Das Hotel „Odyssee Resort“ ist eines der Älteren und liegt an einem eigenen Sandstrandabschnitt. Wie auch hier oft zu lesen ist es daher schon ziemlich in die Jahre gekommen und man darf keinen Standard der heutigen Neubauten erwarten. Aufgrund umfangreicher Instandhaltungsarbeiten ist es weitgehend ordentlich in Schuss. Problematisch sind nur die weitgehend mit Hohlkammerziegeln (!) gepflasterten Außenbereiche, die aufgrund von Erosion und Bruch in teils schlechtem Zustand sind. Tipp: Badeschlappen mitnehmen! Der südlich gelegene Block mit den Zimmernummern 5xx-7xx ist offenbar schon länger still gelegt; die Böden in den Gängen sind teils herausgerissen, die Flure mit Staub und Blütenresten übersät. Eine morbide Szene. “Leben wie die Höhlenmenschen“ dachte ich mir stets wenn ich vor allem Untergeschoss des Odyssee Resort unterwegs war: Man verzichtete erfreulicherweise auf den heute meist üblichen Baustil mit rechten Winkeln, Stein, Glas, Chrom. Stattdessen dominieren geschwungene Linien; Säulen sind so ausgestaltet dass sie an eine Höhlenkonstruktion erinnern. Auch die Gebäudeanlage ist im typischen „Resort-Stil“ entworfen- keine Bettenburg, sondern maximal 3-4 Stockwerke. Uns hat das sehr angesprochen. Nachdem der Großteil der Unterkünfte hufeisenförmig um die Poolanlage gruppiert wurde, ergeben sich erfreulich kurze Wege. Leider hat man den Showbühnenbereich gleich an das Hotel angelehnt, so dass sich die abendlichen Veranstaltungen in enormer (und gar nicht notwendiger!) Lautstärke präsentieren. Weniger wäre zweifelsfrei mehr. Tipp: Die Zimmer nach hinten bieten keinen wirklich schöneren Anblick, sind aber ruhiger und kühler. Laut Hotelbeschreibung gibt es W-Lan „an der Rezeption“- erfreulicherweise war fast der gesamte Lobbybereich für Smartphones, iPads etc. nutzbar. Allabendlich waren ca. 50 Gäste gleichzeitig eingeloggt, was sich freilich auf die Performance auswirkt. Im kleinen Aufenthaltsraum „Cassandre“ steht ein älterer Rechner, den man kurzzeitig mieten kann. W-Lan am Zimmer ist auch gegen Gebühr nicht möglich. Nicht wirklich angenehm: Das All-inclusive-Bändchen, dessen scharf abgeschnittene Kanten dich bei jedem Eincremen stören. Gebraucht wird es nicht für die Verpflegung (okay, minderjährige Kids bekommen eine andere Farbe), sondern eher um ein Betreten der Anlage von Strand her abzusichern. In unmittelbarer Strandnähe befindet sich die einzige (!) Außen-WC-Anlage mit je zwei winzigen Kabinen pro Geschlecht an- hier wird es ziemlich übel; Ekelfaktor eine glatte 10. Größere Zeitgenossen kommen an der bis fast an die Klobrille reichenden Tür kaum vorbei, die Schlösser sind Makulatur, du stehst grundsätzlich in irgendeinem Wasser. Tipp: Unbedingt Badeschuhe tragen! Der Juni bietet sich als Reisezeit bestens an, denn es ist hochsommerlich warm, aber nicht unerträglich heiß. Abseits der Ferien stimmt das Preis-Leistungsverhältnis auf jeden Fall.
