Zuerst das Positive an unserem ersten und letzten Urlaub im Lande Tunesien: Die Hotelanlage ist eine architektonisch wirklich großzügig angelegte, hell, freundlich, immer wieder ein herrlicher Anblick. Wir haben uns während unseres Aufenthaltes einige andere dieser Hotelburgen (keinesfalls abwertend gemeint) angesehen und immer wieder gefunden, daß wir in einer der ansehnlichsten untergekommen sind.
Die Zimmer waren, was Größe und Ausstattung betrifft, einfach, aber zweckmäßig, überdurchschnittlich geräumig, ebenso das Badezimmer (große Ablagefläche); warmes Wasser war immer vorhanden und selbst der Duschkopf war funktionstüchtig, nicht unerwähnt bleiben soll der kräftige Wasserrstrahl, was ja leider nicht immer der Fall ist; der Zimmerservice funktionierte großteils klaglos, nur unweigerlich durch Strandbesuche eingeschleppter Sand wurde nur wöchentlich ausgekehrt, was uns beinahe in die Lage versetzte, am Zimmer eine kleine Sandburg zu errichten. Naja, Spaß muß sein! Für den Zimmersafe dürfen Sie übrigens pro Woche nochmal 25 Dinar berappen, macht dann bei einer durchschnittlichen Verweildauer von zwei Wochen vor Ort 50 Dinar, umgerechnet ca. 30 Euronen. (Waren mal über 400 Schilling, nur für den Miniatur-Zimmersafe, wohlgemerkt!)
Im Hotel Thalassa Beach findet sich dem Strand vorgelagert ein Restaurant, das über die Mittagszeit und in den frühen Nachmittag hinein geöffnet hat. Das Essen ist mittelmäßig, total überteuert, Sie bezahlen dasselbe, wenn Sie zuhause in ein Restaurant essen gehen. Man nützt die isolierte Lage des Hotels aus insofern, als dass Sie keine Möglichkeiten haben, sich einen Snack irgendwo außerhalb des Hotels für zwischendurch zu besorgen, außer am ebenfalls sehr teuren Flughafen. Zumindest ein Kellner hat absichtlich versucht, uns um Wechselgeld zu prellen; auf unseren Wunsch hin, eine Rechnung über das Mahl zu erhalten, das wir soeben konsumiert hatten, meinte er, die Rechnung hätte er schon weggeworfen, aber er zeige uns die Preise in der Karte gern noch einmal; siehe da, beim gemeinsamen Rechnen hatte er sich leider um fast vier Dinar (ca. 2, 40 Euro) verrechnet, natürlich gibt er uns gerne das Restgeld. Wir empfehlen Ihnen, immer eine Rechnung zu verlangen, bzw. ihre Konsumationen selbst schon im Voraus zusammenzurechnen. Am Abend müssen Sie sich übrigens zwischen zwei Essenszeiten entscheiden eine frühere, und, natürlich eine etwas spätere. Wann Sie das Restaurant betreten, wird übrigens penibel kontrolliert; auch wenn sich kaum jemand im Restaurant befindet, also ja genug Platz wäre, um Gäste zu bewirten, dürfen Sie trotzdem nicht eintreten, erst auf die Minute genau zu Ihrer vereinbarten Essenszeit. Sollten Sie sich trotzdem erdreisten, früher einzutreten, werden Sie von einem Kellner wieder aus dem Restaurant hinausbegleitet, draußen vor dem Restaurant dürfen Sie dann aber bis zum Einlaß warten; Das nenne ich Prinzipien! Das Essen selber ist nicht besonders variationsreich, nach einer Woche kennen Sie alle angebotenen Speisen, es folgt leider keine Überraschung mehr in dieser Hinsicht. Es finden sich durchaus schmackhafte Gerichte, doch sollen auch hier die negativen Punkte nicht unerwaehnt bleiben. Bei Fleischsachen unbedingt vorsichtig kauen, die Tiere werden zumeist im Ganzen samt den Knochen zerschnitten, es finden sich also sehr oft kleine und kleinste Knochensplitter, die Sie entfernen müssen. Die als "weichen" Eier titulierten harten Eier stinken zumeist und haben um den Dotter einen mehr oder weniger dicken grauen Rand, die Milch schmeckt wie verdorbene Haltbarmilch, die meisten Mehlspeisen schmecken immerhin nach gar nichts; die Butterpäckchen lassen sich nicht aufreissen, die Suppen sind oftmals etwas versalzen, aber sonst durchaus genießbar.
