Die Deutschen flüchten vom Lande
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Wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte, betrug der Bevölkerungsanteil in ländlichen Gebieten Deutschlands Ende 2003 12.7 Mio. = 15.4%, während er Ende 1994 noch 18.7% betragen hatte.
Der Bevölkerungsanteil in den städtischen Regionen blieb gleich, nahm aber in halbstädtischen Gegenden, also Kleinstädten oder Orten im Einzugsbereich großer Städte, entsprechend zu.Wo lebt Ihr am liebsten? Was sind aus Eurer Sicht die Vorteile bzw. Nachteile eines Lebens auf dem Lande oder in der Großstadt oder in halbstädtischen Gegenden?
Warum lebt Ihr da, wo Ihr lebt? -
Den Trend leb ich schon lang!
Finde es super Stadt-nah zu wohnen und trotzdem meine Ruhe zu haben. Wg des Studiums wohn ich in der Stadt, freu mich aber immer wieder nach Hause zu kommen, auch weil die Stadt kein Vergleich ist zu den Städten in meiner Umgebung!
(extra keine Städtenamen genannt, will ja keinem auf die Füße treten)
Für ein (langes) Wochenende find ich Großstädte super, aber auf Dauer isses doch nix ...für mich! -
Wie ich finde eine intessante Studie. Ich habe schon beide Lebensformen "erlebt", bin in einer Großstadt im Rhein-Neckar Raum aufgewachsen und wohne seit mittlerweile 12 Jahren in einem 400-Seelen Dorf in Bayern. Für mich bietet das Leben auf dem Land nur Vorteile. Die Ruhe, die Dorfgemeinschaft, die Hilfsbereitschaft der Menschen untereinander und nicht zuletzt die Nähe zur Natur - alles sehr wertvolle Bestandteile des Lebens auf dem Land.
Im krassen Gegensatz steht für mich das Leben in der Großstadt. Hektik, Anonymität, Verkehrschaos - das alles brauche ich für ein schönes Leben nun wirklich nicht. Der einzige Vorteil den ich sehe, ist wohl die Nähe zu einem möglichen Arbeitsplatz.Ich fühle mich sehr wohl auf dem Land und wenn es irgendwie zu vermeiden ist, so möchte ich eigentlich nie mehr in einer Großstadt leben.
Gruß Dirk
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@Dirk!
So groß war die Großstadt im Rhein-Neckar-Raum ja nicht, oder
!
Komme nämlich auch aus der Region! Gut ich wollte auch nicht in MA oder LU direkt wohnen, aber drumherum ists schön!
Aber Bayern find ich auch klasse! War da früher immer mit meinen Eltern Urlaub machen.
Sehen an unserer Gemeinde, der Zuwachs gerade von Familien mit kleinen Kindern ist enorm, Grundstückspreise sind schon fast so hoch wie in der Stadt! -
Ich bin in einer westfälischen Kleinstadt mit ca. 30.000 Einwohnern aufgewachsen und lebe, seit ich arbeite (ca. 16 Jahre), in der Großstadt. Möchte NIE mehr in eine Kleinstadt zurück. Ich kehre nur in mein Heimatkaff zurück, um meine Eltern zu besuchen, ansonsten säh man mich dort nicht wieder.
Die ganze gruselige Verwandtschaft meines Vaters wohnt dort und macht meinen Eltern das Leben schwer. Daher verbinde ich wohl Kleinstadt immer mit missgünstigen Nachbarn und Verwandten, die über andere besser Bescheid wissen als über sich selbst und einem nicht das Schwarze unter'm Fingernagel gönnen...Gruss,
Sambal -
Ganz Deiner Meinung. Sambal, ich komme auch aus einer Kleinstadt in Bayern (20.000 Einwohner) und fahre dort ca. 2-3 mal im Jahr hin um meine Eltern zu besuchen. Das reicht dicke! Ich bin froh, dass ich in Stuttgart lebe, da sind mehr Angebote, sei es in Kultur, Ausstellung, Events usw. In so einer Kleinstadt oder auf dem Land versauert man ja mit der Zeit. Alles ist so kleinkariert, die Nachbarn ratschen über einen und alles, also ich ginge nie mehr zurück
Gruß
Pingu -
Bis unsere Kinder ins Teenie-Alter kamen, haben wir immer auf dem Dorf gewohnt. Ich glaube, die Kindheit meiner Kinder wird ihnen ewig in Erinnerung bleiben. Tür auf und raus zum Spielen. Fernseher war völlig uninteressant! Sie hatten viele Freunde, die auch Klassenkameraden waren, und konnten so richtig rumferkeln. Manchmal habe ich erst abends in der Badewanne gesehen, ob ich die richtigen Kinder im Hause hatte.
