Sensationstourismus in Thailand
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Einhergehend mit den Unruhen in Bangkok haben sich die TukTuk Fahrer in Thailand wohl eine neue Touristenattraktion einfallen lassen, sie bieten Fahrten zum Lager der Rothemden an. Die Intention der TukTuk Fahrer ist klar, die suchen eine Möglichkeit ihren Verdinstausfall auszugleichen und die möchte ich auch garnicht zur Debatte stellen. Mich interessiert vielmehr, wie ihr zu solchen zweifelhaften Attraktionen steht. Würdet ihr so was mitmachen? Was bewegt euch dazu? Verurteilt ihr solche Aktionen?
Mir würde es niemals einfallen mich freiwillig in eine solche Situation zu begeben und aus lauter Schaulust einen solchen Platz aufzusuchen und evt. gar noch mit der Kamera draufhalten. Für mich ist es in etwa das gleiche wie das Gaffen bei einem schweren Unfall, einfach ganz unmöglich! Von der Gefahr mal ganz abgesehen, in die man sich begibt. Wie mögen sich die Menschen fühlen die da in voyeuristischer Art begafft und abgelichtet werden?
Aus diesen Gründen möchte ich auch nicht in ein Bergvölkerdorf und die dort lebenden Langhalsfrauen anschauen. Für mich hat das was von "Menschenzoo". Ich finde es einfach beschämend sowohl für die Menschen die ich beglotze als auch für mich. -
Ganz meine Meinung, ronja! Wir sind zufällig ganz nah an den Barrikaden vorbeigefahren auf dem Weg zum Flugplatz (am 20.4.10 spätabends) und ich bin automatisch tiefer in die Sitze gerutscht und hab den Blitz ausgeschalten.
Wenn ich sowas lese wie von ksharp: mittenrein und ein Bierchen mit den Rothemden trinken... Aber solchen Leuten passiert nie etwas :? -
ronjaT wrote:
Mir würde es niemals einfallen mich freiwillig in eine solche Situation zu begeben und aus lauter Schaulust einen solchen Platz aufzusuchen und evt. gar noch mit der Kamera draufhalten. Für mich ist es in etwa das gleiche wie das Gaffen bei einem schweren Unfall, einfach ganz unmöglich! Von der Gefahr mal ganz abgesehen, in die man sich begibt. Wie mögen sich die Menschen fühlen die da in voyeuristischer Art begafft und abgelichtet werden?
Aus diesen Gründen möchte ich auch nicht in ein Bergvölkerdorf und die dort lebenden Langhalsfrauen anschauen. Für mich hat das was von "Menschenzoo". Ich finde es einfach beschämend sowohl für die Menschen die ich beglotze als auch für mich.Na ja, also mit der Schaulust nach einem Unfall würde ich persönlich einen Besuch bei den Roten zumindest in der jetzigen Situation nicht vergleichen. Das wäre eher dann der Fall, wenn man in der Hoffnung hinfährt, dass es ordentlich im Kontor knallt, oder wenn bei einem Besuch Tumulte ausbrechen und man sensationsgierung vor Ort bleibt, statt dezent das Feld zu räumen.
Derzeit ist ja kaum Bewegung zwischen den Kontrahenten, zumal der jetztige Versöhnungsvorschlag weitere Spannung aus dem Konflikt genommen hat, so dass die Gefahr zwischen die Fronten zu geraten meiner Ansicht nach nicht unbedingt die höchste ist. Klar kann die Lage jederzeit umschlagen, aber ich denke selbst dann besteht immer noch die Möglichkeit sich zu verdrücken...Ich verurteile also niemanden, der sich vor Ort ein Bild von der Situation machen will, ich selber würde es mir ehrlich gesagt auch anschauen wollen (bin Anfang Juni in Bangkok). Nicht aber aus purer Sensationsgier, sondern aus persönlichem Interesse an der thailändischen Politik. Klar ist da auch ein bißchen Neugier dabei, aber wenn man jetzt seit Wochen hunderte Zeitunsartikel, Forumsbeiträge etc. liest, möchte man das ganze doch auch mit eigenen Augen sehen.
Und wie mögen sich die Menschen fühlen, die da abgelichtet werden? Ich denke sie freuen sich über die Aufmerksamkeit, die sie auch aus dem Ausland bekommen. Sie sind aus ihrer Sicht an etwas Großem beteiligt und werden dementsprechend stolz auf ihre Teilnahme an den Protesten sein, vor allem nachdem ihre Proteste nun tatsächlich Früchte zu tragen scheinen. Wieso sollten sie sich also begafft fühlen???
Zum Thema "Langhalsfrauen" hat sich Sanook ja geäußert, dem kann ich nur zustimmen. Solang die Erlöse den Leuten vor Ort zu Gute kommen, sollte man sich mit moralischen Verurteilungen sehr zurückhalten. Wer weiß, wie es den Leuten dort sonst gehen würde...
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Bitte nicht falsch verstehen, ich möchte niemand moralisch verurteieln und habe nur meine Sicht der Dinge dargelegt und versucht zu erleutern wie ich mich dabei fühle.
