Eine Forst-Inspektionsfahrt durch einen Teil des Teno-Gebirges.
Es ist sehr traurig, wenn man jetzt noch (Febr. 2008) die Verwüstungen durch die Brände sieht! Alles grünt und wächst zwar schon wieder, jedenfalls das Gras und Buschwerk.
Los ging es in aller Frühe mit drei geländegängigen Fahrzeugen von der Hauptstation des Forstamtes bei Erjos. Es sollte keine Spazierfahrt werden! So versicherte man mir, und ich könne noch absagen.
Die Jeeps waren voll beladen mit allen erdenklichen Sicherheits- und Rettungswerkzeugen (Seilzügen, Winden, Sägen, usw.) incl. großer Mengen an Proviant, Babynahrung und Dinge für den alltäglichen Bedarf!
Insgesamt waren es fünf Forstbeamte, eine angehende Forstinspektorin aus Deutschland, die dort auf Teneriffa ihr praktisches Jahr absolviert, und ich als wenig nützliches Anhängsel. Dafür konnte ich mich beim Lesen der Flurkarten und bei der Dokumentation ein wenig nützlich machen.
Unsere Route folgte nicht der Feuerwalze, die aus der Richtung von Icod über Erjos bis nach Santiago del Teide wohl gekommen ist, sondern wir bogen direkt auf Forstwegen hoch zum Pass auf die westliche Seite des Tenogebirges ab.
Zwischendurch wurden noch einige völlig verbrannte Forsthütten, die auch als Feuerwachen dienen, angefahren, die sich aber schon wieder im Aufbau befanden. Es roch noch überall nach Brand, trotz der Feuchtigkeit und der Zeit, die vergangen war. Es wird viel getan!
Baumwurzeln und verbrannte Stämme werden nicht abgeräumt, sondern nur zersägt. Sie sollen vor der allzu schnellen Erosion schützen. Die meerseitigen Ebenen und Ausläufer waren weniger betroffen, denn dort gibt es keine Hochwälder, sondern mehr Niederwuchs. Aber auch der war gerade wieder dabei voll zu sprießen. Anders als in den Wäldern vor und am Grat. Von Las Portales folgten wir dann der Straße nach Masca.
Dort sah es schon sehr traurig aus! All die Terrassen-Plantagen an den Hängen und die Häuser waren schwarz verbrannt. Die uralten Palmen und Laubbäume sind verbrannt. Nach Masca selbst sind wir nicht weiter runter gefahren, denn dort war der Wiederaufbau in vollem Gange. Was ich aber durch den Feldstecher sah, ließ mich schaudern!
- Mein schönes Masca, mein „Gummibärchendorf“! – Wie Recht hatten doch die alten Gründer des Dörfchens ihre Häuser an felsigen und unwegsamen Hängen zu bauen! Jedenfalls so fanden die Flammen, die herüber von Santiago gekommen sind, weniger Nahrung.
Wir brauchten ein Nachtquartier, denn am nächsten Tag waren die sehr abgelegenen Bauernhöfe und die Hochebenen des Teno vorgesehen. Irgendwann verspürt man in den Geländewagen auf diesen Pisten auch sein eigenes Knochenskelett nicht mehr. Alles schmerzt nur noch, oder ist betäubt von der Rüttelei!
Also Übernachtung unter Zeltplanen im Schlafsack, und kein Dreisterne-Menue. Dafür dreckig, durchgeschwitzt und sehr betrübt über das Gesehene. Und dabei war das Gröbste doch eigentlich schon vorbei! Jetzt kam der ‚Papierkram’ dran. Alleine der Praktikantin mussten wir großes Lob zollen. Sie kam aus dem Schwarzwald, und war wohl schon etwas vertraut mit solchen Geschehnissen. Jedenfalls war sie der noch ‚nicht verbrannte Baum’ in unserer Runde! Sie hat uns alle aufgemuntert.
