Situation der Hotels an der Türkischen Riviera
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Das ist der übliche Denkfehler, Alfred_Tetzlaff. Nicht etwa Herr Erdogan ist schuld an der Misere sondern die blöden Europäer, die plötzlich und grundlos die türkischen Hotels nicht mehr lieb haben. Die Mentalität ist die, selbst möglichst nie an irgend etwas schuld zu sein, so funktioniert das auch in Sachen Tourismusprobleme.
Ausnahme: Man hat übereifrig einen fremden Kampfjet vom Himmel geholt und kann das selbst mit der enormsten Gottähnlichkeit nicht besonders schlüssig als notwendige Maßnahme beschönigen ... -
@rumsstein sagte:
Du kannst dich aber darauf verlassen, dass diese Unzufriedenheit kanalisiert wird, und zwar im Sinne von der und durch die AKP bzw. Herrn Erdogan. Letzterer wird nicht müde, das Ausland für die schlechte wirtschaftliche Situation und den Verfall der Lira verantwortlich zu machen, und somit auch für die steigende Arbeitslosigkeit.
Das halte ich auch für wahrscheinlich.
Das ist ja genau das, worauf ich schon mehrmals versucht habe hinzuweisen, je schlechter es einen Volk geht, desto stärker wird die Diktatur und auch die Zustimmung zu ihr. Je mehr man also die Türkei boykottiert, desto mehr stärkt man auch gleichzeitig Erdogans Position.
Das ist deine Hypothese.
Wenn die späteren Siegermächte schon bei der Eingliederung Österreichs eingegriffen hätten, oder beim Einmarsch in das Sudetenland, wäre der zweite Weltkrieg vielleicht nicht ganz so tödlich ausgegangen. Damals hat man den Diktator gewähren lassen.
Es gibt genügend andere Beispiele dafür, dass sich das Volk in einer Diktatur gegen die Diktatur erhoben hat. Wenn eben der Leidensdruck zu groß wurde. Und die Türken sind informatorisch nicht so abgeschottet, dass sie Propaganda von Erdogan nicht gegenlesen könnten.
@Dandy77 sagte:
"Es gibt genügend andere Beispiele dafür, dass sich das Volk in einer Diktatur gegen die Diktatur erhoben hat. Wenn eben der Leidensdruck zu groß wurde. Und die Türken sind informatorisch nicht so abgeschottet, dass sie Propaganda von Erdogan nicht gegenlesen könnten."
Eben, wenn der Leidensdruck zu groß wurde, davon ist die Türkei aber noch sehr weit entfernt. Am Anfang einer Autokratie oder Diktatur hat das bis jetzt immer probat funktioniert. Die Propaganda arbeitet doch wunderbar, selbst in Deutschland lassen sich doch viele Türken verleiten. Das "Gegenlesen", wie du es nennst, ist spätestens seit der Erfindung des Radios, also seit rund 100 Jahren allen möglich, dennoch hat die Propaganda und die Unterdrückungsmaschinerie bis heute immer wunderbar funktioniert.
Deine Berufung auf die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg ist sehr weit hergeholt, die politische Konstellation war eine völlig andere.
Aber auch in jüngerer Zeit, z.B. im Falklandkonflikt oder in den Golfkriegen gab es nicht nur gegnerischen Rundfunk, sondern auch Fernsehen, das für fast alle Iraker empfangbar war, trotzdem hat sich kaum jemand gegen Saddam Hussein gestellt, bis die Amerikaner einmarschiert sind.
Es ging aber AT um die Unzufriedenheit der türkischen Bürger, die Erdogan nicht egal sein könnte. Sie ist ihm aber egal, weil er sie gegen das Ausland richtet, und noch glaubt ihm die Mehrheit. -
Ob die Mehrheit ihm glaubt, würde ich einmal dahingestellt sein lassen, zumindest wird in den (zugelassenen) Medien der Eindruck vermittelt, dass dem so ist. Wer sich die ständigen Live-Übertragungen der Auftritte von Erdogan und seiner Vasallen selbst ohne Verständnis des dort Gesagten einmal angetan hat, wird unweigerlich an gleiche Bilder aus dem früheren Deutschland unseligen Angedenkens erinnert.
LG
Sokrates
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Genauso geht es mir wenn ich diese Auftritte sehe - allein die Stimmlage jagt mir kalte Schauer über den Rücken.
Dazu dann noch dieses respektlose Duzen seiner Amtskollegen aus Europa, das ist wirklich unterirdisch.
Wenn man Dinge oft genug gesagt bekommt glaubt man sie schließlich, insbesondere in einer prekären Lage ... -
@burton_
ich bezog mich auf den Artikel "Türkei-Boykott erreicht historische Ausmaße" und da ausschliesslich auf die dargebotenen Zahlen!
Wenn schon eine Wertung des Textes dann würde ich mich eher am Titel "..Boykott ... historische Ausmasse" stossen. Ein vollkommener Unsinn. Wundern tut mich das mittlerweile bei den Medien nicht mehr. Es ist eine Standardmethode im Titel schon eine Art "Vorurteil" zu setzen selbst wenn es im Text wieder aufgehoben werden sollte.@Alfred_Tetzlaff:
ob es einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Beschwerden über mangelhaften Service und der Tourikrise gibt ? ...
Gibt es tatsächlich vermehrt Beschwerden darüber ? Und wenn ja, wie sieht es im Vergleich mit anderen Ländern aus ? -
Obacht, wolf2011: Häufungen sind stets "gefühlt" und selbst im Vergleich (bewahre!) bilden die paar lumpigen Meckereien doch keinen empirischen Wert ab. Bewertungen halt ... wer´s glaubt wird selig!
Herauslesen kann man lustig jedweden Trend - dem Alfred passte jetzt halt grad der negative in Sachen Service in seine Denke. Dem ist imho nichts Substanzielles beizumessen.
Tatsächlich "historisch" ist die negative Entwicklung der Besucherzahlen in Folge ... Dellen gab´s zuvor schon, jedoch nicht so konsequent. -
Zellulitis vs Mondoberfläche?

