Das Ansehen der Freiwillige Feuerwehren und sonstige ehrenamtlich Tätige
-
Hallo zusammen,
da ich als Hobby auch neben dem Reisen auch leidenschaftlich in der Freiwilligen Feuerwehr tätig bin, würde mich mal interessieren wer hier noch alles ehrenamtlich tätig ist? Vieleicht kann man einen Meinungsaustausch entstehen lassen, da dieses Thema ja oft mit Pro und Kontra diskutiert ist.
LG -
Menschen, die ihre oft spärliche Freizeit ehrenamtlich für die Allgemeinheit einsetzen, werden von mir sehr geachtet.
Ich selbst übe derzeit kein solches Amt aus, habe aber daran gedacht, mir später mal (wenn ich richtig viel Zeit habe) eines zu suchen. Essen auf Rädern z.B. könnte ich mir für mich vorstellen, oder auch ein paar Stunden in der Woche in der Kleiderkammer des Roten Kreuzes Klamotten sortieren bzw. an Bedürftige ausgeben.
Ehrenamtliche Arbeit gibt es genug. Wenn jeder Bürger nur zwei bis drei Stunden in der Woche/in 14 Tagen/im Monat ein bißchen helfen würde, ginge es uns vielleicht ein wenig besser.
Keinesfalls vergessen sollte man hierbei die nicht-institutionelle Hilfe: Eltern, die Schulen oder Kindergärten neue Anstriche verpassen; Eltern, die Schulfeste organisieren; Väter, die Spielplätze in Ordnung bringen; Frauen, die selbstgebackenen Kuchen ins Altersheim bringen .... Beispiele gibt es unendlich viele.
Allerdings ist diese Art der Hilfe meist der Geldknappheit der Gemeinden/Kommunen entsprungen. Bevor Eltern ihre Kinder weiterhin in den vergammelten Kindergarten schicken, kaufen sie lieber selbst Farbe und greifen zum Pinsel.
-
Hallo Carsten,
das ist doch mal ein nettes Thema :D. Selber bin ich nicht in der freiwilligen Feuerwehr. Aber mein Sohn nun schon seit 5 Jahren. Aber als treusorgende Mutter, ist natürlich "Einsatz" gefragt ;). So backe ich nicht nur Kuchen bei irgendwelchen Veranstaltungen, sondern stehe bei unserem wirklich tollen 10 km Marsch meistens 6-7 Stunden am Grillstand um die Steaks/ Würstchen zu verkaufen :D.
Außerdem gehöre ich dem "lila Pause Team" an, das sind Mütter/Väter an der Schule meiner Tochter, die morgens Brötchen schmieren, Gemüse putzen, Obst waschen und Getränke, Kekse,Joghurt usw. bereitstellen, damit die Kidis in der Pause ein gesundes Frühstück kaufen können :D.Meine Tochter nimmt das Angebot der "lila Pause" nicht in Anspruch, da sie ihr Frühstück von zu Hause mitbekommt. Ich mache es aber trotzdem für die anderen Kidis, da ich denke nicht jedes Kind hat die Möglichkeit von zu Hause aus vernünftig und liebevoll verpflegt zu werden
. Dafür opfere ich gerne 1-2 Morgenstunden im Monat.
Leider gibt es wie überall auch dort zu wenig Helfer :?, obwohl ich einige Mütter kenne, die nicht berufstätig sind und trotzdem nicht bereit sind bei dieser tollen Aktion mit zumachen.
-
Hallo Carsten,
ich betreue ehrenamtlich den Gastrobereich in unserem Verein.
Wir haben keine Gaststätte sondern nur einen Küchenbereich in dem jeder schaltet und waltet.Was ich persönlich nicht sooo toll finde, denn vor jeder Veranstaltung kann/darf ich erstmal den Kühlschrank von veralteten Speisen und Getränken befreien.
Hierzu gehört das verwalten und organisieren sämtlicher im Clubheim stattfindenden Veranstaltungen.
Nebst kompletter Vergabe einzelner Veranstaltungen an einzelne Gastro-Teams packe ich natürlich auch mal selbst mit an.Aber wie überall ist es auch bei uns so, daß es meistens immer wieder die gleichen Leute sind die helfen und die gleichen Leute sind, die Ausreden parat haben ....
LG
Daniela -
Hallo Ihr Lieben,
anscheinend gibt es doch noch Leute die sich ehrenamtlich betätigen. Leider nur ein kleiner Teil unserer Gesellschaft. Und dies ist der springende Punkt, das heutzutage gesellschaftliche Problem. Keiner ist mehr bereit in seiner freizeit ehrenamtlich bzw. unentgeldlich irgeldwelche Dienste zu machen. Vieleicht spielt auch das wirtschaftliche bzw. der Arbeitsmarkt eine Rolle in unserer heutigen hektischen Gesellschaft.
