche Offenbarung. „Khmer Amok“, eine kambodschanische Curry Variation, kann man wirklich weiterempfehlen.
Nun herrscht aber schon langsam die Vorfreude auf den wahren Höhepunkt der Reise vor, die Tempel von Angkor Wat. Morgen noch die lange Fahrt über Land und dann steht übermorgen der erste Besuch auf dem Programm.
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- Tag: 24.10.09, Phnom Penh – Siem Reap
Vor der langen Fahrt lassen wir uns das Frühstück noch mal so richtig schmecken. Die Koffer werden das letzte Mal in unseren Bus geladen und auf geht es nach Siem Reap. Unterwegs sehen wir wieder weite Flächen, auf denen Reis angebaut wird und die von Bauern mit ihren Wasserbüffeln bewirtschaftet werden. Links und rechts der Straße stehen viele der Stelzenhäuser und Kinder tollen zwischen ihnen herum.
Das Straßenbild ist geprägt von LKWs und den hier üblichen Stier- und Pferdewägen. Alles in allem sind wir gut 6 Stunden unterwegs, bis wir an unserem Hotel ankommen. Dieses liegt etwas außerhalb der Stadtmitte, aber man kann noch gemütlich zu Fuß in 20 Minuten zum Markt und der Vergnügungsmeile kommen. Gegenüber liegt das Nationalmuseum, in dem viele Ausstellungsstücke aus Angkor zu sehen sind. Allerdings ist uns der Preis von 15 Dollar doch zu teuer, da wir uns die Tempel von Angkor ja eh anschauen werden.
Im Hotel warten wir zuerst auf unseren Reiseleiter, den wir speziell für hier neu zugeteilt bekommen. Er lässt leider auf sich warten und kommt erst eine Stunde später als vereinbart. Dann eine kurze Info wann es Morgen weitergeht und schon ist er wieder weg. Keine Info über eventuell zu besichtigende Tempel, den Markt oder auch die Apsarah Aufführungen, die hier angeboten werden - schade.
Wir machen uns auf den Weg in die Stadtmitte, um noch ein wenig auf dem Markt zu stöbern und uns mit Wasser für die nächsten Tage einzudecken. Der Weg führt uns entlang eines kleinen Flusses, dessen Ufer für das bevorstehende Wasserfest geschmückt wird. Rechter Hand liegt eine kleine Tempelanlage, die aber schon geschlossen ist. Der Supermarkt dagegen hat noch auf und wir entern ihn. Wasser und Kekse sind gleich besorgt und am Geldautomat wird auch noch schnell der Geldbeutel aufgefüllt.
Der Markt ist sehr auf die Touristen ausgelegt und bietet im Gegensatz zu den bisherigen Märkten nicht nur exotische Waren, sondern auch viele Souvenirartikel. Aber auch hier muss man nicht auf Obst, Gemüse, diverse Gewürze und die obligatorische Fleisch- und Fischabteilung verzichten.
Der Abend klingt in einem kleinen Restaurant gegenüber dem Markt aus. Hier sitzen wir noch eine Weile mit Kurt (einem unserer Mitreisenden), lassen uns das Black Panther Bier schmecken, beobachten zum einen die Geckos an der Wand und zum anderen das Treiben auf der Straße.
Die Vorfreude auf morgen ist groß, denn die Tempel von Angkor stehen nun zum Greifen nah.
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- Tag: 25.10.09, Siem Reap, Angkor Gelände
Jetzt geht´s los! Jetzt geht´s los!
Unser Bus steht schon zur Abfahrt bereit und ich fiebere schon den Tempeln entgegen. Auf Angkor hab ich mich schon die ganze Reise gefreut und endlich ist der Moment da.
Am Eingang des Areals werden wir man zuerst fotografiert und dann bekommen wir die Eintrittsausweise für die nächsten drei Tage. Mit diesen dürfen wir ungehindert auf das Gelände und auch noch ein paar Stätten außerhalb von Siem Reap betreten.
