Tipps und Reiserouten
Nachhaltig verreisen: Urlaub mit dem E-Auto
Leise dahingleiten, ohne Tankstopp an der lauten Raststätte, dafür ein Ladestopp mit Espresso und Bergblick: Ein Roadtrip im Elektroauto verspricht eine ganz andere Form des Reisens. Die Strecke wird nicht zur lästigen Pflicht, sondern zum bewussten Teil des Urlaubs. Und nebenbei lässt sich die eigene Klimabilanz beim Verreisen verbessern.
Flexibel reisen mit dem passenden Mietwagen
Wer zum ersten Mal mit dem Stromer in den Urlaub aufbricht, fragt sich oft: Wie weit komme ich, wo lade ich nach und welche Routen eignen sich überhaupt? Die gute Nachricht: Mit der richtigen Vorbereitung wird die E-Autoreise zum entspannten Roadtrip. Wir zeigen Dir, wie Du Deine Strecke clever planst und berechnest, welche Apps Dir dabei helfen und welche drei Routen ab Deutschland sich besonders für Einsteigende und Erfahrene lohnen.
Reichweite, Routenplanung und das eigene Auto kennen
Bevor es losgeht, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf das eigene Fahrzeug: Wie viele Kilometer schafft der Akku unter realen Bedingungen mit Gepäck, Klimaanlage und auf der Autobahn? Hersteller-Reichweiten sind theoretische Werte, im Urlaub liegt die tatsächliche Reichweite meist darunter. Auch der Stecker-Standard zählt: Das Combined Charging System (CCS, in Europa als Combo 2 verbreitet) ist europaweit der Standard für Schnellladung. Die EU-Verordnung AFIR schreibt seit ihrem Inkrafttreten 2024 vor, dass neu errichtete öffentliche Schnellladepunkte diesen Standard unterstützen müssen.
Eine sinnvolle Faustregel fürs Reisen mit dem E-Auto: Plane je nach Modell und Bedingungen alle drei bis vier Stunden beziehungsweise nach 300 bis 400 Kilometern eine Pause ein. Das tut nicht nur dem Akku gut, sondern auch allen Mitfahrenden. Eine entspannte Fahrweise und das Einhalten der Tempolimits erhöhen die Reichweite zusätzlich spürbar.
Schnell oder gemütlich? Was beim Laden zu beachten ist
An einer DC-Schnellladestation, etwa von Ionity, EnBW oder Aral pulse, ist der Akku je nach Modell, Anschluss und Bedingungen typischerweise innerhalb von 20 bis 45 Minuten zu 80 Prozent geladen. Auch Tesla-Supercharger sind in Europa zunehmend für Fremdfahrzeuge geöffnet, allerdings nicht an allen Standorten. Ein Blick in die Tesla-App vor der Reise lohnt sich. Unter realen Reisebedingungen mit kühlem Akku oder voller Beladung kann das Laden auch länger dauern. Genug Zeit für einen Kaffee, einen Spaziergang oder ein Picknick. An normalen Ladestationen mit geringerer Leistung wird die Pause deutlich länger, was sie ideal für eine Mittagspause oder einen Restaurantbesuch macht.
Wichtig zu wissen: Die Ladegeschwindigkeit hängt nicht nur von der Station ab, sondern auch vom eigenen Auto. Manche Fahrzeuge laden maximal mit rund 50 Kilowatt, andere schaffen 150 Kilowatt oder mehr. Auch die Außentemperatur und der Akkustand spielen eine Rolle. Im Sommer geht das Laden oft schneller als bei winterlicher Kälte.
Bezahlt wird per Ladekarte, App, Kreditkarte oder zunehmend per Plug & Charge: Dabei kommunizieren Auto und Säule selbstständig miteinander. Seit dem April 2024 müssen neu errichtete öffentliche DC-Schnellladepunkte mit einer Leistung von mehr als 50 Kilowatt in der EU eine Bezahlung mit gängiger Debit- oder Kreditkarte ermöglichen; an kleineren AC-Ladepunkten reicht eine webbasierte Zahlung, etwa per QR-Code. Trotzdem ist Flexibilität Trumpf: Im Ausland kann es sein, dass die heimische Ladekarte nicht überall akzeptiert wird, und Roaming-Tarife unterscheiden sich teils deutlich vom Heimtarif. Es lohnt sich, vor der Reise einen Blick auf die Konditionen des eigenen Anbieters im Zielland zu werfen.