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Ei ei @sokrates,
Du wirst doch wohl dem "lieben" Erdogan nicht vorwerfen wollen ein Nazi zu sein? Ich zitiere
"Wer sich die ständigen Live-Übertragungen der Auftritte von Erdogan und seiner Vasallen selbst ohne Verständnis des dort Gesagten einmal angetan hat, wird unweigerlich an gleiche Bilder aus dem früheren Deutschland unseligen Angedenkens erinnert."
Andererseits kann auch ich mich des Eindrucks nicht erwehren , dass er der typische Nazi ist.
Deswegen geht es mir Ähnlich wie @Vs. in Ihrer Antwort, allerdings ist mir das respektlose Duzen seiner Amtskollegen reichlich Wurst. -
Ich glaube, Sokrates meint einfach manipulatives populistisches Auftreten, das kann schließlich aus jeder politischen Richtung kommen.
Jedenfalls steht die Duzerei für Respektlosigkeit und Herablassung, gehört also zum Gesamtkunstwerk und sollte einem daher gerade nicht wurscht sein ...
Genauso das manische Fähnchenwedeln, die durchschaubare Feindbildschaffung und die Aura der Allmacht. Ob man dabei an Kim oder Adolf denkt ist eigentlich unerheblich. -
Obacht, wolf2011: Häufungen sind stets "gefühlt" und selbst im Vergleich (bewahre!) bilden die paar lumpigen Meckereien doch keinen empirischen Wert ab. Bewertungen halt ... wer´s glaubt wird selig!
Herauslesen kann man lustig jedweden Trend - dem Alfred passte jetzt halt grad der negative in Sachen Service in seine Denke. Dem ist imho nichts Substanzielles beizumessen.
Tatsächlich "historisch" ist die negative Entwicklung der Besucherzahlen in Folge ... Dellen gab´s zuvor schon, jedoch nicht so konsequent.@vonschmeling "Obacht, wolf2011"
ich weiß. Deshalb meine Fragezeichen
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@Vonschmeling,
ich zitiere "Jedenfalls steht die Duzerei für Respektlosigkeit und Herablassung, gehört also zum Gesamtkunstwerk und sollte einem daher gerade nicht wurscht sein ..."
nicht zwangsläufig. Es passiert häufig, dass man im Ausland geduzt wird ohne mir gegenüber respektlos oder herablassend zu sein. So geschehen gerade in meinem Urlaub in Ägypten. Es kann auch Unwissenheit der deutchen Geflogenheiten sein.
Was bei Herrn E. allerdingst angezeigt ist, weiss ich nicht und ist mir wurscht.
Das "Gesamtkunstwerk" Erdogan gefällt mir absolut nicht, ob er herablassend ist und respektlos, was zweifelsfrei so ist, oder einfach nur politische Dummheit ausströmt. -
Ich gehe mal davon aus, dass du im Ausland von Ausländern auf Deutsch geduzt wirst. Das liegt oft daran, dass die Ausländer nur die einfachste deutsche Grammatik beherrschen und nur die Du-Formen können. Ich vermute aber, dass dir die unterschiedlichen Formen für du und sie im türkischen nicht geläufig sind, es gibt sie aber. Im türkischen wird im Regelfall miteinander sehr höflich umgegangen. In traditionellen Familien werden sogar der ältere Bruder und die Eltern, Tanten, Onkels gesiezt. Erdogan hat aber in einer rhetorischen Hinwendung an Angela Merkel das respektlose du benutzt, für jeden, der der türkischen Sprache mächtig ist, war das eine eindeutige Herabwürdigung.
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@rumsstein,
Du gehst mit Recht davon aus, das ich der türkischen Sprache nicht mächtig bin.
Das dem Herrn Erdogan der Unterschied zwischen Du und Sie geläufig ist gehe ich ebenfalls aus. Ansonsten hätten seine Berater schwer versagt.
Nur noch eins, im Ausland werde ich nicht von Ausländern geduzt sondern von Einheimischen.
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Im Innenverhältnis sind Einheimische für dich Ausländer, Türkeifliegender.

