Seilbahn auf den Puig Major
In 1934 enstand das Projekt vom “Meisterwerk der mallorquinischen Ingenieurtechnik”: eine Seilbahn von der Strasse nach Sa Calobra auf den Puig Major.
Mit dem Ziel “eine neue Art von Tourismus zu fördern”plante der mallorquinische Ingenieur und Kulturpromoter Antoni Parietti Coll (Palma 1899 - 1979) diese Seilbahn. Parietti war - unter anderen und während seiner Tätigkeit als Strassenbauingenieur der Provinzverwaltung der Balearen – der Planer der Strassen nach Cura, nach Formentor und nach Sa Calobra.
Die Seilbahn sollte ähnliche Eigenschaften wie die auf den Montserrat (Barcelona) haben, mit der Talstation in Cals Reis (direkt neben der Strasse nach Sa Calobra, ca. 2 Km hinter der Abfahrt von der Hauptstrasse Soller – Lluc), und eine Bergstation in über 1.400 Metern Höhe. Die geplante Gesamtstrecke belief sich auf 2.016 Meter (siehe sehr grobe Skizze) , mit einem Höhenunterschied von 715 Meter, 3 Zwischenstützen und einem Steigwinkel von 36%. Jede Gondel sollte eine Kapazität für 25 Personen plus ‘Fahrer’ haben.
Die Seilbahn sollte den Zugang zum höchsten Berg der Insel ermöglichen (die Strasse zur Radarstation auf den Puig Major gab es damals noch nicht). In späteren Phasen sollte dann noch eine Sternwarte und ein Restaurant in der Bergstation dazu kommen. Alles sollte von einem Leuchtturm zur Orientierung des Flugverkehrs gekrönt werden. Ein Skipiste war auch vorgesehen. Der Kostenvoranschlag belief sich auf 2 Millionen Peseten (eine Aktiengesellschaft wurde gegründet deren Aktien - a 500 Peseten pro Aktie - auf dem offenen Markt angeboten wurden) und wurde von der Firma Bleichord-Zueg angenommen. Parietti hatte kalkuliert dass man diese Investition mit lediglich 12.000 Besuchern in bereits einem Jahr tilgen könnte (bei mir geht diese Rechnung nicht auf??).
Pariettis Projekt stiess allerseits auf offene Ohren. Die Presse – und nicht nur die spanische - berichtete ausgiebig darüber. Von einem “magischen Flug über die zerklüften Landschaften und atemberaubenden Klippen Mallorcas” war die Rede. Die Zeitschrift “Brisas” berichtete in ihrer Nummer XXI vom Jahr 1936 vom Beginn der Bauarbeiten.
Das Ausbrechen des spanischen Bürgerkriegs und dem damit verbundenen Embargo vom Versand von Metallkomponenten bedeutete den Todesstoss des Projekts. Die deutsche Firma Bleichord-Zueg konnte keine Teile mehr iefern. Als man die Arbeiten nach dem Bürgerkrieg wieder aufnehmen wollte waren die Kosten so gestiegen dass das Projekt finanziell nicht mehr machbar war.
Parietti wollte aber seine Idee der ‘Eroberung’ des höchsten Gipfels der Insel nicht aufgeben und plante eine Strasse auf den Puig Major die mittels Maut finanziert werden sollte. Auch dieses Projekt wurde verabschiedet, aber als man mit dem Bau anfangen wollte erteilte die spanische Regierung dem amerikanischen Militär die Genehmigung auf dem Puig Major eine der grössten Radarstationen des Mittelmeers zu installieren und somit war auch die öffentliche Strasse auf den Puig Major entgültig gestorben (das amerikanische Militär baute letztendlich diese Strasse, die auch heute noch für die Öffentlichkeit gesperrt ist).
Die Betonplattform der Talstation der Seilbahn besteht übrigends auch heute noch (wenn man weiss wo und wie man sie finden kann). Um ein Haar – und durch den Bürgerkrieg – entging der Insel das grösste und spektakulärste Touristenprojekt der Geschichte Mallorcas.
(Nein, heute ist nicht der 1. April)