Mir geht es ja gerade darum zu verstehen warum jemand so handelt oder eben nicht. Da steckt kein moralischer Anspruch dahinter!
Sanook: du hast bestimmt Recht mit dem was du schreibst, dennoch glaube ich, dass die wenigsten Menschen aus politischem Interesse sondern vielmehr aus Neugierde und Schaulust solche Orte besuchen.
PS: hier im Forum duzen wir uns auch wenn wir anderer Meinung sind
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Zum Thema "Langhalsfrauen" hat sich Sanook ja geäußert, dem kann ich nur zustimmen. Solang die Erlöse den Leuten vor Ort zu Gute kommen, sollte man sich mit moralischen Verurteilungen sehr zurückhalten. Wer weiß, wie es den Leuten dort sonst gehen würde...
Das ist ein Punkt, den man bestimmt nicht auser Acht lassen sollte! Ein sehr guter Einwand! Ich frage mich nur, wie viel des Erlöses an die Bergvölker geht und wie viel die Agenturen, bzw. Reiseveranstalter einstreichen.
Um meinem Rufes als "Gutmensch" zu entsprechen, würde ich dann eine entsprechende Agentur wählen, die nachweislich nicht nur auf ihren eigenen Profit bedacht ist. -
Wenn man sich mal von der kolportierten Vorstellung verabschiedet hat,dass die Rothemden ein plündernder und mordender Mob sind (Siehe:.R.Hetkämpers Bericht im Weltspiegel am 02.05.10),finde ich es nicht verwerflich,sich die ganze Sache einmal anzuschauen.
Schließlich hat ja fast jeder Thailandurlauber schon einmal einem Muay Thai Kampf zugesehen.Der ist auf jeden Fall gewalttätiger als die Demonstrationen.Abgesehn davon,dass da auch schon Kinder aufeinander eindreschen.
Und ja,es gibt Prostitution in Thailand.Sie wird von vielen Ausländern (aus)genutzt und nicht nur in geringem Maße.
Ich glaube,mir fielen noch mehr Dinge ein,die ich für moralisch oder ethisch bedenklicher halte als ein Besuch des Rothemdlagers.Gruß
S.
@Ronja
dir einen superschönen Urlaub... ist ja nicht mehr lange hin -
Vielleicht gilt es einfach zu unterscheiden, welche Absicht hinter so einem Besuch steckt. Ist es wirkliches Interesse an den Menschen und ihren Gründen, die hinter den Protesten stecken oder eben nur Sensationstourismus.
Mich würde auch interessieren, wie die Demonstranten die Besuche der Langnasen empfinden. Gibt es hierzu Erfahrungen?
@Surabaya Johnny: danke
, wir freuen uns schon total! -
Wir sind eher ungeplant dort durch gefahren. Unser Taxifahrer dachte wohl dort wäre eine Straße durch oder so, die aber dann gesperrt war. Also sind wir dort eine weile rumgekurvt. Fand es jetzt nicht besonders. Es war ruhig die meisten haben geschlafen oder gegessen. Wieso man sich dort hinfahren lassen sollte extra, keine ahnung. Außerdem wird ja grad davor gewarnt. Wenns dann los geht ist man mitten drinnen.
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Leider ist der diesjährige Thailand Aufenthalt schon durchgeplant. Trotz dem vielen dank für deine Infos Sanook. Wenn die Planung für 2011 ansteht wende ich mich vertrauensvoll an dich.
Besonders die Lodges oder Homestays währen evt. von Interesse.
Kindern was beibringen in 3 Tagen überfordert mich derzeit etwas hmm, ich glaub ich kann einfach nichts besonderes
. Doch, ich kann zeichnen, ich könnte Bilder mit ihnen malen oder Papierblumen basteln, so Kram eben. Hey irgendwie könnt ich mich echt für so was begeistern
! Das lass ich mir mal ernsthaft durch den Kopf gehen, die Art von Tourismus könnte mich wirklich begeistern! -
Wir haben letztes Jahr in Nordthailand ein "Schaudorf" besucht, dort waren viele von den Bergvölkern vertreten, jedes Volk in einem abgetrennten Bereich.
Unser Guide hat erzählt, dass die Familien (freiwillig) 1-2 Jahre in dem Dorf leben, ihre Produkte erzeugen , verkaufen und danach wieder in ihre Heimatdorf zurückkehren, ich finde das eine gute Idee, der Tourist bekommt einen kleinen Einblick und die Einheimischen verdienen Geld , wahrscheinlich mehr, als wenn sie ihre Erzeugnisse an Souvenier-Shops verkaufen.
Wir waren vor kurzem in BKK, aber ich wäre nicht freiwillig in die Nähe der Demonstrationen gegangen, wozu auch, wer sich in Gefahr begibt kann darin umkommen. -
Sanook: nein, kein fishing for compliments!
Mir geht es um Gedankenaustausch und mich interessieren wirklich die Hintergründe, die manche Menschen dazu bewegt, dies oder jenes zu tun oder eben zu lassen.