Die Zimmerausstattung ist ebenfalls in die Jahre gekommen, doch für den nicht allzu luxusorientierten Gast völlig in Ordnung- wer auf TV nicht verzichten mag muss mit einem Röhrengerät vorlieb nehmen. Eine kleine Minibar ist vorhanden, wird aber nur bei Beginn mit stillem Wasser bestückt. Die Betten sind komfortabel und können in den meisten Zimmern auseinander gezogen werden, wenn man nicht als Pärchen verreist. Wie üblich fehlt eine Garderobe für Rucksack, Mütze etc. Der im geräumigen Kleiderschrank untergebrachte Safe kostet Aufpreis. Alle Zimmer haben Balkon oder Terrasse. Bad und Toilette sind erfreulicherweise getrennt. Die Möbel hat ein Rattan-Fetischist eingekauft und sich allenorten verewigt. Leider ist es ziemlich hellhörig auf den Gängen, vor allem wenn morgens die Wäschewagen über die gefliesten langen Gänge geschoben werden. Und bei aller Freude für die früh aufstehenden (meist älteren) Gäste: Man kann eine Tür (übrigens mit konventionellem Schlüssel!) auch leise schließen und muss seine Konversation nicht schon lautstark auf dem Gang beginnen! Tipp: Ohropax mitnehmen, wenn man länger schlafen möchte und auf jeden Fall den roten Anhänger an die Türklinke („bitte nicht stören“)! Die Bäder sind einfach aber zweckmäßig ausgestattet. Wer die einzige nicht gerissene Fliese entdeckt ist ganz bestimmt Deutscher. Der Wasserdruck schwankt in den Feierabendstunden erheblich, was beim Duschen wenig Freude macht. Das Waschbecken ist recht hoch angeordnet und für kleinere Zeitgenossen eine Herausforderung. Der nett gemeinte Fön wird in der Leistung von jedem Laptopgebläse deutlich übertroffen und hat sicher schon manchen weiblichen Gast mit üppiger Haarpracht zur Verzweiflung gebracht. Die 900 Watt Leistung verlieren sich leider irgendwo im Wellschlauch. Tipp: Einen eigenen Fön mitbringen oder den Strand eine Stunde früher verlassen!
Auf Umfang und Details zum Essen geht nahezu jeder andere Gast ein- es ist halt Geschmacksache, und sicher gibt es auch auf Djerba klar bessere Verpflegung. Eine große „Vorhöhle“ im Außenbereich ist zwar Raucherzone, doch hält man es hier trotz eher weiter Wege bei Hitze prima aus. Wer den einzigen nicht wackelnden Tisch entdeckt ist ganz bestimmt Deutscher. Die beiden zentralen Buffetzonen für Warmgerichte entzerren die Wartezeit, enthalten jedoch das identische Essen. Im Grillbereich kommen Freunde von Schwertfisch und Truthahn nahezu täglich auf ihre Kosten; wir freuten uns umso mehr wenn es mal Rindsleber, Lamm oder (einmal in 2 Wochen) Scampi gab. Das eigene Kinderbuffet war oft auch für die Erwachsenen attraktiv; beim tunesischen Eck half nur Hinschauen und Ausprobieren- die einheimischen Namen sagen nicht viel aus. Lecker war es dennoch meistens! Täglich gab es schmackhafte Netzmelonen; Wassermelonen mag der Küchendirektor nicht und bietet sie nicht an. Absoluter Renner: Frische Feigen, süß und saftig. Auch wenn sie manchmal grün und unreif aussehen schmecken sie grandios! Ebenso lecker die frischen Datteln. In Tunesien herrscht Wasserknappheit. Noch mehr jedoch offenbar streufähiges Salz! Gekocht wird nahezu salzlos, und das alles überragende Geräusch war das verzweifelte Schütteln der Reisstreuer an allen Tischen, denen man nur mit Mühe einige Salzkörner entlocken konnte. Tipp: Einen eigenen Salzstreuer von daheim mitbringen. Das Hotel war zu unserer Zeit anfangs nur zu einem Drittel ausgebucht. Schwer vorstellbar wie sie bei Vollauslastung alle Menschen beim Essen durchschleusen wollen! Beim Frühstück muss man sogar die Tassen am Buffet selbst holen, und der Langschläfer muss nehmen was übrig blieb. Lustig übrigens das Schneiden von Brot an der üppig bestückten Brotbar: Du teilst die Ware mit einem festen „Schaffot“-Messer. Bis Ende der Mahlzeit haben sich mit ein wenig Glück die Baguettescheiben wieder soweit entspannt, dass man sie vor dem Verzehr beschmieren kann. Gar nicht ansprechend ist die nett gemeinte Müsliecke- das Angebot ist schlicht indiskutabel. Das kühle „Celtia“-Bier schmeckt prima, und auch der Rosé „Fleur de Mornaq“ passt hervorragend zu Lamm und Fisch. Tipp: Fleißige Hände verdienen ein Trinkgeld! Die Gastronomie im Außenbereich ist sicher ausbaufähig. Direkt am Pool befindet sich kleiner Tempel für einfache Mittagssnacks (Pizza, Pasta etc) sowie eine „Bio Cabane“ genannte Bude für Crepes, wo man in der Abendsonne herrlich den Sommertag ausklingen lassen kann. Dazu eine ordentliche Getränkebar. Erst kurz vor der Strandzone steht noch eine Strandbar, die von 10 bis 16 Uhr fleißig ausschenkt und abends auch als „Spezialitätenrestaurant“ dient.
