Kuba erlaubt Einblick in die Wirtschaftsmisere
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BLOCKADE??
Ein typisch kubanisches Paradox ist, dass die Regierung fast täglich das US-Handelsembargo kritisiert, gleichzeitig aber die USA in der Außenhandelsstatistik als fünftgrößtes Lieferland nach Venezuela, China, Spanien und Deutschland erscheinen. Die „Blockade“ ist alles andere als flächendeckend
30 000 Ärzte arbeiten im Ausland
Widersprüchlich ist die Darstellung der medizinischen Versorgung, eine der Vorzeige-Errungenschaften. Die Zahl der Ärzte steigt auf einem für ein Entwicklungsland sehr hohen Niveau noch an. Zwischen 2001 und 2006 wuchs die Zahl von 66 300 auf 71 500 an. Rechnerisch ergibt sich daraus eine äußerst gute Relation von 158 Kubanern je Arzt, zehn Jahre früher lag sie bei 183, vor zwanzig Jahren bei 441.Obwohl Kuba die Güterausfuhren gesteigert hat, was vor allem auf den Nickelexport zurückgeht, fährt es ein wachsendes Handelsbilanzdefizit ein, was auf die unzureichende Leistungskraft der Landwirtschaft und Industrie zurückgeht. Die Industrieproduktion erreicht weniger als die Hälfte des Standes von 1989. Wichtige Branchen wie Textil, Papier, holzverarbeitende oder Maschinenbauindustrie sind kaum noch existent.
Das Land muss sich aber auch mit Nahrungsmitteln zunehmend aus dem Ausland versorgen. Die Erzeugung von Milch, Fleisch, Kartoffeln, Bananen, Getreide, Früchten ist sogar im Vergleich zu 2001, als die Implosion des Sozialismus Kuba schon voll getroffen hatte, rückläufig. Die Produktion von Geflügelfleisch hat sich seit 2001 fast halbiert. Dabei ist in der Landwirtschaft noch ein Fünftel aller Erwerbstätigen beschäftigt.
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juanito wrote:
Das Land muss sich aber auch mit Nahrungsmitteln zunehmend aus dem Ausland versorgen. Die Erzeugung von Milch, Fleisch, Kartoffeln, Bananen, Getreide, Früchten ist sogar im Vergleich zu 2001, als die Implosion des Sozialismus Kuba schon voll getroffen hatte, rückläufig. Die Produktion von Geflügelfleisch hat sich seit 2001 fast halbiert. Dabei ist in der Landwirtschaft noch ein Fünftel aller Erwerbstätigen beschäftigt.Hola Juanito!
Sehr gute Information! Was denkst du an was das liegt? Zu viele Turistas? Kann das Eiland die Eigenversorgung plus die der Turistas von den verfügbaren Kapazitäten her nicht schaffen? Oder ist das wieder das berühmte "Mißmangement" des Sozialismus?
Gruß Belicosos -
aengler wrote:
Na, das ist ja hochinteressant
Falscher Smilie!!Belicosos Finos wrote:
...Was denkst du an was das liegt? Zu viele Turistas? Kann das Eiland die Eigenversorgung plus die der Turistas von den verfügbaren Kapazitäten her nicht schaffen? Oder ist das wieder das berühmte "Missmanagement" des Sozialismus?Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks hatte Kuba schlagartig seine wichtigsten Partner verloren. Das Bruttosozialprodukt schrumpfte in den Folgejahren um rund 35 %.
Seither erholt sich das Land zusehends – nicht zuletzt dank der neuen, vor allem auf das persönliche Verhältnis zwischen Fidel Castro und Hugo Chavez abgestützten Partnerschaft, das Kuba die Deckung seines stark von Erdölimporten abhängigen Energiebedarfs weit unter den Weltmarktpreisen ermöglicht.
Die Staatsführung hält unverändert am Sozialismus und insbesondere an einer verstärkten zentralen Planung aller Wirtschaftsabläufe fest. Ein Übergang zu Marktwirtschaft und zu mehr Privateigentum wird abgelehnt.