Es ist zwar erst halb 10, aber es ist schon einiges los hier. Die Zeiten, zu denen man die Tempel in Ruhe besichtigen konnte, sind schon lange vorbei. Man kann nur den Massen aus dem Weg gehen, indem man eine alternative Route einschlägt, die einem schlechtere Lichtverhältnisse beschert. Aber da immer mehr Reisende auf diese Idee kommen, ist man auch hier definitiv nicht alleine unterwegs. Egal, ein Erlebnis wird es auf jeden Fall.
Erster Stopp ist das Südtor von Angkor Thom. Die Brücke über den Fluss ist auf beiden Seiten mit großen Dämonenfiguren versehen, die an einem Seil ziehen. Diese Figuren entspringen der Schöpfungsgeschichte des Khmervolkes. Hinter der Brücke ragt das Südtor auf, das von einem großen steinernen Kopf gekrönt wird, von dem je ein Gesicht in alle vier Himmelsrichtungen zeigt. Diese Gesichter symbolisieren wiederum einen Gott, der über allem wacht. Auf der Rückseite des Tors werden große Elefantenköpfe sichtbar, deren Rüssel bis auf den Boden reichen. Wahnsinn, wie gut diese Figuren und Gebäude erhalten sind!
Kurz hinterhalb des Tors betreten wir den Bayon, den Haupttempel Angkor Thoms. Über einen großen Eingangsbereich erreicht man als erstes das große Relief, das über das tägliche Leben der Menschen hier berichtet. An diversen Stelen sind Apsarah Tänzerinnen abgebildet. Hier fällt gleich auf, dass diese ungemein filigran gefertigt wurden und dass jede eine andere Körperhaltung aufweist. Wir umrunden den Tempel zur Hälfte und machen uns dann an den Aufstieg zur Spitze. Überall ragen kleine Türme mit dem vierseitigen Gesicht eines Gottes in den Himmel. Insgesamt gibt es über 50 Gesichter in dieser Anlage. Wir schießen Fotos wie verrückt und immer neue Perspektiven tun sich auf. An einer Ecke stehen ein paar junge Frauen, die sich in Gewänder der Apsarah Tänzerinnen gehüllt haben und warten auf die Touristen, um für etwas Geld zu posieren. Im Nu vergeht hier eine Stunde und wir treffen uns am Ausgang des Tempels.
Durch das Nordtor gehen wir hinaus und begeben uns zur Buddhastatue „Prea Ngok“, einer von vier Buddhastatuen aus dem 14. Jahrhundert, die den Tempel umgeben. Hier erfahren wir einige Details über die praktizierten Zeremonien und das alltägliche Leben der Khmer.
Vorbei am „Baphon“, einer Sonnenterrasse, die zu zeremoniellen Zwecken genutzt wurde, gehen wir zum königlichen Palast, dem „Palast der Winde“. Er ist extrem steil gebaut und die Stufen sind sehr schmal gehalten. Deshalb ist auch an der Südseite eine hölzerne Treppe angebracht, damit man gefahrlos in die Höhe steigen kann. Von oben hat man einen wunderschönen Blick auf den umliegenden Dschungel und man kann auch anhand der alten Stufen die Steilheit ermessen. Diese Stufen erklommen in der Vergangenheit die Priester und Dienerinnen zu besonderen Anlässen.
Vorbei an langen, steinernen Mauern und an Souvenirhändlern, die uns selbstgebastelte Flöten oder Reiseführer für Angkor andrehen wollen, bewegen wir uns in Richtung der Elefantenterrasse. Diese erstreckt sich über eine Länge von gut 500 Metern und hat ihren Namen durch die Reliefdarstellungen von verschiedenen Elefantengruppen erhalten. Laut Überlieferungen sollen hier auch regelmäßig Prozessionen mit diesen Tieren abgehalten worden sein. Links und rechts der Terrasse sind wieder große Elefantenköpfe angebracht, deren Rüssel bis auf den Boden reichen. Rechterhand ist ein kleines Areal, das sich durch reich verzierte Wände und ungemein detailreich abgebildete Apsarah-Tänzerinnen auszeichnet. Wir gehen durch die verschlungenen Gänge und werden nur von einer großen Schlammpfütze aufgehalten. Da ist kein Durchkommen und uns bleibt nur der Rückweg offen. Oberhalb dieser Apsarah Abbildungen stehen zwei Steinfiguren, wovon eine im ganzen Land als der „Leprakönig“ bekannt ist. Laut einer Sage stellt die verstümmelte Statue einen König des Khmervolkes dar, der trotz einer Lepraerkrankung die Geschicke des Landes weiterleitete. Die wahre Erklärung für diese Figur hört sich einfach wesentlich langweiliger an, weshalb auch die Sage weiter in der Bevölkerung kursiert. Der eigentliche Grund für die verunstaltete Figur ist ein Krieg gegen Vietnam, während dessen Verlauf die Statue von einer Granate getroffen wurde und deshalb verschiedene Gliedmaßen nicht mehr vollständig vorhanden sind.
