Brotknappheit in Ägypten
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Wer von uns ärgert sich nicht, wenn in der Bäckerei das Brötchen wieder teurer geworden ist. Für die ägyptische Bevölkerung wird die Versorgung mit dem täglichen Brot aber immer problematischer, sogar Tote soll es schon gegeben haben. Die Gründe dafür sind zum einen gestiegene Weltmarktpreise für Getreide, Schwarzhandel mit subventioniertem Mehl und die gewinnbringendere Vermarktung von Brotsorten, die Touristen bevorzugen.
Hier ein paar aktuelle links, die über die momentane Situation berichten:
Schattenblick
NZZ
Daily News Egypt (engl.)
Al-Ahram Weekly (engl.)LG chepri
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Wie sich die Zeiten ändern
Wegen des großen Reichtums Ägyptens nahm sie unter den römischen Provinzen eine Sonderstellung ein: Ägypten galt als die Kornkammer des Imperiums. Schon seit 273 v. Chr. bestanden freundschaftliche Beziehungen zwischen der römischen Republik und den Ptolemäern. Spätestens als mitten im zweiten Punischen Krieg, im Jahr 210 v. Chr., eine Hungersnot in Italien ausbrach, die einzig durch eine große Getreidelieferung König Ptolemaios IV. von Ägypten gelindert wurde, war den Römern die Bedeutung des Königreichs am Nil bewusst.
Vor längerer Zeit wurde berichtet, dass Taxifahrer mit dem Fladenbrot die Scheiben reinigten, da Brot billiger als Lappen sind.
Zitat:
100 Gramm subventioniertes Brot kosten in Ägypten in der Regel fünf Piaster (gut einen Rappen).Und in den USA wird vermehrt aus Getreide/Mais Treibstoff hergestellt.
Daher auch Preissteigerungen z.B. in Mexico. Es war auch billiger Mais zu importieren als selbst anzubauen.
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chepri, einen ganz wichtigen Punkt hast Du nicht aufgeführt : Umwandlung von Getreide in Biosprit ! Das schlägt ganz schön heftig auf den Preis.
In Zukunft sollen auch wieder vermehrt Regenwaldflächen für die Getreideproduktion kahl geschlagen werden.
In Italien hat es auch schon Proteste wegen gestiegener Nudelpreise gegeben. -
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tobias1983 wrote:
Das meiste geht ja schon fürs alltägliche drauf.Es geht hier gerade darum, dass die Menschen sich das alltägliche (Brot) nicht mehr leisten können.
Dieses subventionierte Brot bildet mit Zucker und Tee für einen Teil der ägyptischen Bevölkerung die Grundnahrung.
Der Marktpreis für Brot wäre zu teuer. Gemüse, Obst, Eier und Fleisch sind eh nicht drin. -
Hallo tobias,
könnte sich bei uns niemand mehr ein wenig Luxus leisten, dann bräuchte es keine foren wie dieses hier.
Ich wollte aber keinen thread aufmachen nach dem Motto "Ach wie gut haben wir es und beuten die armen Ägypter aus", sondern einfach für die unzähligen Ägyptenurlauber, die das Land lediglich aus der AI-Perspektive kennen (auch das soll keine negative Wertung sein) ein wenig Hintergrundinfo geben.@kidir
Biospriterzeugung habe ich nicht vergessen, aber dies ist doch der Grund für die von mir genannte Verteuerung des Getreidepreises. Ich wollte hier nämlich keine Diskussion über diesen Wahnsinn lostreten. Und die Sache mit Italien könnte uns hier doch Vorbild sein, auch mal gegen gestiegene AI-Urlaubskosten oder die Nichtförderung von Familien mit Schulkindern durch die RV auf die Straße zu gehen
LG chepri
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... und in den AI-Tempeln werden tonnenweise Lebensmittel von Leuten bei denen die Augen größer als der Magen waren weggekippt :?
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santamarinello wrote:
... und in den AI-Tempeln werden tonnenweise Lebensmittel von Leuten bei denen die Augen größer als der Magen waren weggekippt :?Eben. Und wenn dieser Thread bewirkt, dass ein paar Leute im nächsten Urlaub etwas bewusster am Buffet stehen und sich wirklich nur das auf den Teller tun, was sie auch essen, dann ist das doch schon mal was.
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Jackfruit wrote:
... was aber nichts am Brotproblem ändert!Das ist die "ich kann ja eh nichts tun"-Einstellung, welche die eigene Faulheit und Gleichgültigkeit rechtfertigen soll.
Und es stimmt auch nicht:
- Wenn bewusster gegessen wird, können die Hotels ihre Mengen besser planen und müssen keine Übermengen mehr einkaufen und hinterher wegschmeissen. Dies kann Preissteigerungen von Lebensmitteln verringern helfen.
