Sterbefall im Flieger
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Hallo Leute,
bei unserem letzten Flug (Sint Maarten-Paris mit Air France am 15/16 Oktober) ist und Folgendes passiert:
Medizinischer Notfall - es wird um Arzt gebeten - es waren genug da - trotz Reanimationsversuche und Defibrillation kein Erfolg. Der Patient stirbt. Dies spielte sich ab irgendwo über der Atlantik. Kurz vor La Coruna (schon fast über Spanien) macht der Flieger Kurs nach den Azoren (1000km zurück
), und landete dann in Puenta Delgado.
Ganz viele Formalitäten, eine trauernde Witwe, ganz viel Aufenthalt, und ein Toter, der ziemlich pietätlos aus dem Flieger abtransportiert wurde. Schrecklich, das ganze. Ich hoffe es nie mehr zu erleben.
Meine Fragen:- Ist einem/r von euch auch mal so was passiert?
- Warum sind sie nicht weiter geflogen (Lissabon, Porto oder la Coruna waren viel näher)? aber erst 1000km zurück?
- Weiter noch die Anmerkung, dass ich Arzt von einer Flugbegleiterin nicht "erlaubt"
wurde mich an der Reanimation zu beteiligen, weil ich keinen Arztausweis vor legen konnte (der lag zu Hause). Ich habe da nur meinen Kopf geschüttelt über so viel Dummheit, und weiter nichts unternommen, weil schon andere da waren.
Harry
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Nicht in der Luft, aber auf einem Fußgängerüberweg ist vor Jahren ein älterer
Mitbürger vor uns einfach umgefallen. Trotz sofortiger Hilfe ist man da schon geschockt, zumal es auch dort keinen guten Ausgang nahm.Als Arzt solltest Du solche Situationen gut kennen. Immer tragisch
als Einzelfall, gehört das Sterben irgendwo zum Leben dazu.Die Reaktion der Stewardess ist aus meiner Sicht verständlich. Da spielen rechtliche Aspekte und ggf. Haftungsfragen herein. Sie konnte auch gar nicht anders entscheiden, zumal ja auch Ärzte mit Legitimation sofort zur Stelle waren.
Es steht mir nicht zu, den zu Hause vergessenen Ausweis deinerseits zu kritisieren, aber in der geschilderten Situation war das dann ausschlaggebend.
Ein Fehler in der Behandlung des Patienten wird von Dir ja auch nicht angemerkt.Die Entscheidung über die Route des Fluges liegt alleine in der Verantwortung
der Flugzeugführer. Da wird man Gründe gehabt haben, die für Fluggäste
sicherlich Fragen aufwerfen. Vielleicht auch, weil die Landegebühren dort
niedriger waren und das so mit der Einsatzleitung der Airline abgestimmt war ...Gruß privacy
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Hallo,
also ich könnte mir als Ursache eher denken, daß nach der Landung ein Wechsel der Crew erfolgen musste. (Dienstzeitüberschreitung) Eine passende Crew war aber vielleicht schneller auf den Azoren verfügbar, da die anderen Ziele der Air France in Portugal vermutlich mit anderem Fluggerät angeflogen werden.
Ob die Vermutung stimmt, kann aber nur der TE beantworten, da der Crewwechsel (Piloten) aufgefallen sein müsste.
Somit würde der Umweg Sinn machen. An höhere Landegebühren mag ich eher nicht glauben. Hier müssten schon sehr extreme Unterschiede vorhanden gewesen sein um einen großen Umweg zu rechtfertigen.
Gruß
Berthold
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Im Flieger nicht, aber am Strand in Brasilien (Jacuma, Paraiba) hatten wir vor drei Jahren ein ähnlich traumatisches Erlebnis. Wir wollten mit einem deutschen Ehepaar, das wir in unserer Pousada kennen gelernt hatten, einen Strandspaziergang machen und trafen uns an einer Strandbar zu einem Bierchen, als unser Miturlauber am Tisch plötzlich zusammenbrach, heftig zu zittern begann und dann die Besinnung verlor. Eine zufällig anwesende brasilianische Ärztin versuchte mit Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung, ihn zu reanimieren. Leider vergeblich. Der sofort bestellte Rettungswagen aus Joao Pessoa traf nach ca. 20 Minuten in der Pousada ein, wohin man ihn zwischenzeitlich gebracht hatte.
