Ich habe mir die Debatte hier jetzt fast zwei Wochen lang ganz entspannt angeguckt ( je nach Posting mal mehr, mal weniger
) und der eine oder andere wird sich vielleicht schon gefragt haben, warum nichts von mir kommt. Ein paar kurze Zeilen möchte ich jetzt doch noch dazu schreiben.
ADEgi wrote:
Wenn Du alles selbst heraussuchst, dann ist das schön und gut. Wenn Du aber buchen willst, dann bist Du auf ein Büro angewiesen, daß auch Deinen Veranstalter hat. Große Ketten haben oft nur wenig kleinere Veranstalter im Programm. Somit trägst Du auch unbewusst zu einer Reduzierung des Angebotes bei. Auch so ein Argument, das nicht zu verachten ist.
Was Du machst, bleibt Dir natürlich selbst überlassen. Wenn Du aber auch in Zukunft Reisebüros haben willst, die Dir eine fachlich gute Beratung anbieten, dann solltest Du Dein Büro nicht nach dem Rabatt aussuchen.
Dem ist eigentlich nicht viel hinzuzufügen. Vielleicht ist aber dem "normalen" Kunden oftmals gar nicht bewußt, dass es auch außerhalb von TUI, Neckermann und Co. noch deutlich kompetentere Veranstalter gibt die sich z.B. lediglich auf ein Land oder Zielgebiet spezialisiert haben und dort entsprechend mit Auswahl und Service punkten können. Die gibt´s bei großen Ketten natürlich eher selten im Angebot, man verknappt sich als Kunde als selbst seine Auswahl, wenn man sich nur auf die Vorschläge der Kettenbüros verläßt. Das die auf der ersten Threadseite erwähnte Reisebürokette von Kars... tatsächlich einen zweifelhaften Ruf genießt und regelmäßig für Kompetenz und Service belächelt wird, kann ich nur unterschreiben.
Anschla wrote:
Finde aber, wegen ein paar Happy Digits oder sonstigem sollte man ein kompetentes Reisebüro, mit dem man zufrieden ist, nicht wechseln.
Ich finde es o.k, Stammkunden einen kleinen Rabatt/ Präsent zu geben, aber mir gibt es schon zu denken, wenn man bei Neukunden auf Kundenfang damit geht....
Guter Ansatz, zumal wenn man bedenkt, dass Happy Digits als Prämienprogramm nicht im Verdacht steht üpig zu vergüten. Wenn man eine durchschnittliche Familienreise für 3000,- EUR bucht, bekommt man regelmäßig ca. 3000 Digits. Klingt zunächst nach viel, aber mehr als ´nen Schirm kriegt man dafür als Prämie auch nicht. Also lieber gleich einen Schirm als Give-away in einem kompetenten Reisebüro mitnehmen, als wegen der Digits das RB zu wechseln ...
Lindaxx wrote:
Eine tolle Diskussion, die wir in unserem 2 Mann Reisebüro gerade mit einem zufriedenen Lächeln verfolgen.
Toll, dass es noch Kunden gibt, die nicht wegen 3,75€ zur Konkurrenz rennen, sondern eine kompetente,nette Beratung zu schätzen wissen und für die es natürlich auch gerne kleine 'Goodies' gibt 
Zum Glück haben wir viele nette solcher Kunden, mit denen auch gerne nach dem Urlaub geplauscht wird, von denen viele mittlerweile eher Freunde als Kunden geworden sind.
Genau das habe ich mir an dieser Stelle der Diskussion auch gedacht und kann vollumfänglich zustimmen. Ich weiß es zwar aus "der Realität" heraus auch selbst, hätte aber bei einer onlineaffinen Community wie hier im Forum von HC selbst nicht mit einem solch hohen Anteil gerechnet. Respekt an dieser Stelle für das differenzierte Meinungsbild.
