So, dann will ich meine Erfahrungen mal vervollständigen.
Große Überraschung beim Online Check-In: Auf einmal hatte ich zwei Koffer pro Person auf der Bordkarte, war also doch ein Koffer frei. Also schnell eine mail an Icelandair geschickt und die Buchung des Zusatzgepäcks wegen Irrtum angefochten.
Bei der Gepäckaufgabe in Frankfurt noch mal nach der Zahl der gebuchten Gepäckstücke gefragt und da meinte der leicht überfordert wirkende Schaltermitarbeiter: Nur eins, wäre bei Buchung im Internet immer so, die Bordkarte könne er sich auch nicht erklären... Habe mich dann nicht auf eine weitere Diskussion eingelassen, mail war ja raus.
Das Gate wurde leider von Air France Paxen blockiert, deren Flieger satte 3h Verspätung hatte (da wären sie mit dem TGV oder ICE wohl fast genau so schnell gewesen...). Toll fand ich, wie flexibel die Icelandair Mitarbeiter nach der Ankunft des Fliegers mit dem Problem umgegangen sind: Zunächst haben sie schon im Gang unsere Pässe und Bordkarten kontrolliert und dann die unwillige Air France resolut aus "unserem" Gate geschmissen, so dass wir pünktlich boarden konnten.
Icelandair hat eine fast reine 757 Flotte, daher war schon vorher klar, dass die Flieger nicht mehr die neuesten sind. Hin hatten wir die "Bláfjall", die schon einige Vorbesitzer hatte, weshalb die Deckenpanels schon ein wenig angeranzt aussahen. Positiv ist aber der für die Eco wirklich großzügige Sitzabstand von 81 cm, was fast zwei Fenster ausmacht - und das auf guten, alten massiven Ledersesseln, keine Plastikstühlchen, wie man sie heutzutage gern verbaut. Weniger schön: Über unserer Sitze war klebrige Cola verspritzt, Teppich und Klapptische waren vollgekrümmelt. Entweder wurde der Flieger beim Umkehren in Ffm nicht gereinigt oder unsere Reihe wurde vergessen...
Positiv: Da die Maschinen mit Zwischenstop in Kevlafik weiter nach Amerika fliegen, gibt es Langstreckenstandard auf der Mittelstrecke wie kostenlose Decken, Kopfkissen und Inflight Entertainment. Zwar nicht in einer Riesenauswahl (je um die 25 Musikalben, Filme und TV-Serien) und nur auf Englisch oder Isländisch, aber immerhin. Kopfhörer sollte man mitbringen (Standard-Klinke), kosten nämlich extra. Auf den 3 1/2 h Flug gibt es einen vollen Service mit alkoholfreien Getränken, Alkohol und Essen kann dazu gekauft werden, bzw. ist bei den höheren Buchungsklassen inklusive. Nach dem Bordverkauf geht die Crew dann noch mal mit stillen Wasser durch - für 3,5 h Flug absolut i.O..
Bedenken sollte man, dass es in Island im Winter zu heftigen Stürmen kommen kann. Am Sonntag Nachmittag wurden daher alle Flüge Richtung Nordamerika gecancelled. Trotzdem interessant, als Nichtbetroffener zu beobachten, wie die Airline damit umgeht: Die Website wurde stündlich aktualisiert, demnach wurden alle Paxe auf andere Flüge umgebucht, von Rückfragen solle man w/ Überlastung der Leitung Abstand nehmen, es sei denn, man könne mit der Umbuchung absolut nicht leben. Wir sind dann Montag zurück, da lief alles wieder planmäßig, der (kleine) Flughafen war aber voll mit Paxen, die dort übernachten mussten, denn Island ist (auch im Winter!) so gefragt, dass es kaum mehr Hotelkapazitäten für gestrandete Fluggäste gibt. Obendrein ist Reykjavik noch fast 1h entfernt und die Verbindungsstraße war bis in den frühen morgen noch gesperrt. Daher: Keine Umsteigeflüge im Winter buchen, im Rest des Jahres würde ich einen Stoppover empfehlen, in drei bis vier Tagen hat man die Highlights Islands (Golden Circle, Blaue Lagune, Reykjavik und vielleicht noch eine Tour durch den Süden) gut gesehen.
Unschön: Weder hat die Website trotz .de Domain ein ordentliches Impressum, noch weisen die Geschäftsbriefe die nach deutschen Recht erforderlichen Angaben auf. Auch der Sicherungsschein der HanseMerkur weist nur "Icelandair" als Veranstalter auf. Wer sich dahinter verbirgt (Rechtsform? Sitz? Geschäftsführer? Sind Airline und Veranstalter ein und die selbe Rechtspersönlichkeit?) bleibt unklar, als Kontaktmöglichkeiten werden nur Telefon, Facebook Messenger und Twitter angeboten, sicherlich unschön, wenn aufgrund Extremwetterlagen ohnehin alle Kanäle belegt sind. Das kann im Fall der Fälle Probleme bereiten. Ich gehe davon aus, dass es trotz des Anscheins keine echte Niederlassung in Deutschland gibt und alles aus Island gesteuert wird.
Bei uns ist alles gut gegangen. Trotz des abklingenden Blizzards war zurück alles pünktlich. In Keflavik gibt es übrigens nur self check-in, auch für das Gepäck, schon mal eine gute Übung für das, was uns hier sicher auch bald erwartet. Zurück hatten wir die "Katla", die sauber und deutlich weniger abgeranzt, da Icelandair Erstbesitz, war. Leider haben wir die Hekla Aurora, mit ihrer Nordlicht Beleuchtung und -Lackierung m.E. eins der schönsten Flugzeug der Welt, um einen Tag verpasst. Total süß: Da irgendein Festtag war, gab es als Extra noch ein Küchlein umsonst Beide Flüge waren in der Eco übrigens komplett ausgebucht.
Das Highlight dann heute: In einer mail kündigt mir Icelandair an, dass mein Zusatzgepäck komplett erstattet wird und man sich für den falschen link entschuldigt. Top!
Fazit: Außerhalb des Winters sind Flüge nach Nordamerika mit Icelandair mit Stoppover in Island ein heißer Preistipp! Ich werde sicherlich noch mal buchen, wenn sie die neuen 737 MAX einsetzen, die ab diesem Jahr ausgeliefert werden.