Die russischen Behörden gingen zunächst davon aus, dass ein Blitz die Maschine getroffen habe. Die Besatzung habe bis zum Absturz drei Notrufe abgesetzt. Beim ersten befand sich die Maschine noch in 11 600 Metern Höhe, was ein Zeichen dafür sein könnte, dass die Crew versucht hat, das Gewitter zu überfliegen. Sie hatte zuvor bei den Fluglotsen um die Genehmigung für eine Kursänderung gebeten. Angeblich folgte einige Sekunden später ein zweiter Notruf aus 10 000 Metern, bei dem die Piloten von starken Turbulenzen berichteten. Bei einem dritten Funkspruch war die Tupolew noch 3 000 Meter hoch. Was die russischen Piloten dabei dem ukrainischen Lotsen mitteilen wollten, war jedoch nicht verständlich, sagte ein Vertreter der Airline. Die Notrufe sprechen dafür, dass die Maschine extrem schnell an Höhe verlor, aber nicht in der Luft auseinanderbrach.
Augenzeugen des Absturzes berichteten, dass die Piloten offensichtlich die Kontrolle über die Maschine verloren hätten. "Das Flugzeug trudelte um die eigene Achse", sagte ein Schüler aus dem Dorf Suchaja Balka nahe der Unfallstelle. Andere Zeugen sagten aus, dass die Maschine erst in etwa 150 Meter Höhe aus den niedrig hängenden Wolken aufgetaucht sei und noch kreisend versuchte, eine Notlandemöglichkeit zu finden. Die möglicherweise nicht mehr steuerfähige Maschine prallte dann jedoch in einem leicht bewaldeten Tal zwischen offenen Feldern auf. Der Bug habe sich in die Erde gebohrt und die Maschine sei explodiert.
Pulkovo Airlines gehört zu den seriösen Fluggesellschaften, die aus der sowjetischen Aeroflot hervorgingen. Sie steht auch keineswegs auf der schwarzen Liste der gefährlichen Airlines, die die EU mit Landeverboten belegt hat. Pulkovo ist eines von vier gewerblichen Luftfahrt-unternehmen in Russland, die mehr als eine Million Fluggäste im Jahr befördern. Insgesamt sind in Russland derzeit 215 Luftfahrtunternehmen registriert.
Technisch war die Unglücksmaschine offenbar in gutem Zustand. Die Tu-154 war 1992 gebaut worden und im Jahr 2001 generalüberholt worden. Die letzten drei großen Unglücke mit Maschinen dieses Typs hatten Ursachen, für die weder Besatzung noch Technik verantwortlich waren: Vor zwei Jahren stürzte eine Tu-154 der Gesellschaft Sibir über Südrussland ab, nachdem eine tschetschenische Terroristin an Bord eine Bombe gezündet hatte. 2002 kollidierte bei Überlingen am Bodensee eine russische Maschine dieses Typs wegen eines Lotsenfehlers mit einer US-Frachtmaschine. Und vor fünf Jahren schoss das ukrainische Militär bei einem Manöver vor der Krim versehentlich eine russische Tu-154 ab. Das Kiewer Verteidigungsministerium versicherte gestern eilig, dass im Gebiet Donezk keine Übungen stattgefunden hätten.
Gruss aus Moskau!
MW