Von Chicago bis Los Angeles
Route 66: Der ultimative Roadtrip-Guide zum 100. Geburtstag der Mother Road
Sie taucht auf T-Shirts, in Filmen und in Reiseträumen auf. Doch bevor Du Deinen Mietwagen in Chicago übernimmst Du lohnt ein kurzer Reality-Check: Die Route 66 in ihrer ursprünglichen Form wurde 1985 offiziell aus dem amerikanischen Highway-System gestrichen. Dennoch sind rund 85 Prozent der ursprünglichen Strecke noch befahrbar als sogenannte Historic Route 66, meist auf ruhigen Nebenstraßen parallel zu den modernen Interstates. Die charakteristischen braunen „Historic Route 66"-Schilder am Straßenrand sind dabei Dein wichtigster Wegweiser.
Kurzum: Die Straße lebt. Ihre Legende sowieso.
Flexibel reisen mit dem passenden Mietwagen
Die Route im Überblick
Von Chicago, Illinois, bis zum Santa Monica Pier in Los Angeles, Kalifornien – die Route führt durch acht Bundesstaaten: Illinois, Missouri, Kansas, Oklahoma, Texas, New Mexico, Arizona und Kalifornien. Insgesamt rund 3.600 Kilometer, gesäumt von Neon-Motels, einsamen Diners, Wüstenlandschaften und Kleinstädten, in denen die Zeit manchmal wirklich stillzustehen scheint.
Das klassische Roadtrip-Gefühl entfaltet sich am besten in Fahrtrichtung West dem Sonnenuntergang entgegen. So startest Du mit dem pulsierenden Chicago im Rücken und fährst Dich langsam frei.
Wie viel Zeit brauche ich?
Für die komplette Strecke von Chicago bis Santa Monica solltest Du mindestens drei Wochen einplanen. Das gibt Dir genug Puffer, um auch mal spontan abzubiegen, in einem kleinen Diner länger sitzen zu bleiben oder einen Nationalpark-Abstecher zu machen. Wer weniger Zeit hat, kann sich auf einzelne Abschnitte konzentrieren. Der Südwesten zwischen Amarillo und Los Angeles ist der landschaftlich spektakulärste Teil.
Etappe | Highlights |
Chicago | Ankunft, Mietwagenübernahme, Sightseeing |
Chicago → St. Louis | Gateway Arch, McLean Truckstop |
St. Louis → Springfield (MO) | Dixie Truck Stop, Nostalgiehalte |
Springfield → Tulsa | Route 66 Historical Village |
Tulsa → Oklahoma City | National Cowboy Museum, Stockyards City |
Oklahoma City → Amarillo | Cadillac Ranch |
Amarillo → Albuquerque | Tucumcari Neon-Motels, Indian Pueblo Cultural Center |
Albuquerque → Holbrook | Petrified Forest National Park |
Holbrook → Flagstaff | Painted Desert, Winslow |
Flagstaff → Kingman | Historic Route 66 – besterhaltener Abschnitt! |
Kingman → Barstow | Mojave Wüste, Calico Ghost Town |
Los Angeles | Ankunft Santa Monica Pier, Hollywood, Venice Beach; Rückgabe Mietwagen |
Die schönsten Stopps entlang der Strecke
Illinois & Missouri: Rustikaler Auftakt
Der Start in Chicago verdient mindestens einen vollen Erkundungstag: Cloud Gate im Millennium Park, Navy Pier, Chicago Riverwalk und wer Jazz und Blues liebt, findet hier die perfekte Einstimmung. Auf dem Weg nach St. Louis lohnt ein Halt in Pontiac (Route 66 Hall of Fame & Museum). Hier versteht man, wie viel Geschichte in dieser Straße steckt.
Oklahoma: Längster zusammenhängender Abschnitt
Oklahoma besitzt den längsten durchgehenden Originalabschnitt der ganzen Route. Oklahoma City mit dem National Cowboy & Western Heritage Museum und dem Stockyards-Viertel gibt echtes Western-Feeling. Vorher unbedingt die Meramec Caverns in Missouri mitnehmen: ein 26 Meilen großes Höhlensystem, das man so schnell nicht vergisst.
Texas: Cadillac Ranch & Steakhäuser
In Amarillo wartet eine der ikonischsten Installationen der gesamten Route: die Cadillac Ranch, zehn im Boden vergrabene Cadillacs, überzogen von Graffiti-Schichten. Kostenlos, kitschig, unvergesslich. Und wer sich ein texanisches 72-Oz-Steak traut, die Big Texan Steak Ranch ist gleich um die Ecke.
New Mexico & Arizona: Südwesten pur
Tucumcari mit seinen leuchtenden Neon-Motel-Schildern, Albuquerque mit dem Indian Pueblo Cultural Center, der Petrified Forest National Park bei Holbrook (versteinerte Bäume, die im Sonnenlicht schimmern) – dieser Streckenabschnitt ist der landschaftlich abwechslungsreichste der ganzen Route.
