Animation in Hotelanlagen
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Naja - es gibt ja wilde Geschichten über den Ani-Job, samt diverser Mythen und Mysterien ... aber das Engagement einer einzigen Animateurin ohne jede Landeskenntnis und Vorbereitung auf ihren Job - gepaart mit einer Vorausleistung ohne Bezahlung mutet nun doch ein wenig bizarr an?!
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Natürlich arbeiten derlei Agenturen nicht konform mit den Tarifen oder Bedingungen, die gewerkschaftlich erwirkt werden können. Das Beispiel von Siggi55 allerdings sprengt aus meiner Sicht jeden normalen Rahmen.Zudem muss man sich doch fragen, was für einem Hotelier man sich da anvertraut, wenn der einem derartige Kapriolen zumutet?
Das ist dann wirklich Las Piranjas - oder fressen, bevor man gefressen wird?!
Ein solches Etablissement würde ich auch nicht mehr unter Zwang buchen - ganz gleich ob ich nun Wert auf Animation lege oder nicht.
Immerhin würde ich Wert legen auf die Beachtung der Menschenwürde - auf beiden Seiten!
Somit ein No-Go erste Güte - und auch nicht wirklich die verbreitete Praxis (nach meiner Erfahrung!)

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Der Job als Animateur ist der Traum vieler junger Leute, die dem Alltagstrott entfliehen wollen. In Crashkursen werden sie für den Dienst am Cluburlauber trainiert um sie auf die Saison vorzubereiten. Und da es genug Menschenmaterial gibt die sich für so eine Aufgabe hergeben ist das Training besonders streng. Auch stehen sie durch die Ausbilder unter strenger Beobachtung Die gucken schon sehr genau, ob man spätabends noch motiviert ist. Denn wer nicht die richtige Power hat, ist ungeeignet und wird wieder nachhause geschickt und steht dann im Heimatland vor dem Nichts weil Wohnung und Job gekündigt wurden. Bewerber sollten kontaktfroh, flexibel und belastbar sein. Morgens um acht beginnt das Programm mit Aerobic. Danach folgt der gemeinsame Clubtanz. Außerdem muss jede Gruppe eine eigene Abendshow einstudieren. Das Programm geht bis in die tiefe Nacht. Anschließend geht es mit den Gästen noch an die Bar. Drei, vier Stunden Schlaf pro Nacht sind die Regel. Das große Geld ist im Animationsjob nicht zu verdienen. Max. 700 € netto, Kost und Logis sind frei. Die meisten haben sich beworben, weil sie keine Lust mehr auf ihren Acht-Stunden-Job haben oder "noch was erleben" wollen, bevor sie 30 sind. Der Traum wird aber für manche schnell zum Albtraum denn Animation kann nur machen, wer wirklich dahinter steht, sonst hält man nicht mal den halben Sommer durch.
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Aus früherer Berufserfahrung weiß ich, dass auch deutsche Bildungsträger im Auftrag bzw. mit Unterstützung des Arbeitsamtes Animateure ausgebildet haben, wenn ich mich recht erinnere, dauerte die Ausbildung 18 Monate. Die Kursinhalte waren recht anspruchsvoll, es gab auch Seminare in Psychologie und Unterricht in zwei Fremdsprachen. Ich weiß es von damaligen Trainern, dass die deutschen Animateure als Animateure de luxe betrachtet wurden, da sie die beste Ausbildung hatten. Sie waren später im Einsatz natürlich auch versichert, ein Teil des Gehaltes wurde zumindest bei manchen Arbeitgebern einbehalten und auf ein Depotkonto eingezahlt, so dass die Animateure später wieder in Deutschland ein finanzielles Polster hatten. Bei den einheimischen Animateuren zum Beispiel in der Türkei sieht das, fürchte ich anders aus, allerdings habe ich darüber keine gesicherten Informationen.Es gab sogar eine Ausbildung für ältere Arbeitslose als Seniorenentertainer, die aber hauptsächlich in Deutschland z.B in Kurhotels eingesetzt werden sollten.
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Genauso läuft das ab. Die Unternehmen rekrutieren gerade jede Menge Menschenmaterial für die kommende Saison 2014. Da fragt man sich, wo sind denn die vorherigen Mitarbeiter alle geblieben ...? Auch Aldiana läßt jede Woche z.B. auf Djerba junge Leute einfliegen. Angelockt mit großen Versprechungen werden sie nach ein paar Tagen Training verstehen und durchschauen was da für ein menschenunwürdiges Programm abläuft. Welcher ausgebildete Sporttrainer mit Lizenzen will oder kann für so schlechte Bezahlung im Hotel arbeiten?
