Den Fernsehbericht habe ich auch gesehen, ein schlimmer Verriß, der von der ersten bis zur letzten Minute gestellt war, mit anderen Worten: das Drehteam hat wohl bar jeglicher eigener Erfahrung (man schlief im Hotel) kurzerhand seine eigenen Vorurteile inszeniert, sehr zum Kummer der Reiseleitung, die nichts zu melden hatte.
Eine Rotel Tour ist in der Tat kein Erholungsurlaub, sondern eine Studienreise, bei der die vitalen Notwendigkeiten zugunsten des ausgiebigen Programms etwas in den Hintergrund treten. Man sitzt morgens um 8:00 Uhr im Bus und beendet die Tagesetappe etwa zwischen 17 und 18 Uhr, in der Regel auf einem Campingplatz. Die Verpflegung ist schlicht: morgens Toast mit Schinken und Käse, abends Grillwürstchen, Pasta, Rollschinken mit Kartoffelbrei oder etwas in der Art, dazu Salat oder auch mal einen einfachen Nachtisch. Danach bleibt man entweder bei Wein und Bier sitzen und unterhält sich mit den Mitreisenden, oder man nutzt die Angebote des Campingplatzes, typischerweise zum Duschen, Wäschewaschen, Fernsehen oder Internet-Surfen. Alle paar Tage steht auch ein Supermarkt-Besuch auf dem Programm.
Nun ja, die Schlafkabinen. Wer schon einmal einen Urlaub im Zelt verbracht hat, weiß um die Begrenztheit des Raumes um sich herum und die Umständlichkeit des Aufsuchens der sanitären Einrichtungen, sprich: Kulturbeutel, Handtuch und Kleidung zum Wechseln aus dem Koffer fischen und quer über den Platz rennen. Im Rotel teilt man sich den knappen Raum vor der Schlafstatt auch noch mit denen, die das Domizil darüber oder darunter bewohnen, denn es gibt der Etagen drei. Immerhin hat man es aber deutlich trockener und windgeschützter als im Zelt, und auch nachbarliche Schnarchgeräusche dringen kaum durch.
Mitreisenden, die einem auf den Zeiger gehen, kann man ganz gut ausweichen, individueller Freiraum wird im Rahmen der Möglichkeiten gegönnt, und die Reiseleitung achtet darauf, daß die verschiedenen Interessen ausgewogen zur Geltung kommen. Oft zerstreut sich die Gruppe für eine oder zwei Stunden oder einen ganzen Tag in alle Winde, man hat lediglich die Pflicht, pünktlich wieder am Treffpunkt zu sein. Während die einen dann in Gruppen wandern, schnatternd wie die Gänse, verweilen die anderen ein paar Minuten an einem interessanten Punkt und sind dann den Rest der Zeit individuell unterwegs.
Wer mit Campingplätzen Probleme hat, sollte auf eine Rotel Reise aber besser verzichten.