Flugzeugbetankung mit Passagieren an Bord?
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Hallo,
meine Frage lautet: Ist es eigentlich zulässig, ein Flugzeug zu betanken, wenn alle Passagiere an Bord sind?
So geschehen am 19.10.08 bei einem Blue Wings Flug nach Kalabrien. Die Maschine hatte Schwierigkeiten mit einer Temperaturanzeige, an diesem Problem wurde 3 Stunden von Service-Technikern von Blue Wings und der Lufthansa herumrepariert. Letztendlich wurde das Ventil herausgebaut und auf manuell geschaltet. Danach mußte das Flugzeug dann noch betankt werden und das wurde kurzerhand mit allen Passagieren an Bord gemacht. Wir alle hatten ein sehr mulmiges Gefühl.
Wer hat Erfahrungen bezügl. dieser Vorgehensweise?Vielen Dank im Voraus und liebe Grüße,
Lilli
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tanken mit passagieren an board ist erlaubt, allerdings muss dann die feuerwehr mit am flugzeug sein... wenn das kerosin nicht warm genug ist, kannst ein zündholz reinwerfen und es brennt nicht, da ist der flammpunkt wesentlich höher als z.b. bei benzin!
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Das hängt sowohl von der Airline als auch vom Flughafen ab. Bei manchen reicht es, wenn die Flughafenfeuerwehr informiert ist, anderswo muss die Feuerwehr daneben stehen und quasi den Lösch-Schlauch im Anschlag haben. Das ist nicht überall gleich. In der Regel muss dafür Sorge getragen werden, dass die Flugzeugtüren offen sind und die Gangways vorhanden sind, sowie ausreichend Evakuierungsfläche rund um das Flugzeug gegeben ist. Außerdem muss in der Regel einer im Cockpit sein und Sprechverbindung mit Tower bzw. Betankungsteam haben. Anschnallzeichen müssen erloschen sein (Rauchverbot sowieso). Die sonstige Kabinencrew muss informiert und anwesend sein, um die Evakuierung ggf. in geordneten Bahnen ablaufen lassen zu können. Und es ist Sorge zu tragen, dass jeder artig auf seinem Sitzplatz sitzt.
Für alle, die Angst haben: wie oft habt Ihr in den letzten Jahren gelesen oder gehört, dass ein (leeres) Flugzeug während des so gefährlichen Betankens in die Luft geflogen ist und ein Flammeninferno auslöste? Eben. Das Betanken ist ein absolut ungefährlicher Vorgang und findet sehr oft auch noch während des Boardens statt. Einfach, um Zeit zu sparen. Die Flughäfen stehen auf Druck der Fluglinien in internationalem Wettbewerb hinsichtlich kurzer Turnaround-Zeiten (oder wie das heißt - also die Zeit zwischen "Blocks on" und "Blocks off"), sodass viele Tätigkeiten parallel laufen (müssen). Also Betankung, Ent- und Beladung, Boarden, ... Was ich gehört habe, werden in Wien zum Beispiel 25 Minuten garantiert. Und wenn da der Tankwagen nicht gleich verfügbar ist, fängt man wahrscheinlich trotzdem schon mal mit dem Boarden an (unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften natürlich).
Zum Thema "artig sitzen bleiben": Da gibt es doch diese Erzählung, wonach ein Passagier während des Betankens aufs Örtchen gehen wollte und ihm die Flugbegleiterin dies untersagte, weil "das Flugzeug explodieren könnte"
. Wenn diese Geschichte nicht stimmen sollte, ist sie zumindest gut erfunden. -
Auf welchem Flughafen muss denn die Feuerwehr beim Betanken mit Passagieren anwesend sein und wowöglich den Schlauch drauf halten???
So was habe ich ja noch nie erlebt
Boarding während des Betankens kommt ganz selten vor und ist nicht wie hier geschrieben wird an der Tagesordnung.
Und noch was Kerosin ist überhaupt nicht entzünlich - lediglich die Dämpfe davon.
