@Belinda,
die wirtschaftliche Situation auf Cuba ist sehr komplex und hat sich in den letzten Jahren tatsächlich verändert, ich sage bewusst nicht verschlechtert, da es in vielen Bereichen auch Verbesserungen für die einheimische Bevölkerung gab und gibt.
Zum Glück für pflegt Kanada, anders als viele anderen Länder, schon seit vielen Jahren normale Handelsbeziehungen zu Cuba.
Durch die sehr intensivierte wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Venezuela und auch China kommen nun allmählich Artikel ins Land, die es vorher nicht oder nur zu praktisch unerschwinglichen Preisen gab.
Aber wird doch eine Weile dauern, bis spürbare Verbesserungen erzielt werden und leider nahm die soziale Schieflage in den vergangenen Jahren deutlich zu. Die Cubaner, mit Zugang zu USD wurden immer mehr, wobei auch etliche illegale Geschäfte erheblichen Reichtum einbrachten. Die Cubaner, die nicht über Dollars verfügten, guckten in die Röhre. Es begann eine regelrechte Hatz auf Devisen und meistens aus der Not heraus versuchte man alles mögliche und unmögliche, um an USD heranzukommen.
Mit der Abschaffung des USD als Zahlungsmittel hatte Cuba nun endlich eine Währung weniger. Der konvertible Peso, der sich über viele Jahre 1:1 am USD orientierte, orientiert sich nun an einer Mischung diverser Währungen, u.a. auch dem Euro.
Mit der Orientierung des CUC an diverse Währungen war auch gleichzeitig eine Abwertung des Euro verbunden, dessen starke Stellung Kuba lange so attraktiv machte. Diese Attraktivität lässt nun nach, was sich natürlich auch in den Urlauberzahlen der EU-Länder bemerkbar macht und was die Reiseweltmeister Deutschland betrifft, macht sich natürlich auch die hiesige ökonomische Flaute und Unsicherheit bemerkbar.
Wer immer noch mit USD nach Cuba reist, muss fast 12% Umtauschzuschlag zahlen, dasselbe gilt für die Bezahlung mit sämtlichen auf Cuba gültigen ausländischen Kreditkarten. Du möchtest mit deiner Kreditkarte z.B. 300 CUC abheben, dann werden dir 336 USD abgebucht, was heute 278,60 € entspricht. Noch Anfang April wären dir bei angenommen gleichem Umtauschkurs ohne die 12% Umtauschzuschlag nur 300 USD abgebucht worden, was 248,75 € entspricht.
Das spricht sich in der Reiseszene herum und deshalb reist der aufmerksame Cuba-Urlauber auch direkt mit Euro ein. Die cubanische Politik läuft derzeit darauf hinaus, den CUC bei beibehaltender Orientierung am o.g. Währungsgemisch im Vergleich zur CUP ab-und die einheimische CUP-Währung allmählich aufzuwerten. Dies soll der cubanischen Bevölkerung zugute kommen, die keinen Zugang zum CUC oder Euro hat, und das sind die meisten auf Cuba! Musste man noch im April 2005 durchschnittlich 27 CUP für einen CUC bezahlen, so bekommt man den CUC nun für 25 CUP. Für einen CUC erhält man (natürlich auch Ausländer) derzeit 24 CUP. Es ist z. B. für den Varadero-Urlauber, der seinen wohlverdienten Erholungsurlaub in einer All inkl. Anlage verbringt, sicher interessant, auch mal nach Santa Marta oder Cárdenas zu fahren, dort oder bereits in Varadero in einer offiziellen Umtauschkasse CADECA ein paar CUC in CUP zu tauschen und auf dem Markt einzukaufen. Man bekommt so auch mal ein gewisses Gefühl für die einheimische Währung und den Wert derselben und weiß besser einzuschätzen, was man für ein Monatseinkommen von durchschnittlich ca. 280 CUP kaufen kann. Auch ein Besuch der Bodegas, in denen (noch) gegen die Libretta (Lebensmittelkarte) staatlich stark subventionierte und rationierte Lebensmittel verkauft werden, ist sicher sehr lehrreich. Natürlich kann der Ausländer in den Bodegas nichts kaufen, aber er kann sich die Preise und entsprechenden Abgabemengen pro Person ansehen. Die Libretta soll übrigens abgeschafft werden und cubanischen Bevölkerung gleichzeitig der unlimitierte Verkauf von Grundnahrungsmitteln ermöglicht werden.