Morgens ging es weiter in die entlegenen kleinen Siedlungen, bzw. Höfe zur Küste hin. Die liegen sehr abseits, und dorthin geht es talab- und talaufwärts. Wenn man das von höheren Punkten aus sieht, dann denkt man es ist nicht weit, vielleicht eine viertel Stunde Autofahrt!
Das ist ein Trugschluss! Es dauert dann teilweise eine Stunde um dieses Anwesen zu erreichen. Und dort leben noch Großfamilien.
Über die Babysachen und sonstige Artikel freuten sie sich sehr. Die Hügel und Weiden waren zwar auch abgebrannt, aber es spross und wuchs wieder alles. Und ihre Ziegenherden waren wenig dezimiert worden. Wobei eine verbrannte Ziege dort für einen Bauern schon ein großer Schaden ist. Zumal die Tiere in Panik geraten und in die Schluchten stürzen! Auf anderen Höfen sah es ebenso aus.
Es wurde dann eine Bestands- und Verlustaufnahme erstellt, denn kurz nach den Bränden hat die Regierung Gelder freigegeben.
Wir übernachteten dort abermals, diesmal jedoch nicht unter provisorischen Planen.
Was ich so mitbekam ist, dass man die Hochwälder nicht einfach so aufforsten kann, weil: Es fehlt an geeigneten Pflanzen, an Material, an Arbeitskräften! Unsere mitteleuropäischen Baumarten sind dafür nur sehr bedingt geeignet. Selbst regenerieren können sich große Waldflächen nicht mehr! Dazu ist der Schaden zu tiefgreifend. Zur Freude aller wuchsen aber schon wieder Buschwerk und Gräser; somit ist jedenfalls die allzu schnelle Abtragung der Oberfläche vorerst gebannt.
Und auf ging es auf direktem Weg über den Pass dahin zurück von wo wir gestartet waren. Das dicke Ende ist der Papierkrieg: Katalogisierung, Schadenszuordnung, bisherige Erfolgsmaßnahmen, weitere Empfehlungen, usw. ----- ! Alle Berichte gehen direkt an das zuständige Ministerium.
Und das alles von ein paar Verbrechern verursacht, die mal sehen wollten wie ein Wald brennt! Oder die in höherem Auftrag für 'Bauerwartungsland' sorgen sollten?! Das kennt man ja von Mallorca aus früheren Zeiten. Denn es scheint eindeutig festzustehen, dass hier Brandstifter am Werke waren. Alleine schon aus der Tatsache heraus, dass auch an anderen Orten der Insel zur gleichen Zeit große Brände ausbrachen! Ein Übergreifen auf die nördlichen Flanken des Teide hoch vom Orotavatal konnte jedoch weitgehendst abgewendet werden.
Ich bin zutiefst beeindruckt davon was schon geschehen ist was noch folgen wird und mit welchem gut koordiniertem und engagiertem Aufwand und Einsatz alles angegangen wird! Es scheint so, als hätten sich alle Einwohner diese Katastrophe zu ihrer eigenen gemacht. Ein Politikum ist für mich jedenfalls offensichtlich nicht erkennbar.
Viele Privathäuser sind Opfer der Flammen geworden, und viele Menschen mussten evakuiert werden!
Nun kommt es darauf an die Gelder an die richtige Stelle zu bringen, und nicht diejenigen zu füttern, die jetzt vergeblich mit Bauland spekuliert haben. Die Ermittlungen sind längst noch nicht abgeschlossen!
Und eben hierzu diente und dienen diese regelmäßigen Inspektionsfahrten!
Abgelegenen Grundbesitzern wurden schon von dubiosen Geschäftemachern Angebote für den Verkauf ihres Landes unterbreitet. Und das schon zu einer Zeit, als noch nicht einmal gesagt werden konnte, dass die Feuer gelöscht sind!
Soetwas ist in meinen Augen einfach nur erbärmlich und skrupellos!
Gruß
Dieter