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rumsstein
Es gab sogar eine Ausbildung für ältere Arbeitslose als Seniorenentertainer, die aber hauptsächlich in Deutschland z.B in Kurhotels eingesetzt werden sollten.Ähnliches gibt's noch. Habe neulich bei einem Klassentreffen solch einen Seniorenentertainer getroffen. Er macht es für Busreisen, angeboten von... der Arbeiterwohlfahrt (?). Ich meine, das wär's gewesen.
Er betreut / unterhält während der Fahrt im Bus und ist auch für die Ani in den Hotels verantwortlich. -
Bei Aldiana beispielsweise staffelt sich der Verdienst der Animateure nach Jahren der Firmenzugehörigkeit.
Im ersten Jahr gibt es aktuell €750, im zweiten €880, im dritten €940 und dann €1000.
Die Mindestlaufzeit eines Vertrages beträgt 8 Monate, vorausgesetzt wird mindestens ein mittlerer Bildungsabschluss, eine abgeschlossene Berufsausbildung oder fakultativ Abi und mehrere Semester Studium.
Bevorzugt werden Leute, die eine praxisbezogene Ausbildung vorweisen, beispielsweise einen Trainerschein oder pädagogische Kenntnisse.
Je nach Einsatzbereich, Eignung und Interesse wird man natürlich auch in die abendlichen Shows einbezogen - allerdings nicht auf Deibel komm raus. Wenn man mangels schauspielerischer Neigung nur Statistenrollen übernehmen mag, ist das auch okay.
Interessant ist das Ganze, wenn man tatsächlich Bock auf den Job hat und nicht zuhause noch eine leerstehende Wohnung an der Backe; dann bleibt einem nämlich fast der gesamte Verdienst und ich kenne nicht viele junge Menschen, die in 8 Monaten mal eben ca. €6000 auf die Seite bringen.@xadoo
Eine Bitte: Benutze nicht das Wort "Menschenmaterial" (sein naher Verwandter "Humanmaterial" hat es immerhin 2009 zum Unwort des Jahres gebracht ...).
Wenn du dich fragst, warum Nachwuchs gebraucht wird, ist die Anwort sehr naheliegend: Animation ist für die allermeisten ein Job auf Zeit und keine Lebensaufgabe. Das bedingt eine hohe Fluktuation und entsprechenden Nachwuchsbedarf. Mit "Verschleiß" hat das eher nichts zu tun, es liegt einfach in der Art der Aufgabe. Ich kenne allerdings einige, die schon seit vielen Jahren dabei sind (insbesondere beim Wassersport), andere wiederum haben einfach ein lustiges Jahr und wenden sich dann einer beruflichen Karriere zu, die man als Ani schlichterdings nicht anstreben kann.
Natürlich gibt´s Riesenunterschiede in den einzelnen Agenturen und - wie fast in jedem Bereich - schwarze Schafe, die ihre Teams fressen, kauen und wieder ausspucken, aber ich will nicht die Welt retten und würde jedem Interessenten an einem Job im Bereich raten, sich sehr genau die Konditionen anzusehen.
Es sei denn, man steht sowieso mit dem Rücken zur Wand und hat absolut nichts zu verlieren ...

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... nun sollte man hier nicht alle Animateure oder die Animation im Allgemeinen über einen Kamm scheren, da gibt es schon gewaltige Unterschiede.
Niveaulimbo vom Feinsten hatte ich mal im Spätherbst in einem RIU-Hotel auf Mallorca, als sich diese beiden Protagonisten am "Dinner for one" versuchten, das war so schlecht, dass es schon fast wieder gut war, alle Klischees wurden erfüllt.
Dagegen war das Animations/Unterhaltungsprogramm auf der "Oasis of the seas" einfach sensationell, nicht umsonst ist es besser, die Shows an Bord vorab im Internet zu reservieren, da die Plätze begehrt sind und man sonst nur noch ggf. mittels Warteliste Einlass findet. Die Darsteller der "Oasis of dreams" Wassershow müssen ausgebildete Wassersportler sein, wer sonst stürzt sich mit Schrauben und Saltos aus über 20Metern Höhe in ein winziges Wasserbecken, dazu Trapezkünstler, Wasserballett, Trampolinspringer, atemloses Staunen und donnernder Applaus.
