Durch den Urwald Teneriffas! (Teil II)
Aus dem geplanten einen Tag wurden noch zwei weitere! Und die Truppe strahlt, als ihnen das verkündet wurde. Schuld daran hatte die Frau des Leiters der Station mit ihrem bettelnden Blick. Ihre zwei kleineren Kinder, sowie eines des Kommandanten der bomberos, schliefen sogar mit uns zusammen, und empfanden das als ein riesig großes Erlebnis!
In zwei Tagen sollte es für uns weitergehen kurz auf die Südseite, um den Bco. de la Iglesia zu umgehen. Also ganz früh Abschied nehmen nicht ohne das Versprechen nach Erreichen unseres Zieles auf der Rückfahrt unbedingt hier ein paar Tage Pause einzulegen. Der Abschied fiel allen der Truppe, als wir uns auf dem Hof versammelt hatten, ungewohnt schwer, das war nicht zu übersehen. Viele guten Wünsche und die Versicherung uns alle gut im Auge zu behalten längs des Weges, begleiteten uns noch als wir schon in einiger Entfernung die Straße überquerten. Das heißt: Jeder kleine Forstarbeiter, Ranger, die Fireguard war informiert, dass wir kommen, wann wir kommen und welche Route wir gehen werden, und gab dann die Meldung weiter an den nächsten Posten in der Staffel unserer persönlichen „Schutzengel“. Einfach unglaublich. Es wurde kaum gesprochen, jeder hing seinen Gedanken nach. Wir gingen wieder in Vierergruppen. Dieses verdammte kurze Stück von 7 km südlich der Straße machte uns schwer zu schaffen. Das Tempo waren nicht mehr als ca. 2 km/h. Es war ausgesprochen unfreundlich und zudem noch sehr heiß. Also einen Gang runter schalten! Danach schnell wieder durch den Lorbeerwald auf die Nordseite, wo es noch schlimmer kam, im großen Bogen am Bco. de la Iglesia entlang Richtung Azanos nördlich von El Bailadero! Ich steuerte eine bestimmte Stelle am Barranco an, bis wir plötzlich vor einem kleinen Wasserfall mit einem kleinen Teich darunter standen, von schattigen Bäumen umgeben. Ich kannte ihn schon von früher, wusste aber nicht ob er noch existierte. Alle schauten erwartungsvoll zu mir: Was nun? Es war Mittag, ohnehin an der Zeit ein paar Stunden im Schatten Pause zu machen. Ich lächelte nur als würde ich vorhaben aus Bosheit zu sagen: Es geht weiter im Text! Gesagt habe ich aber dann: „Fertigmachen zum Wassersport und Ruhe bis um 15:30 Uhr!“ Das meinte: Ausziehen und baden, danach Pause bis 15:30 Uhr! Ich hatte keine Ahnung dass Frauen derart jubeln und sich freuen können! An diskreten Rückzugorten mangelte es wegen der steilen Schlucht und dem Abhang hinter uns, wir waren genau in der Mitte von beidem, also mussten sie uns wohl oder übel schon ertragen. Es war ja aber auch darauf verwiesen worden, dass Nackedeis nicht stören. Hier wurde keine neue Bikini-Kollektion kreiert, sondern alle waren so, wie die Mutter sie geboren hatte! Als gerade alle schön in der „Badewanne“ beisammen waren, musste ihnen fairerweise mitgeteilt werden, dass es ab nun ziemlich hart wird. Ein paar Kilometer vor dem Tagesziel, und ob wir nicht lieber eine etwas leichtere aber weitere Strecke wählen sollten? Überhaupt keine Denkpause, sondern ein klares „Nein“ war die Antwort, ohne Gegenstimme und Enthaltung. Und da nun alle so hübsch beisammen waren, wurden auch gleich die „Dopingmittel“ an jeden Einzelnen verteilt. Bestehend aus einem dieser kleinen flachen Folientäschchen mit einer Suspension gemixter, hochdosierter Elektrolyte, Vitamine und Mineralien. Dazu je ein gleiches Tütchen mit Riopam oder Talcid gegen z. B. Sodbrennen und Durchfall welches die Sonne verursachen kann. Die leeren Tüten sammelten wir wieder ein wie ein Chirurg die Tupfer nach einer OP. Derart konnte uns keine/er durch die Lappen gehen. Erst dann gingen auch wir ins kühle Nass. – Ein ganzer Teich voller Nackedeis! – Nach einer Weile raus, sonst unterkühlt man, und in der Sonne trocknen. An einem Tisch mangelte es zwar, aber es musste nun Astronautennahrung und Trockenbrot gegessen werden! Um 15:45 Uhr ging es weiter auf felsigen und steilen Pfaden am Abhang entlang mit viel Geröll und am Seil. Kein Mucks, kein Jammern und Klagen war zu hören. Hartes Volk diese girls! Das muss man schon sagen. Dann erreichten wir die dreieinhalb Häuschen der Siedlung Azanos. Nun ging aber doch ein Aufatmen durch die Reihen, sie waren wohl doch etwas kaputt. Es war etwa gegen 21 Uhr, eigentlich noch keine Schlafenszeit, aber heute doch. Die Einwohner boten uns einen schön gepolsterten Ziegenstall an, aber im Zelt zu schlafen hatte wegen der durchzugfreien Lüftung viele Vorteile. Außerdem füllten dicke Passatwolken schon die Täler. Alle Zelte wurden im Windschatten des Stalles direkt an diesem zu einem großen Rundzelt zusammen verbunden, auf dass jeder jeden wärmt. Ein heftiger Wettersturz kommt dort sehr schnell und plötzlich. Mir waren die wirbelnden Wolken nicht geheuer; sie hatten zu viele Turbolenzen. Und den Bewohnern wohl auch nicht, denn sie schauten dauernd vor die Tür. Die Tiere kamen auch alle heim; sie spüren das Wetter schon weit vorher. Unwetter bedeutet für uns zusätzlich 2 Tage Pause! Das war klar, auch wenn es nur 1/2 Tag dauert und regnet. Das Geröll wird unberechenbar. Von 3 Wochen ist aber längst noch nicht einmal die Hälfte weg! Uns treibt doch niemand.