Ich drücke es mal so aus: wenn Pauschalurlauber X einen Besuch bei den Bergvlökern bucht, vermute ich weniger, dass er das aus großem kulturellen Interesse macht, sondern wegen den bunten Trachen und goldenen Halsreifen, die ein hübsches Fotomotiv ergeben.
Du hast einen ganz anderen Ansatz gebracht, den ich bei Eröffnung dieses Threads gar nicht bedacht habe.
Dieses Schaudorf, das Sala erwähnte, ist so eine Einrichtung, die ich kritisch sehe. Es zeigt nicht das wirkliche Leben sondern ist eine für Touris errichtete Attraktion. Klar spielen die Menschen freiwillig für die Touristen Alltag, sie bekommen ja Geld dafür. So was erinnert mich an Disneyland und Menschenzoo. Vor etlichen Jahren gab es im Holidaypark mal eine kleine Liliputanerstadt, das ist für mich ähnlich. Das Leben eines Tigers kann ich auch nicht begreifen, wenn ich ihn im Zoo besuche (Zoobesuche verursachen bei mir übrigens ein ähnlich ungutes Gefühl).
Da kommt mir eine andere Frage: werden diese unbequemen Ringe von den Frauen noch getragen, weil sie so tief mit ihrer Tradition verwurzelt sind oder weil es von den Touristen so gerne gesehen wird? Könnte diese blödsinnige Sitte nicht schon längst Vergangenheit sein, wenn die Touristen nicht danach verlangen würden?
Das ist lediglich ein Gedankengang von mir!
Bernhard: danke für dein Statement, ich denke du verstehst um was es mir geht. -
ronjaT:Da kommt mir eine andere Frage: werden diese unbequemen Ringe von den Frauen noch getragen, weil sie so tief mit ihrer Tradition verwurzelt sind oder weil es von den Touristen so gerne gesehen wird? Könnte diese blödsinnige Sitte nicht schon längst Vergangenheit sein, wenn die Touristen nicht danach verlangen würden? wrote:
Zunächst finde ich es etwas anmaßend,eine kulturelle Sitte zu verurteilen,mag sie aus westlicher Sicht noch so blödsinnig sein.
Ich denke,auch ohne den Einfluß von Touristen würde diese Tradition weiterleben.Wenn man sieht,was in unserer Kultur teilweise für Risiken sprich Operationen eingegangen werden,um einem Schönheitsideal zu entsprechen,halte ich diese Halsringe für relativ harmlos.Und wenn man den Gedanken mal weiterspinnt und sich klar macht,was nicht alles gemacht wird,weil die Touristen danach verlangen,dann dürfte man nicht mehr mit gutem Gewissen in eine besucherfreundlich umgestaltete Region wie Samui oder Phuket reisen.
Ich persönlich würde mir so etwas auch nie anschauen und insofern kann ich dein Bauchgrimmen gut verstehen.Aber ein Hauptantrieb des menschlichen Handelns ist nun mal die Gier,hier die Neu- bzw.Sensationsgier.Das wirst du nicht ändern können.
Gruß
S. -
Ja, leider hat Palme recht :? . Ich fand den Thread bisher sehr konstruktiv und die Postings von Sanook und Surabaya Johnny haben mich meine doch oberflächliche Betrachtungsweise - Bergvölker = Menschnezoo - etwas überdenken lassen. Gerade von Sanook kam sehr viel Hintergrundinformation. Ich denke es macht absolut keinen Sinn Sätze hier aus dem Zusammenhang zu reißen und sinnentstellt wieder zu geben. Zumal habei nichts Sinnvolles zum eigentlichen Thema heraus kommt! Ich hatte gehofft, dass in diesem Thread einmal konstruktiv diskutiert werden kann, anfangs war es ja auch so, doch leider gleitet er jetzt in sinnentleertes "Phrasen um die Ohren schlagen" ab - schade!
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Nochmal zurück zum Thema Langhalsfrauen, habe gerade einen interessanten und informativen Artikel im Merian Heft Thailand über diesen Stamm der "Padaung" gelesen. Zusammengefasst steht folgendes drin:
- Die Padaung sind politische Flüchtliche aus Birma, denen aus diesem Grund in Thailand Papiere verweigert werden, die deshalb aber auch nicht ausreisen dürfen.
- Tragen der Ringe führt zu Muskelschwund, zudem wird die Bewegungsfreiheit eingeschränkt.
- In den 90er Jahren wurde die Tradition, die nur von wenigen älteren Frauen gepflegt wurde als Touriattraktion entdeckt.
- Großteil des Eintrittsgeldes geht an die "Karenni National Progressive Partei", die damit Waffen für ihren Kampf um einen unabhängigen Karen-Staat in Birma kauft (Padaung zählen sich zu den Karen)
- Frauen bekommen 1500 Baht im Monat für das Tragen der Ringe
Quelle: Merian Heft Februar 2010
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- In den 90er Jahren wurde die Tradition, die nur von wenigen älteren Frauen gepflegt wurde als Touriattraktion entdeckt.
Das deckt sich doch mit den Vermutungen, die ich diesbezüglich gemacht habe.
NH-Reisen: weißt du ob es das Heft noch zu kaufen gibt?