Seit dem Teenie-Alter wohnen wir aber in der Kleinstadt, in der sie auch zur Schule gehen. Für mich auch eine große Entlastung, da ich irgendwann das Gefühl hatte, nur noch im Auto zu sitzen und die Kinder zu chauffieren. Außerdem können sie abends doch ein bißchen um die Häuser ziehen.
Aber ich könnte mir vorstellen, meinen "Lebensabend" wieder auf dem Lande zu verbringen. -
Hallo allerseits
Um nichts in der Welt möchte ich in einer Großstadt leben.Ebenfalls aber auch nicht auf dem Land.Das wäre mir dann doch etwas zu einsam.
In unmittelbarer Nähe allerdings eine Großstadt zu haben,finde ich in Ordnung.Bis nach Stuttgart sind es von mir aus gerade mal 15 Autominuten.Die nächste Kreisstadt ist ebenfalls nur 3 km weg.In dem Ort,den ich mein zuhause nenne (ca 8000 Einw.)gibt es alles,was man zum Leben braucht.Von gemütlichen Kneipen bis hin zum Bäcker um die Ecke,Kindergärten sowie Grund und Realschule.Schöne Grünanlagen und gerade mal 2 Hauptstrassen befinden sich hier.Auch Menschen,die kein Auto haben,kommen super von A nach B,da wir uns hier an einem kleinen Bahnhof erfreuen können.
Der Ort ist zu ca 70% mit Zonen 30 ausgestattet,leider halten sich viele Autofahrer nicht daran.Wenn man wie ich nicht gerade an einer der 2 Hauptstrassen wohnt,ist es sehr ruhig und man kann die Fenster Tag und Nacht offenlassen.Ausser fröhliches Kinderlachen hört man nichts vom Verkehr.
Da ich bis vor 7 Jahren in einer größeren Stadt gewohnt habe,kenne ich die Nachteile,bzw Vorteile eines Örtchens wie diesem.Möchte nie wieder hier weg,geschweige überhaupt nochmal umziehen.
Sollte sich mein Sohn doch noch fürs Gymnasium entscheiden,wäre er mit dem Bus in 10 Minuten dort.
Für uns gibts nix besseres.LG Silke
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Hallo!
Auch ich bin letztes Jahr von einem 7000 Seelendorf in eine Kleinstadt gezogen. Das aber nur aus dem Grunde, da ich dann näher an meinem Arbeitsplatz wohne und auch mal öffentliche Verkehrsmittel nutzen kann und nicht immer auf den PKW angewiesen bin, wenn man abends mal wegmöchte. In eine Großstadt würde mich persönlich nichts hinziehen. So, wie ich jetzt wohne gefällt es mir sehr gut, wie gesagt Kleinstadt und nur ca. 15 Autominuten von der nächsten Großstadt entfernt. So hat man alles in der Nähe, egal wonach einem gerade ist.
Allerdings werde ich wohl, sobald ich mal Kinder habe, wieder in ein Dorf ziehen, da ich dieses für Kinder einfach schöner finde.
LG
Sabrina -
Meine Kindheit und meine Jugend habe ich, bis auf zwei Jahre in einem Internat, in zwei kleinen Ortschaften im äußersten Westen der BRD, ganz in der Nähe der belgischen Grenze, verbracht. Ich erinnere mich sehr gerne vor allem an meine Kindheit, habe diese Zeit unbelastet verbracht. Wir haben uns selber Bolzplätze gebaut, später im örtlichen Fussballclub gespielt, wir lebten inmitten einer fast unberührten Natur. Es war eine wunderschöne Zeit. Alles, was mich dann später an dieser "Idylle" störte, war damals kein Thema für mich, weil ich halt nichts anderes kannte.
Aus beruflichen Gründen verließ ich mit 21 Jahren mein Dorf und zog in eine ca. 80 km entfernte Großstadt. Dort, mitten in der City, lebe ich jetzt seit fast 43 Jahren und ich könnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, noch einmal zurück in mein Dorf zu ziehen.
Ich schätze an der Großstadt sehr die mich umgebende Anonymität. In meinem Dorf lebte ich wie auf dem Präsentierteller, jeder kannte jeden, wußte über die privaten, finanziellen und sogar intimsten Verhältnisse Bescheid, und wenn man nicht Bescheid wußte, wurde solange gebohrt und nachgeforscht, bis der Wissensdurst gestillt war. Der Klatsch und Tratsch blühte. Wenn nix richtiges bekannt war, was man tratschen konnte, wurde einfach etwas erfunden. Ich schätze auch das kulturelle Angebot der Großstadt sehr, in meinem Dorf gibt es nicht einmal ein Kino.