Jetzt ist erstmal ein wenig Stärkung angesagt und wir kehren in ein kleines Restaurant, gleich neben dem großen Wasserbassin, das Angkor Wat umgibt, ein. Hier verweilen wir für eine gute Stunde und gönnen uns einen frischen Fruchtsalat sowie frische Kokosnussmilch. Gleich nach dem Essen müssen wir uns wieder die Souvenierhändler in Gestalt kleiner Kinder oder Kriegsversehrter vom Leib halten
Im Anschluss fahren wir zu den wohl berühmtesten Tempeln der gesamten Anlage: „Ta Prohm“. Bekannt wurden diese Tempel durch den Film „Tomb Raider“, der teilweise in den Ruinen gedreht wurde. „Ta Prohm“ ist der einzige Komplex, der noch im Originalzustand erhalten ist. Alle anderen Tempel wurden von den Würgefeigen und anderen Bäumen befreit. Hier aber wuchern die Urwaldriesen mit ihren massigen Wurzeln noch ungestört unter, über und durch die Tempel und Mauern. In jeder Ecke liegen große, von Moos bewachsene, Steinhaufen eingestürzter Gebäude. Die Magie dieses Ortes nimmt einen sofort gefangen und lässt sich auch nicht von den anderen anwesenden Touristen stören. Über eine Stunde schlendern wir durch die verschiedenen Innenhöfe und Pfade und stehen immer wieder staunend vor den großen Bäumen und Wurzeln. Man kann sich leicht vorstellen, wie es den Forschern der damaligen Zeit zumute gewesen sein muss, als sie auf dieses Areal gestoßen sind.
Die vorletzte Anlage für heute heißt „Ta Keo“, ein recht ansehnlicher Tempelberg gleich neben dem Tempelbezirk „Angkor Thom“. Auch diese Anlage können wir besteigen und es ist wieder ein Erlebnis, die steilen Stufen zu erklimmen. Im oberen Bereich ist ein kleiner Altar aufgebaut, an dessen Buddhastatue einheimische und fremdländische Buddhisten ihre Aufwartung machen. Der süße Duft der Räucherstäbchen schlägt einem sofort entgegen.
Als letzten Anlaufpunkt haben wir heute die Bebäudegruppe „Banteay Kdei“ auf dem Programm. Diese besticht durch eine wunderschöne Frontansicht. Ein kleiner Wasserlauf vor den aufragenden Gebäuden spiegelt die Skyline exakt wieder. Wir klettern durch die einzelnen Gebäude und lassen die Natur auf uns wirken. Diese Anlage ist leider etwas schlechter erhalten, aber sie strahlt trotzdem eine Faszination aus, der man sich nicht entziehen kann.
Relativ fertig kommen wir am Hotel an und erfrischen uns mit einer kalten Dusche. Nach einer Ruhepause von knapp einer Stunde gehen wir gemeinsam ins Zentrum Siem Reaps. Wir wählen das Restaurant „Temple“ und setzen uns in den ersten Stock. Hier wird allabendlich eine kostenlose Tanzaufführung mit den Apsarah Tempeltänzen sowie weiteren bäuerlichen Tänzen abgehalten. Die Tische füllen sich recht schnell und um 20 Uhr geht es dann auch schon lautstark los. Faszinierend, wie beweglich die Tänzerinnen und Tänzer sind. Zwischendurch lassen wir uns unser Essen schmecken, welches wirklich erstklassig ist. Am Treppenaufgang entdecken wir einen Hinweis, dass hier auch Kochkurse abgehalten werden. Wir melden uns gleich mal an, da das ein schöner Abschluss der Reise wäre. Und am letzten Tag haben wir eh kein Programm mehr, bis zum abendlichen Abflug.