Ich habe das Thema deswegen ins Leben gerufen, weil Feuerwehr mein Hobby ist, aber auch weil die Wertschätzung einer solchen Tätigkeit in unserem Lande gleich null ist. Da kommen Behaubtungen auf wie "Feuerleute saufen eh nur; hast Du Dir doch selber ausgesucht usw". Ich kann jetzt nur aus meiner Sicht berichten. Nur ist anscheinend der Allgemeinheit in Deutschland nicht klar, was eigentlich mit Ehrenämtern geleistet wird. Wie Ihr schon sagtet, opfert Ihr Eure Zeit um Vereine beim Kochen oder Grillen zu unterstützen, Gastrobereiche ehrenamtlich zu machen usw. Finde ich persönlich klasse. Aber wie seht Ihr das Feedback aus der Öffentlichkeit?
Von meiner Seite bzw. Branche finde ich es eher mager. Nicht falsch verstehen, ich verlange keinen Rosengranz oder Kniefall, jedoch wissen viele nicht was dahinter steckt, im Gegenteil es kommen unqualifizierte Äußerungen. Neben meiner beruflichen Einschränkung (50 bis 60 Std. Woche) mache ich meine Tätigkeiten gerne in der Feuerwehr. Alle 2 Mittwoche sind Unterricht für die Leute der Einsatzabteilung sowie jeden Freitag Unterricht geben in der Jugendfeuerwehr. Hinzu kommen die Einsätze zu jeder Tages u. Nachtzeit. Nur das bekommen die wenigsten mit, wenn nachts um 2 Uhr der Pipser aufgeht, man zur Feuerwehr fährt u. dann vieleicht Stunden im Einsatz ist. Oft genug mit Gefahren verbunden, wenn man dann noch in brennenden Häusern rumarbeitet, oder sich qualvolle Bilder von Toten u. Verletzten auf den Straßen in eingeklemmten Autos vor Augen hällt. Wenn man dann noch wie ich Führungskraft ist u. Verantwortung über seine Leute hat setzt dies all dem noch die Krone auf. Aber man macht es gerne, da es ein Hobby ist. Jedoch viele bedenken nicht, daß diese Leute selbt den Job machen müßten durch Verpflichtung, wenn es diese Freiwilligen nicht gäbe.
LG -
Ich kann Carsten nur beipflichten. Wir-Gefühl und Solidarität sind Begriffe, die in unserer Gesellschaft viel zu kurz kommen. In den USA sind solche ehrenamtlichen Tätigkeiten sehr viel populärer und in der Öffentlichkeit hoch geschätzt. Dazu gibt es dort ein sehr ausgeprägtes privates Sponsoring. Opernhäuser, Theater, Schwimmbäder, Museen etc., die bei uns vom Staat hoch subventioniert werden, existieren dort nur, weil Privatpersonen viel Geld für die Gemeinschaft opfern. Bei uns wäre so etwas undenkbar. Warum das so ist, weiß ich auch nicht.
Wenn die ehrenamtliche Tätigkeit von Privatpersonen ausgenutzt wird, hört der Spaß allerdings auf. Diese negativen Erscheinungsformen gibt es übrigens auch. Eine Bekannte von uns, fast 80 Jahre alt, arbeitet seit Jahren ehrenamtlich für die Organisation Helfende Hände in einem großen Krankenhaus. Das Krankenhaus nimmt die Dienste gerne in Anspruch, weil es dadurch Geld spart, keine festen Arbeitskräfte einstellen muß. Unsere Bekannte berichtete jetzt, daß die Anforderungen an die freiwilligen Helfer immer weiter gefaßt würden, es mache ihr inzwischen, nicht nur wegen ihres Alters, keine Freude mehr, durch die Flure zu hetzen, um das angewachsene Arbeitspensum zu schaffen.
Da werden ganz offenbar gutwillige Helfer schamlos ausgenutzt.
-
@salvamor41
Deine Aussagen treffen in allen Hinsichten den Nagel auf den Kopf.
Haben uns im Urlaub mit vielen Amerikanern unterhalten. Die haben Deine Aussage bzgl. Freiwillige Feuerwehr usw. sind in Sachen Anerkennung dort sehr ansehnlich. Genauso wie in England. Gerade nach dem 11. September. Bei uns gibt es diese private Sponsoring nun mittlerweile auch, zumindest in Hessen. Man bekommt eine Ehrenamtscard für öffentliche Einrichtungen zu Vergünstigungen. Aber auch Deine Erfahrung bzgl. Hilfe im Krankenhaus kenne ich zum Negativen. Dort arbeite ich auch in meinem Beruf u. leider wird im Gesundheitswesen immer mehr eingespart.