Die Besatzung konnte nur noch den Tod durch Herzinfarkt feststellen. -
@ Privacy - ich habe nirgendwo so viel Bürokratie erlebt wie bei der Air France. Ich bin schon 26 Jahre Arzt, habe noch nie irgendwo einen Arztausweis vorlegen müssen, and hätte falls kein Kollege an Bord war sicher heftig protestiert, wobei jetzt schon einige Kommunikation dadurch erschwert wurde, dass mein Französisch und das Englisch der Saftschubse nicht besonders gut waren.
@ Adegi - die Flugbegleiter waren vor und nach Zwischenlandung die gleichen. Ob die Piloten gewechselt haben, konnte ich nicht mit Sicherheit sehen; wahrscheinlich nicht. Es war mehr als zweiundeinhalb Stunden Flug von kurz vor der Spanischen Küste zurück zu den Azoren und nach den vielen Formalitäten wieder zurück.
Und dann muß ich nicht daran denken, was die arme Witwe noch alles für Papierkram zu erledigen bekommen würde auf den Azoren.
Hätte man nicht besser mit einem Toten an Bord nach Paris weiter fliegen können?
Insgasamt hat uns der ganze Vorfall fast 5 Stunden Verspätung beschert und 2 verpasste Anschlußflüge. AirFrance gab dafür Verzehrgutscheine (10 € pro Person).
Gruß,
Harry -
Ging es Dir bei Deinem Thread alleine um den letzten Absatz?

Poor!
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es wird um Arzt gebeten - es waren genug da
Na also, und da soll die Flugbegleiterin (den Ausdruck "Saftschubse" finde ich höchst arrogant) noch einen Helfer, der sich nicht mal ausweisen kann, hinzuziehen?
Aber ich würde mal nachfragen, ob hier nicht noch ein kleiner "Nachschlag" drin ist, 10€ in Form von Verzehrgutscheinen bie 5 stunden Verspätung und den Unannehmlichkeiten wegen der verpassten Anschlußflüge ist schon sehr knauserig
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So wie ich den Beitrag verstanden habe ging es dem Threadöffener auch darum, dass die lange Flugdauer auch für die Angehörige sehr belastend ist.
Habt ihr schon mal an die Witwe gedacht? Ihr Mann stirbt im Flugzeug. Das fliegt erst mal stundenlang zurück. Zum Schock und der Trauer kommt jetzt ein ungeheurer Formularkrieg noch dazu. Es wäre menschlicher gewesen bis Spanien zu fliegen, das ist ein EU-Land und es wäre der armen Frau wahrscheinlich viel erspart geblieben. Die Trauer kann ihr keiner nehmen aber der zusätzliche Papierkram trägt auch nicht gerade zum Seelenfrieden bei. -
Trotz ihrer vergleichsweise weiten Entfernung vom europäischen Festland sind die Azoren als Teil Portugals der Europäischen Union zugehörig.
wikipedia
Sint Maarten gehört auch zur EG. (Niederlande)
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Hallo Zusammen...
Vor einigen Jahren ist mein Cousin mit 16 JAHREN in Griechenland
am Strand gestorben..Mein Onkel und meine Tante haben ein Institut für die Überführung beauftragt
und sind mit einer Reisegesellschaft im Bus zurückgefahren..Als sie daheim ankamen stand der Sarg vor der Haustüre, obwohl sie
die Adresse vom Pfarrer in der Ortschaft angegeben hatten.Das ist makaber....
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haribol wrote:
@ Adegi - die Flugbegleiter waren vor und nach Zwischenlandung die gleichen. Ob die Piloten gewechselt haben, konnte ich nicht mit Sicherheit sehen; wahrscheinlich nicht. Es war mehr als zweiundeinhalb Stunden Flug von kurz vor der Spanischen Küste zurück zu den Azoren und nach den vielen Formalitäten wieder zurück.
Und dann muß ich nicht daran denken, was die arme Witwe noch alles für Papierkram zu erledigen bekommen würde auf den Azoren.
Hätte man nicht besser mit einem Toten an Bord nach Paris weiter fliegen können?
Insgasamt hat uns der ganze Vorfall fast 5 Stunden Verspätung beschert und 2 verpasste Anschlußflüge. AirFrance gab dafür Verzehrgutscheine (10 € pro Person).
Gruß,
HarryHallo,
die Frage ist, wie lange das bis Paris denn gedauert hätte. Weiterhin, ob die Air France in einem solchen Fall überhaupt weiterfliegen darf, oder den nächstmöglichen Ausweichflugplatz ansteuern muß! Nächstmöglich aber nicht nur für das Flugzeug, sondern auch der Nächstmögliche bei dem eine Landegenehmigung zu erhalten ist. Denn um eine Landung mit einem Toten an Bord reißen sich die Airports sicher auch nicht gerade. Ein medizinischer Notfall war da ja schon nicht mehr vorhanden.