- Wer bewusster is(s)t, macht sich vielleicht auch mal anderweitig Gedanken. Und bucht dann vielleicht eher beim Hotel, das seinen Angestellten faire Löhne zahlt, anstatt beim billigsten. Oder fängt an, eine Hilfsorganisation zu unterstützen. Oder achtet mal mehr drauf, nicht soviel Wasser zu verplempern. usw.
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Hallo zusammen,
auch wenn ich es grundsätzlich nicht ausstehen kann, wenn Lebensmittel weggeworfen werden, egal ob im AI-Hotel oder bei mir zu Hause, glaube ich dennoch nicht, dass ein "vernünftigeres" Essverhalten der Touristen grundlegendes am ägyptischen Problem lösen wird. Schließlich ist das Ganze ja nichts Neues, Grundnahrungsmittel und insbesonders Brot werden seit Jahrzehnten subventioniert, jetzt besteht allerdings durch die enorme Verteuerung die Gefahr, dass es aus dem Ruder läuft. Und wie oben schon geschrieben wurde: Militante Gruppen werden nicht predigen, macht Schluß mit dem wahnsinnigen Bevölkerungswachstum, oder es war ein Fehler, die russische Variante des Staudamms zu wählen weil die verhindert, dass der Nilschlamm weiterhin auf die Felder kommt, die jetzt zunehmend versalzen, sondern man wird den Westen verteufeln. Einerseits wegen der hohen Preise andrerseits aber vielleicht auch, dass die Touris nicht wissen, was sie noch essen sollen, während die ägyptische Hausfrau stundenlang beim Bäcker ansteht und nicht weiß, ob sie überhaupt noch was bekommt und wenn ja um wieviel es wieder teurer geworden ist.
Wie gesagt, ich wollte keine Diskussion über die "bösen Touris" anzetteln, sondern lediglich all denen, die "Ägypten so lieben, weil es da nur liebe, nette und freundliche Leute" gibt, ein wenig aktuelle Info zum wirklichen Leben geben. Und wenn die Probleme in den Badeorten auch nicht so gravierend sind, darf nicht vergessen werden, dass viele der dort arbeitenden ihre Familien versorgen müssen, die in Cairo hausen.LG chepri
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@ Jackfruit
EIne Frage:
Wie lange kennt ihr euch (alexa) schon? Sie wird ja nicht grundlos behaupten dass Du faul und gleichgültig bist.
Hallo Alexa
Du Schreibst:
Wenn bewusster gegessen wird, können die Hotels ihre Mengen besser planen und müssen keine Übermengen mehr einkaufen
Dies kann Preissteigerungen von Lebensmitteln verringern helfen.Frage : wie kommst Du zu dieser Aussage?
Ist es nicht vielmehr so,das pro Kopf/Gast ein bestimmtes budget berechnet wird und dann auf die Hotelkapazität hochgerechnet?
Es liegt doch wohl klar auf der Hand das bei Mengenbestellungen ein anderer
Preis ausgehandelt wird als bei einem Einkauf den Du evtl.tätigen würdest.
Sicher gibt es immer wieder welche die den Teller nicht voll genug bekommen,andererseits gibt es aber auch die die weniger essen. So gleicht es sich doch wieder aus. Also ist das mit den Übermengen doch irgendwie unlogisch oder?weiterhin schreibst Du:
Und bucht dann vielleicht eher beim Hotel, das seinen Angestellten faire Löhne zahlt, anstatt beim billigsten. Oder fängt an, eine Hilfsorganisation zu unterstützen.
Frage:
Welches Hotel/Hotels sollten wir Deiner Meinung nach buchen? Welches Hotel zahlt faire Löhne? Und Was sind deiner Meinung nach faire Löhne?
Weist DU vieleicht mehr als wir? Ich will auch keinen *************** unterstützenWas die Organisation angeht bitte ich dich um Info,damit ich den Leuten In Ägypten helfen kann damit ihr Leben dort erträglicher wird.
Um aufs Thema zu kommen. Ich glaube nicht das das Probl. mit den erhöhten Preisen der Grundnahrungsmitteln das Problem der Speisen in den Hotels ist.
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Hallo Chepri,
das mit den Subventionen ist richtig.Wir wissen aber alle nicht in welcher Form das geschieht, wie die Pläne aussehen über die Dauer der Subventionen ect.
Ich könnte mir Vortstellen,sofern dass nicht schon passiert,dass die RV's und Hotelketten einen bestimmten Betrag an den Staat zahlen um die zu unterstützen die nicht die Möglichkeit haben über den Tourismus zu verdienen, und so ihre Fam. ernähren können.