Nach dem Essen schlendern wir noch durch die Pup Street, an welcher alle möglichen Restaurants und Bar liegen. Um ein Wasserbassin stehen und sitzen viele Touristen und lachen lautstark. Schnell wird uns klar warum. Hier kann man die weitverbreitete Fischmassage ausprobieren. Im Bassin sind hunderte, kleine Putzerfische und sobald man die Füße ins Wasser steckt, kommen sie daher und knabbern einem die abgestorbenen Hautzellen ab. Mal schaun, vielleicht tue ich mir das auch noch an.
Den Angkor-Nachtmarkt wollen wir noch kurz besuchen und werden auch recht schnell fündig. Hier kann man alle möglichen Souvenirs kaufen, aber mit einem normalen Markt hat das nichts mehr zu tun. T-Shirts, Schuhe, Bilder, Kleider etc. werden zu Hauf angeboten, wobei doch einige Stände geschlossen sind. Wir kommen mit einer der Händlerinnen ins Gespräch und erfahren, dass durch die Wirtschaftskrise die Touristen ausbleiben und teilweise Einbußen bis hin zu 50 Prozent zu verschmerzen sind. Das ist natürlich ein großes Problem, da meist ganze Familienclans an so einem Geschäft hängen.
Fertig von diesem anstrengenden Tag laufen wir zu unserem Hotel uns sinken zufrieden und mit vielen Eindrücken ins Bett.
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- Tag: 26.10.09, Siem Reap, Angkor Gelände
Entlang der langen Wassergräben, „Baray“ genannt, fahren wir in Richtung des Haupteingangs von Angkor Wat. Schon von weitem lässt sich die Größe der Anlage erahnen. Angkor Wat kann man als den Haupttempel und das zeremonielle Zentrum der gesamten Anlage ansehen. Die umgebenden „Barays“ sollen das mythologische Ur-Meer symbolisieren, das eine wichtige Rolle in der Religion des Hinduismus spielt.
Wir haben Glück und die Menschenmassen lassen sich noch etwas Zeit, so dass wir den Anblick vorerst ungestört genießen können. Über die breite Steintrasse nähern wir uns den Mauern und verschwinden dann in ihrem Inneren. Die Mauern sind durchzogen von Gängen und kleinen Räumen, in denen teilweise gut erhaltene, teilweise komplett zerstörte Buddhastatuen stehen. Viele der Statuen wurden während den Jahrhunderten wegen religiöser Querelen zerstört oder aber auch ins Ausland verkauft.
Wir treten in den sonnendurchfluteten Innenraum und werden gleich mal von der Kulisse, die die berühmten fünf lotusförmigen Türme Angkors zaubern, in den Bann gezogen. Über eine breite Trasse nähern wir uns dem kolossalen Bauwerk. Vor dem Haupttempel ist ein Wasserlauf angelegt, in dem sich die fünf Türme klar spiegeln. Dies ist eine der am meisten fotografierten Perspektiven Angkor Wats. Über eine Treppe betreten wir das Heiligtum und stehen vor einer, den kompletten Tempel umspannenden, 1000 Meter langen Wand voller Fresken. Hier ist die komplette Geschichte der Khmer dargestellt, von ihren Anfängen im Gebiet Angkor, bis hin zu ihren geführten Kriegen. Alltägliche Szenen wie Kochen, spielende Kinder, Hochzeiten werden ebenso wiedergegeben wie grausame Folterungen und Eroberungen. Auf der rückwärtigen Seite der Anlage ist auf über 200 Metern die hinduistische Schöpfungsgeschichte abgebildet, wie das Ur-Meer, kämpfende Dämonen und diverse Götter.
