Was bringen Hotelbewertungen?
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Letzte Woche buchten wir eine Saisonendwoche im Hotel Marian Platja in Rosas. Und das, trotz zum Teil horrend schlechten Bewertungen auf verschiedenen Portalen im Internet. In etwa tönte es dann für den Nachsaisonmonat September so:
Speisesaal ist eher eine Kantine. Man musste sein Geschirr wegbringen und den Müll entsorgen! Der Wein wird viel zu warm gebracht (Rotwein) Roséweine nicht gekühlt, warm nicht geniessbar. Gläser stumpf und zum Teil schmutzig. Die Auswahl sehr gering, beim Frühstück Brötchen trocken, pro Tisch ein Kaffeelöffel, wir waren zu dritt, aber es hatte am Buffet keine. Abendessen 2 Buffets mit Vorspeisen und 2 Sorten Fisch und 3 Sorten Fleisch, aber nur ein Buffet mit Beilagen. Daher fast immer leere Schalen, sie kamen kaum nach mit auffüllen. Nach 35 - 45 Minuten wurde beim 2. Buffet schon Licht gelöscht und abgeräumt. Obschon Essenszeit von 20:00 - 22:00 war. Vorspeise immer gleiche Salate, Eisbergsalat und Frisèesalat , Randen aus der Dose, Mais aus der Dose, Tomaten in dicken Stücken, Gurken in dicken Scheiben. 2 Salate, die eher an Resteverwertung erinnerten. Speisesaal sehr eng bestuhlt, konnte kaum aufstehen ohne die anderen zu stören. Dessert, Dosenfrüchte grüne Bananen, grüne Ananas, fertig Tortenstücke zum Teil noch gefroren!Oh la, la, tönt nicht gut, sagten wir uns. Aber kein Problem, geniessen wir unser grosses schönes Zimmer mit Kühlschrank für eingekaufte süffige Getränke und einem sonnigen Eckbalkon mit herrlichem frontalem Blick auf Meer und die Skyline von Rosas und Empuriabrava und die schöne verkehrsfreie Plage direkt vor dem Hotel. Das günstige Saisonendangebot lässt es locker zu, zwei oder drei Mahlzeiten wenn gewünscht, jeden Tag auswärts einzunehmen. Gleichwohl suchten wir am ersten Abend den Speisesaal auf und waren angenehm überrascht. Und um es vorwegzunehmen, wir haben nicht ein einziges Mal auswärts gegessen!
Schöner Speisesaal mit anmächelig gedeckten Tischen und z.T. mit Blick auf das Meer. Auf Wunsch kann ein zweier oder mehrplätziger grosser Tisch mit Freunden oder gleichgesinnten Gästen für die gesamte Feriendauer reserviert werden. Ein reichhaltiges Frühstücksbuffet von Bratspeck mit Spiegelei ab Grillplatte über diverse Sorten Wurst/Würstchen, Schinken, Käse, Früchten, Yogurt, Butter, Konfitüre, begleitet mit frischen Backwaren für jeden Geschmack und X-Sorten warm/kalt Getränken lassen keine Wünsche offen. Ein Traum auch das grosse internationale Vorspeisenbuffet mit leckeren lokalen Spezialitäten. Auch das Hauptspeisenbuffet lässt keine Wünsche offen. Jeden Tag Fleisch, Fisch und Geflügel mit dazu passenden Beilagen. Mir läuft heute noch das Wasser im Munde zusammen, wenn ich an die „CATALA“-Spezialitäten: Hähnchen mit Zwetschgen und Ruben, Kaninchen mit Schnecken oder Seeteufel mit Romesco Sosse denke! Leere Behälter werden blitzartig neu aufgefüllt und wenn nicht, ein freundliches Wort und der Nachschub ist da. Wer nicht fündig wird, kann sich vom Koch ein gewünschtes Stück Fleisch oder Fisch auf der Grillplatte zubereiten lassen. Dann ein Teller mit verschiedenen Sorten Käse von Geiss über weich bis zu hart und zum Abschluss ein reichhaltiges Dessertbuffet mit frischen Früchten, diversen Glace und spanischen süssen Spezialitäten, z.B. eine hausgemachte Crema Catalana!
