Die "Financial Times Deutschland" schreibt heute dazu:
Nachdem das Landgericht Hannover am Mittwoch eine Haftung von Reiseveranstaltern bei Terroranschlägen ausgeschlossen hatte, kündigte TUI humanitäre Hilfe für die Opfer des Anschlags auf der tunesischen Ferieninsel Djerba an. Unabhängig von der Entscheidung des Gerichts und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht werde TUI eine Ausbildungsversicherung für alle vom Bombenanschlag betroffenen Kinder abschließen, die für die Kosten einer späteren Ausbildung aufkommen soll. Die insgesamt sechsstellige Versicherungssumme soll sieben Kindern zugute kommen und über die TUI-eigene Stiftung abgeschlossen werden.
Das Landgericht hatte die Schmerzensgeldklage eines sechsjährigen Jungen gegen das zum TUI-Konzern gehörende Unternehmen 1-2-Fly zurückgewiesen. Die TUI-Tochter 1-2-Fly als Reiseveranstalter habe ihre Pflichten nicht verletzt, urteilte das Gericht. "Das seit dem 11. September 2001 erhöhte Risiko hat sich verwirklicht, als westlicher Tourist Opfer eines terroristischen Anschlags zu werden", sagte die Vorsitzende Richterin Britta Knüllig-Dingeldey.
Berufung geplant
Die Kläger kündigten unmittelbar nach dem Urteil Berufung an. Notfalls wolle man bis vor den Bundesgerichtshof ziehen, sagte der Vater des Opfers, Michael Esper. "Es geht ja gar nicht ums Gewinnen oder Verlieren, es geht nur darum zu beweisen, dass TUI die Informationspflicht verletzt hat", sagte er.
Der Ort des Anschlags
Sein Sohn hatte bei der Explosion vor der Synagoge "La Ghriba" am 11. April 2002 schwerste Verbrennungen erlitten, als ein Selbstmordattentäter an der Synagoge einen Gastankwagen in die Luft gesprengt hatte. Über 40 Prozent der Haut des Jungen verbrannten und sein Gesicht wurde bleibend entstellt. Adrians Eltern fordern von TUI 100.000 Euro Schmerzensgeld und eine monatliche Schmerzensgeldrente von 800 Euro.
Seine Eltern hatten dem Reiseveranstalter vorgeworfen, vor möglichen Terrorgefahren nicht gewarnt zu haben. Das Reiseunternehmen hatte die Forderungen zum Prozessauftakt zurückgewiesen. Terroranschläge gehörten zum allgemeinen Lebensrisiko.
Bei dem Anschlag starben 22 Menschen, darunter 14 deutsche Urlauber und einer der Attentäter.