Einen kurzen Stopp legen wir auch an einem Infostand ein, der uns die Restaurierungsarbeiten näher bringt, die in Angkor von Nöten sind. Diese werden von einem Professor aus Köln geleitet. Wenn man die Größe des Komplexes sieht, merkt man, dass es sich hier um mehr als eine Lebensaufgabe handelt.
Die nun angesteuerten Tempel „Kravan“ müssen nach diesen Eindrücken leider etwas zurückstecken. Es handelt sich um 5 kleine, aneinandergereihte Tempel, die aus einem gelb-rötlichen Stein gebaut sind. Nur einer der Tempel sticht etwas hervor. In seinem Inneren sind Mosaike zu sehen, die die Form einer geflügelten Gestalt darstellen. Ganz sehenswert, aber im Gegensatz zu den vorherigen Anlagen eher etwas langweilig.
Nun machen wir uns auf in den Außenbezirk der Anlage. Die große Tour hat eine Länge von über 35 Kilometern und schließt mehrere ausgelagerte Areale ein. Die letzten Satellitenvermessungen haben ergeben, dass sich das Gelände noch wesentlich weiter erstreckt hat, als bisher angenommen. Als absolutes Highlight und sogar noch faszinierender als „Angkor Wat“ selbst, stellen sich die Gebäude von „Banteay Srei“ heraus. Schon am Eingang geht man durch ein Tor aus rotem Sandstein, das über und über mit feinen Verzierungen versehen ist. Diese Steinart ist extrem korrosionsbeständig und ist noch sehr gut erhalten. Allerdings muss sie damals auch sehr schwer zu bearbeiten gewesen sein, was die Leistung der Arbeiter noch erstaunlicher macht. Das gesamte Areal erstrahlt in verschiedenen Rottönen und wir wandeln staunend zwischen den kleinen Tempeln und den anderen Gebäuden herum. Jede freie Stelle ist filigran verziert, hier erkennt man einen Wasserbüffelkopf, nicht größer als 5 Zentimeter, dort stellen die 4 Ecken des Dachs einen Elefantenkopf dar. Man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wir halten uns insgesamt über eine Stunde hier auf, aber die Zeit vergeht wie im Flug. Auf dem Rückweg zum Bus dürfen wir uns wieder den fliegenden Händlern erwehren, aber darin haben wir ja langsam Übung. J
Auf dem Weg zurück zum Hotel halten wir noch schnell an der Anlage „Pre Rup“ und besteigen die steilen Treppen. Hier sind viele Löwenfiguren zu sehen, denen man im Laufe der Zeit die Gesichter zerstört hat. Die Gründe dafür liegen mal wieder im religiösen Bereich. Zu einer zurückliegenden Zeit war es verboten, Löwenköpfe abzubilden und so wurden diese einfach zerstört. Manchmal treibt die Religion schon seltsame Blüten.
Den Nachmittag und Abend haben wir heute zur freien Verfügung und es gibt zwei Optionen zur Auswahl: Zum einen können wir den Sonnenuntergang innerhalb des Angkor Geländes bewundern, was aber bestimmt auch viele andere tun werden, oder wir fahren etwas raus aus der Stadt und versuchen da unser Glück. In unserem Reiseführer steht als Geheimtipp der Aussichtpunkt und der kleine Tempel „Phnom Kron“. Schnell einigen wir uns darauf, diesen Punkt anzusteuern. An der nächsten Straßenecke heuern wir einen Tuk Tuk - Fahrer an und schon geht´s los. Dass wir nicht den schnellsten erwischt haben wird uns klar, nachdem alle anderen Tuk Tuks an uns vorbei fahren. Aber wir erleben dafür eine typisch kambodschanische Tankstelle: Man hält an einem Stand mit vielen Plastikflaschen an, kauft eine dieser Flaschen und schüttet sie in den Tank. Der Sprit wird in Plastikflaschen auf offener Straße verkauft!!!
Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir unseren Bestimmungsort und stürmen dem Gipfel entgegen. Vorher aber will man noch unseren Angkor-Pass sehen, ohne den kommt man nicht hinein. Gut, dass wir davon schon vorher wussten, sonst wären wir jetzt die Gelackmeierten. Oben angekommen erreicht man zuerst ein kleines Kloster, in dem vielleicht fünf Mönche leben. Hinterhalb stehen die verfallen Ruinen von zwei Khmergebäuden und dann schon kommt man zum Aussichtspunkt. Unter uns erstreckt sich eine weite Fläche aus überfluteten Feldern. Die Idylle wird nur von einem Ruderboot unterbrochen, das für das bevorstehende Wasserfest übt. Das ganze Areal gehört uns, fünf Mönchen und einem älteren, einheimischen Bauern. Linker Hand grasen zwei Kühe und stören dabei die Ruhe und Einsamkeit nicht weiter. So ruhig genießen wir den Sonnenuntergang und können unser Glück kaum fassen. Dass es in dieser touristischen Gegend noch so einen Ruhepol gibt ist eigentlich kaum zu glauben. Bei einbrechender Dunkelheit machen wir uns auf den Rückweg und werden am Fuß der Treppe schon von unserem Fahrer erwartet. Wir lassen uns ins Zentrum Siem Reaps fahren und gehen zum Ausklang des Abends noch schön essen.
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- Tag: 27.10.09, Siem Reap, Tonle Sap, Angkor Gelände
Als Entschädigung für die entgangene Fahrt mit dem Speedboot über den Tonle Sap See unternehmen wir heute eine kleine Rundfahrt zu einem der schwimmenden Dörfer. Über Lehmpisten und vorbei an vielen Wasserbüffeln erreichen wir einen kleinen Anlegesteg. In der Trockenzeit könnte man noch einige Kilometer weiter fahren, aber aktuell ist die ganze Gegend überschwemmt. Wir entern unser Boot und schon die Steuerung ist sehr abenteuerlich. Hier wurde ein normales Autolenkrad mit Seilzügen kombiniert, die das Boot steuern. Mit einem beherzten Griff an die Seile könnte auch ich das Boot von meinem Sitz aus steuern. Aber schon geht es los und wir düsen an vielen Bäumen vorbei, die noch im Wasser stehen. Die Fahrrinne ist mit blauen Fähnchen markiert und alle 500 Meter ragt eine kambodschanische Flagge aus dem Wasser heraus.
Nach gut 20 Minuten erreichen wir die ersten Gebäude des schwimmenden Dorfes. Rechts von uns steht die schwimmende Kirche und kurz darauf erblicken wir die Schule. Die Kinder haben gerade Pause und alle stürmen aus dem Klassenzimmer und winken uns zu. Zu beiden Seiten säumen nun die einfachen, schwimmenden Behausungen unseren weiteren Weg. Wir fahren dabei auch an seltsamen Gebäuden vorbei, wie einem schwimmenden Garten und der absolute Kracher ist ein schwimmender Schweinestall. Dann verlassen wir das Dorf und fahren weiter, bis wir den eigentlichen See erreichen, auf dem das Dorf normalerweise treibt. Seine Ausmaße während der Regenzeit sind bis zu 6-mal größer als zu normalen Zeiten. Die schwimmenden Städte ziehen dabei komplett mit dem Wasser. In der Regenzeit verlassen die Menschen und ihre Behausungen den See und verlagern das Dorf bis zu sieben Kilometer ins Landesinnere. Bei beginnender Trockenzeit zieht sich das Wasser zurück und die Menschen wandern mit dem Wasser wieder zurück auf den See.
Auf dem Rückweg halten wir kurz an einer Insel und besuchen dort einen Tempel. Dieses Fleckchen Land wurde bisher immer vom Wasser verschont. Ein Fischer ist gerade dabei, sein Boot mit Teer abzudichten und ein Barbier schneidet einer Frau die Haare. Es scheint, als würde die Zeit still stehen. Auf unserem Rückweg kommen wir nochmals an der Schule vorbei und wieder werden wir lautstark begrüßt. Bei unserer anschließenden Rückfahrt mit dem Bus begegnen wir einigen schwer beladenen Mopeds und lassen unseren Fahrer anhalten. Was wir zu sehen bekommen ist unglaublich: Da werden drei ausgewachsene Schweine lebend auf einem Moped zum Markt transportiert! Die Schweine schreien kläglich und werden nur kurz mit Wasser besprüht, damit sie die restliche Fahrt überstehen. Ein unbeschreibliches Bild für einen Europäer, der schon mal was von Tierschutz gehört hat.