LG -
Ich glaube irgendwann mal gehört zu haben, dass sich ca. 20 Mio. Menschen in Deutschland ehrenamtlich betätigen! Eigentlich müsste die Resonanz auf diesen Thread viel höher sein, statistisch zumindest!
Ich finde aber Wolfgangs Einwand ganz treffend.
Ich war viele Jahre ehrenamtlich in der AIDS-Hilfe und der Lesben-und Schwuleninitiative tätig. Eine Arbeit, die mir viel Spaß gemacht hat aber zunehmend schwerer wurde. Öffentliche Gelder wurden von Jahr zu Jahr beschnitten, so dass mit zunehmender Zahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter immer mehr Planstellen gestrichen wurden. Die eigentliche Arbeit im Bereich Prävention, Beratung und Pflege wurde durch das zeitaufwändige und zermürbende Sammeln von Spendengeldern immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Hier hat sich der Staat immer mehr zurückgezogen und die Verantwortung auf dem Rücken der Vereine und Mitarbeiter abgeladen. Viele sind gegangen, weil sie dem ständigen Druck von immer mehr Arbeitsstunden nicht standhalten konnten und auch wollten. An vielen Abendstunden habe ich nach der Arbeit meinen Sohn, der damals noch im Grundschulalter war, mitgeschleppt um überhaupt arbeiten zu können.Heute unterstütze ich einige Organisationen wie die Deutsche AIDS-Hilfe und AI mit dem was sie am dringendsten brauchen- mit Geld. Gelegentlich beteilige ich mich noch an aktuellen Projekten, die man oft auch vom heimischen PC aus erledigen kann. Zeitlich bin ich heute nicht mehr in der Lage "vollen" Einsatz zu bringen.
Ich finde jegliches Ehrenamt wichtig, da es auch ein Spiegelbild unserer eigenen Gesellschaft darstellt. Es darf aber nie heissen, dass sich der eigentlich Verantwortliche aus seiner Verpflichtung verabschiedet. Und das passiert leider viel zu oft.
-
"effi" wrote:
Ich glaube irgendwann mal gehört zu haben, dass sich ca. 20 Mio. Menschen in Deutschland ehrenamtlich betätigen! Eigentlich müsste die Resonanz auf diesen Thread viel höher sein, statistisch zumindest!...wieso?
Ehrenamtlich bedeutet, daß man freiwillig Arbeit für die Allgemeinheit leistet und nicht (nicht persönlich gemeint), seine Tätigkeit öffentlich zu machen und/oder nach Anerkennung zu heischen.

-
Es sind viel mehr Leute ehrenamtlich tätig, als ihr denkt. Die meisten tun das im stillen und reden nicht groß darüber. Außer bei der Feuerwehr, dem Roten Kreuz und anderen Organisationen findet man Ehrenamtliche in Sportvereinen, in der Jugendarbeit, beim Krankenhausbesuchsdienst usw. Ich selber mache bereits seit ca. 20 Jahren ehrenamtlich Büchereiarbeit, was mir sehr viel Spaß macht. Unsere Bücherei wird komplett ehrenamtlich geführt, die Leiter investieren enorm viel Zeit und Aufwand.
-
Es geht hier wohl weniger darum, daß jemand Lorbeeren für seine freiwillige, unentgeltliche und somit ehrenamtliche Arbeit einheimsen will, sondern darum, daß dieser ehrenamtliche Job in der Gesellschaft nicht als vollwertige Nebenbeschäftigung (ein Paradoxon, ich weiß) anerkannt wird.
Ich denke, daß Ehrenamtliche öfter hören "Waaas? Diese ganze Arbeit machst Du ganz ohne Honorar/Lohn/Bezahlung?".
Eine Platitüde: Geld regiert die Welt.
Ergo: Was nichts kostet, kann auch nichts wert sein.Eltern in Schulen und Kindergärten oder Vereinsmitglieder, die Zeit und oft auch Geld investieren, um eine Sache voranzubringen, werden insgeheim als Deppen angesehen.
Da spreche ich aus eigener Erfahrung: wir waren in zwei Vereinen aktiv, sehr aktiv, haben unsere Zeit, unser Können und unser Wissen investiert, partizipiert hat in beiden Vereinen der Vorstand und sich selbst bei den unumgänglichen Jahreshauptversammlungen für die geleistete Arbeit der Ehrenamtlichen auf die Schulter geklopft. Richtig, auch der Vorstand arbeitet ehrenamtlich ... aber uns ist die Galle übergelaufen, als es (bei beiden Vereinen!) so dargestellt wurde, als habe der Vorstand alleine die Arbeit geleistet - ohne die Mitwirkenden zu erwähnen, die den Verein als solches weit vorangebracht haben.