Beim Wechsel geht es ja dann auch ausschließlich um die Piloten, da es nur für diese eine Flugzeitbeschränkung gibt. Wenn jetzt zwischengelandet wird, dann ist der nächste Flug rechtlich ein neuer. Selbst wenn dieser nicht länger dauern würde, kann es trotzdem sein, daß eventuelle Vorschriften da einen Strich durch die Rechnung machen.
Bei der Entschädigung finde ich das angemessen, da der Zwischenfall ja nicht von der Air France verursacht wurde. Eigentlich müssten Sie ja gar nichts bezahlen. Denke das war einfach auch um die Passagiere etwas zu beruhigen.
Die Bezeichnung "Saftschubse" würde ich hier nicht zu hoch hängen. Denn wenn man Hilfe leisten möchte und dies aufgrund verschiedener Vorschriften nicht darf, dann ist doch klar, daß man sich ärgert. Das alles könnte uns einmal aber nachdenklich darüber stimmen, wie sehr die Angst vor eventuellen rechtlichen Folgen schon in unser Leben eingreift.
Klar auch, daß wenn ausreichend Ärzte mit Ausweis an Bord waren, daß dann ein weiterer ohne Ausweis abgelehnt wird. Ich darf einmal daran erinnern, daß wir hier vor kurzem einen Thread hatten bei dem ein Passagier mehr Geld gefordert hat (nach seinen Angaben hat er es auch erhalten) weil der Pilot einen plötzlichen Herzinfarkt gehabt hatte und die Maschine dadurch einen unplanmäßigen Zwischenstopp einlegen musste.
Bei genauem Nachdenken hängen beide Fälle irgendwie zusammen....

Gruß
Berthold
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chepri wrote:
es wird um Arzt gebeten - es waren genug da
Aber ich würde mal nachfragen, ob hier nicht noch ein kleiner "Nachschlag" drin ist, 10€ in Form von Verzehrgutscheinen bie 5 stunden Verspätung und den Unannehmlichkeiten wegen der verpassten Anschlußflüge ist schon sehr knauserig
Habe ich nicht gemacht.
1.Habe es für höheren Gewalt gehalten
2.Viel Aufwand für vielleicht ein Bisschen mehr Geld ? Fraglich, ob sich das gelohnt hätte.
Weiter waren wir heilfroh endlich wieder zu Hause zu sein, weil wir wegen einer Hurricanewarnung den Flug zwei Tage vorverlegt/umgebucht, und einen außerst stressigen Abreisetag erlebt hatten. -
ADEgi wrote:
haribol wrote:
Hallo,
die Frage ist, wie lange das bis Paris denn gedauert hätte. Weiterhin, ob die Air France in einem solchen Fall überhaupt weiterfliegen darf, oder den nächstmöglichen Ausweichflugplatz ansteuern muß! Nächstmöglich aber nicht nur für das Flugzeug, sondern auch der Nächstmögliche bei dem eine Landegenehmigung zu erhalten ist. Denn um eine Landung mit einem Toten an Bord reißen sich die Airports sicher auch nicht gerade. Ein medizinischer Notfall war da ja schon nicht mehr vorhanden.
Beim Wechsel geht es ja dann auch ausschließlich um die Piloten, da es nur für diese eine Flugzeitbeschränkung gibt. Wenn jetzt zwischengelandet wird, dann ist der nächste Flug rechtlich ein neuer. Selbst wenn dieser nicht länger dauern würde, kann es trotzdem sein, daß eventuelle Vorschriften da einen Strich durch die Rechnung machen.
Bei der Entschädigung finde ich das angemessen, da der Zwischenfall ja nicht von der Air France verursacht wurde. Eigentlich müssten Sie ja gar nichts bezahlen. Denke das war einfach auch um die Passagiere etwas zu beruhigen.
Die Bezeichnung "Saftschubse" würde ich hier nicht zu hoch hängen. Denn wenn man Hilfe leisten möchte und dies aufgrund verschiedener Vorschriften nicht darf, dann ist doch klar, daß man sich ärgert. Das alles könnte uns einmal aber nachdenklich darüber stimmen, wie sehr die Angst vor eventuellen rechtlichen Folgen schon in unser Leben eingreift.
Klar auch, daß wenn ausreichend Ärzte mit Ausweis an Bord waren, daß dann ein weiterer ohne Ausweis abgelehnt wird. Ich darf einmal daran erinnern, daß wir hier vor kurzem einen Thread hatten bei dem ein Passagier mehr Geld gefordert hat (nach seinen Angaben hat er es auch erhalten) weil der Pilot einen plötzlichen Herzinfarkt gehabt hatte und die Maschine dadurch einen unplanmäßigen Zwischenstopp einlegen musste.