Gegen Mittag sind wir wieder zurück und haben den Rest des Tages zur freien Verfügung. Nachdem der Angkor-Pass heute noch gilt, nehmen wir uns ein Tuk Tuk und fahren zusammen mit Ulla und Eduard (zwei unserer Reisegruppenmitglieder) nochmals zu den Ruinen. Wir steuern erneut „Ta Prohm“ an, um nochmals in die mystische Welt einzutauchen. Unserem Fahrer geben wir Bescheid, dass er uns auf der anderen Seite abholen soll und wir hoffen, dass er das dann auch so macht. Wieder schießen wir unzählige Fotos und sind sofort gefangen genommen von den Urwaldriesen. Ohne Probleme treffen wir auf der anderen Seite unseren Fahrer wieder und steuern, am „Bayon“ vorbei, den Tempel „Baksei Chau Krong“ an. Hier erwarten uns die steilsten Treppen in ganz Angkor, die wir aber natürlich erklimmen wollen. Trotz der beachtlichen Höhe erkennt man in der näheren Umgebung nur Urwald, die anderen Ruinen bleiben dahinter verborgen.
Die Zeit vergeht wie im Flug und wir wollen uns den laut Reiseführer „schönsten Sonnenuntergang in Angkor“ zu Gemüte führen. Hierzu muss man den „Phnom Bakeng“ besteigen, oder (wenn man faul ist) kann man sich auch von einem Elefanten den Berg hinauftragen lassen. Wir wählen den etwas beschwerlicheren Weg zu Fuß, da uns 20 Dollar für 3 Minuten Elefantenreiten einfach zu teuer sind. Auf der Spitze des Berges trohnt eine Tempelruine mit einer großen Plattform. Da wir erst kurz vor Sonnenuntergang ankommen, ist diese schon reichlich bevölkert. An die 500 Personen drängen sich dort oben, wie schön war doch der Sonnenuntergang gestern. Von hier oben kann man aber zumindest einen Blick auf Angkor Wat werfen, das von der rötlichen Sonne angestrahlt wird. Bei lautem Hintergrundgeräusch verschwindet die Sonne am Horizont, von Romantik keine Spur. Sobald sie weg ist, machen sich alle gleichzeitig auf den Weg nach unten. Jetzt fällt auch erst auf, wie viele dort raufgeklettert sind, die wirklich schlecht zu Fuß sind. Die Menschenmassen strömen dem Ausgang entgegen und am Ende des Berges treffen wir auf eine weitere Masse Menschen: die Tuk Tuk - Fahrer. In diesem Durcheinander versuchen wir unseren Fahrer in der Dunkelheit zu finden. Interessant, dass die Kambodschaner bei Nacht alle gleich aussehen. Deshalb findet unser Fahrer auch uns und nicht anders herum.
Zum Abschluss des Abends machen wir nochmals das Kneipenviertel unsicher und landen in einem kleinen, beschaulichen Restaurant, wo wir es uns bei Bier zu 50 Cent und Cocktails zu 3 Dollar gemütlich machen. Langsam wird uns bewusst, dass wir unseren letzten Abend genießen dürfen. Morgen um diese Zeit sind wir schon auf dem Weg zum Flughafen. Nach dieser Erkenntnis wird gleich noch mal ein Cocktail bestellt, um die negativen Schwingungen zu ertränken.