Einer unserer Kernpunkte, warum wir uns die Zeit und Mühe genommen haben, diesen Text zu verfassen: Wir sind ein reisefreudiges Pärchen und haben beide schon ein wenig von der Geographie dieses schönen Planeten zu Gesicht bekommen; noch nie haben wir es, zumindest in den von Touristen besuchten Gebieten mit Menschen zu tun bekommen, die präpotenter, verschlagener, fauler und primitiver waren als die in Skanes bei Monastir, Tunesien. Die Kellner klopfen Ihnen grundsätzlich bei jeder Gelegenheit auf die Schulter oder wollen Ihnen die Hand geben, bezeichnen Sie als "mein Freund" oder "Kollega", reagieren auf Bitten, wie fehlendes Besteck am Tisch zu ergänzen mit unwirschem Unwillen, heben zu Boden gefallene Gegenstände im Restaurant grundsätzlich nicht auf, weil das scheinbar unter ihrer Würde ist (ein am Boden liegendes, zerbrochenes Glas wird beispielsweise trotz Sichtung einfach liegengelassen oder es wird locker darüber spaziert, damit sich die Scherben auch schön verteilen können. Daß hier viele barfuß gehen, weil man ja im Urlaub in Badekleidung entspannt unterwegs ist, stört sie nicht im geringsten). Als ich beim Frühstück einmal darum bitte, daß uns ein (allerdings zum Frühstücksbereich sehr wohl gehörender!) von der Küche etwas weiter entfernter Tisch gedeckt wird, schnauzt mich der Kellner an, ob ich nicht gleich am Strand, etwa 200 m entfernt, frühstücken wolle. Auf meine Beschwerde über diese Frechheit bei seinem Vorgesetzten entschuldigt er sich zwar halbherzig, grinst mich aber gleichzeitig unverschämt an, als wollte er damit sagen: Siehst du, du kannst dich ruhig beschweren, aber ich kann letztlich machen, was ich will. Überhaupt hat man hier ziemlich oft gar nicht den Eindruck, erwünschter Gast zu sein (schließlich ist der Tourismus eine der Haupteinnahmequellen in Tunesien), von wenigen Ausnahmen abgesehen, sondern eher eine verabscheute, aber geduldete Geldmaschine, die ihre Kröten abliefern und möglichst bald wieder abhauen soll. Hinter jedem Satz, hinter jedem Blick steckt ein seltsames Grinsen, Wechselgeld sollte man möglichst sofort nachzählen, da man hintergangen wird, wo es nur geht.
Mit der Lage des Hotels fängt der Ärger leider schon an: Zwar beträgt die Transferzeit zum Flughafen ganze fünf Minuten, aber nur deshalb, weil der Flughafen praktisch bereits gegenüber des Hotels hingepflanzt wurde (oder umgekehrt, was eben zuerst da war). Die Flugzeuge starten und landen den ganzen Tag vernehmlich und ziehen ihre Schleifen über das Hotel, so richtig genervt hat uns das aber eigentlich nicht, man gewöhnt sich erstaunlich schnell an den immer wiederkehrenden Lärm und nachts, wenn die Balkontür geschlossen und die Klimaanlage an ist, hört man praktisch nichts davon. Im Gegensatz zu anderen Hotels gibt es hier ringsum praktisch keine Shoppingmöglichkeiten, außer am Flughafen selbst, wo die Preise entsprechend sind. Man muß also zwangsweise im Hotel selbst konsumieren; diese Lage wird von der Hotelleitung auch weidlich ausgenützt, aber davon später. Ausflugsmöglichkeiten sind genügend vorhanden, jedoch im Programm sehr straff und leider hat man am Ende eines Ausflugstages zwar einiges gesehen, aber eben sehr flüchtig und oberflächlich. Sollten Sie auch ein Mittagessen bei ihrem Ausflugsziel dabei haben, freuen Sie sich: Seien Sie überzeugt, daß man Ihnen das Billigste und Geschmackloseste auftischen wird, das man gerade noch erwerben konnte. Schließlich haben Sie schon vor Antritt der Exkursion bezahlt, das Geld hat man also schon. Nicht umsonst haben die meisten Ausflugsgäste, wo wir anwesend waren, einen guten Teil des angebotenen Mahles nur wenig angetastet in die Küche zurückbringen lassen. Der obligatorische Dinar für die Fotografiererlaubnis, den Sie an jedem besuchten Ort und in jedem Gebäude entrichten müssen, um ein paar Bilder zu knipsen, ist übrigens nicht im Ausflugspreis inbegriffen. Wenn Sie auf eigene Faust Ausflüge machen wollen, ist das billigste Verkehrsmittel mit Sicherheit die Bahn, Taxis kommen, außer Sie verhandeln geschickt, wesentlich teurer. Bei Stadt- und vor allem Markterkundungen sollten Sie wissen, daß Händler sehr aggressiv und grundsätzlich taub sind. Erwarten Sie also nicht, daß man ein Nein von Ihnen anerkennt. Was für die tumbe Hotelbelegschaft an negativen Attributen gesagt wurde, gilt für die Marktbevölkerung und die der Tourismusziele doppelt und dreifach: Dumm, dreist, respektlos. Sollten Sie dennoch Waren am Flughafen beziehen wollen, verstecken Sie diese unbedingt im Rucksack, sobald Sie das Hotelgelände betreten, andererseits bittet man Sie nachdrücklich, die Sachen abzugeben(!), da dies keinesfalls erlaubt sei. Unseren vom Flugplatz nach der Landung mitgenommen Sechserpack Mineralwasser, den wir nichtsahnend unverdeckt mitführten, mußten wir an der Rezeption hinterlassen. Selbstverständlich würden uns die Flaschen ausgehändigt werden, wenn wir das Hotel wieder verlassen. Das geschah tatsächlich, die Flaschen waren jedoch sichtbar am Drehverschluß geöffnet worden und statt dem Mineralwasser fand sich in den Flaschen Leitungswasser (leicht an den vielen Luftblasen erkennbar, die sich plötzlich in den Flaschen befanden). Wie Sie vielleicht wissen, sollte man das tunesische Leitungswasser auf keinen Fall trinken, da es bei uns Mitteleuropäern ziemlich unangenehmen Durchfall und Unwohlsein erzeugen kann. Ein kleiner Scherz der Rezeption, der uns zwar fassungslos geärgert hat, den wir aber kaum beweisen hätten können. Willkommen in Tunesien!