Ich nehme an, dass Herr Erdogan nur Beratern folgt, die ins selbe Horn tuten. Noch mehr aber nehme ich an, dass er diese "Ey Rutte!" Tour ganz bewusst zu seiner Imagepflege im Sinne von "Denen zeigen wir jetzt mal wo der türkische Frosch die Locken hat, diesen ungläubigen Europäern!" einsetzt. Sein Nimbus ist der des starken Mannes, quasi eines Volksvertreters, der jedem die Stirn bieten kann und mit jedem Problem fertig wird. Damit trifft er den Nerv eines traditionell stolzen Volkes, das sich jedoch mangelhaft anerkannt fühlt und selbst auch nicht mehr so recht weiß, worauf es eigentlich stolz sein soll. Solche Stolzen gibt´s übrigens auch mitten in Europa - hängen am Tropf und fühlen sich dennoch nicht ausreichend gehuldigt.
Sachlichkeit ist da nicht gefragt, es geht rein um die Kultivierung einer bestimmten Aussenwirkung. -
@VS. ,
Zustimmung in Allen Belangen. -
Im Innenverhältnis sind Einheimische für dich Ausländer, Türkeifliegender.

Ich nehme an, dass Herr Erdogan nur Beratern folgt, die ins selbe Horn tuten. Noch mehr aber nehme ich an, dass er diese "Ey Rutte!" Tour ganz bewusst zu seiner Imagepflege im Sinne von "Denen zeigen wir jetzt mal wo der türkische Frosch die Locken hat, diesen ungläubigen Europäern!" einsetzt. Sein Nimbus ist der des starken Mannes, quasi eines Volksvertreters, der jedem die Stirn bieten kann und mit jedem Problem fertig wird. Damit trifft er den Nerv eines traditionell stolzen Volkes, das sich jedoch mangelhaft anerkannt fühlt und selbst auch nicht mehr so recht weiß, worauf es eigentlich stolz sein soll. Solche Stolzen gibt´s übrigens auch mitten in Europa - hängen am Tropf und fühlen sich dennoch nicht ausreichend gehuldigt.
Sachlichkeit ist da nicht gefragt, es geht rein um die Kultivierung einer bestimmten Aussenwirkung.@vonschmeling sagte:
Sachlichkeit ist da nicht gefragt, es geht rein um die Kultivierung einer bestimmten Aussenwirkung.
Dann komm diese Kultivierung aber nicht von "Kultur". Maximal von "Kult". Und diesen Kult mag ich nicht. Scheint aber leider gerade "in" zu sein. Wird auch nicht besser, wenn man dass Getröte im Surround hört.
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Im Innenverhältnis sind Einheimische für dich Ausländer, Türkeifliegender.

Ich nehme an, dass Herr Erdogan nur Beratern folgt, die ins selbe Horn tuten. Noch mehr aber nehme ich an, dass er diese "Ey Rutte!" Tour ganz bewusst zu seiner Imagepflege im Sinne von "Denen zeigen wir jetzt mal wo der türkische Frosch die Locken hat, diesen ungläubigen Europäern!" einsetzt. Sein Nimbus ist der des starken Mannes, quasi eines Volksvertreters, der jedem die Stirn bieten kann und mit jedem Problem fertig wird. Damit trifft er den Nerv eines traditionell stolzen Volkes, das sich jedoch mangelhaft anerkannt fühlt und selbst auch nicht mehr so recht weiß, worauf es eigentlich stolz sein soll. Solche Stolzen gibt´s übrigens auch mitten in Europa - hängen am Tropf und fühlen sich dennoch nicht ausreichend gehuldigt.
Sachlichkeit ist da nicht gefragt, es geht rein um die Kultivierung einer bestimmten Aussenwirkung.@vonschmeling sagte:
Ich nehme an, dass Herr Erdogan nur Beratern folgt, die ins selbe Horn tuten.
Falsch, Herr E. ist ein Führer und als solcher "folgt" er keinem! Und seine "Berater" sind solche nach dem Motto: "Wes Brot ich ess´, des Lied ich sing!"
LG
Sokrates
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@Sokrates,
Du hast sicher recht mit der Behauptung, dass Herr E. ein "Führer" ist und ganz sicher ein Egomane sonder Gleichen.
Allerdings wenn er nur ein Funken Verstand hat, hört er seine Beraster an. Er wird sich diese mit Sicherheit nach seinem Gusto ausgesucht haben. -
Wir meinen dasselbe, Sokrates ...

Er umgibt sich mit nickenden Marionetten, da muss der Türkeifliegende sämtliche Hoffnungen auf guten Rat wohl leider fahren lassen.
Kultivieren bedeutet etwas unter (erheblichen) Einfluss wachsen zu lassen. Kult ist etwas anderes - wenngleich es diesen sicherlich auch gibt um die Figur. -
@vonschmeling sagte:
Sachlichkeit ist da nicht gefragt, es geht rein um die Kultivierung einer bestimmten Aussenwirkung.
Dann komm diese Kultivierung aber nicht von "Kultur". Maximal von "Kult". Und diesen Kult mag ich nicht. Scheint aber leider gerade "in" zu sein. Wird auch nicht besser, wenn man dass Getröte im Surround hört.