Am meisten schätze ich aber die großstädtische Lebensart, die Menschen sind einfach toleranter, nicht so "narrow-minded" wie auf dem Dorf. Die Gruppenzwänge in meinem Dorf gingen mir zuletzt immer mehr auf den Senkel. Wenn man sich outfitmäßig unterschied, nicht die Partei wählte, die die überwiegende Mehrheit dort wählte, wenn man weite Reisen unternahm und darüber erzählte etc., geriet man ganz schnell ins gesellschaftliche Abseits, wurde geschnitten oder sogar gemobbt.Und trotzdem: Ich bin ehrlich, manchmal geht mir der Verkehr, der Lärm, der Smog und auch der Dreck (in jeder Beziehung) der Großstadt auf die Nerven. Dann müssen wir mal wieder durchatmen, setzen uns ins Auto, gehen dort in der herrlichen Natur spazieren und....sind heilfroh, wenn wir dann ganz schnell wieder die Großstadt haben. Wir merken: Auf Dauer würde das nix mehr!
Ich habe aber sehr großes Verständnis dafür, wenn jemand von Natur aus lieber in kleineren Ortschaften wohnt, besonders Familien mit kleinen Kindernhaben es mitten in der City einer Großstadt schwer! -
Mit genau diesem Thema beschäftigen mein Mann und ich mich seit geraumer Zeit:
Wir sind beide gebürtige Frankfurter und haben da nahezu die ersten 30 Jahre unseres Lebens verbracht. Als unsere Tochter geboren wurde, sind wir in eine Kleinstadt gezogen, etwa eine Stunde vom Rhein-Main-Gebiet entfernt. Unsere Tochter ist nun groß und hat ihren eigenen Hausstand, ´ne halbe Autostunde von hier entfernt. Unsere Tochter sagt heute, sie habe in diesem "Nest" eine wunderbare Kindheit gehabt. Aber was soll ein junger Mensch im Dorf mit seiner Freizeit anfangen?
Es wurde ihr alles zu eng. Ich verstehe das sehr gut, denn mir war es hier schon immer zu eng. Jetzt gibt keinen Grund mehr, hierzubleiben. Mein Mann pendelt täglich nach Frankfurt, ich habe nur ca. 20 km bis zum Arbeitsplatz. Es zieht uns wieder in die Stadt/an den Stadtrand, wir möchten fußläufig und per S- oder U- oder Trambahn alle für uns wichtigen Örtlichkeiten erreichen können. Wir möchten abends hinausgehen und Lichter sehen. Hier werden um 20 Uhr die Rolläden heruntergelassen. Ruhiges Landleben gibt es auch nicht: Traktoren - in der Erntezeit rund um die Uhr - und Rasenmäher. Wenn der eine Nachbar seine Scholle abgemäht hat, fängt der zweite damit an. Hier gibt es viele Nachbarn, viele Rasenmäher und noch mehr Gras. Wir stecken mitten in der Planungsphase. Es ist nicht ganz einfach: sein Haus zu verkaufen, in dem man ja so viele Jahre gelebt hat. Die Pflege der wenigen Freundschaften wird schwieriger - man hat seinen Doktor, dem man bestens bekannt ist. Es ist doch recht vieles zu bedenken. Ganz konkret: in 5-10 Jahren sind wir nicht mehr hier. Back To The Roots!
Gruß Erika -
@ Erika
Ja. ja. das alte Problem! Fast alle Großstädter, die raus ziehen, kommen irgendwann zurück!
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Auch für uns wäre es ein Alptraum in einer Großstadt zu leben.
Hier, in unserem kleinen Städtchen haben wir Alles was wir benötigen. Der Rhein ist nur wenige hundert Meter entfernt
mit Anlegestelle für Schiffe, an die Bahn sind wir angebunden
und im Nachbarortsteil ist verschiedene Industrie ansässig
so daß, die Arbeitslosenquote sehr moderat ist und ich ca drei
Km bequem mit dem Fahrrad zur Arbeit komme. Ich selbst wohne am Ortsrand ruhig in einer Sackgasse mit ganz tollen Nachbarn zusammen. Probleme wegen Rasenmähens usw.
gibt es bei uns nicht. Wir sind neun Familien und wie eine große Familie feiern wir zusammen Sommerfeste, Grillfeste, machen
"Sauserbummel" und feiern Sylvester zusammen.