Beliebte Aktivitäten
- Strand
Der als "Fitnesscenter" angepriesene Fitnessraum bietet einem Hobbysportler die Möglichkeit, durchaus nicht auf sein gewohntes Training verzichten zu müssen, wenn man von den fehlenden Variationsmöglichkeiten absieht, da der Raum recht spartanisch eingerichtet ist. Umso interessanter war es für uns, als wir erfuhren, daß für die Benützung ein Obulus von 10 Dinar (ca. 6 Euro) pro angefangener Stunde zu entrichten ist! Um den Preis von zwei Stunden vor Ort bekommen Sie in Europa eine Tageskarte, allerdings in einem richtigen Fitnesscenter! Wellnessanwendungen wie Sauna und dergleichen sind wieder extra kostenpflichtig. Sie haben die Möglichkeit, einen von zwei vorhandenen Computern mit Internetzugang zu nutzen, zu nur zehn Dinar (wiederum 6 Euro) pro halber Stunde. Der Anschluß ist leider extrem langsam, stürzt wie erwartet dauernd ab, ist unmöglich zielgerecht anzuwenden. Wir wollten in den vorhandenen 30 Minuten unsere Mails zuhause checken und ein paar Kleinigkeiten bei Google nachsehen, es war in diesen dreißig Minuten einfach nicht machbar...! Wassersportmöglichkeiten sind zwar einige vorhanden, wenn Sie z. B. 35 Dinar (ca. 21 Euro) für zehn Minuten Jetski-Fahren erübrigen wollen, sind Sie sofort dabei. Sie müssen nur Mr. Cool von Geräteverleiher aushalten, der zu viel James Bond Filme gesehen hat und sich entsprechend benimmt. Liegen am Strand kosten für den ganzen Tag (auch wenn Sie nur den halben Tag hier am Strand verbringen wollen, oder auch nur zwei, drei Stunden) 4 Dinar. Alle zehn Minuten werden Sie allerdings von einem Animateur belästigt werden, der Sie zu einer Aktivität überreden will, die Sie eigentlich nicht wollen: Deshalb liegen Sie ja wahrscheinlich am Strand in der Sonne, nicht wahr? Wen kümmert´s, den Animateur jedenfalls nicht. Auch den Traktorfahrer, der in der besten Sonnenzeit von zehn Uhr vormittags bis drei Uhr nachmittags den Strand von angeschwemmten Algen befreit und Ihnen dabei seinen katalysatorungefilterten Dreck um die Ohren staubt, nebst einer etwas unromantischen Lärmbelästigung, verrichtet seinen Dienst stoisch und entspannt. Die Abendgestaltung des Animationsteams schließlich beschränkt sich auf Publikumhits a`la "Wahl des Mr. Macho" und Ähnliches, uns war das ehrlich gesagt zu wenig. Nun aber zum Positiven: Die Liegeflaeche, um den wircklich aussergewöhnlich schönen Pool, ist sehr ansprechend gestaltet und man findet auch ruhige Plätzchen (nur der Animateur findet einen überall). Auch der Strand ist grundsätzlich sehr schoen.
| Infos zur Reise | |
|---|---|
| Verreist als: | Paar |
| Dauer: | 2 Wochen im Oktober 2007 |
| Reisegrund: | Strand |
| Infos zum Bewerter | |
|---|---|
| Vorname: | Roland |
| Alter: | 36-40 |
| Bewertungen: | 2 |