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- Tag: 28.10.09, Siem Reap
Unseren letzten Tag lassen wir ruhig beginnen und schlafen erstmal etwas aus. Um 10 Uhr steht unser gebuchter Kochkurs auf dem Programm. Pünktlich treffen wir ein und stellen fest, dass ein englisches Pärchen bereits am Kochen ist und wir drei die anderen Teilnehmer des Kurses sind. Das scheint recht entspannt zu werden. Gleich werden wir von unserer kleinen Köchin in Empfang genommen und sofort mit einer orangen Schürze sowie einem orangen Kochhut ausgestattet. Jeder darf sich jeweils eine Vorspeise, ein Hauptgericht sowie eine Nachspeise aussuchen, die er nachkochen möchte, und schon geht es los. Da werden Karotten geraspelt, Tarot (ein einheimisches Wurzelgemüse) geschnitten, Hähnchen zu Hackfleisch verarbeitet. Schnell sind die ersten Frühlingsröllchen fertig gerollt und im gleichen Atemzug köchelt auf der Flamme im Wok der Kürbis für die Nachspeise. Alles in allem kochen wir zwei Stunden, um am Ende vor einem reich gedeckten Tisch zu sitzen. Das Einzige was uns fehlt, ist der Hunger. Aber wir probieren alles und nehmen den Rest als Verpflegung für den Abend mit.
Bevor wir zusammen mit unserer Köchin auf den Markt gehen und uns die heimischen Früchte und Gewürze erklären lassen, bekommen wir noch die gekochten Rezepte sowie ein T-Shirt des Kochkurses.
Auf dem Markt decken wir uns gleich mal mit Gewürzmischungen ein, um zu Hause den Urlaub noch etwas nachwirken zu lassen. Darunter befindet sich auch eine Mischung für das berühmte Khmer Amok, eine Abart des Curry.
Dem touristischen Markt schenken wir auch noch unsere Aufmerksamkeit und lassen uns noch richtig verwöhnen. Eine Fußmassage soll es sein und danach noch eine Reflexzonenmassage. Dank der langen Fingernägel meiner Masseuse kann ich mich noch länger an dieses Erlebnis erinnern. Auf dem Rückweg kommen wir wieder an einem Bassin mit Putzerfischen vorbei und ich lasse mir heute die Gelegenheit nicht nehmen. Ich setze mich an den Rand und stecke meine Füße ins Wasser. In null Komma nichts schwimmen die kleinen Kerle daher und fangen an, meine Füße abzunagen. Kein unangenehmes Gefühl, aber stellenweise kitzelt es abartig. Ich lasse mich hier 30 Minuten „durchkauen“ und gemeinsam gehen wir dann mit „frisch geputzten“ Füßen Richtung Hotel.
Hier harren wir die letzte Stunde aus, machen uns noch mal frisch und essen unsere Reste vom Kochkurs. Um 19 Uhr werden wir abgeholt und an den Flughafen von Siem Reap gefahren. Dort erfahren wir, dass wir auf eine andere Maschine umgebucht wurden und eine Stunde später los fliegen. Im Endeffekt ist das egal, da wir, wie auch schon beim Hinflug, sowieso in Seoul sechs Stunden Aufenthalt haben.
Kurz vor 24 Uhr besteigen wir unseren Flieger und müssen dieses schöne Land hinter uns lassen.
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- Tag: 28.10.09, Seoul – Frankfurt - Augsburg
Gegen 5 Uhr Ortszeit landen wir in Seoul und sind schon etwas geschlaucht. Die restliche Zeit bis zum Weiterflug hängen wir in der Asiana Lounge herum und schlafen teilweise mehr schlecht als recht. Als dann endlich unser Flug losgeht, sind wir alle froh. Der Rückflug verläuft genauso problemlos wie der Hinflug und wir kommen pünktlich in Frankfurt an. Noch 3 Stunden Zugfahrt und dann sind wir wieder zu Hause.
Fazit:
In den zurückliegenden vier Wochen durften wir zwei wunderschöne Länder kennenlernen. Überall sind uns freundliche Menschen begegnet, man wollte mit uns zwar Geld verdienen, aber wir kamen uns nie übers Ohr gehauen oder abgezockt vor. Das Essen war erstklassig und wird zu Hause bestimmt vermisst. Wir werden diesen Urlaub in guter Erinnerung behalten und sind einem weiteren Besuch nicht abgeneigt.
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von mir auch vielen dank für Dein super Reisebericht,schade nur das es zuende ist
gruß
Cristina