Jede präzise Analyse der kubanischen Volkswirtschaft leidet darunter, dass verlässlichen Daten fehlen. Weltbank und IWF-Daten stehen nicht zur Verfügung. Die von der kubanischen Regierung gelieferten Daten sind oft nur schwer nachvollziehbar. Seit 2005 gilt dies insb. für die angegebene Wachstumsrate des BIP: die "kubaeigene" Berechnungsmethode des "Sozial nachhaltigen BIP". Sie beruht auf nicht veröffentlichten Parametern und wird international nicht anerkannt.
Eines der Hauptdilemmata der kubanischen Volkswirtschaft sind die ungenügenden Leistungsanreize für die Bevölkerung. Der Anteil der staatlichen Arbeitseinkommen am Gesamteinkommen kubanischen Familien ist seit den 90er Jahren deutlich zurückgegangen. Der Lebensstandard einer kubanischen Familie wird heute weitgehend durch den Zugang zu konvertibler Währung (rund 40% der Bevölkerung erhalten Überweisungen ihrer im Ausland lebenden Verwandten – Schätzungen sprechen von 1 Mrd. US$ pro Jahr, Arbeit im Tourismus, Joint Ventures) und andere Einkommensquellen bestimmt. Das Konzept der "absoluten Armut" (weniger als 1 US$/ Tag) ist auf Kuba allerdings nicht übertragbar, da die Grundnahrungsmittel, sowie die Preise für Wasser, Strom und Gas stark subventioniert werden, und das Gesundheits- und Bildungssystem kostenlos ist.
Es bestehen 236 Joint Ventures und Internationalen Wirtschaftsassoziationen mit ausländischen Firmen (darunter 6 mit deutschen Unternehmen) und noch ca. 90.000 selbständig tätigen Personen ("cuenta-propistas").
Die kubanische Staatswirtschaft ist gekennzeichnet von einer Dekapitalisierung großen Ausmaßes in den Bereichen Infrastruktur, Industrie und Landwirtschaft. Entsprechend niedrig sind Produktivität und teils auch Qualität und Bedarfsdeckung in diesen Bereichen, was hohe Einfuhren nach sich zieht.
Die tragenden Säulen der Wirtschaft sind der Tourismus mit 2,3 Mio. Touristen, mit 2,34 Mrd. US$ Jahreserlöse sowie der Export von medizinischen Leistungen, dessen Einnahmen sich auf die aus dem Tourismus zu bewegen sollen. Es folgen die Nickelproduktion und der Nickelexport mit ca. 1 Mrd. US$, die ca. 45% der Anteil an den Güterexporten von schätzungsweise 2,25 Mrd. US$ haben. An dritter Stelle stehen die Auslandsüberweisungen der Exilkubaner von jährlich ca. 1 Mrd. US$
Kuba muss heute den überwiegenden Teil seines Lebensmittelkonsums importieren. Hauptgrund hierfür sind die geringen Freiräume für unternehmerische Initiative, die stark subventionierten Lebensmittelpreise mit der Folge zu niedriger Erzeugerpreise, schlechte Infrastruktur sowie unternehmerische Fehlentscheidungen. Die kubanischen Lebensmittelimporte allein aus den USA belaufen sich auf über 340 Mio. US$.
Der einst größte Rohzuckerproduzent der Welt, hat seine Anbaufläche seit 2003 um 60% reduziert und die Hälfte der Zuckermühlen geschlossen. Erst seit die Zuckerpreise weltweit wieder steigen zeichnet sich eine Trendwende ab. Für 2006 wird eine Zuckerernte von 1,6 Mio. Tonnen erwartet (2005: 1,3 Mio. Tonnen). Die Zuckerrohrplantagen nehmen 40 Prozent des gesamten Ackerlandes ein. Der Zucker bringt dem Land etwa 75 Prozent der Exportwerte. Die gesamte Wirtschaft hängt deshalb von der Zuckerrohrernte ab. Zweites wichtiges Agrarerzeugnis ist der Tabak. Durch die Monokultivierung der Agrarflächen ist eine wirtschaftliche und erfolgreiche Landwirtschaft mit Erzeugnissen von Reis, Mais, Kaffee, Kakao, Zitrusfrüchte, Ananas, Bananen, Kartoffeln, Bataten, Maniok, Bohnen, Tomaten und Baumwolle nicht mehr möglich.
