Familienurlaub
Die besten Tipps für Wanderurlaub mit Kind
„Maaama! Paaapa! Dauert es noch lange? Mir ist langweilig, mir tun die Füße weh! Ich will nicht mehr!“ Kommt Dir das bekannt vor? Viele wanderfreudige Eltern sehen sich mit solchen oder ähnlichen Quengeleien ihrer Kleinen konfrontiert. Nicht selten ist es dann aber auch schon zu spät, der Wanderplan nicht mehr zu ändern und das Weiterwandern mit Kind droht in Dauerstress für alle Beteiligten auszuarten. Dabei sollte gerade dieser Wanderurlaub oder die Wanderung am Wochenende für alle so schön werden und den Kids die Schönheit der Natur nahebringen. Damit Deine Wanderung oder der Wanderurlaub mit Kind nicht mit Ärgernissen gespickt auf der Strecke bleibt, haben wir einige Tipps zusammengestellt, die Dir bei der Planung der nächsten Wanderung mit Kind oder Baby helfen sollen.
Das A und O: Die Länge der Wanderstrecke
Nicht zu kurz, nicht zu lang – wie findest Du die goldene Mitte?
Wer kennt das nicht: Du hast Dich in der Länge der Wanderstrecke verrechnet und nun werden die Beine ganz schwer, der Proviant ist ausgegangen, das Wasser ist alle ... So selbstverständlich es auf den ersten und zweiten Blick scheint, so häufig vertun wir uns bei der Planung der Wanderstrecke, und das auch ganz ohne Kinderbegleitung. Umso wichtiger ist gute Vorbereitung, wenn die Kleinen mit von der Partie sind, denn ihre Kondition und Motivation fällt rapide ab und es gibt dann keine Reserven mehr, die Du noch herauslocken könntest.
Um die richtige Länge der Wanderstrecke zu berechnen, bedenke die kurzen Beine Deiner Kids und auch das andere Zeitgefühl, das sie haben. Für sie können sich zehn Minuten zu einigen Stunden ausdehnen. Darüber hinaus möchtest Du Deinen Kindern auch etwas rechts und links des Weges bieten und dabei sollte keiner gestresst werden. Berechne daher viel Zeitpuffer mit ein.
Durchschnittlich kannst Du die angepeilte Streckenlänge mal zwei multiplizieren, um auf eine realistische Länge der Wegstrecke zu kommen. Wenn Du also sechs Kilometer Wanderweg eingeplant hast, dann werden diese sechs Deinen Kindern wie zwölf Kilometer vorkommen. Sind Deine Kids an das Wandern noch nicht gewöhnt, dann solltest Du ihnen viele und am besten unterhaltsame Verschnaufpausen gönnen.
Je einfacher und abwechslungsreicher der Weg, desto spaßiger
Es muss nicht immer in die Höhe gehen
Zugegeben, alpine Strecken sind besonders spannend, da sie viele herrliche Ausblicke und eine abwechslungsreiche Landschaft bieten mit realistischen Aussichten, verschiedenen Tieren auf der Strecke zu begegnen. Für kurze Beinchen sind steile, geröllige Wege und schmale Pfade nicht optimal. Teenies hingegen sollten damit schon gut klarkommen. Handelt es sich dabei nur um eine kurze Teilstrecke, dann wirst Du sie sicherlich auch kleineren Kindern zumuten können. Aber denke immer daran, sie vorher gut zu motivieren. Und auch wenn Du mit einem Baby oder Kleinkind in entsprechendem Tragerucksack oder Tragetuch unterwegs bist: Das Gewicht Deines Kindes wird auch Dir die Strecke um einiges erschweren. Gerade am Anfang, wenn Deine Kinder und Du noch nicht ein hundertprozentig eingespieltes Team seid, beherzige den Wahlspruch „Weniger ist mehr“. Flaches oder leicht hügeliges Terrain, viel Abwechslung zwischen Wald, Wiese, Bächen und spannenden Ruinen oder verwunschenen Gebäuden ergeben eine ideale Mischung für einen erfüllten Wandertag mit Kindern.
Allerdings, nur einfache Strecke ist auch langweilig – sowohl für die Erwachsenen als auch für die Kinder. Eine gerade „Waldautobahn“, wie die vielen Forstwege es sind, ist nicht besonders geeignet, Deinem Kind die Schönheit des Wanderns nahezulegen. Hier wird sich die Wanderstrecke in die Unendlichkeit dehnen … Viel besser geeignet sind schmalere Pfade, die mit Laub, Nadeln und Wurzelwerk bedeckt sind und wo die Bäume und Büsche zum Greifen nah sind.