Bei genauem Nachdenken hängen beide Fälle irgendwie zusammen....

Gruß
Berthold
Wir waren zirka 1,5-2 Stunden vor Paris.
Die Benahmung "Saftschubse" habe ich hier deswegen gebraucht weil ich1.sauer war für so viel Arroganz/Bürokratie und 2. trotzdem sie mit erschreckend schlechten Englischkenntnisse auffiel.
Ich will noch bemerken, dass ein andere Flugbegleiter sich rührend um die Witwe gekümmert hat. das fand ich gut.Der andere von dir erwähnten Thread ist mir unbekannt. Hier ging es um einen Passagier, nicht um einen Pilot.
Ich weiß nicht, ob andere Passagiere noch versucht haben mehr Geld raus zu kriegen wegen der Verspätung. Wir jedenfalls nicht. Begründung siehe vorigen Beitrag.
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haribol wrote:
bernhard707 wrote:
Ging es Dir bei Deinem Thread alleine um den letzten Absatz?
Poor!
Diesen Beitrag finde ich völlig überflüssig.
Dann hättest Du Dir diesen Absatz sparen können…
haribol wrote:
...Insgasamt hat uns der ganze Vorfall fast 5 Stunden Verspätung beschert und 2 verpasste Anschlußflüge. AirFrance gab dafür Verzehrgutscheine (10 € pro Person)...…der war ganz sicher überflüssig.
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Hallo,
ich glaube, dass es in nur sehr wenig Geschäftsbereichen so viel "starre" Vorschriften gibt wie in der Fliegerei. Und die komplette Crew wird ständig darauf gedrillt, sich konsequent an diese Vorschriften zu halten. Auch das macht die Fliegerei letztlich so sicher.
Ich hätte als Flugbegleiter auch keinen mir Unbekannten, der sich als Arzt ausgibt, an einen zusammengebrochenen Fluggast herangelassen, wenn bereits ausgewiesene Ärzte tätig sind. Ich könnte mir vorstellen, dass dies vielleicht anders aussehen würde, wenn sich kein weiterer Arzt, der sich ausweisen kann, melden würde. Ich glaube, die Flugbegleiterin hat hier schon ganz gut abgewogen, was erforderlich ist und was nicht.ADEgi hat es richtig beschrieben - Crewechsel heißt nicht, dass immer gleich die komplette Mannschaft ausgewechselt wird. Für die Piloten gelten andere Arbeitszeiten gemäß der gesetzliche Arbeitszeitverordnung, als für die Flugbegleiter.
Welche Gründe auch immer dazu geführt haben, dass man sich für einen Rückflug entschieden hat - man kann davon ausgehen, dass diese Entscheidung über Funk zusammen mit der Basis der AirFrance getroffen wurde. Kein Pilot entscheidet nach "Lust und Laune", einen anderen Flughafen anzusteuern (sofern keine unmittelbare Gefahr für das Flugzeug besteht).
Viele Airlines haben an ihren Basis-Stationen Flugdienstberater stationiert, die im ständigen Kontakt zu den Piloten sind und die optimale Flugroute ausarbeiten (der hier angesprochene Rückflug hat natürlich nichts mit optimaler Flugroute zu tun). Mit Sicherheit wurde der Rückflug zusammen mit einem Flugdienstberater auf der Basis der AirFrance besprochen und ausgearbeitet. Und dann gab es auch gute Gründe für den Rückflug. Keine Airline verbrennt u.U. Tonnen von Sprit, wenn es nicht unbedingt erforderlich ist.Gruß, Hardy
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Uns ist etwas ähnliches passiert...
Im letzten Jahr auf dem Flug von Dortmund nach Antalya bekam ein Passagier kurz vor Budapest vermutlich einen Herzinfarkt.Nach kurzer Beratung flog die Maschine zurück nach Wien. Einige Passagiere regten sich fürchterlich auf, weil wir halt schon kurz vor Budapest waren.
Auf Nachfrage bei einem Flugbegleiter antwortete dieser, ob der Fragensteller in derselben Situation unbedingt in Ungarn behandelt werden möchte.
Obwohl wir durch diese Aktion natürlich etliche Stunden Verspätung hatten, fand ich diese Entscheidung klasse, da ich die Verhältnisse in ungarischen Krankenhäusern kenne.
Traurig, dass in einer solchen Situation einige Leute nur an ihren verspäteten Check In denken....
LG Jutta