Diese Apps machen die Planung zum Kinderspiel
Zwei Apps gehören auf jedes Smartphone, das mit Elektroautos auf Reisen geht. "A Better Routeplanner (ABRP)" ist der Klassiker für längere Strecken: Die App berechnet auf Basis von Fahrzeugmodell, Wetter und Topografie die optimale Route inklusive Ladestopps und geschätzten Ladezeiten. "Chargemap" punktet mit großen Datenbanken: Sie zeigt Ladepunkte, Steckertypen, Preise und vor allem Nutzerbewertungen und ist hilfreich, um defekte oder schwer zugängliche Säulen zu meiden.
Auch viele Hersteller-Apps und Navigationssysteme im Auto integrieren mittlerweile Lade-Routenplanung. Die "ADAC Drive App" zeigt nach Angaben des Anbieters europaweit über 120.000 Ladesäulen mit mehr als 360.000 einzelnen Ladepunkten an, filterbar nach Leistung, Stecker und Anbieter. Praktisch: Viele Apps melden auch in Echtzeit, ob ein Ladepunkt gerade frei oder belegt ist, was unnötige Umwege spart.
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Drei Routen ab Deutschland: Für jeden Geschmack das Richtige
Welche Strecke passt zu Dir? Wir stellen Dir drei Routen vor: ab dem Norden, der Mitte und dem Süden Deutschlands. Jede hat ihren eigenen Charakter, mal mit Highlights an jeder Ecke, mal mit dem großen Finale am Ziel.
Route 1 ab Norden: Hamburg – Süd-Jütland – Kopenhagen
Strecke: etwa 470 Kilometer, ideal für EinsteigerInnen
Dänemark gehört in Sachen Ladeinfrastruktur zur europäischen Spitzengruppe, was das Land perfekt für den ersten längeren E-Trip macht. Ab Hamburg geht es über die A7 Richtung Norden. Erster spannender Stopp: Flensburg mit seiner hübschen Hafenfront. Hinter der Grenze warten in Süd-Jütland gleich mehrere lohnenswerte Halte. Kolding und Vejle verfügen über dichte Schnelllade-Netze: Ein Stopp dort verbindet Akku-Ladung mit einem Bummel durch lebendige Innenstädte.
Highlights entlang der Strecke: die Wikinger-Handelsstadt Ribe, die als älteste Stadt Dänemarks gilt, und das dänische Wattenmeer. Wer einen Abstecher in die alte Universitätsstadt Aarhus einplant, findet dort mit dem ARoS Aarhus Kunstmuseum eines der größten Kunstmuseen Nordeuropas im Stadtzentrum, dazu eine charmante Hafenkante mit moderner Architektur. Weiter geht es über die Lillebæltsbrücke auf die Insel Fünen und anschließend über die Storebæltsbrücke nach Seeland und schließlich nach Kopenhagen, das sich seit Jahren in Rankings als eine der fahrradfreundlichsten Städte der Welt behauptet, mit gutem Gewissen und vollem Akku angekommen.
Tipp: Einige Fähren auf der Skandinavien-Route bieten Ladestationen an Bord. Die Plätze sind allerdings begrenzt, eine Reservierung lohnt sich. In Kopenhagen ist das früher gewährte kostenlose Parken für E-Fahrzeuge 2024 abgeschafft worden, auch Stromer zahlen nun reguläre Parkgebühren. Die aktuellen Konditionen solltest Du vor Ort kurz prüfen.
Route 2 ab der Mitte: Frankfurt – Schweiz – Tessin
Strecke: etwa 600 Kilometer, mit großem Finale am Ziel
Diese Route ist für alle, die das Highlight am Ende suchen. Von Frankfurt geht es über die A5 nach Basel und weiter durch die Schweiz, ein Land, in dem die Ladeinfrastruktur europaweit zur Spitzenklasse zählt. Die Strecke führt durch Luzern, durch den Gotthard-Straßentunnel und schließlich ins sonnenverwöhnte Tessin. An reisestarken Sommerwochenenden lohnt es sich, die Verkehrslage am Gotthard im Blick zu behalten, denn der einspurige Straßentunnel gilt als Nadelöhr.
