Fasnacht
Drei Tage Ausnahmezustand: Basel feiert Fasnacht
Kurz vor vier Uhr morgens, am Montag nach Aschermittwoch, verändert sich Basel spürbar. Die Stadt wird dunkel, Gespräche verstummen, selbst der Verkehr kommt zum Stillstand. Dann hörst Du ihn: den Rhythmus von Trommeln, das helle Spiel der Piccolos. Mit dem Morgestraich beginnt die Basler Fasnacht – und mit ihr ein Ausnahmezustand, der exakt 72 Stunden dauert. In dieser Zeit funktioniert Basel nach eigenen Regeln. Wir zeigen Dir, wie Du dieses besondere Event am besten erleben kannst.
Was ist die Basler Fasnacht überhaupt?
Im Mittelpunkt der Basler Fasnacht stehen die Cliquen, feste Gruppen aus Pfeifern und Tambouren, die monatelang proben. Während der Fasnacht ziehen sie in großen Umzügen durch die Stadt, feiern, spielen Musik und kommentieren Gesellschaft und Politik auf satirische Weise. Ein wichtiger Bestandteil sind auch die Guggenmusiken, kostümierte Musikzüge, die traditionelle Fasnachtslieder spielen.
Warum Basel nach Aschermittwoch feiert
Wenn andernorts die Fasnacht endet, beginnt sie in Basel erst. Der Start nach Aschermittwoch gehört fest zur Tradition und macht das Fest zu einer von wenigen Ausnahmen im deutschsprachigen Raum. Die Verschiebung geht zurück auf eine Entscheidung von Papst Urban im Jahr 1091. Dieser verlegte den Beginn der Fastenzeit. Sie sollte künftig sechs Tage früher starten, am heutigen Aschermittwoch. Damit verschob sich auch die Fasnacht um etwa eine Woche. Einige Gemeinden, wie Basel, waren damit allerdings nicht einverstanden und feierten weiterhin nach altem Datum.
Geschichte in Kurzform & satirischer Kern
Über Jahrhunderte entwickelte die Basler Fasnacht ihre heutige Form. Erste Hinweise auf die Verwendung von Masken, hier Larven genannt, reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Schon damals war die Fasnacht mehr als purer Spaß. Daran hat sich nichts geändert. Die Sujets, also die thematischen Leitmotive, greifen politische Entscheidungen, gesellschaftliche Debatten und lokale Eigenheiten auf. Mal spitz und direkt, mal subtil, oft mit feinem Humor. Dass die Basler Fasnacht heute von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe anerkannt ist, zeigt, wie tief sie im Leben der Stadt verankert ist.
Das Programm
Montag nach Aschermittwoch: Morgestraich – wenn Basel erwacht
Um Punkt 04:00 Uhr beginnt das Spektakel. Die Innenstadt liegt im Dunkeln, nach und nach setzen die Trommeln und Piccolos ein. Die Cliquen ziehen mit ihren Larven und großen, handgemalten Laternen durch die Gassen, jede zeigt das Sujet des Jahres.
Wo Du gut stehst:
In den engen Altstadtgassen rund um Spalenberg, Schneidergasse oder Münsterplatz ist das Erlebnis besonders intensiv. Hier kannst Du Laternen, Kostüme und Larven aus nächster Nähe sehen.
Montagnachmittag: Erster Cortège
Am Nachmittag folgt der erste große Umzug, der erste Cortège. Cliquen, Musikzüge, Umzugswagen, Kutschen und Einzelmasken – das sind kostümierte Einzelpersonen – präsentieren ihre Themen: politische Kommentare, lokale Anspielungen, feiner Spott.
Dienstag: Gassenleben, Kinderfasnacht und Guggenmusik
Der Dienstag ist entspannter. Nachmittags sind viele Familien unterwegs. Kinder ziehen mit ihren Familien und FreundInnen in kleineren Fasnachtsgruppen durch die Stadt. Ein guter Moment, um sich treiben zu lassen und die Stimmung aufzusaugen.
Dienstagabend: Guggenmusik auf den Plätzen
Am Abend ändert sich der Klang. Jetzt übernehmen die Guggenmusiken: laut, rhythmisch, direkt. Bunte Kostüme, überzeichnete Masken, kräftige Bläser – ein bewusster Kontrast zu Piccolo und Trommel.
Wo es lebendig wird:
Am Barfüsserplatz, Marktplatz und Claraplatz spielen mehrere Guggenmusikgruppen nacheinander. Wer etwas weniger Gedränge möchte, hört die Musik auch aus den Seitenstraßen noch sehr gut.
Mittwoch: Zweiter Cortège
Am Mittwoch zieht der Cortège ein zweites Mal durch die Stadt. Viele Sujets erscheinen erneut – perfekt, um Details zu entdecken, die einem zuvor entgangen sind. Wer am Montag nur flüchtig geschaut hat, erkennt jetzt vielleicht Zusammenhänge, liest die Texte genauer und versteht die Anspielungen besser.