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Anbei ein Auszug aus den EU-OPS, den gemeinsamen technischen Vorschriften und Verwaltungsverfahren für den gewerblichen Luftverkehr mit Flächenflugzeugen:
Der Luftfahrtunternehmer hat Betriebsverfahren für das Betanken und Enttanken, während Fluggäste einsteigen, sich an Bord befinden oder aussteigen, festzulegen, die sicherstellen, dass folgende Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden:
* Eine geschulte Person muss sich während des Tankvorgangs an einem festgelegten Platz aufhalten, wenn sich Fluggäste an Bord befinden. Diese Person muss in der Lage sein, die Notverfahren bezüglich des Brandschutzes und der Brandbekämpfung durchzuführen, den Sprechverkehr auszuüben sowie eine Räumung einzuleiten und zu lenken, * zwischen dem Bodenpersonal, das das Betanken überwacht, und dem geschulten Personal an Bord des Flugzeugs muss eine Zweiweg-Verbindung durch die interne Bordsprechanlage des Flugzeugs oder durch andere geeignete Mittel hergestellt und aufrechterhalten werden, * die Besatzung, sonstiges Personal und Fluggäste müssen darauf hingewiesen werden, dass das Flugzeug be- oder enttankt wird, * die Zeichen zum Anlegen der Sicherheitsgurte müssen ausgeschaltet sein, * die Rauchverbotszeichen müssen eingeschaltet sein, ebenso die Innenbeleuchtung, um die Notausstiege erkennen zu können, * die Fluggäste müssen angewiesen werden, ihre Anschnallgurte zu lösen und das Rauchen einzustellen, * es muss geschultes Personal in ausreichender Anzahl an Bord sein, das für eine sofortige Noträumung bereit ist, * wenn das Vorhandensein von Kraftstoffdämpfen im Flugzeug festgestellt wird oder eine andere Gefahr während des Be- oder Enttankens eintritt, muss der Tankvorgang sofort abgebrochen werden, * der Bereich unter den Ausgängen, die für die Noträumung vorgesehen sind, sowie die Bereiche für die Entfaltung der Notrutschen müssen freigehalten werden, und * es müssen Vorkehrungen für eine sichere und schnelle Räumung des Flugzeugs getroffen werden.Wenn Ihr es genau anseht, dann werdet Ihr feststellen, dass das in der Regel immer gegeben ist, während Ihr boardet, ohne dass es Euch besonders auffällt. Vielleicht mal davon abgesehen, dass es einem i.d.R. nicht explizit gesagt wird, dass noch getankt wird. Möglicherweise aber bloß, um ein "oh Gott, ist das nicht gefährlich!?!" zu vermeiden. Denn das ist es nicht.
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Stew wrote:
Auf welchem Flughafen muss denn die Feuerwehr beim Betanken mit Passagieren anwesend seinIn Düsseldorf ist das z. B. zwingend vorgeschrieben!
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Stew wrote:
Auf welchem Flughafen muss denn die Feuerwehr beim Betanken mit Passagieren anwesend sein und wowöglich den Schlauch drauf halten???Was ich weiß, verlangt die Air France zwingend auf jedem Flughafen, dass die Feuerwehr während des Betankens bei Zwischenstopps (bzw. in anderen Fällen, wo Passagiere an Board sind) bei der Position des Flugzeugs steht. Aber sicher nicht mit dem Schlauch im Anschlag und auf das Flugzeug visierend und mit schwerem Atemschutz und so. Das war ein Scherzal, drum habe ich ja geschrieben "quasi". Da würden die Passagiere nämlich ganz schön in Panik geraten, wenn sie aus dem Fenster schauen und diese Vorbereitungen auf ein nahendes Flammeninferno beobachten müssten
. Aber die Feuerwehr muss beim Flugzeug sein. Sind halt sehr korrekt, die Franzosen - zumindest beim Betanken von Flugzeugen
. Anderswo reicht es dafür, wenn die Löschfahrzeuge innerhalb von zwei Minuten vor Ort sein können. -
Hallo,
vielleicht noch die eine, oder andere Ergänzung.
In einem Bericht vor ein paar Jahren, bei dem es um die sogenannmten Ramp-Checks ging, also um die "ad hoc" Kontrollen von Flugzeugen durch das LBA, wurde ein Jumbo der Air India in Frankfurt gezeigt. Während das Flugzeug betankt wurde und dieses auch kontrolliert wurde, waren die beiden Piloten mal gemütlich beim Duty Free Shopping! Bemängelt wurde dabei dann aber nur, daß kein Verantwortlicher an Bord gewesen wäre, der eine eventuell nötige Evakuierung hätte anordnen können.