Quellen:
ONE, Cepal, Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Außenwirtschaft, Auswärtiges Amt, Humboldt-Universität -
Dylan wrote:
Heute auf 3SAT, um 21:00 Uhr:Kuba zwischen Mangel und Mythos
Das war aus meiner Sicht ein sehr fairer, offener Bericht !

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Hola Amigos!
Ich schließe mich an! Das war endlich mal ein sehr neutraler, offener Bericht über Cuba. Ohne irgendwelche von den Amis geschürrte Hetze. Positiv fand ich daß Raul nicht als der der böse kleine Bruder dargestellt wurde. Mich persönlich hat es ein wenig überrascht, daß gerade Raul (ihm wurde ja immer "Hardlinertum" nachgesagt) Cuba liberaler gestalten will. Und daß Deutsche Firmen mit Cuba kooperieren, vielleicht kommt das Ganze noch ein bissl mehr in die Gänge.
Super Bericht!
Gruß Belicosos -
ja, schöner Bericht!
Wenn man das ganze live erlebt hat, sieht man es aus anderer Perspektive. Die elende Armut im Lande ging im Bericht zwar unter, aber es ist auch mal gut, das Positive rauszustellen.
In Havanna wird angefangen, die Wasserleitungen, Stromleitungen zu erneuern, auf modernen Standard zu bringen. Bei einem solchen Rückstand von fast 50 Jahren wird dies einige Zeit in Anspruch nehmen, vor allem für die Landbevölkerung ändert sich da ewig nichts.
Es ist alles ein Tropfen auf den heißen Stein, auch klar, aber besser als nichts.
Ich möchte hier keine Ost/Westdebatte anfangen, denn die Vorraussetzungen standen doch etwas anders, wenn auch ähnlich gelagert.
Aber man sieht heute im Osten unserer Republik blühende Landschaften.Ich will damit nur sagen, Kuba muß aus eigener Kraft wachsen. Nicht nur durch Venezuelas Subventionen, sondern Geschäfte mit dem Ausland. In diesem Fall das europäische Ausland, warum wissen wir ja Alle.
Das Embargo mit USA ist halt schon ein großes Ärgernis, denn die Wege wären optimal für ein wachsendes Kuba.
Durch den Mangel an Mitteln geht es der Bevölkerung ähnlich, wie der Unsrigen nach dem 2.Weltkrieg. Leider sieht es in Kuba auch vielerorts so aus
, aber die Menschen entwickeln ungeahnte Kräfte und gerade diese deutsche Tugend wird an den Kubanern als Geschäftspartner sehr geschätzt.LG
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Belicosos Finos wrote:
...offener Bericht über Cuba.Ich glaube nicht, dass dies ein offener Bericht war! So schnell geht das mit der Demokratisierung nun auch wieder nicht. Mit Sicherheit lag die Zensur vor.
Ein Schwerpunkt des Beitrages war, dass Raúl Castro Ruz als momentan amtierendes Staatsoberhaupt Reformen unterstützt, und sich dadurch die Lorbeeren vor der Weltöffentlichkeit aufsetzt.
Also wird Raúl schön aufpassen, dass nur Gutes in einem Bericht verarbeitet wird – was ihm weltpolitisch und weltwirschaftlich zu Gute kommt.
Vielleicht bereitet er auch die "feindliche" Übernahme vor und will seinem älteren Bruder Fidel endlich mal eins auswischen.