Insgesamt absolut vorbildlich: Die freundlichen und sehr fleißigen Servicekräfte. Ob an der Rezeption, bei der Zimmerreinigung, im Restaurant oder in der Anlage. Zwar wurden die Bedienungen im Restaurant fallweise den Besucherzahlen spürbar angepasst, doch waren alle sehr bemüht. Der Check-in im Hotel verläuft, na ja, nicht eben zügig. Uns wurde das sonst übliche Ausgeben der Strand-Handtuchkarten (gegen 10 Euro Pfand) nicht zuteil, so dass wir nächsten Morgen erst mal aufs Zimmer mussten um zunächst Geld, dann an der Rezeption die Karten und schließlich am Strandzugang die Handtücher entgegen zu nehmen. Die Liegen sind wie üblich bereits im Morgengrauen reserviert, wobei manch ein solcher Held nicht vor dem Mittag auftauchte. Tipp: Einfach mal um halb acht die erste Reihe Handtücher einsammeln und aus sicherer Entfernung die kollektive Empörung genießen. Die Abreise: Ein unschöner Begrüßungstext ist da zu lesen: „Am Abreisetag endet All Inclusive um 12 Uhr; alle danach eingenommenen Speisen und Getränke sind kostenpflichtig.“ Bullshit. Wir wurden um 17:20 Uhr abgeholt und durften es uns mittags noch mal richtig schmecken lassen. Sogar ein eigenes Duschzimmer im nicht vermieteten Untergeschoss wurde kostenlos zur Verfügung gestellt. Vorbildlich!
Die 70.000 Einwohner zählende tunesische Stadt Zarzis (ausgesprochen: „Sarssis“) liegt entgegen der landläufigen Meinung nicht auf der Insel Djerba, sondern unmittelbar auf der südlich gelegenen Festlandseite und ist mit ihr über den „Römerdamm“ verbunden. Der Flughafen heißt daher auch „Djerba Zarzis“. Seit 1973 existiert eine Touristikzone in Zarzis, die sich über einige Kilometer Strand erstreckt. Der Transfer vom Airport im Nordwesten Djerbas erfordert eine komplette Überquerung der Insel, um sie im Südwesten wieder zu verlassen. Auf der Hinfahrt schaffte das unser Fahrer in bemerkenswerten 45 min mit seinem Minibus. Andere Gäste wurden per Reisebus auf große Inselrundfahrt geschickt und durften überall andere Reisende aufnehmen oder absetzen. Da gehen schnell schon mal 2 Stunden drauf. Der Sandstrand ist klar auf dem Rückzug, und in einigen Zonen rutschen die wenig bequemen Liegen auf blankem Felsboden herum. Die strohgedeckten Schirme bieten Schutz vor der Sonne, sind aber teils extrem niedrig und von Erwachsenen kaum zu unterklettern. Der Sand am Meeressaum wird täglich mit schwerem Gerät vom massiven Seegras befreit, doch auch dann gibt es nur eingeschränkte felsfreie Zonen im bei Ebbe sehr flachen Wasser. Hier erfordert es Geduld und Risikobereitschaft, ohne Badeschuhe hineinzuwaten. Dafür wurde der lange schmucke Steg errichtet, dessen Konstruktion und Zustand jedem TÜV-Prüfer schlaflose Nächte bereiten würde. Nur 382 Dielen und du bist am Einstieg- doch was ist das? Aalglatte, schon bedenklich rostende Edelstahl-Vierkantprofile, auf der sonnenölverschmierte Hände kaum Halt finden. Einstiegstufen für Kinderfüße, auf denen man besser nur rückwärts steigt. Dann bist du im Meer- sofern genug Wasser da ist- bei Ebbe reicht es nur bis zum Bauch. Doch so richtig Freude macht das Baden