Ich würde da zwischen "Urlaub" und "Reisen" unterscheiden.
Wer einfach nur Urlaub im Sinne von 2 Wochen am Strand machen will, und dazu islamische Länder wie Tunesien oder Ägypten wählt, weil sie nunmal bei Mittelstrecke relative Sonnengarantie bieten, der wird, braucht und muss nicht gross mit der einheimischen Kultur und Religion in Berührung kommen.
In einem Touristenzentrum wie Naama Bay auf dem Sinai merkt man z.B. nichts davon, ob Ramadan ist, und eine Moschee in Hörweite gibt es auch nicht.
Ich reise lieber, weil ich Strandliegen nicht erholsam finde, ich kann besser abschalten, wenn ich mir was ansehe. Ich finde islamische Länder interessant zum bereisen, da ich den Gegensatz aus Fremdheit und Ähnlichkeit zu unserer Kultur sehr spannend finde.
Mir gefällt natürlich einerseits das exotische, die bunten Basare, der Ruf des Muezzin, das fremde Essen, die andere Art der Leute miteinander umzugehen.
Aber es gibt doch auch Gemeinsamkeiten. So erinnern die Auswüchse des Ramadan in Sachen Feierei und Völlerei an unsere Weihnachtszeit – ich bin sicher, in tunesischen und ägyptischen Frauenzeitschriften gibt es nach dem Ramadan lange Reportagen mit Diättipps „wie werde ich die Ramadan-Pfunde wieder los“.
Auch die Strassen sind geschmückt wie bei uns im Advent, und es laufen extra für diese Zeit produzierte Fernsehserien.
In unseren Medien wird leider immer nur das Fremde betont. Dabei sind das Christentum und der Islam aus demselben Ursprung und beide Kulturen haben stets nebeneinanderexistiert und die eine hat in der anderen Spuren hinterlassen.
Zu Deinen Fragen: Wenn erlaubt, sehe ich mir gern Moscheen, Kirchen und Synagogen an, den Ramadan habe ich zweimal miterlebt und fand das abendliche Essen draußen und die Feierei in der Nacht sehr schön, bei Gesprächen über Religion bin ich äusserst vorsichtig und meide das Thema lieber, hatte aber auch schon zwei interessante Gespräche (mit Mittelschichtsägyptern, keine Leute die im Tourismus arbeiteten), durch die mir der Islam aber eher unverständlicher wurde.