Hervorragend auch der kompetente Service. Egal ob eisgekühlten weiss oder rosè Wein zu Fisch oder einen süffigen Rioja zu Fleisch, die gewünschte Flasche ist auf dem Tisch, wenn wir mit den Speisen im Teller Platz nehmen. In der Regel ist es jeweils kurz vor 22:00 Uhr, wenn wir den Speisesaal verlassen und mit Gleichgesinnten einen oder mehrere „carajillo“ auf der Terrasse, begleitet mit Life-Musik aus der Bar geniessen!
Der langen Rede kurzer Sinn. Mir ist aufgefallen, es gibt auch in diesem Hotel die obligaten Meckerer und nicht selten die kulinarischen Banausen, die man rund um die Kugel antrifft und die an allem etwas auszusetzen haben. Und ich stelle einmal mehr fest: Diese Spezies, die nicht selten aus dem letzten Loch pfeifen und sich zu Hause mit billigen Fertiggerichten ernähren, in den Ferien ein günstiges Angebot buchen und in jeder Beziehung einen 5- Sterne Komfort erwarten! Sorry, ich musste das mal loswerden.
Pesche
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Jeder muss für sich aus den Bewertungen heraus lesen, was einem wichtig ist. So lese ich beispielsweise meist erst die negativen Bewertungen und stelle oft fest, dass dies Dinge sind, die mir im Grunde schnuppe sind.
Deinen Kommentar bezüglich Spezies mit billigen Fertiggerichten sehe ich bisher eher in umgekehrter Form. Mein Anspruch eines Hotel-Buffets hält sich eher in Grenzen. Wenn ich manchmal lese, dass das Essen so gut sein soll, dass es sich schon fast um eine Sterne-Küche handeln könnte, dann denke ich in der Tat, die Leute ernähren sich zu Hause nur von Fertiggerichten.
Ich kann für mich jedenfalls dennoch behaupten, mit "Studieren der Bewertungen" meist richtig gelegen zu haben.
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Hotelbewertungen kann man nur incl. zwischen den Zeilen lesend halbwegs ernst nehmen, und dies auch zum Ausfiltern von bestellten und sonstwie jubelgefakten Texten. Es schreibt da eben eine sehr heterogene Masse, und sie lässt sich bei einigen Bewertungsaspekten entlarven. Wer ein 40 qm großes Hotelzimmer als unzumutbar klein beschreibt, eventuell sogar nachmisst und auf "nur" 38,2 qm kommt, ist ziemlich sicher jemand, der zu Hause im Wohnsilo nur 22 qm Wohnzimmer hat. Wer Buffets, die mehrere andere Bewerter als gut und vielseitig empfanden, als eintönig und geschmacklos tituliert, ist vermutlich eher Kunde von Frittenbude, schlechter Werkskantine und TK-Pizza.
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Diejenigen, die das Buffet–Essen nicht über den grünen Klee loben, kommen also aus dem Plattenbau und essen nur Convenience–Kram – wieder was gelernt (auch wenn ich der Logik nicht wirklich folgen kann)...

