Reisebericht
Mit der Bahn an die Nordsee: Unser Familienabenteuer von Husum bis Amrum
Als wir unseren Sommerurlaub 2025 geplant haben, stand für uns schnell fest: Dieses Mal lassen wir das Auto stehen und fahren mit der Bahn einmal quer durch Deutschland – vom Bodensee an die Nordsee. Zwei Erwachsene, zwei Kinder im Kindergarten- bzw. Grundschulalter, drei Stationen: Husum, Amrum und Hamburg. Wir wollten ausprobieren, ob ein längerer Familienurlaub mit der Bahn wirklich entspannt machbar ist – und ob sich das „langsamere“ Reisen lohnt.
Nordsee: Meistgebuchte Städtehotels
Alle anzeigenAnreise: Ein kleines Bahnabenteuer
Geplant war eine rund zwölfstündige Fahrt mit nur zwei Umstiegen und einem zweistündigen Puffer in Hamburg. In der Theorie klang das sehr komfortabel. In der Praxis kam dann doch ein bisschen Bahn-Abenteuer dazu: In Hannover war ein Waggon defekt, wir mussten umsteigen und später fiel auf der Strecke Hamburg–Husum auch noch der IC komplett aus. Am Ende standen vier statt zwei Umstiege an, inklusive spontanem Wechsel auf einen Regionalexpress mit zusätzlichem Umstieg in Elmshorn.
Was sich im ersten Moment nach Stress anhört, war mit vorbereiteten Kindern und etwas Gelassenheit aber gut machbar. Unseren geplanten zweistündigen Aufenthalt in Hamburg haben wir kurzerhand gestrichen und sind direkt mit der nächstmöglichen Verbindung weiter nach Husum gefahren – überraschender Nebeneffekt: Wir kamen sogar eine Stunde früher an als ursprünglich geplant.
Husum: Entspannter Urlaubsstart
In Husum hatten wir eine Ferienwohnung in Bahnhofsnähe gebucht. Das war Gold wert: Nach der langen Anreise waren wir in wenigen Minuten „zu Hause“ und konnten später auch spontane Ausflüge gut mit kurzen Wegen verbinden. Die Husumer Innenstadt mit dem Binnenhafen war zu Fuß in fünf Minuten erreichbar – ideal für kleine Spaziergänge am Abend, ein Eis oder ein schnelles Abendessen. Husum selbst ist ein nettes nordfriesisches Städtchen, das sich gut als entspannter Einstieg in den Nordseeurlaub eignet.

Stefans Tipp
Plant einen Tagesausflug zum Dockkoog. Dort kann man Ebbe und Flut eindrucksvoll erleben: Mal zieht sich das Wasser komplett zurück, mal kann man bei Flut tatsächlich baden. Für die Kinder war es spannend zu sehen, wie sich die Landschaft innerhalb weniger Stunden verändert. Gummistiefel und Wechselsachen sind hier kein Fehler.
Friedrichstadt: Grachten & Tretboot
Am zweiten Tag sind wir nach Friedrichstadt gefahren – ein Städtchen, das mit seinen Grachten und der typischen Architektur tatsächlich ein wenig an Amsterdam erinnert. Besonders gut gefallen hat uns, dass wir uns ein Tretboot mieten und die Stadt vom Wasser aus erkunden konnten. Für die Kinder war das ein echtes Abenteuer, für uns Erwachsene eine schöne, entschleunigte Art, diesen besonderen Ort zu erleben.
Amrum: Inselnatur pur
Nach drei Tagen Husum ging es weiter Richtung Insel: mit dem Zug nach Dagebüll und von dort mit der Fähre nach Amrum. Die Überfahrt dauert je nach Verbindung etwa 1,5 Stunden (Direktfähre) oder rund zwei Stunden, wenn noch ein Zwischenstopp auf Föhr eingelegt wird. Allein die Überfahrt ist für Kinder schon ein Erlebnis – Wind, Möwen, Schiffe, und langsam verschwindet das Festland im Hintergrund.
