Hallo
nachdem ich jetzt seit einiger Zeit passiver Mitleser dieses Threads bin, möchte ich mich auch einmal zu Wort melden! Wir sind selbst betroffen und fliegen am 9.8. nach Belek. Natürlich stand für uns auch zur Debatte die Reise zu stornieren, wir haben uns jedoch nach vielem Hin- und Her für die Reise entschieden.
Ich halte jedoch die Argumentationslinie die hier einige Befürworter anwenden für sehr zweifelhaft.
Man kann sicherlich sagen, das eine Absage einer Reise im Sinne der Terroristen ist und nicht hilfreich für den Normalbürger vor Ort.
Die Phrase man "würde den Terrorismus unterstützen" wenn man nicht reist, macht den der dieser Linie nicht folgt, zu einem aktiven Komplizen der Terroristen und auf so etwas wird natürlich auch extrem reagiert. So abstrakt dieses Argument richtig ist, so ist es konkret nur ein Todschlagargument um den Andersdenkenden mundtot zu machen indem er moralisch in eine bestimmte Ecke gestellt wird. Dabei hat dieses Argument ungefähr die Qualität, wie "wenn jemand ein deutsches Produkt kauft, ist er für die Armut in der Welt mitverantwortlich oder umgekehrt kauft man ein ausländisches Produkt ist man für das erstarken der Rechtsradikalen mitverantwortlich". Phrasen gegen die jeder von uns verstösst gibt es in jeder Lebenslage.
Übrigens gibt es diese Art von Argumenten auch auf der Seite der Reisegegner. "Ob das Leben meiner Kinder mir nicht wichtiger wäre als die Reise bzw. die Stornierungskosten" macht auch nur moralisch fertig ohne hilfreich zu seien.
Würde ich alleine reisen, würden mich die jetzigen Anschläge in meinem Reiseverhalten nicht beeinflussen. Mit Partner und seiner Ansicht (die ich verstehe und respektiere) verändert sich Position und wenn zwei Kinder (4 und 8 Jahre), für die man verantwortlich ist, mitfahren, ist die Situation noch eine andere. Ich glaube kaum, das prof. Terrorbekämpfer ihre Familien aktiv als Lanze für die Freiheit als Mittel einsetzen würden.
Es geht hier im wesentlichen darum zu versuchen, die potentielle Terrorgefahr in Relation zu anderen Gefahren (wie z.b. tagtäglich am Strassenverkehr teilzunehmen) einzuschätzen und seine eigenen Schlüsse zu ziehen und dies in Verbindung mit den Mitreisenden zu einem Ergebnis zu führen.
Bitte lasst uns die Meinung der anderen respektieren, ohne ihn direkt oder indirekt zu verurteilen. Gerade wer im Moment eine Reise in die Türkei gebucht hat, hat es schwer genug eine vermeintlich richtige Entscheidung zu treffen.
In diesem Sinne
Uwe