Die Aufwertung des CUP geht natürlich nur sehr langsam vonstatten aber dadurch steigt allmählich die Zufriedenheit der Bevölkerung, die dann irgendwann nicht mehr hinter Devisen herjagen muss, wie der ****** hinter der armen Seele und damit die Touristen verärgert. Ich war kürzlich in Bayamo und dort, abseits des Tourismus, kann man an einigen Stellen ganz offiziell Dinge für CUP kaufen, die man woanders nur für CUC bekommt. Wenn dies politisch fortgesetzt und landesweit ausgeweitet würde, könnte allmählich (sicher eine Sache von Jahren) die Hatz auf Devisen aller Art sinken und die Touristen fühlten sich nicht mehr so *********, wie es heute oft der Fall ist. Leider machen Preiserhöhungen, wie gerade erst beim Strom, in erster Linie für Vielverbraucher und steigende Preise für Lebensmittel einen Teil der Verbesserungen wieder zunichte und so ist die persönliche wirtschaftliche Verbesserung der cubanischen Bevölkerung ein sicherlich sehr ehrgeiziges Projekt.
Die Stromausfälle von Mai – September des vergangenen Jahres von täglich 2-8 Stunden in weiten Landesteilen haben zu großer Verägerung in der cubanischen Bevölkerung geführt und man ergriff Maßnahmen.
Vor drei Wochen wurden bei uns die normalen Glühbirnen kostenlos gegen Stromsparbirnen ausgetauscht, die Dichtungen der Kühlschränke werden überprüft und bei Defekten kostenlos gegen neue Dichtungen ausgetauscht. Dampfkochtöpfe und Reiskocher mit besserem Nutzungsgrad werden zu erschwinglichen CUP-Preisen angeboten. Die cubanischen Sozialarbeiter gehen derzeit von Haus zu Haus und prüfen, ob der komplette Austausch von alten oder defekten Kühlschränken wegen des zu hohen Stromverbrauchs erforderlich ist. Castro hat den Neureichen auf Cuba und der Korruption den Kampf angesagt, dabei geht es in erster Linie um breite illegale *******, die auch den Touristen nicht verborgen geblieben ist und einen schlechten Eindruck hinterläßt
Allein an den cubanischen Tankstellen, so wurde kürzlich mitgeteilt, gingen dem cubanischen Staat durch illegale Machenschaften täglich 100.000 CUC verloren. In anderen Bereichen wird es ähnliche Ergebnisse geben. Wenn das bisher illegal in die Taschen einer cubanischen Minderheit geflossene Kapital auf die Gesamtheit der Bevölkerung verteilt würde, ginge es dem Volk sicher auch besser und die Touristen“anmache“ ließe nach. Allerdings muss ich auch sagen, dass einige Illegalitäten aus der Not geboren und daher zwar juristisch, oft jedoch nicht moralisch vorwerfbar sind. Bei einem Verdiener mit mtl. 300 CUP und zwei Kindern wird´s schon schwierig, wenn Sonderbedarf auftritt, der nur mit Devisen gedeckt werden kann. Da sorgt man rechtzeitig vor, was vom mtl. Einkommen kaum möglich ist. Ich hoffe, dass der cubanische Staat bei der großflächigen Verfolgung der Illegalitäten Augenmaß und Weitblick beweist.
Der überwiegende Teil der cubanischen Bevölkerung besteht jedoch nicht aus kriminellen Abzockern sondern aus liebenswerten Menschen. Wer als Tourist das Pech hat, an die Minderheit zu geraten, möge dies trotz des verständlichen Ärgers bitte bedenken.
Gruß
Infocuba