Das Highlight: Der Abschnitt zwischen Kingman und Flagstaff gilt als besterhaltenes und beliebtestes Stück der Historic Route 66. Hier sieht die Straße noch fast so aus wie in den 50ern.
Kalifornien: Ankunft am Pazifik
Durch die Mojave-Wüste, vorbei an der Calico Ghost Town, bis der Santa Monica Boulevard auf den Santa Monica Pier trifft und dahinter liegt der Pazifik. Das ist das offizielle Ende der Route 66, markiert von einem schlichten Schild. Sonnenuntergang hier anzuschauen ist eine der schönsten Belohnungen, die ein Roadtrip bereithält.
Der Mietwagen: Das solltest Du wissen
Für die Route 66 empfiehlt sich ein One-Way-Mietwagen (Einwegmiete). Du übernimmst das Auto in Chicago und gibst es in Los Angeles zurück. Dafür fällt eine Gebühr an, die je nach Anbieter unterschiedlich hoch ausfällt. Für die Bequemlichkeit ist dies meist trotz Gebühr die sinnvollste Lösung.
Fahrzeugtyp: Ein SUV gibt mehr Komfort auf langen Etappen, ein Mittelklassewagen reicht aber völlig. Wer das volle Americana-Feeling sucht: Manche Anbieter vermieten auch Muscle Cars oder Cabrios, für die Wüstenabschnitte ein absoluter Traum.
Wichtig: Verkehrsregeln variieren je nach Bundesstaat. Tempolimits, Promillegrenzen und Handynutzung am Steuer können sich von Illinois bis Kalifornien unterscheiden, kurz informieren lohnt sich.
USA mit dem Mietwagen erleben


Beste Reisezeit
Die ideale Reisezeit für die Route 66 ist Frühling (April bis Juni) oder Herbst (September bis Oktober). Die Temperaturen sind angenehm, die Hauptattraktionen weniger überlaufen, und die Mietwagenpreise in den USA sind moderat.
Den Sommer solltest Du – wenn möglich – meiden oder zumindest gut planen: In den Wüstenabschnitten in Arizona, New Mexico und Kalifornien kann es deutlich über 40 Grad heiß werden. Frühzeitig starten und die Mittagshitze im Diner verbringen ist dann an der Tagesordnung.
2026 ist ein Ausnahmejahr: Wegen des 100. Geburtstags der Route finden entlang der gesamten Strecke Sonderausstellungen, Festivals und Events statt. Das bedeutet mehr Atmosphäre, aber auch rechtzeitig buchen.
Einreise & Dokumente
- ESTA (Electronic System for Travel Authorization) muss vor der Reise beantragt werden, nicht vergessen!
- Ein gültiger Reisepass ist Pflicht.
- Für die Mietwagenabholung benötigst Du einen Führerschein. Ein internationaler Führerschein wird von vielen Anbietern zusätzlich empfohlen, ist aber in den USA für EU-Bürger nicht gesetzlich vorgeschrieben.
- Kreditkarte (keine Debitkarte) für die Mietwagenkaution ist Pflicht.
Praktische Tipps für unterwegs
- Bargeld mitnehmen: Nicht überall auf der Historic Route 66 werden Kreditkarten akzeptiert – gerade in kleineren Diners und Roadside Shops.
- Wasservorrat im Auto: In den Wüstenabschnitten kann es vorkommen, dass die nächste Tanke oder der nächste Supermarkt weit entfernt ist. Immer mit vollem Tank und ausreichend Wasser fahren.
- Tank nie unter ein Viertel fahren: Gerade in New Mexico und Arizona kann die Distanz zwischen zwei Tankstellen überraschend groß sein.
- Notfall-Set: Erste-Hilfe-Set, gedruckte Karte (als Backup), Decke, Snacks – alles an Bord haben.
- Früh buchen: Zum Jubiläumsjahr 2026 sind beliebte Motels und Hotels entlang der Route schnell ausgebucht – vor allem in Chicago (Start) und Santa Monica (Ende).
- Playlist vorbereiten: „(Get Your Kicks on) Route 66" ist die Hymne dieser Straße, aber ein gutes Mixtape aus Blues, Country und Rock'n'Roll macht jede Etappe besser.
Fazit: Warum 2026 der perfekte Moment ist
Die Route 66 ist kein Reiseziel für Leute, die alles perfekt durchplanen wollen. Sie ist eine Straße für alle, die bereit sind, sich treiben zu lassen – an einem skurrilen Wegweiser abzubiegen, in einem Diner zu landen, das aussieht wie 1957, und am Ende des Tages nicht ganz sicher zu sein, in welchem Bundesstaat man gerade schläft.
Und 2026, zum 100. Geburtstag der Mother Road, laufen die Feierlichkeiten auf Hochtouren. Wer also je vorhatte, diese Straße zu fahren, jetzt ist der Moment.

