Die Trockensteinmauern
Unübersehbar sind die vielen “Trockensteinmauern” (Pedre en sec) auf Mallorca. Davon soll es insgesamt geschätzte 25.000 Km geben, etwa 17.000 in der Ebene, und die restlichen 8.000 Km im Gebirge. In der Ebene dienen diese Mauern hauptsächlich um das Eigentum der Felder verschiedener Fincas abzugrenzen bzw. um freilaufendes Vieh besser kontrollieren zu können, während im Gebirge die Mauern als Stützmauern zum anbauen von Baumplantagen auf verschiedenen Ebenen oder “Terrassen” dienen.
Im Tramuntanagebirge gibt es knappe 200 Km2 angelegte “Terrassen”, ca. 15% der Gesamtoberfläche der Sierra de Tramuntana. Diese “Terrasen” werden überwiegend bei einem Gefälle von zwischen 20% und 30% angelegt, aber es gibt auch Trockensteinmauern bei einem wesentlich höheren Gefälle. Auf diesen “Terrassen”werden hauptsächlich Oliven-, Mandel oder Feigenbäume gepflanzt aber auch Wein und – früher - Tomaten. 90% des Anbaus ist unbewässert, nur 10% bewässert.
Ursprünglich wurde die Technik des Trockensteinmauerbaus beim Bau von Grabstätten in der Bronzezeit, den sogenannten “Talayots”, benutzt, ca. 2000 Jahre vor Christus. Man brauchte wenig bzw. so gut wie kaum Werkzeug. Der erste, bekannte, schriftliche Bezug auf Trockensteinmauern stammt von 1357, Jahr in dem der Gouverneur der Insel Fachleute zum bauen von Trockensteinmauern suchte um die Stadtmauer von Alcudia errichten zu lassen. Einige Jahre später schlossen Eigner zweier Fincas einen Vertrag ab demzufolge sie sich verpflichteten ihre jeweiligen Fincas mit einer Trockensteinmauer abzugrenzen. Ab dem 15. Jahrhundert war es in den Bauernfamilien üblich dass zumindest ein Familienmitglied den Bau von Trockensteinmauern berherrschte um die Fincas unter sich abzugrenzen, der Vater vererbte diese Technik an einen oder mehrere seiner Söhne. Der Boom des Trockenmauerbaus fand Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts statt, Zeit während der die meisten Olivenbäume der Insel gepflanzt wurden. Das Anlegen von Trockensteinmauern dauerte bis Ende des 19. Jahrhunderts. Mit dem Tourismusboom Mitte des 20. Jahrhunderts verlor die Landwirtschaft der Insel an Bedeutung, der Anbau der “Terrassen” wurde vernachlässigt oder gar ganz aufgegeben. In Dörfern wie Banyalbufar, Estallencs, Deia, Soller oder Fornalutx gibt es diesen Terrassenanbau heutzutage so gut wie kaum mehr.
Wie der Name “Trockensteinmauer” schon sagt, werden diese Mauern ohne jeglichen Zement oder anderes Bindungs- bzw. Befestigunsmaterial gebaut und die Herstellung beruht ausschliesslich auf der Anhäufung von losen Steinen deren Form dementsprechend ‘zugehauen’ wird. Diese Handwerk beherrschen heute nur noch wenige Handwerker – die sogenannten “Margers” - der Insel. Die neuen Mauern sehen zwar optisch (fast) gleich aus wie die Trockensteinmauern, werden aber unter Nutzung von Zement hergestellt. Viele der neueren Mauern werden heute von arabischen Gastarbeitern gebaut deren Arbeistkräft wesentlich billiger ist als die der einheimischen Maurer.
Die Trockensteinmauern sind Teil des Landschaftsbildes Mallorcas und gehören heute zum nicht mehr wegzudenkenden Kulturgut der Insel.