Unterwegs sind die Lade-Möglichkeiten so dicht gesät, dass die Strecke mit überschaubarem Planungsaufwand zu schaffen ist. Spannend wird es am Ziel: Lugano am Luganersee verbindet mediterranes Lebensgefühl mit alpiner Kulisse. Palmen, Glockentürme und Bergpanorama: ein Bilderbuch-Italien mit Schweizer Zuverlässigkeit. Wer noch weiter Richtung Norden möchte, erreicht in einer guten Stunde den Lago Maggiore mit Locarno und Ascona.
Besonderes Lade-Erlebnis: Auf der Grand Tour of Switzerland, nach Angaben von Schweiz Tourismus dem weltweit ersten ausgeschilderten Roadtrip für Elektrofahrzeuge, führt eine 1.600 Kilometer lange Route an 22 Seen, fünf Alpenpässen und bis zu dreizehn UNESCO-Welterbestätten vorbei. Während Schweiz Tourismus offiziell 200 ausgeschilderte Ladestationen entlang der Strecke nennt, geben einzelne Tourismusregionen wie Interlaken Tourismus inzwischen rund 300 Ladestationen an. Wer mehr Zeit mitbringt, kann Teile davon einbauen: etwa von Basel über Bern bis Zürich oder weiter nach Zermatt mit Blick aufs Matterhorn.
Route 3 ab Süden: München – Tirol – Südtirol
Strecke: rund 285 Kilometer bis Bozen, mit Abstechern entsprechend länger, Highlights an jeder Ecke
Wenig Strecke, viele Erlebnisse: Diese Route eignet sich hervorragend für alle, die das Reisen selbst zelebrieren wollen. Ab München geht es über die A8 und die Inntalautobahn nach Innsbruck. Die Tiroler Hauptstadt mit ihrer Goldenen Dachl-Kulisse ist ein perfekter erster Halt. Weiter über den Brenner, mit moderner Ladeinfrastruktur entlang der Strecke, nach Südtirol. Bozen ist von München aus in rund 285 Kilometern erreichbar.
Highlights entlang der Strecke: die Festung Kufstein, Innsbruck mit Bergisel-Schanze sowie als Abstecher das Pustertal und die Drei Zinnen in den Sextner Dolomiten, die etwa 100 Kilometer Umweg bedeuten. Wer möchte, schiebt einen Tag am Kalterer See ein oder fährt weiter zum Gardasee, einer der beliebtesten Urlaubsregionen für Roadtripper.
Praxis-Tipp: Beim Fahren im Gebirge kommt die Rekuperation zum Tragen, also die Rückgewinnung von Energie beim Bremsen und Bergabfahren. Der Mehrverbrauch in den Bergen kann mit dem E-Auto durch Rekuperation deutlich geringer ausfallen als beim Verbrenner. Für den Aufenthalt in Südtirol selbst reicht oft eine einzige Ladung.
Für wen eignet sich welche Route?
Wer zum ersten Mal mit dem Elektroauto verreist, ist auf der Skandinavien-Route nach Kopenhagen bestens aufgehoben: Die Ladeinfrastruktur ist dicht und zuverlässig, der Stress überschaubar. Wer am Ziel ein großes Highlight sucht, sollte sich für das Tessin entscheiden: Die Strecke führt durch eines der am besten erschlossenen Länder Europas und endet in einer Mittelmeer-Stimmung mit Alpenkulisse. Für Genießer und Bergfans schließlich ist die Tirol-Südtirol-Route mit kurzen Etappen, viel Landschaft und kulinarischen Höhepunkten ideal.
Eine Reise mit dem Elektroauto ist nicht nur ein nachhaltiger, sondern auch ein überraschend entspannter Weg, die Welt zu entdecken. Die regelmäßigen Ladestopps zwingen Dich dazu, Pausen zu machen und werden oft zum besten Teil des Tages. Statt in einer hektischen Tankstelle anzuhalten, sitzt Du an einem Bergsee, in einem alten Stadtkern oder bei einem Cappuccino in der Sonne, während Dein Auto Strom zieht.
Du möchtest Dich noch tiefer ins Thema einlesen? Spannende Inspirationen findest Du in unseren Artikeln zum nachhaltigen Reisen und zur Miete eines Elektroautos für den Urlaub. Wer einmal elektrisch unterwegs war, sieht den nächsten Roadtrip oft mit anderen Augen: entspannter, bewusster, neugieriger. Probier es einfach aus.

