Unsere Marokko-Rundreise war gut organisiert, einschließlich des Fluges mit Sunexpress Deutschland. Die Rundreise enthielt aber viel Leerlauf. Außerdem muss man wissen, dass Moscheen (mit Ausnahme der neuen Hassan II.-Moschee in Casablanca) und Paläste (da dem Königshaus gehörend) nicht besucht werden können. Insofern sieht man primär Außenanlagen und Altstädte sowie eine römische Ausgrabungsstätte. Museen, die meist in prachtvollen Herrenhäusern untergebracht sind, werden dagegen nicht aufgesucht. Wir haben daher den einzigen freien Tag in Marrakesch genutzt, mehrere Museen zu besuchen, was sich unbedingt gelohnt hat.
Der Reiseleiter war Türke und erst seit wenigen Wochen in Marokko. Entsprechend dürftig waren seine Landeskenntnisse. Die Rundreise vermittelte also lediglich einen oberflächlichen Eindruck der besuchten Städte.
Besonders kritikwürdig ist, dass die Gruppe drei Geschäfte aufsuchte (Teppich, Lederwaren, Schmuck). Diesen Besuchen kann man sich nicht entziehen, da sie während der Besichtigungsfahrten durchgeführt werden. Grundsätzlich habe ich nichts gegen solche Veranstaltungen, sofern diese in renommierte und seriöse einheimische Unternehmen führen. Übel war allerdings in unserem Fall, dass ausschließlich türkische Unternehmen besucht wurden. In der Teppichmanufaktur wurden angeblich traditionelle und teilweise schon lange aufgegebene Muster aus aller Welt nachgeknüpft. Das kann man nun wirklich nicht mehr als "Original" bezeichnen. Außerdem ließen sich diese Behauptungen natürlich nicht überprüfen.
Im aufgesuchten Lederwarengeschäft wiederum wurde angebliches "Seidenleder" verkauft. Dieser Begriff ist nicht geschützt. Dabei kann es sich um sehr feines Glattleder handeln, aber auch einfach nur um dünnes Veloursleder, das durch Auftrag einer Farbschicht wie Glattleder aussieht und bei dem bei Belastung das Rauhleder wieder durchkommt. Hierzu gab es keinerlei schriftliche Informationen, weder über die Qualität noch Pflegeanweisungen, obwohl die Preise gesalzen waren. Auch das Juweliergeschäft machte keinen zuverlässigen Eindruck. Das ist nicht mehr nur grenzwertig, sondern kann schon mit Fug und Recht als Betrug bezeichnet werden. Von einem Besuch traditioneller Handwerksbetriebe kann also keine sein.