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man merkt an deinem Pessimismus, wo du aufgewachsen bist. Bin da aber auch speptisch, wenn ich solche Berichte sehe.
Beim biologischen Gemüseanbau mußte ich schmunzeln, wenn ich gesehen habe, wie die alten LKW die Luft verrußt haben und was da so in Havanna gegen Dengue Mücken gespritzt wurde

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Yeti2013 wrote:
Gewundert habe ich mich vor allem darüber, dass Kuba angeblich im großen Stil Medikamente exportiert. Sind deshalb Medikamente in Kuba Mangelware und dürfen Zollfrei eingeführt werden?
YetiMedikamente exportiert????? Die Entwicklung der Medikamente erfolgt in Kuba, hergestellt werden die woanders

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In Lateinamerika ist Kuba heute zum Beispiel der mit Abstand größte Arzneimittel-Exporteur.
hier gelesen:
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/26/0,1872,1404026_idDispatch:7100252,00.html
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Hola Amigos!
Warum soll Cuba nicht Arzneimittel exportieren und dadurch Mangel im eigenen Land haben? Im Kapitalismus (bei uns!) wird Milch ins Ausland exportiert und wir zahlen die höheren Preise weil im eigenen Land die Nachfrage da ist!
Also macht Cuba nix anderes als wir in der "freien Welt".
Gruß Belicosos -
Belicosos Finos wrote:
Hola Amigos!
Im Kapitalismus (bei uns!) wird Milch ins Ausland exportiert und wir zahlen die höheren Preise weil im eigenen Land die Nachfrage da ist!
Also macht Cuba nix anderes als wir in der "freien Welt".
Das sehe ich auch so ! Meine Tochter arbeitet in der Pharmaforschung und hat mir schon vor einiger Zeit erklärt : Auf diesem Gebiet ist Cuba unter den Spitzenländern.
Vielleicht ist es gestern nicht bemerkt worden. : Super Labor mit Geräten aus D liegen still, weil ein Erstatzteil made in USA fehlt.
Lösung: Neu kaufen für 50.000Euro ´, oder verschrotten . Das Ersatsteil - das nur 1000 € kostet, wird in den USA hergestellt und nur von dort lieferbar - niente Embargo .
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Was für ein Embargo?
Womit laufen die Compis in Kuba?
Und was für Hühnerbeine isst du in Kuba?
Hatte das Label schon mal gepostet.

Gerardo Peñalver Portal: Wir sind eine kleine Insel, wir können die USA nicht zwingen, die von ihnen initiierte Blockade aufzuheben!
Wegen der Blockade ist Kuba beispielsweise kein Mitglied der Weltbank, was wiederum bedeutet, dass für Kredite hohe Zinsen bezahlt werden müssen. Außerdem ist es uns nicht möglich, Medikamente, medizinische Geräte oder auch Nahrungsmittel in den USA einzukaufen
Wieviel Lebensmittel importiert Kuba nochmal aus den USA?
Das Embargo gilt nicht für Medis und Nahrungsmittel!
Will "unser" Botschafter uns verar.....? -
Hola Juanito : In dem Fall sprach ich von Hightech vom Feinsten!!!!!!!! :? :? :? Waren es vielleicht 10.000 oder 500.000 EUROS ?
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Das Ersatzteil kostet 1.000,00 Dollar?
OK. Raul kann es über Mexico oder Canada oder Venezuela bestellen.
So wie viele andere Dinge auch.
Kostet eben 10% mehr.Wie früher zu den "guten DDR-Zeiten"

Da konnten die Wessis ihren Verwandten auch einen Trabi für 6.000 DM kaufen. Oder einen der 10000 Golf.Wir könnten auch über eine in Canada ansässige Fa. Lebensmittel an die Freunde in Kuba senden. Auslieferung in 7 Tagen.
Willste den link?
Die Pollos die nicht offiziell geliefert werden, werden von einem Sow. Schiff angeliefert.