Bisher war ich einfach davon ausgegangen, dass die Geschmäcker halt unterschiedlich sind...

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@Malini
Es gibt nun mal Leute, die beispielsweise keinen Fisch mögen - aber natürlich Fischstäbchen sehr gern - und deren sonstige Präferenzen kaum über Currywurst/Pommes, paniertes Schnitzel und McDoof-Burger hinausreichen. Sie bemäkeln dann auch gern, dass der TV im ägyptischen Hotelzimmer weder (wegen Bundesliga) Sky noch die 20++ in D üblichen privaten Verdummungs-TV-Sender hat. Da bucht dann mal Graf Ofenschlacke ausm Ruhrpott 5 Hotelsterne für 300 Euro all inclusive, denkt, er kriegt Luxus wie in Monaco und wird bös enttäuscht. -
Ich habe mal in einer HB geschrieben, dass es für Vorsichtige täglich vier "Standardgerichte" gab: Fleisch (abwechselnd
*, Rind, Huhn) und Fisch in Soße. Weiterhin Standardbeilagen wie Nudeln, Pommes und Gemüse wie Erbsen und Möhren.
Alle anderen Gerichte waren landestypische, variierten von Tag zu Tag.
In anderen HB war dann schon mal zu lesen, dass es keine Auswahl gab. Doch, die gab es - und in Hülle und Fülle. Aber eben nur dann, wenn man sich nicht nur an das Bekannte hielt.
(
*, weil als Wort geschrieben *******.
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@Florian80w
Deine Herleitungen könnten kaum noch als grotesk durchgehen ... -
ich muss zugeben, dass ich niemanden kenne, der keinen Fisch mag, aber natürlich Fischstäbchen...

Ein gutes Beispiel hat Kourion geliefert: Fisch in Soße, dazu Fritten oder Nudeln (die noch dazu ganz sicher nicht al dente sind), und das vielleicht 2 Wochen lang?
Nein, danke! (Und nein, ich esse keine Fischstäbchen!)(Es hat einen Grund, warum ich max. Frühstück buche)...
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Ich nur verstehen, typischer Allejahrewiederthread driftet schnell ab und sorgt für meine Belustigung

Go Pesche!

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Hier nich ...

Jedenfalls kann ich Pesche gut verstehen, und ich hatte selbst schon diverse "früher war mehr Lametta" oder "wir gehen da wegen des Essens hin" Begegnungen.
Die Herleitung, mehr oder weniger kritische Bewerter müssten aus einem bestimmten sozialen Umfeld stammen, halte ich für völlig abwegig. Ich selbst hab schon wochenlang Hühnchenleber und ledrige Steaks gefuttert und mich dennoch pudelwohl gefühlt. Weder residiere ich im Plattenbau noch weise ich eine überobligatorische Affinität für Fischstäbchen auf - kurzum: Essen ist mir einfach nicht soooo wahnsinnig wichtig, insbesondere, wenn ich dabei auf´s Meer blicken kann.
Tatsächlich nimmt die Gastronomie in Bewertungen zwar einen gewissen Raum ein (vermutlich ist das Thema für viele interessanter als für mich), mir ist es jedoch vollkommen wumpe, ob livrierte Kellner Hummer und Chivas servieren oder ich vom Buffet Pommes und Gulasch besorgen muss.
In meiner Familie gibt es ein Mitglied, das ca. 6-8 Monate akribisch Hotelbewertungen studiert, nach sorgfältiger Abwägung schließlich bucht und tatsächlich noch nie daneben gegriffen hat. Ich behaupte aber, es liegt an der ihm eigenen Bescheidenheit, die im Grunde mit etwas Meer und einem sauberen Zimmer alles drumherum erstrahlen lässt. Hauptsache Urlaub.
Ich hingegen lese Bewertungen zumeist nach meinem Urlaub, dann aber mit großen Interesse.
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Ich geb mal ein Beispiel für die beste Bewertung hier:
.....""Das Essen war nix, unfreundliche Leute überall und es hat 2 WOCHEN geregnet......""
Ich weiss nicht, ob Jemand den Unsinn bemerkt.


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Ich geb mal ein Beispiel für die beste Bewertung hier:
.....""Das Essen war nix, unfreundliche Leute überall und es hat 2 WOCHEN geregnet......""
Ich weiss nicht, ob Jemand den Unsinn bemerkt.