Lorbeeren haben wir nicht erwartet oder verlangt, aber ein bißchen Anerkennung für die geleistete Arbeit.
Es gab nur eine Konsequenz: wir gehören aktiv keinem Verein mehr an, passiv noch der FFW, in der wir ehrenamtlich nie tätig waren.
-
@curiosus
auch nicht falsch verstehen, aber meines Erachtens geht es hier nicht um Anerkennung zu heischen. Und selbst wenn, Anerkennung für das, was getan wird, kann man wohl voraussetzen. Wie Salvamor schon passend im Bericht ausgedrückt hat ist in Deutschland so etwas einfach nicht genug gwürdigt. Und darum geht es hier. Es wird vorausgesetzt das es freiwillige gibt die solche Tätigkeiten machen. Aber was ist wenn es diese Leute nicht mehr in diesem Rahmen gibt, da es nicht gewürdigt wird bzw. sie verhöhnt werden? Dann werden wie ab u. zu in der BRD zu sehen Pflichtfeuerwehren eingerichtet. Dann sind es die Leute, die diesen Dienst machen müssen, welche vorher darüber nicht nachgedacht haben u. dies alles voraussetzen.
LG -
Ich finde schon, dass die Arbeit der Ehrenamtlichen anerkannt wird. Bei uns ist es so, dass einmal im Jahr alle Ehrenamtlichen zu einem Empfang eingeladen werden, sozusagen als "Danke schön" für die geleistete Arbeit. Und viel Leute wissen auch zu schätzen, dass manche Dinge sonst gar nicht möglich wären - nicht erst seit heute, im Zeitalter der knappen Kassen! Aber leider ist es so, dass sich immer dieselben Leute melden, wenn es um Engagement und Mitarbeit geht, der Rest verlässt sich drauf, dass die anderen es schon richten werden.
-
Reiselady,
vielleicht kommt es auf den Bereich der ehrenamtlichen Arbeit an.
Ich kann mir durchaus vorstellen, daß die 5 oder 10 Ehrenamtlichen, die einen Arbeitsplatz im Öffentlichen Dienst ersetzen - FFW, Krankenhäuser, Altersheime, Bibliotheken .... etc. - und damit Kosten sparen, von Kommune/Gemeinde geehrt werden. Eine solche Festivität ist weitaus billiger, als Arbeitskräfte einzustellen.
Ehrenamtliche, die im Stillen ihrer unentgeltlichen Arbeit nachgehen, werden nicht geehrt.
Grundsätzlich: eine Ehrung innerhalb eines Empfanges muß ich nicht haben, Öffentlichkeit ist mir eher unangenehm.
Wobei mir einfällt: Ich habe, als Tochter noch jünger war, bei den Pfadfindern mitgearbeitet, sie war eben Mitglied (also der dritte Verein, den ich fast vergessen hatte).
Ich wurde für meine Verdienste geehrt, mit Pfadfinderdreieckstuch, Ansprache des Pfarrers und Beifall des Publikums und dazu ein Artikel in der örtlichen Zeitung - für mich war das sooo was von unangehm! Muß ich nicht haben.
Aber genau so unangenehm empfinde ich es, wenn andere sich meine ureigenen Verdienste an die Brust heften, sie haben die Arbeit schließlich nicht geleistet.
-
"Erika1" wrote:
Reiselady,Ehrenamtliche, die im Stillen ihrer unentgeltlichen Arbeit nachgehen, werden nicht geehrt.
Das kann man so nicht sagen. Der Abend für die Ehrenamtlichen wurde bei uns zB erst vor kurzem eingeführt, gerade, um die Arbeit der Leute, die im Stillen arbeiten, auch öffentlich anzuerkennen. Man bekommt auch sonst durchaus positive Resonanz. Und wie gesagt, die Leute, die sich engagieren, tun das nicht, um Lorbeeren einzuheimsen.
-
Niemand verlangt Ehrung oder Beifall für seine ehrenamtliche Arbeit. Man tut es einfach oder läßt es sein. Mein vorheriger Beitrag bezog sich vielmehr auf das von Salvamor angesprochene Problem, dass ehrenamtliche Mitarbeit häufig von den verantwortlichen Stellen ausgenutzt und als Grund für weitere Sparmaßnahmen gesehen wird. Das Ganze habe ich mit einem Beispiel aus meiner eigenen "Freiwilligenzeit" beschrieben. Mehr wollte ich damit nicht sagen.