Auch die Eisrevue an Bord, wo eine Adaption von Hans Christian Andersens "Des Kaisers neue Kleider" dargeboten wurde haben ihre Zwei-u. Dreifachsprünge nicht im Crashkurs eingeübt, auch nicht die Tänzer und Sänger der Musicalaufführungen im Bordtheater, überall waren Profis am Werk...
Und solche gelungen Animationen schaue ich mir dann gerne an. Auch habe ich keine Problem mit netten Animateuren im Hotel (wenn ich denn mal da bin) etwas Smalltalk zu machen. Und wenn ich nicht genötigt und von der Liege gezerrt werde oder einfach nur mal Bock habe, dann gehe ich eben Bogenschießen, Volleyball spielen, werfe die Kugeln beim Bocchia, usw. und ja, auch eine "Misterwahl" hab da ich schon mal gewonnen und beim "Musikquiz" oder "Bingo" am Abend, warum nicht. Ist doch alles nur Spaß und im Urlaub soll doch jeder nach seinen Bedürfnissen glücklich werden. -
Kourion:
Ähnliches gibt's noch. Habe neulich bei einem Klassentreffen solch einen Seniorenentertainer getroffen. Er macht es für Busreisen, angeboten von... der Arbeiterwohlfahrt (?). Ich meine, das wär's gewesen.
Er betreut / unterhält während der Fahrt im Bus und ist auch für die Ani in den Hotels verantwortlich.Siehe hierzu:
Kommissare Stöver und Brockmöller im Ruhestand als Entertainer auf Kreuzfahrtschiffen.
Unterhaltung und Animation war schon immer angesagt! -
Rhodos-Peter:
... nun sollte man hier nicht alle Animateure oder die Animation im Allgemeinen über einen Kamm scheren, da gibt es schon gewaltige Unterschiede.Hat man nicht, die Unterschiede wurden mehrfach betont.
Eine 18monatige Schulung kenne ich allerdings auch nicht, in dieser Zeit könnte man ja 3 Flugbegleiter ausbilden ... ?

Letztlich spielt es auch keine Rolle, wie es vor Jahren mal war - Hotels bzw. Clubs jedenfalls, die Wert auf eine gute Animation legen, haben heute entsprechende Auswahlkriterien bezüglich der mitzubringenden Eigenschaften. Da bedarf es dann auch keiner breit angelegten Ausbildung mehr, im Grunde beginnen die eigentlichen Vorbereitungen vier Wochen vor dem Start und die Feinarbeiten dauern in bestimmten Bereichen über die ganze Zeit des Engagements an.
Über die Qualität entscheiden dann die Urlauber - da gibt´s durchaus Newbies, die vom Fleck weg die Herzen erobern, ebenso wie alte Hasen, die immer noch ein wenig spröde wirken. Ganz wichtig ist ebenfalls das Gesamtkonzept - in einem krawalligen wird der netteste Ani nervtötend erscheinen und im besten Fall beschäftigen sich damit echte Profis.
Scheinbar sind mit der größeren Zurückhaltung und strengeren Regeln auch die Spontanverliebungen etwas auf dem Rückzug - man liest immerhin nur noch sehr selten Beiträge der Art "Kennt jemand den Jimmi vom Hellas Sunshine Palace, der is voll süß!" ...

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Wen es interessiert, der Link zu dem Institut, das ich meinte. Ich muss mich korrigieren, es waren 12 bzw. 14 Monate. Keine Schleichwerbung, das Institit gibt es nicht mehr.
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Von mir auch einige Anmerkungen:
Ja, die Animateure haben einen harten Job, vor 1/3 kommen die nicht ins Bett.
Ich war jahrelang in den Clubs Alltoura, von Alltours:Ägypten, Fuerteventura, Lanzarote (Club Albatros, zig x), Teneriffa, Gran Canaria, Mallorca. (natürlich als Gast
). Da habe ich viele Mitarbeiter ,Clubchefs, kennengelernt und immer wieder getroffen. Es waren da sehr gute Animateure dabei, die alles konnten und auch gern' machten. Eine Clubleiterin (Sofi) bildete die Animateure aus und studierte neue Shows ein. Die wollte weiter und landete im Theater und Fernsehen und stieg auf.
