"Bulgarienfan" wrote:
Hallo JürgenW,
entschuldige bitte, dass ich ein paar Stunden an der Diskussion nicht teilgenommen habe.
...
Welchen Beitrag wollen wir jetzt auseinandernehmen? Mach bitte mal Vorschläge! Ich bin zu allem bereit.
Gruß
Bulgarienfan
Na Manfred,
dass Du mal 4 1/2 Stunden an der Diskussion nicht teilnimmst, ist für mich kein Grund für eine "Entschuldigung", aber "zu allem bereit sein" und dann trotz Einloggens um 13.56 Uhr keinen Piep zu sagen, ist doch ziemlich merkwürdig... 
Da bin ich ja richtig gespannt, was Du Dir diesmal einfallen lässt...
Mir ist zwischenzeitlich bei Radio Bulgaria dieses brandaktuelle Interview "in die Hände gefallen": 
Veröffentlicht am November 10, 2005, 17:26 BG
Der 10. November – 16 Jahre danach
Am heutigen Tag vor 16 Jahren ist das kommunistische System samt seiner Ideologie zusammengebrochen, das das Leben in Bulgarien im Verlauf von 45 Jahren bestimmt hatte. Die ersten Monate nach der politischen Wende von 1989 waren von Enthusiasmus und der Hoffnung auf ein neues und besseres Leben geprägt. 16 Jahre später blicken die Bulgaren mit gemischten Gefühlen auf dieses Datum zurück. Wie sehen wir den 10. November heute – inzwischen als ein Land, das Mitglied in der NATO ist und bald der EU beitreten soll, das aber trotzdem noch arm bleibt und zu Pessimismus neigt. Krassimir Martinow unterhielt sich darüber mit dem Politologen Professor Georgi Karasimeonow.
Ich kenne diesen Prof. zwar nicht, aber einige Aussagen finde ich schon interessant und kommentierenswert: 
Dabei sind für die meisten Bulgaren jene materiellen Erwartungen, jener höhere Lebensstandard, auf den sie gehofft haben, noch nicht eingetreten.
Das möchte wohl der Hauptgrund für den Pessimismus sein, den ich persönlich am Sonnenstrand als Unfreundlichkeit und Missgunst empfunden habe... 
"Das Hauptdefizit dieser 16 Jahre ist das, was wir Rechtsstaat nennen", sagt Georgi Karasimeonow. "Uns scheint das Verständnis für Gesetzlichkeit und für Regeln überhaupt abhanden zu gehen."
Dieses "Defizit Rechtsstaat" habe ich vor Ort als Dreistigkeit der Kriminellen, auch noch nach dem Entlarven, und mangelndes Unrechtsbewusstsein empfunden und mit dem Gefühl beschrieben, mich in einem rechtsfreien Raum befunden zu haben... 
Solange die Mehrheit der Bulgaren sich nicht an den Regeln hält – vom Halten bei Rot bis zur Entrichtung ihrer Steuern – werden wir ein nicht europäischer und nicht zivilisierter Staat bleiben.
Hier spricht ein bulgarischer Politologe von der "Mehrheit der Bulgaren" die ich auch empfunden habe, mich aber nicht getraut habe, so krass zu formulieren... 
"Nicht umsonst gehen die Hauptkritiken an Bulgarien auch in diese Richtung – Korruption und Nichteinhaltung der Gesetze. Das ist aber eine Frage der Zeit, und ich bin überzeugt, dass wir als EU-Mitglieder nicht umhin kommen werden", so Professor Karasimeonow.
Diese "Nichteinhaltung der Gesetze" habe ich vor Ort als mangelnde Polizeipräsenz empfunden, jetzt weiss ich aber, dass durch Korruption der Justiz- und Polizeiapparat nicht nur teilweise gelähmt ist... 
Die "Frage der Zeit" wegen der EU habe ich völlig falsch eingeschätzt! 
Die fangen ja jetzt erst an mit Bekämpfung der Korruption, Justizreform und "totalen Krieg gegen die Mafia"... 
Nach der Kritik aus Brüssel, dass kein einziger krimineller Boss verurteilt ist, wurde am Montag dieser Woche Anklage gegen zwei Mitgliedern einer ehemaligen Gruppierung für Schutzgelderpressung wegen Anstiftung zum Mord, Zugehörigkeit zu einer kriminellen Gruppierung und illegalen Waffenbesitzes erhoben.
Diese Notiz aus der gleichen Seite bestätigt ja wohl die korrumpierte Justiz... 
Trotz verschärfter Polizeimaßnahmen wurde in Sofia gestern früh der jüngste Auftragsmord verübt. Das Oper war ein 33jähriger Mann aus dem kriminellen Milieu. In den vergangenen zehn Jahren wurden im Land Dutzende Auftragsmorde verübt, um Konkurrenten im kriminellen Geschäft aus dem Weg zu räumen und alte Rechnungen zu begleichen. In den meisten Fällen kam die Polizei aber weder den Mördern noch den Auftraggebern auf die Schliche, obwohl die Morde meist auf offener Straße vor vielen Zeugen verübt wurden.
...und dieser Folgesatz die "Ohnmacht" der Polizei... 
Ich habe zwar immer noch keine Ahnung, ob die betrügerischen Wechselstuben und die Taxi-******** mit 1 oder 2 "fingerfertigen Damen" an Bord Bestandteile der großen Mafia sind oder im Schatten derselben organisiert "arbeiten", aber alles Illegale dem "Staat im Staate" zuzuschieben und 95% der Bulgaren für ehrliche Menschen zu halten, ist mehr als blauäugig... 
Jede Mafia-Organisation braucht schließlich jede Menge Handlanger, Helfershelfer und Mitläufer... 
Da kann Dir auch das AA nicht bei helfen und Deine "Untersuchung" der spanischen Verhältnisse schon gar nicht...
Gute Nacht
Jürgen