Pausen mit tollen Leckereien
Verlocke die Kids mit leckerem Essen
Für mich gibt es auf den Wanderungen nichts Schöneres, als ein Picknick an einer ausgesucht schönen Stelle zu mir zu nehmen. Wenn Du nicht zufällig einen ausgesprochenen Essensmuffel als Kind hast, wird es Deinen Kids nicht anders ergehen als mir. Der Trick dabei ist, das Picknick möglichst spannend und attraktiv für die Kleinen und Mittelgroßen zu gestalten. Da darf schon einmal etwas dabei sein, worauf sie sich besonders freuen können. Und wenn Du schon beim Tricksen bist, dann lass Dein Kind wissen, wo die nächsten Pausen eingelegt werden. Vermerke die Stellen auf einer Papierkarte, die Dein Kid bei sich trägt, oder in einer App, falls Du mit Teenagern wanderst.
Überraschungen einplanen
Sorge für regelmäßige Wow-Effekte
In diesem Fall ist es von Vorteil, wenn Du die Wanderstrecke bereits kennst und weißt, was auf Dich und Deine Kinder zukommt. Aber auch ohne die eigene Kenntnis der geplanten Wanderung solltest Du Dich im Vorfeld im Internet darüber informieren, welche Highlights die Strecke bietet. Suche am besten immer diejenige aus, die richtige Überraschungs-Sehenswürdigkeiten hat. Was das sein könnte, hängt stark von den Vorlieben Deiner Kinder ab. Die einen freuen sich tierisch über einen Bauernhof, wo eine längere Pause mit Stallbesichtigung möglich ist. Die anderen finden Burgruinen unwiderstehlich. Und die dritten erkunden liebend gerne dunkle Höhlen (Taschenlampe nicht vergessen). Etwas ältere Teenager werden aus dem Häuschen sein, wenn Du ihnen sogenannte Lost Places auf der Wanderstrecke anbietest. Klar, eine Mischung aus all den Erlebnissen wäre optimal und Du dann der perfekte Papa oder die perfekte Mama. Übrigens, in der Eifel und am Rhein gibt es solche Wanderstrecken.
Die bewährte Schnitzeljagd
Was für Teenager Geocaching ist, ist für die Kleinen die Schnitzeljagd
Eine echte Schnitzeljagd oder das aufwendigere Geocaching erfordern zum Teil eine längere Vorbereitung, denn Du müsstest dann die Wanderstrecke oder zumindest einen Teil davon im Voraus abgehen und entsprechend präparieren. Aber auch hier gilt: keep it simple, wie die EngländerInnen sagen. Verteile nur ein paar Aufgaben auf einer Teilstrecke. Strategisch klug bietet sich der mittlere Teil der Wanderstrecke an, wenn die Kinder langsam ermüden. So erweckst Du wieder ihre Lebensgeister und die Lust am Erkunden. So vergeht die Strecke schneller und plötzlich scheinbar mühelos.
Bei kleinen Kindern bietet es sich an, die Schnitzeljagd in eine Sammeljagd umzugestalten. Lass Deine Kleinen suchen nach Beeren, bestimmten Blättern, Kräutern, Steinen oder … hier ist Deine Fantasie gefragt. Am Ende der Wanderung können die gesammelten Schätze in ein Wanderalbum oder in eine schön präparierte Wanderbox gelegt und beschriftet werden.
Spiele für unterwegs
Vom Kartenspiel bis zum Verstecken
Selbstverständlich musst Du keine Brettspiele mit Dir mitschleppen. Aber wenn Du weißt, was Deinem Kind richtig viel Freude bereitet und das ein nettes Kartenspiel ist, dann steht dem nichts im Wege, in einer längeren Picknickpause gemeinsam zu spielen. Bei kleineren Kindern ist das Versteckspiel in der Natur viel aufregender und auch viel passender als mitgebrachte Spiele.
Die besten FreundInnen mitnehmen
Mit gleichaltrigen Genossen wandert es sich fröhlicher
Dein Kind wird aus dem Häuschen sein, wenn der beste Freund oder die beste Freundin mit auf die Wanderung darf. Mit Gleichaltrigen die Sinneseindrücke zu teilen, ist einfach um so viel schöner als bloß mit den Eltern. Der gegenseitige Spaß ist ansteckend und die Anwesenheit der FreundIn animiert die Ausdauer durch die freigesetzten Endorphine.
Teenies als WanderführerInnen
Lass Dich von Deinen Kindern führen
Habe keine Angst, Dich von Deinem Kind an der Nase herumführen zu lassen, denn das wird es ganz sicher nicht, wenn Du ihm mehr Verantwortung auf einer Wanderung überträgst.
Das kann bereits bei der Planung der Wanderstrecke geschehen, sodass von Anfang an bestimmte Teilstrecken und Aufgaben auch auf die Schultern Deiner Kinder oder Deines Kindes verteilt werden.
Lass Deinen Teenie – das geht grundsätzlich auch mit jüngeren Kindern – auf einer Teilstrecke mithilfe der Karte oder einer Wanderapp die Wanderführung der Familie übernehmen. Du wirst staunen, aber diese simple Maßnahme und der Vertrauensbeweis können einfach Wunder wirken.