Mit zwei anderen Familien gehen wir nun schon mehrmals
zusammen in Urlaub, (das nächste Mal am 11. 06. nach
Garmisch) spielen jeden Freitag miteinander Karten oder
sitzen am Wochenende gemütlich beisammen und quatschen
über Gott und die Welt. Und das nun schon seit ca 16 Jahren!!Wenn ich zum nördlichen Fenster unseres "Büros" (in dem ich gerade sitze) hinausschaue habe ich ca 50 Meter entfernt den Wald
der sich einen Berg hinaufzieht, nach Osten freie Sicht auf
Felder und bis zum Rhein und im Süden und Westen die Häuser meiner Nachbarn. Trotzdem liegt der nächste Supermarkt nur
ein paar hundert Meter entfernt. Und in 10 Autominuten bin ichin einer Großstadt, nämlich Basel (Schweiz) . Nach Lörrach der nächsten größeren deutschen Stadt sind es über den
Berg ca 10 Km. Also alles da!!
Um nichts in der Welt wollten wir unseren idyllischen Wohnplatz
tauschen. Auch unsere Kinder mittlerweile 18 und 22 Jahre
wollen hier nicht weg, haben sie doch eine herrliche Kindheit
mit viel Freunden hier verbracht. -
@ Bernd
Ihr lebt da im Markgräfler Land aber auch in einer wahren Puppenstube, für mich ist diese Gegend mit das schönste, was es in Deutschland gibt. Ihr versteht da bei Euch schon viel mehr von Essen und Trinken als der Durchschnitt der Deutschen, aber Ihr seid auch schnell im Elsaß und habt dann noch eine Steigerung. Die Schweiz liegt vor der Haustür, und Italien ist auch nicht weit.
Ihr fühlt Euch dort wohl, was ich gut verstehen kann, wenn Ihr keine "Berufs-Großstädter" seid, dann bleibt bitte da wohnen! -
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@ Thilo
Du bist ja,soweit ich das weiß,noch recht jung.Zumindest im Gegensatz zu mir.Deshalb wundert es mich etwas,dass Du dich in einem 2000 Einwohner Örtchen wohl fühlst.
Die meisten jüngeren Leute möchten oder brauchen doch Trubel um sich rum.
Zu meiner Jugendzeit hätte ich mir nicht vorstellen können,in so einem kleinen Örtchen zu leben.Grüßchen
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Na ja, er hat ja auch die Großstädte nicht so weit weg, wenn da noch der öffentliche Nahverkehr gut funktioniert, dann kann ich mir schon vorstellen, dass er ganz zufrieden ist.
Bei uns hingegen war tiefste Pampa. Da sind die Bürgersteige schon samstags nachmittags hochgeklappt! -
Das ist sicherlich alles Ansichtssache. Wir leben seit 30 Jahren in Frankreich, in einem Dorf mit ca. 120 Einwohnern. Es gibt hier keinen Laden, keine Kneipe, absolut nichts. Aber auch keinen Nachbarschafts-Streit und kein Getratsche. So ungefähr nach dem Motto: "Laissez-faire, laissez-aller". Wenn aber irgendeiner irgendeinen braucht, ist Nachbarschaftshilfe grossgeschrieben, ohne grosses Getue. Die französische Mentalität ist eben ganz anders als die deutsche. Ansonsten versinkt das Dorf mit Einbruch der Dunkelheit in Tiefschlaf und erwacht mit dem ersten Hahnenschrei, bzw. durch das Läuten der Kirchenglocken um 06.00 Uhr.
Das heisst jetzt nicht, dass ich ein Großstadt-Muffel bin. In Köln (hallo Salvamor) z.B. habe ich auch schon zehn Jahre verbracht, allerdings immer am Stadtrand, wie in Junkersdorf, Müngersdorf, anschliessend rechtsrheinisch (Deutz, Dellbrück) und zum Abschluss Bergisch-Gladbach.
Diese Zeit möchte ich auch nicht missen, aber einer Großstadt war ich noch nie so richtig verbunden. Mir gefällt es hier wo ich bin, das ist so eine Art Lebensqualität, die sich viele nicht vorstellen können, aber ich identifiziere mich absolut damit.
Selbst unsere mittlerweile erwachsenen Kinder, die nicht mehr hier wohnen, sind jedesmal happy, wenn sie hier sind. Das Village ist noch immer ihr "Nest", und wir freuen uns heute immer noch über die Verbundenheit, die sie mit allen Einwohnern hier (sind ja nicht viele) haben.
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Vielleicht kommt es auch ein bißchen darauf an, wo und wie man aufgewachsen ist (@ Klaus - Du hast diesen Ort nicht benannt). Unsere Tochter ist zwar näher an eine Großstadt gezogen, das kleinstädtische Umfeld ist aber auch da vorhanden. So ist sie eben aufgewachsen und vielleicht hat sie ähnliches gesucht. Jeder muß den Ort und das Umfeld finden, in dem er die (eigentlich ja doch recht wenigen) Jahre auf unserer Erde leben will, einen Ort, wo er - und seine Familie - sich wohl fühlt, naja, zuhause ist. Mancher findet ihn nie...
Gruß Erika