In einem Jahr im Albatros, da war eine neue Animateuse, nicht mehr so jung. Die war im Osten arbeitslos. Das Amt vermittelte sie als Animateurin. Die konnte nichts und hatte auch keine Lust. Es lag aber nicht an dieser Dame, die hätte gern' was Richtiges gemacht.
Dann ließ es mit der Animation und Qualität allmählich nach bei Alltours.
Jetzt sollen im Albatros auswärtige Animateure sein,die kosten dem Hotel oder Alltours keine Sozialleistungen.
So geht alles dem Bach runter.
Thema Animation; brauche ich nicht, aber ich picke mir die Sachen raus, die ich mag.
Musik am Pool und in der Anlage höre ich gerne. Wir liegen aber nie am Pool, gehen nur zum Schwimmen rein.
Gruß
Siegi -
xadoo: ... Drei, vier Stunden Schlaf pro Nacht sind die Regel. Das große Geld ist im Animationsjob nicht zu verdienen. Max. 700 € netto, Kost und Logis sind frei...
Wer sich als Animateur bei einem RV bewirbt, dem kann ich echt nur raten, bei diesem den kompletten Vertrag möglichst nur nach deutschem Arbeitsrecht abzuschliessen. Inkl. aller hier üblichen Sozialleistungen.
Denn es geht nämlich auch so: ...Logis frei..., aber dann mit mindestens 3 weiteren Animateuren irgendwie eingepfercht... Und maximal 200 Euronen Cash für den 20 Std. Job, das sind die Tarife dann vom Hotel vor Ort.
In der Dom. Republik gab es in den letzten Jahren noch ne neue Masche - da wurden routiniere Animateure rausgeschmissen und durch Praktikanten ersetzt.
Animateur - ein Traumjob? Die Wahrheit steckt da wohl im ländertypischen Vertragsdetail.
LG
Dagmar -
daggy1:
Wer sich als Animateur bei einem RV bewirbt, dem kann ich echt nur raten, bei diesem den kompletten Vertrag möglichst nur nach deutschem Arbeitsrecht abzuschliessen. Inkl. aller hier üblichen Sozialleistungen.Da hat der Bewerber wohl keine Wahl. Der Veranstalter bestimmt die Vertragsbedingungen!
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Xadoo, Wir reden hier von Bewerbern, die sich in Deutschland bewerben? Bei einem RV oder wo auch immer? Wenn ich dann jedoch Berichte hören, dass sich namhafte Firmen um Hauptschüler mit durchschnittlichem Abschluss prügeln, die vor einigen Jahren keine Chance gehabt hätten, um überhaupt Azubis zu bekommen, kann ich mir nur schwer vorstellen, dass potentielle Animateure Schlange stehen müssen. Und letztlich entscheide ja immer ich als Bewerber noch, ob ich einen miesen Vertrag annehme oder nicht. Wenn der Arbeitgeber mir nicht entgegenkommt, dann lasse ich es, es wird keiner zu einer bestimmten Arbeit gezwungen. Und wie gesagt, gerade für junge Leute sieht es im Moment wohl hervorragend aus.
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Ist aber so.

Wer auch immer sich um die Hauptschüler prügeln mag - die Unternehmen auf der Suche nach Anis haben (noch!) wenig Sorge um Nachwuchs.
Wenn dann bald mal 357 BWL Absolventen auf einen Maler kommen wird sich das kaum verschlechtern ...
Sofern man die Hürde der Voraussetzungen nimmt, herrscht bei vielen Urlaubsfabriken tatsächlich das Schema vor und oberflächlich kann auch nicht verhandelt werden.
Ich finde das allerdings auch nicht schlimm - nimm an oder lass es!
Im Grunde ist diese Demokratie beispielgebend: Seine tatsächliche Eignung für den Job muss man erst beweisen und kann nicht mittels diverser Diploma "besser" starten. -
So gesehen, ja. Das war mir neu, aber mit der BWL/Maler Ratio macht das Natürlich Sinn. Ich will auch nicht abstreiten, dass man auch durch einen schlecht bezahlten Job mit widrigen Arbeitsbedingungen Erfahrungen sammeln kann, die sich später in Gold aufwiegen lassen. Seine Reize hat das bestimmt, und wenn man diesen Job bewusst für eine begrenzte Zeit macht, kann das natürlich produktiv sein. Am besten ist es wahrscheinlich, wenn man so etwas voller Leidenschaft, aber ohne Illusionen angeht.