Naturbücher und Märchen für die Wanderleseratten
Das Lieblingsbuch darf mit
Ist Dein Kind eine regelrechte Leseratte? Besorge ihm ein schönes (gegebenenfalls auch ein leichtes) Buch über die Natur, die Du mit Deinem Kind erwandern willst. Vielleicht gibt es auch spezielle Kinderbücher aus der Region, die Du für die nächste gemeinsame Wanderung auserkoren hast. Schön sind auch Geschichten und Märchen, die in der Wanderregion spielen.
Die Eifel ist nicht nur eine ausgesucht tolle Wanderregion für Groß und Klein, sondern hat auch viele Märchenpfade für die Kids zu bieten. Hier eine kleine Auswahl:
- Märchenwald Bad Breisig
- Bollendorfer Märchenpfad
- Märchenwald Altenberg
- Geführte Rangertouren für Kids und ihre Eltern im Nationalpark Eifel (Nationalpark-Infohäuser in Schleiden-Gemünd, Simmerath-Einruhr, Heimbach, Monschau-Höfen)
Sonderfall: Wandern mit Baby oder Kleinkind
Ab wann geht das überhaupt und was ist dabei zu beachten?
Ab wann kann das Baby mit auf eine Wanderung? Diese Frage lässt sich relativ gut beantworten: Prinzipiell schon ganz früh, denn es wird ja getragen. Die Beschränkungen liegen eher bei den Eltern, denn die Mama wird ganz sicher nicht sogleich nach der Geburt auf eine Wanderung aufbrechen wollen. Oder doch?
Auch erfahrene Wander-Eltern müssen die ersten Schritte mit dem Baby oder Kleinkind erst einmal auf kürzeren Strecken erproben. Nimm Dir daher beim ersten Mal zu dritt nicht so viel vor. Viele frischgebackene Eltern übersehen beim Wandern mit Baby/Kleinkind, dass sie nicht nur ein gewisses Gewicht zu tragen haben, sondern auch, dass dieses eben ein lebendiges Wesen ist, das sich bewegt, nervös werden kann, vielleicht schreit oder weint. Auch die jeweiligen Tragetaschen, Sitze und Tücher sind keine üblichen Rucksäcke und haben ebenfalls ihr Gewicht.
Babytuch oder Babytrage oder Kinderkraxe?
Babytücher und die etwas festeren Babytragen haben – bei der richtigen Anwendung – den großen Vorteil, dass sie sich ergonomisch dem Körper des Kindes anpassen und auch den gesamten Hals-Kopf-Bereich abstützen können. Sie wiegen zudem vergleichsweise wenig, aber bis zu 800 Gramm allein für das fest gewebte, große Tuch musst Du schon einrechnen. Die rucksackähnliche Kinderkraxe wiederum hat den Vorteil, dass das schon etwas größere Kleinkind fest auf dem Rücken getragen werden kann und selbst mehr Komfort genießt. Eine solche Trage ist stabil und kann sogar auf lange Kraxeltouren mitgenommen werden. Die Voraussetzung für die Anwendung der Kinderkraxe ist die physische Stabilität und Sitzausdauer Deines Kindes. Erst wenn es über längere Zeit frei sitzen kann – mindestens so lange wie die geplante Tour – und bereits über eine sehr gute Kopfkontrolle verfügt, darf es in die Kinderkraxe und auf keinen Fall vorher. Wann das so weit ist, hängt sehr stark von der individuellen Entwicklung des Kindes ab. KinderärztInnen geben acht Monate als ungefähren Maßstab an.
Helenas Tipps
Gut zu wissen
- Führe eine kompakte Wanderapotheke mit Verbandzeug, Pflaster, Desinfektionsmittel, Salbe und vielleicht auch noch einigen Medikamenten (zum Beispiel Aktivkohle bei Durchfall und Antiallergika) mit Dir mit.
- Nimm gegebenenfalls gute Wandersocken zum Wechseln mit, falls die Kids ihre im Bach nass machen. Überlege, ob Wechselkleidung für die Kinder nicht grundsätzlich eine gute Option ist.
- Der Klassiker: lieber zu viel Flüssigkeit zum Trinken mitnehmen als zu wenig.
- Im Sommer sorge für ausreichend Sonnenschutz und gegebenenfalls Mücken-/Zeckenschutz.
- Nimm eine Zeckenzange oder Zeckenkarte mit.
- Der Outdoor-Verlag bietet in seiner kompakten gelben Wanderreihe das Buch „Wandern mit Kindern“.
- Im Peter Mayer Verlag gibt es für die Eifelregion das Wanderbuch von Ingrid Retterath: „Eifel mit Kindern. Wild. Grenzenlos. Nachhaltig.“