Auf Amrum hatten wir eine Woche Zeit, die Insel zu entdecken. Fortbewegt haben wir uns hauptsächlich mit Leihfahrrädern und dem öffentlichen Bus – eine Mischung, die sich für uns als sehr praktisch erwiesen hat. Amrum ist wie gemacht für Naturliebhaber: Die breiten Strände, die Dünenlandschaft, die im August blühende Heide, dazu der Amrumer Leuchtturm, den man besichtigen kann, und die vielen Bohlenwege, die durch die Landschaft führen.
Unsere Highlights auf Amrum
Unsere persönlichen Highlights waren:
Die Strände und Dünen – genug Platz zum Spielen, Laufen, Muscheln sammeln.
Eine Wattwanderung, die speziell auch für Familien mit Kindern angeboten wurde. So konnten die Kinder spielerisch lernen, was im Watt alles lebt, ohne dass es zu anstrengend wurde.
Die blühende Heide im August, die der Insel ein ganz eigenes Farbenspiel verleiht.
Der Amrumer Leuchtturm, von dem man einen tollen Rundumblick hat.
Die Bohlenwege, auf denen man trockenen Fußes durch die Dünen und Heide spazieren kann.
Friesisch-herbes Wetter
Angenehm überrascht waren wir davon, wie entspannt es trotz Hochsaison auf Amrum zuging. Die Insel wirkte nie überlaufen, wir fanden jederzeit ein ruhiges Plätzchen und sogar Strandkörbe ließen sich ohne Voranmeldung problemlos anmieten. Statt großer Hotelanlagen prägen vor allem Ferienhäuser und -wohnungen das Bild – passend zum naturnahen Charakter der Insel. Das Wetter zeigte sich „friesisch-herb“ mit viel Wind und kühlen 17 Grad, was für uns aber ideal war, um aktiv draußen unterwegs zu sein. Nach einer erlebnisreichen Woche ging es mit der Fähre zurück nach Dagebüll und weiter nach Hamburg, wo diesmal alles reibungslos verlief.
Hamburg-Highlight: Miniaturwunderland
In Hamburg war unser absolutes Familien-Highlight das Miniaturwunderland in der Speicherstadt. Sowohl Kinder als auch Erwachsene waren begeistert von der Detailverliebtheit und der Größe der Ausstellung. Ein wichtiger Tipp aus unserer Erfahrung: Tickets unbedingt frühzeitig online reservieren. Spontan hinzugehen kann sonst zu sehr langen Wartezeiten führen.
Außerdem haben wir eine Hafenrundfahrt gemacht. Auch hier lohnt sich ein Blick auf Ebbe und Flut: Die längeren Touren, die durch die Speicherstadt führen, sind nur bei ausreichend Wasserstand möglich. Wer diese Strecke unbedingt sehen möchte, sollte seine Fahrt entsprechend planen.
Die Rückfahrt von Hamburg an den Bodensee verlief perfekt: Eine durchgängige Verbindung ohne Umstieg, alle Bahnhöfe wurden pünktlich, teilweise sogar überpünktlich erreicht. Das war ein sehr entspannter Abschluss unserer Reise.

Stefans Tipp
Die Koffer kann man vorab aufgeben und direkt zur ersten Unterkunft transportieren lassen. Solche Angebote gibt es zum Beispiel von der Deutschen Bahn selbst oder von Dienstleistern wie Hermes. Gerade wenn man mit Kindern unterwegs ist und unterwegs mehrfach umsteigen muss, ist es eine große Erleichterung.
Fazit
Wenn ich auf diesen Urlaub zurückblicke, bleibt vor allem das Gefühl, dass Bahnreisen als Familie über lange Distanzen gut funktionieren können – trotz kleiner Pannen. Wir haben unterwegs viel mehr von Deutschland gesehen, als es bei einer Flugreise der Fall gewesen wäre, und die Kinder haben die Fahrt als Teil des Abenteuers erlebt, nicht nur als Mittel zum Zweck. Husum als entspannter Einstieg, Amrum als Naturparadies und Hamburg als lebendiger Abschluss – für uns war diese Kombination genau richtig.
Und vielleicht macht unser Bericht ja Lust, es selbst einmal auszuprobieren: mit der Bahn ans Meer, mit Kindern im Gepäck und einer Portion Gelassenheit.
Top Angebote an der Nordsee
Nordsee mit dem Mietwagen erleben