Aber das wird immer ein Problem sein ,egal welches Land man nimmt.
Das kleine Volk ist immer der dumme und muß sehen woher er das Geld für Lebensmittel bekommt, ob subventioniert oder nicht.Ich hör noch das Geschrei als Milchprodukte bei uns teurer wurden.
LG
Werner -
salam...nun soweit mir bekannt ist sind bestimmte grundnahrungsmittel wie zb.brot subventioniert..dh.keiner muß dort verhungern auch wenn er arm ist...übrigens am feast..also nach dem ramadam spenden hotels unsummen geld und nahrungsmittel für die armen leute dort ;)zumindest sind mir persönlich einige bekannt die das so machen,die andere sache ist das eben nach und nach wie bei uns auch alles teurer wird..schaut euch mal die immopreise in diesem land an..da reden wir nicht über ein paar piaster mehr im jahr..sondern das sind in kurzen abständen wertsteigerungen,da werd selbst ich blass..hat man vor ungefähr funf jahren für eine wohnung mit ca.75qm noch 10 tausend € bezahlt, so bekommst du im moment keine mehr unter 20 tausend € (100%)...die käuferschicht aus dem ausland ist ja da..also wird das business auch gemacht zu jedem preis...somit steigen alle anderen kosten auch an...übrigens das mit den löhnen in den hotels
das ist wie überall auch..es gibt gut und weniger gut bezahlte jobs..und die hotels untereinander gleichen die löhne immer etwas an,sonst hätten die ja irgenwann mal ein personalmangel...wie jedes land das vom tourismus lebt gibt es halt sonnige aber auch schattige seiten...und es ist halt auch dort jetzt ein gewisser umschwung eingetreten..in diesem sinne lg.gabriella -
[quote=gabriella]salam...nun soweit mir bekannt ist sind bestimmte grundnahrungsmittel wie zb.brot subventioniert..dh.keiner muß dort verhungern auch wenn er arm ist...[quote]
wenn das in deinen Augen eh alles so easy ist dann frag ich mich nur wieso diese Bäckerei mit subventionierten Brot in Cairo vom Militär bewacht werden. Sobald kein Brot mehr das ist werden die Bäckereien geschlossen, ob da noch Um Fathima, die 7 Kinder zu ernähren hat, draußen steht oder nicht. Falls sie kein Brot mehr erwischt muß sie das unsubvetionierte kaufen das kostet um die 3LE und mehr ...
Spenden ist eine der 5 islamischen Säulen und muß erfüllt werden, kann man also mit dem Spendenverhalten von Deutschen nicht vergleichen.
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Hi WeWa,
wir wissen schon, wie das mit den Subventionen aussieht: Der ägypt. Staat kauft das Getreide auf dem Weltmarkt (Ägypten ist nach Brasilien der weltweit zweitgrößte Weizenimporteur) und gibt es subventioniert an die entsprechenden Bäckereien ab. Die Dauer wird noch sehr lang sein, und RV´s zahlen (für diesen Zweck) sicher keine Abgaben. Die holt man sich anderswo: Horrende Gebühren für Genehmigungen von Ausgrabungen, die nicht zum Standardprogramm gehören. Einerseits finde ich es gut, dann sind die Massen wenigstens nicht überall, andrerseits ist es für Individualreisende kaum möglich, besondere Objekte zu besuchen (nur mit viel Glück konnte ich z.B. das Grab von Nefertari im Tal der Königinnen besuchen, aber das Serapeum in Sakkara blieb mir immer verschlossen und mit E. von Däniken will ich nun mal nicht verreisen).
Mehr zur ägyptischen Wirtschaft hier:
HIEREin kleines Zitat daraus:
Zusätzlich sind für die Subventionierung von Energie und Nahrungsmitteln im Fiskaljahr 2007/08 rund 65 Mrd. Ägyptische Pfund (LE), das sind rund 8 Mrd. Euro, veranschlagt worden. Bezuschusst werden neben dem Getreide weitere Grundnahrungsmittel. Eine weitaus größere Summe, und zwar rund fünfmal so viel, bilden die Ausgaben, um den Strom-, Gas-, Benzin- oder den Dieselpreis zu stützen.
LG chepri
@gabriele
Du bist vielleicht Expertin für Hurghada, aber vom echten Leben in Ägypten hast du noch nicht viel gesehen. Das was Du da schreibst ist typisches Tourigeschwätz. Tut mir sehr leid, wenn das etwas hart rüber kommt, aber Gedanken hast du dir wahrscheinlich über die inneren Zusammenhänge noch keine gemacht. Und bevor du dazu was schreibst, lass es doch bitte sein, das wirft kein gutes Licht auf die "Zielgebietsexperten"