Bezüglich der tankwagen wäre noch zu erwähnen, daß diese auf vielen großen Flughäfen nur noch für die Außenpositionen benötigt werden. Denn bei den modernen Airports läuft die Betankung unterflurig. Das heißt, daß die Leitungen schon im Boden des Flughafens eingelassen sind und das Flugzeug durch diese unterirdischen Leitungen mit Kerosin versorgt wird. Also eigentlich wie an einer normalen Zapfsäule.
Es muß also nur noch entsprechend angeschlossen werden. Gleiches gilt dann auch übrigens für die externe Stromversorgung, sowie Frisch- und Abwasser.
Gruß
Berthold
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@Stew, dachte Du bist Flugbegleiter ? Dann müsstest Du eigentlich besser bescheid wissen.
Es gibt genug Flughäfen wo die Feuerwehr bei der Betankung anwesend sein muss und das sogar wenn das Flugzeug leer ist. Meist ist dann ein Löschfahrzeug mit 2 Mann Besatzung da.
Kann mich noch an früher erinnern, dass in Hamburg bei jeder Betankung ein Löschfahrzeug bereit stand.
Gruss
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Also sollte es wirklich vorkommen, dass während des Einsteigens das Flugzeug betankt wird, dann fällt den Gästen schon etwas auf. Nämlich, dass sie nur in kleinen Gruppen einsteigen. Das ist zumindest im LH-Konzern so. Ob ihnen das Bodenpersonal am Gate das erklärt, weiß ich nicht. Wir an Bord würden das nur auf Nachfrage tun.
@Marco L.
I. d. R. weiß ich so was auch besser, das hast Du sehr gut erkannt. Aber da hier schon die EU-Ops zum Thema hereinkopiert wurden (siehe S. 1), wirst Du erkennen, dass dazu nichts von Feuerwehr steht.
Vielleicht ist es auch abhänging vom Flughafen. Ausserdem betrifft das ja auch nur bedingt meine Arbeit, denn wenn ich evakuieren muss, dann muss ich das tun, egal ob die Feuerwehr (schon) da ist oder nicht. Dazu sollte ich erwähnen, dass wir eigentlich nur im Ausland mit Passagieren an Bord tanken. Z.b. bei einem Flug wie FRA-TFS-LPA könnte es passieren, dass in TFS getankt wird. Oder FRA-GND-PMV, dann würde in GND getankt werden. Oftmals reicht der Sprit auch für das 2. Leg. Will sagen, dass man das Betanken mit Passagieren zu vermeiden versucht. -
Kurzes Fazit:
Betanken mit Passagieren an Bord ist erlaubt, deshalb wird es auch praktiziert.
Bei so genannten Via- oder Dreiecksflügen bedeutet es eine große Zeitersparnis, wenn nicht alle Passagiere von Bord müssen.
Wenn sie doch von Bord müssen, ist nicht allein das Tanken daran schuld, sondern andere operationelle Gründe spielen mit herein (Crewwechsel, Beladung, Reinigung o.ä.).
Jede Airline hat leicht variierende Praxis, aber unterliegt immer nationalen bzw. internationalen, sowie lokalen Vorschriften der Flughäfen.
Nie ist es Schikane, wenn man Aussteigen muss im Transit.
Nie ist es unsicher, wenn man an Bord bleibt während des Tankens (gesetz den Fall, dass alle Vorkehrungen getroffen und beachtet werden von Crew und Passagieren).
Gruß
Sun–Sun
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Eine ganz kurze Antwort: Ja, das geht immer noch und gibt es immer noch!
Herzliche Grüße -
Und Zaster gibt's auch nicht.....
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Geht so etwas heutzutage noch, ohne dass Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden? Immerhin 10 Jahre liegen dazwischen.
@maria0207 sagte:
... ohne dass Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden?...
Für welchen Schaden jetzt noch gleich?
Und obwohl ich für Forenneulinge eigentlich fast immer eine nette Begrüßung wähle, lasse ich sie bei werbeschwangerer Profitgier jetzt einfach mal stecken....