Nacht auf Donnerstag: Ändstraich
Kein großes Finale, kein Countdown. Kurz vor vier Uhr morgens lösen sich die letzten Formationen auf, spielen ein letztes Stück, verstummen. Der Ändstraich ist leise, fast unspektakulär – und genau deshalb so besonders. Wer bis dahin bleibt, erlebt den Moment, in dem Basel langsam wieder in den Alltag zurückkehrt.
Fasnachts-Knigge: So bewegst Du Dich respektvoll durch die drei Tage
Respektiere die Dunkelheit beim Morgestraich
Wenn um vier Uhr morgens der Morgestraich beginnt, gilt eine einfache Regel: Lass es dunkel. Schalte kein Licht an, benutze kein Blitzlicht und vermeide auch Handy-Taschenlampen oder helle Displays. Die besondere Stimmung entsteht nicht zuletzt durch diese Dunkelheit in Kombination mit Laternenlicht und Musik. Jede zusätzliche Lichtquelle stört das Erlebnis – für Dich selbst und für die anderen.
Halte Abstand und bleib ZuschauerIn
Die Cliquen sind keine Umzüge zum Mitlaufen. Bleib am Rand, lass die Formationen vorbeiziehen und kreuze ihren Weg nicht. Instrumente, Kostüme und Laternen sind Teil monatelanger Arbeit – nicht anfassen, auch wenn sie noch so nah sind. Wer respektvoll zuschaut, gehört dazu.
Waggis, Orangen & Blumen:
Die Waggis erkennst Du an ihren großen Masken und oft etwas frecheren Auftritten. Sie verteilen Orangen, Blumen oder kleine Geschenke – manchmal gezielt, manchmal spontan. Nimm es gelassen, egal ob Du etwas bekommst oder nicht. Wer versucht, aktiv etwas zu ergattern oder zu fordern, verpasst den Punkt. Es geht ums Spiel, nicht ums Sammeln.
Blaggedde tragen heißt Haltung zeigen
Die Blaggedde, die offizielle Fasnachtsplakette, ist mehr als ein Souvenir. Mit ihr unterstützt Du die Aktiven und die Organisation der Fasnacht. Trage sie sichtbar – viele sehen darin ein Zeichen von Respekt gegenüber dem Brauchtum. Erwerben kannst Du sie bei StraßenhändlerInnen, Kiosken oder direkt über die Fasnachtsgruppierungen.
Fotografiere mit Gefühl
Fotos sind erlaubt, aber halte Dich zurück. Verzichte auf Blitzlicht, geh nicht zu nah heran und blockiere keine Wege. Oft entstehen die besten Bilder, wenn Du wartest, beobachtest und einen Schritt Abstand hältst.
Mit Kindern unterwegs
Am Dienstag und in ruhigeren Bereichen der Stadt ist die Fasnacht besonders familienfreundlich. Achte darauf, genügend Abstand zu Wagen und Pferden zu halten und erkläre Kindern die wichtigsten Regeln – dann wird der Besuch für alle entspannt.
Hotel-Empfehlungen: mittendrin oder bewusst ruhiger
Zentral in Basel: kurze Wege und Fasnacht vor der Tür
GAIA Hotel Basel
Direkt beim Bahnhof Basel SBB gelegen, aber überraschend ruhig. Das traditionsreiche Haus verbindet historischen Charakter mit modernem Komfort – ideal, wenn Du Dich nach langen Fasnachtstagen schnell zurückziehen möchtest. Viele Gäste schätzen das persönliche Ambiente und das gute Frühstück.
Radisson Blu Hotel Basel
Wer mitten in der Stadt übernachten möchte, ist hier richtig. Das Hotel liegt nahe Heuwaage und Altstadt und bietet großzügige Zimmer. Praktisch: Es gibt einen Wellnessbereich und einen Pool für Pausen zwischendurch.
Hotel Spalentor
Am Rand der Altstadt, nahe dem Spalentor, wohnst Du hier etwas ruhiger und bist trotzdem schnell im Geschehen. Das familiengeführte Hotel punktet mit persönlichem Service und einer Lage, die sich besonders gut für Spaziergänge Richtung Innenstadt eignet.
Mövenpick Hotel Basel
Modern, großzügig und sehr gut angebunden: Das Mövenpick liegt nahe am Bahnhof und an der Innenstadt und eignet sich besonders, wenn Du Komfort schätzt und nach dem Trubel einen Rückzugsort brauchst. Die Zimmer sind ruhig, die Wege kurz.
Ruhiger übernachten: Abstand vom Trubel, Basel in Reichweite
Courtyard by Marriott Basel – Pratteln
Etwas außerhalb gelegen, aber gut erreichbar. Das Hotel ist eine gute Wahl, wenn Du tagsüber in die Fasnacht eintauchst und abends bewusst Abstand suchst. Moderne Zimmer, viel Platz und eine entspannte Atmosphäre sorgen für einen angenehmen Kontrast zum Trubel in der Innenstadt.
Hotel Stadt Lörrach (Deutschland)
Im Dreiländereck gelegen und mit direkter Bahnverbindung nach Basel. Ideal, wenn Du es nachts ruhiger magst und morgens entspannt in die Stadt fahren möchtest. Das Hotel liegt zentral in Lörrach und verbindet urbanes Flair mit guter Erreichbarkeit.
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