auch dann nicht, denn du befindest dich in einem durch Bojen abgetrennten Schwimmbereich von nicht mal einem halben Fußballfeld- jenseits donnern die Jetskis und Motorboote vorüber. Tipp: auf der rechten Strandhälfte kann man einfacher ins Meer gelangen. Bei Flut ist es für Senioren eine echte Herausforderung, vom Steg auf den Strand zu gelangen. Sehr schön ist die kleine Sandbank, die bei Ebbe immer wieder auftauchte. Das Wasser ist herrlich sauber, von wenig Seegras abgesehen. Mitunter nervig: Die Horden von Souvenirverkäufern, die dich täglich mehrmals anquatschen, sobald du nur in Nähe zum Meer kommst. Die vermeintlich eingeleiteten Fäkalien am Strand wurden hier zuletzt thematisiert. Fakt ist, dass tatsächlich eine Abwasserleitung auf der Nordseite ins Meer führt, doch werden dort keine Fäkalien entsorgt. Es handelt sich vielmehr um die normale Abwasserleitung der Strandbar, mit der die Spülbecken entsorgt werden. Die Liegen sind nicht wirklich bequem und mit schweißtreibendem Plastiküberzug versehen. Tipp: Ein zusätzliches eigenes Strandhandtuch mitbringen oder gegen weitere 5 Euro ein zweites mieten! Wünschenswert wäre eine (früher offenbar vorhandene) Möglichkeit, Füße und Beine vom Sand zu befreien. Stattdessen muss man eine hohe Dusche nutzen, die nur wenige Sekunden Wasser fördert und unnötigen Wasserverbrauch produziert. Der Strand zeigt gen Osten. Das beschert in den Morgenstunden traumhafte Sonnenaufgänge. Während unserer Zeit (03-17. Juni, also vor der Sonnenwende) geht die Sonne um 05:06 Uhr auf. Tipp: Wenigstens einmal früh aufstehen und dieses Schauspiel miterleben!
Beliebte Aktivitäten
- Strand
Allabendlich spielt der Pianist auf: Assaad, seines Zeichens Ägypter und mit seinen 74 Jahren sehr rüstig. Ruhig sitzt er in seiner Mauernische und spielt in tiefem Zigarettenrauch versunken ohne Noten vor und nach dem Abendessen alte französische, amerikanische und auch deutsche Evergreens. Zauberhaft. Zwei Volleyballplätze gibt es, und die sind richtig gut. Mit stabilem Gestänge und ausreichend hohem Netz, leider wenig Durchgängen zur Anlage um den Ball zurückzuholen. Dahinter eine kleine Bogenschießanlage. Im EG des Hotels befindet sich außen eine kleine Spielzone mit einem alten Flipper, Billiardtisch etc. Viel mehr gibt es leider wirklich nicht, und somit ist das Hotel für Teenager und junge Leute vermutlich schnell ziemlich öde. Zur Disco kann ich nichts sagen, da mein Alter mir einen Besuch schlicht nicht zugesteht. Der Wellnessbereich nimmt abgesehen vom Restaurant fast das gesamte Untergeschoss ein. Eine ausführliche Führung ließ viele hundert Quadratmeter erkennen, in denen ein Schwimmbecken, diverse Massageräume, Hamam und eine ebenso kleine wie teure Sauna (30 min 20 Euro) untergebracht sind. Der externe Betreiber dürfte nicht viel verdienen bei solchen Preisen. Wir sahen nicht einen einzigen Gast.
| Infos zur Reise | |
|---|---|
| Verreist als: | Freunde |
| Dauer: | 2 Wochen im Juni 2013 |
| Reisegrund: | Strand |
| Infos zum Bewerter | |
|---|---|
| Vorname: | Martin |
| Alter: | 51-55 |
| Bewertungen: | 34 |