Schmunzelnd habe ich die Kommentare meiner spontan aus dem hohlen Bauch verfassten Frage konsumiert. Ich bin, zugegeben kein Fan von Buffetessen mit Warmhaltebehältern in Hotelbunkern und bevorzuge heute als Rentner rund um die Kugel, soweit möglich, kleine von Familien geführte Hotels oder Pensionen mit guter Küche, kompetent serviert am Tisch oder ich buche ein Hotel nur mit Frühstück und nehme weitere Mahlzeiten in Restaurants ein, in denen Ambiente, Speis & Trank und Service für meine Frau und mich stimmen. Und das im Gegensatz zu meinen früheren Geschäftsreisen im Auftrag eines global tätigen Konzerns, in zwangsläufig nicht ganz billigen 5- und mehr Sterne Business-Etablissements, in denen Pauschaltouristen und Buffetessen verpönt waren.
Wenn mir etwas nicht passt, sage ich es, auch wenn ich manchmal mit meiner „Schreibe“ einigen auf die Füsse trete. Und wenn mir etwas passt, also die Saisonendwoche in Rosas, angereist mit einem komfortablen Bistro-Bus, in einem Hotel an traumhafter Lage, mit herrlichem Meerblick aus unserem schönen Zimmer und mit Buffetessen, zugegeben nicht vergleichbar mit einem Gault-Millau Dinner, das mir aber auch als Buffetbanause in jeder Beziehung zusagte, sage ich das auch. Kurz gesagt: Preis/Leistung bei diesem Schnäppchen-Angebot stimmte -- auch wenn das nicht alle so sehen.
Pesche
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@Kourion
Zu der von dir erwähnten täglichen Variation landestypischer Gerichte gehört aber auch der norddeutsch/plattdeutsche Satz "Wat de Buur nich kennt, dat freet he nich."@Malini
Warum essen US-Amerikaner (und auch viele Deutsche) so gern panierten TK-Fisch aus Seelachsfilets? Es ist Fisch, Fisch ist gesund, aber er schmeckt nicht nach Fisch. Mich kann niemand mit sowas wie Tilapia aus Aquakultur begeistern, weil wabbelig und nahezu geschmacklos. -
Ich bemerke bei Hotelbewertungen in letzter Zeit einige,die offentsichtlich die letzten Urlaube in der Türkei gemacht haben.Dass z.B. in Spanien die Strände öffentlich sind und die Liegen dort nicht all inkl. sind.Auch scheint der Standart in der Türkei anders zu sein.O-Ton: Die küssen dir die Füße....
Ich schließe mich einigen Vorrednern an.Man muß Bewertungen lesen können. -
Moin zusammen! Wie wir erst kürzlich lasen, kann man Bewertungsportalen nur bedingt trauen. Da gibt es sicher eine ganze Bandbreite der Vertrauenswürdigkeit von Gering bis Hoch, jedoch ist es immer höchst umstritten, wenn man Hotels oder andere Dinge bwerten kann, ohne konstant und durchgehend einen Nachweis erbracht zu haben, dass man eine Buchung auch durchgeführt und selbst die Leistung in Anspruch genommen hat. Wie man auch hört und liest, schrecken sogar Hotelbesitzer nicht davor zurück, beauftragten bewertern quasi Luftbuchungen zukommen zu lassen, damit dieses das eigene Produkt in den höchsten Tönen loben.
Wie auch immer: ein privater Reisender ist kein Profi-Tester und ein schlecht gelaunter Bartender an einem einzigen Abend macht noch nicht aus einem Fünf-Sterne-Haus eine billige ********. Leider neigen hier viele zu Pauschalisierungen. Jedoch sehe ich auch anhand der "Hilfreich/nicht hilfreich"-Einträge, was der eine oder andere erwartet zu lesen über sein Lieblingshotel oder -schiff.
Wann immer man etwas über den grünen Klee lobt, bekommt man als Bewertender sehr viele "Hilfreich"-Klicks. Wagt man es aber am Stuck der Ikone zu kratzen und wendet begründete und fundierte Kritik an, die selbstverständlich berechtigt ist, hagelt es "Nicht-Hilfreich-Klicks", denn die Fans möchten offenbar über ihre Lieblingsurlaubsanwendung nur Gutes hören, um ihre Wahl immer und immer wieder bestätigt zu wissen. Wer aber tagein und tagaus Linsensuppe isst, dem kann man nur schwerlich den Geschmack einer Seezunge beschreiben, würde ich sagen. Darüber hinaus sollte man es einfach mal anderen Menschen zugestehen, dass diese auch eine gänzlich andere Ansicht zu dem einen oder anderen Produkt haben.