Chiara Saluta wrote:
... bei diesem inflationären geprotze um % würde ich mir wünschen, dass alle RSB die schon 6% geben müßen um überhaupt Kunden zu bekommen, bald von jemand überholt werden, der auch noch 8% gibt... also bitte liebe prozente gebende Rsb, laßt euch nicht lumpen und geht mal in die Vollen, wer nicht wagt gewinnt... 
Die gibt´s ja - leider - sogar auch! Aber man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass es solche Reisebüros in absehbarer Zeit nicht mehr geben wird. Rabatte dieser Größenordnung sind wirtschaftlicher Selbstmord auf Zeit. Dort wird das Kundenbindungsproblem definitiv von der falschen Seite angegangen und man schaukelt sich gegenseitig hoch. Klassisches Beispiel dafür war lange Jahre Dortmund. Dort hat man angefangen Rabatte zu geben, erst zwei, dann drei ... zum Schluss teilweise sechs oder sieben Prozent. Und dann haben bums, bums, bums, zig Reisebüros zugemacht. Jetzt gibt´s nur noch ( vereinfacht gesagt ) drei große Besitzerfamilien, welche teils dutzend Reisebüros betreiben und den Markt unter sich aufteilen. Auch nicht im Sinne des Kunden, da wieder die Angebotsvielfalt schwindet.
UrlaubsMary wrote:
Was das ganze mit meinem Gehalt zu tun haben soll, versteh ich jetzt nicht ganz - aber muss ich auch nicht ;-), hab nämlich mein Festgehalt ;-)!
Liebe Urlaubsmary, da muss ich ChiaraSaluta an dieser Stelle doch mal zustimmen. Das war in der Tat ein "Bärendienst" mit Deinen Postings. Obwohl ich eher das Gefühl habe, dass Du - obwohl eigentlich vom Fach - die Komplexität der Materie nicht ganz verstanden hast. Zumindest lassen es mich Deine Postings vermuten.
Alleine Deine Postings hätten mich dazu veranlaßt Dir bei mir keine Anstellung zu geben, wenn Du Dich beworben hättest, bzw. Dir eine Abmahnung zukommen zu lassen, wenn Du schon in unserem Büro arbeiten würdest. Ich fürchte Du weißt wirklich nicht, was ein "Rabatt" mit Deinem Festgehalt zu tun haben soll, aber glaub mir, die beiden sind untrennbar miteinander verbunden. 
Ich hoffe für Dich, dass Du es nicht erst verstehen wirst, wenn Dein RB zu viele Stammkunden hat, für die "3-4% immer drin" sind ... und Du Deinen Job verlierst.
mabysc wrote:
Naja, ich verstehe Dich und Deine Argumente natürlich und kann es auch verstehen, finde aber diese Mitleidstour nicht ganz soooo toll. Wie wäre es denn mit einem Solizuschlag für Reisebüros 
Ich fände das toll! Vielleicht kommt der ja mal, würde mich freuen 
Im Ernst, Mitleid will hier keiner haschen, lediglich Fakten klarstellen.
Ich fasse nochmal zusammen: Man muss nicht Wirtschaft studiert haben um bei freikalkulierten Verkaufspreisen ( z.B. Textilien, Autos usw. gemeinhin "Händler" genannt ) erstmal 100% aufzuschlagen, um dann vom Aufschlag gönnerhaft 50% Rabatt zu geben. Bei einer Branche wie den Reisebüros ( gemeinhin "Handelsvertreter" ) ist es aber so nicht möglich, da sie den Verkaufspreis nicht selbst kalkulieren, sondern von z.B. dem Reiseveranstalter ( gemeinhin "Handelsherren" ) auf den Cent genau vorgegeben bekommen. Und an diesem Preis ist nicht zu rütteln, nicht einen Euro. So steht´s in jedem Vertrag zwischen Produzenten und Vermittler. Und jeder der diesen Preis zu umgehen versucht, riskiert seine Agenturverträge zu verlieren.
