Mittwoch, 18.09.2013
Auf diesen Tag habe ich mich ganz besonders gefreut. Ich hatte mir bereits am Vorabend ein Ticket für die Fahrt zur Lagune von Balos gekauft. Das Interesse am Traumstrand war groß, alle Plätze im Bus waren besetzt. Ich lernte ein sympathisches Mutter-Tochter-Gespann aus den Niederlanden kennen, die schon öfters auf Kreta waren und mir von ihren Erfahrungen berichteten. Auf ihre Frage ob ich schon in der Samaria Schlucht war, meinte ich das würde ich mir sparen. Ich ging davon aus, dass meine Kraft nicht reichen würde. Zwar kann ich durchaus mal 20-25 km an einem Tag laufen, ohne hinterher aus der Puste zu sein. In diversen Reiseführern und auf mehreren Internetseiten wurde ich gewarnt, kein Risiko einzugehen, wenn ich kein wirklich sportlicher Mensch bin – und das bin ich absolut nicht. Die ältere der beiden Frauen war 58 Jahre alt und meinte, sie hätte die Strecke problemlos geschafft. Unterwegs hätte sie einige Damen kennengelernt, die 10-15 Jahre älter waren als sie und auch keine Probleme mit der Samaria Schlucht hatten. Ich bin Ende 30 und hab´ mich nicht getraut. Ich hatte Angst, dass ich mit anderen Leuten in einer organisierten Reisegruppe nicht mithalten konnte. Wenn ich alleine unterwegs bin, besteht die Gefahr, dass ich mich verlaufe. Mein Orientierungssinn lässt nämlich ein wenig zu wünschen übrig. Vielleicht beim nächsten Mal, wenn ich wieder auf Kreta bin... wann auch immer das sein wird.
Von dieser Frau erfuhr ich auch, dass der Preis für die Fähre nach Balos nicht im Busticket inbegriffen war und wir noch eine ordentliche Summe draufzahlen mussten. Insgesamt hat mich die Beförderung mit Bus und Fähre 36 € gekostet. Ganz ehrlich, das war es mir im Nachhinein nicht wert. Aber dazu später mehr.
Wir mussten unterwegs von einem Bus auf einen anderen umsteigen und eine ganze Weile warten, bis es weiter ging. Am Hafen von Kissamos standen zahlreiche Menschen in den Warteschlangen. Die Tickets für die Fähre musste sich jeder Gast selbst am Schalter abholen. Es ging sehr viel Zeit für unnötige Dinge drauf. Die Fahrt mit der Fähre dauerte auch relativ lange, und das Schiff konnte nicht direkt in der Lagune halten, sondern einige Hundert Meter davor. Wir wurden in kleinen Gruppen auf Mini-Booten zur Lagune gebracht, was natürlich auch recht zeitintensiv war. Wenn ich einen Ausflug mache, dann habe ich keine Lust auf große Menschenmassen, lange Wartezeiten und Hektik (die Fähre war bereits kurz davor abzufahren, als unser Bus kam und wir uns noch die Tickets holen mussten)... v. a. nicht, wenn mich der Spaß eine ganze Stange Geld kostet. Leider konnte ich mir nur ein Getränk leisten, weil ich nicht soviel Bargeld mitgenommen sowie EC- und Kreditkarte im Hotel gelassen hatte. Die Angestellten am Schalter des Busbahnhofs hatten mich nicht darüber informiert, dass die Tickets nur für den Bus zum Hafen von Kissamos gedacht waren und ich für die Fähre noch einen hohen Aufpreis bezahlen musste – sonst hätte ich natürlich mehr Geld mitgenommen.
Wir hatten für den Aufenthalt in Balos ca. 2,5 Stunden Zeit. Das ist nicht sehr lange, wenn man an den Preis denkt. Leider habe ich keine wirklich schönen Bilder machen können, weil es fast durchgehend bewölkt war. Schade, dass der erste fast komplett sonnenfreie Tag ausgerechnet Balos treffen musste. Bei Sonnenschein ist die Lagune wirklich ein Blickfang. Das Wasser ist ziemlich flach und reicht an den tiefsten Stellen bis zu den Knien, wobei es mich auf einer Seite trotzdem ganz heftig nach unten zog und ich Mühe hatte, wieder rauszukommen. Am Nachmittag verbrachten wir noch eine Stunde an der Bucht von Gramvousa. Wir hatten die Möglichkeit, auf den Hügel zu steigen und die Aussicht von oben zu genießen. Ich musste wg. unpassendem Schuhwerk leider verzichten und schaute mir den unteren Teil in aller Ruhe an.
Fazit: Balos ist ein herrliches Naturschauspiel, aber die äußeren Umstände machen den Ausflug zu einer überbewerteten Angelegenheit. Man verbringt mehr Zeit im Bus und auf dem Schiff als in der Lagune und der Bucht von Gramvousa. Außerdem ist die Fahrt sehr teuer. Auf der Akrotiri-Halbinsel gibt es auch schöne Strände, die schneller und preisgünstiger mit dem Bus erreichbar sind. Am nächsten Tag wollte ich jedoch nach Elafonisi, falls das Wetter mitspielte.