Daher arbeiten einige Reisebüros ( vor allem die Online-Büros übrigens ) mit sogenannten Rückvergütungen auf Kosten des eigenen Ertrags um Kunden zu locken oder zu halten. Dabei wird nicht der Reisepreis gemindert, sondern der Kunde erhält einen prozentuellen Anteil vom eigenen Gewinn nach Rückkehr aus dem Urlaub. Ich halte das für den falschen Weg! Wie schon richtig geschrieben worden ist: Wer von den Kunden würde auf 30-50% seines Bruttolohnes verzichten? Wohl niemand! Und genau das fordern aber Kunden von einem Büro, wenn sie z.B. 3-5 % Rabatt wollen. Und es ist ein Unding!
Übrigens gucken auch bei Rückvergütungen die Reiseveranstalter sehr genau hin wie das abläuft. So hatte HolidayCheck ja Ende Mai / Anfang Juni eine Aktion für Alltours Reisen ins Leben gerufen wo es 77 EUR Rückvergütung gab. ( Je nach Reisepreis wären das in der Spitze bis zu 14,5 % "Rabatt" gewesen!!! ). Das hat Alltours allerdings so sehr missfallen, dass massiv Druck auf HolidayCheck ausgeübt worden ist. Nach knapp zwei Tagen mußte die Aktion ( zumindest der öffentlich sichtbare Teil, die Bewerbung etc. ) seitens Holidaycheck eingestellt werden. Ihr seht also, die Veranstalter sind nicht nur bei Rabatten, aber auch bei Rückvergütungen in einer - in Ihren Augen für den Veranstalter geschäftsschädigenden Höhe - "hellwach".
Kurz noch zwei Wörter zu meinen eigenen Vorgehen ... ich gebe in meinem Reisebüro niemals "Rabatte" oder Rückvergütungen ( oder wie das Kind auch immer heißt ) für normale Reisen. Es gibt zweifelohne auch den einen oder anderen Kunden, welcher ein besonderes Gimmick, oder auch mal eine Reiserücktrittskostenversichung bekommt. Aber diese Kunden sind an zwei Händen abzuzählen und bringen als langjährige Stammkunden über die Jahre auch die entsprechenden Umsätze im fünf- bis sechstelligen Bereich.
Schwach werde ich - zugegeben - wenn es notwendig werden sollte, weil es dem Kunden die Buchungsentscheidung erleichtern könnte, bei Reisepreisen ab ca. 15.000 EUR. Da kann es abhängig von meiner Tagesform tatsächlich passieren, dass ich eine Rückvergütung von max. 3% für den Kunden drin ist. ( Aber bei Reisepreisen von 500,-, 2000,- oder 5000,- EUR muss ein Kunde gar nicht erst davon anfangen, da gibt´s nur den Hinweis "Nein, bekommen Sie leider nicht" oder wahlweise auch das freie Geleit zur Tür. Da muss man auch mal die "Eier" haben ggf. einen Kunden zu vergraulen. Mit der Ersparnis im Ertrag rentiert sich dieses Vorgehen über die Masse der Kunden dennoch. )
Diese Rückvergütung passiert aber aus einer ökonomischen Überlegung heraus, die hier noch keine Erwähnung gefunden hat.
Eine solche Buchung bezahlt mit einem Schlag die Kosten für z.B. einen Azubi für die nächsten 1-2 Monate, ohne das ich mich groß darum kümmern muss. Manche Büros haben halt noch ein soziales Gewissen, denken nicht ausschließlich an Gewinne, sondern bilden trotz schwieriger Zeiten auch noch junge Menschen aus und geben damit auch eine Chance auf einen guten Start ins Leben.
Da sollten sich manche Kunden auch mal kritsch fragen, ob ihr Lieblingsonlineportal denn auch ausbildet, oder überhaupt Arbeitsplätze in Deutschland schafft oder erhält ... 
( By the way ... wieviele Azubis arbeiten denn im HC-Reisebüro?
)
In diesem Sinne, viele Grüße! ... ich gehe jetzt Reisen ( ohne Rabatt ) verkaufen!