Wir waren mit der Arbeit gerade fertig; alles war verstaut und das Zelt innen sehr hübsch und gemütlich, typisch Frauen, Männer können das gar nicht, eingerichtet, da kamen auch schon die ersten Wolkenfetzen aus den Tälern zu uns hoch und der Wind frischte gewaltig auf. Dämmerung brach herein, und im Nu war alles in den Wolken verschwunden. Kalt war es nicht, noch nicht, und so beendeten wir in aller Ruhe unsere Hygieneprozedur am Wassertrog, der von einer Quelle gespeist wurde, so á la Schwarzwald. Nur eine schaukelnde Stallaterne neben dem Eingang und eine im hinteren Teil spendeten ein gespenstisches Licht und warfen große Schatten, wenn jemand an ihnen vorbei kroch. Die äußere Inspektion des Zeltes und seiner Verankerungen war sehr positiv. Trinkwasser war reichlich vorhanden in großen Kanistern. Und bald darauf begann es zu regnen und sich merklich abzukühlen. Genau wie ich es mir so gedacht hatte. Diese wirbelnden Wolken sind meistens ein untrügliches Zeichen für extreme Temperaturschichtungen, und dann passiert sowas. Mit den Passatwinden hat das nichts zu tun! Die Wirtsleute schauten auch noch vorbei und fragten nach Wünschen. Wir hatten keine!
Nun blieb Zeit das zu tun wozu wir sonst aus Zeitgründen nie kamen: Die beiden „Doctoras“ schauten sich mal ganz genau unsere Füße und Gelenke an und massierten sie, - eine Wohltat! „Zeigt her eure Füßchen, zeigt her eure Schuh‘!“ Danach sitzend Gelenkübungen. Wir Männer machten uns über die Stecken her um die unteren Enden wieder zu entgraten, also von Splittern zu befreien. Und die Zeit lief dahin; draußen heulte der Sturm um unser Zelt, und der Regen trommelte auf die Plane. Und so langsam fiel eine nach der anderen um. Bald löschten wir die hintere Lampe; zum Gute Nacht wünschen kamen wir bei vielen schon zu spät. Sie waren ihres Schlafes würdig!
Am nächsten Morgen waren zwar noch ein paar Wolken da, aber das war der typische Passat. Nach dem kurzen Frühstück machten wir Jungs einen kleinen Ausflug in die Geröllfelder und in Waldabschnitte; wir konnten uns nicht wehren auch drei „Langhaarige“ mitnehmen zu müssen. Also frische Microfaser-Socken an und los, ohne Gepäck. Die Erkundung ergab, dass wir hier noch mindestens einen bis zwei Tage abwarten, weil alles glatt war und es Erdrutsche und Geröllawinen hinunter in die Täler gegeben hatte. Das war kein Untergrund um Touren zu machen!
Der Tag war sonnig und verlief recht kurzweilig. Nach Taganana waren es nur 3 km Richtung Norden, aber dort gab es einen typischen „Tante Emma-Laden“, den wollten wir besuchen, zusammen mit den 3 Kindern der Gastfamilie deren Schulweg das auch war. Mal sehen ob was Brauchbares für sie dabei war, und Lampenöl/Petroleum, Dochte, davon konnte es auch zwei Kanister mit je 10 Litern sein. Die Lampen sind sehr sparsam. Sie hingen überall in den Gebäuden. Mit 1 Liter kommt man bei 1 Lampe gut ein viertel Jahr und länger aus! Zwei neue nahmen wir auch noch mit, die sind dort überall gebräuchlich. Harribo gab es nicht, aber original Kaugummi, Kekse und andere Süßigkeiten. In Spanien heißen alle Sorten Bonbons Caramelo. Das gibt immer so schöne Verwirrungen, denn bei uns ist die Bezeichnung ja genau definiert. Für uns päckchenweise Traubenzucker. Da Süßigkeiten dort durchaus nicht zu den Alltäglichkeiten gehört, waren die Kinder happy. Auf dem Rückweg blieb ein Mädchen in den nadelspitzen, scharfen Dornen eines Busches hängen und verletzte sich. Im Zelt kein Problem; mit einer Desinfektion, einem Spritzchen Antibiotikum und einem mit Tetanol oder Mérieux mit kleinem Pflaster-Verband war alles wieder gut! Zwei Männer standen neugierig drumherum und warteten, dass sie die Injektionen nun in den Po bekommt, der dritte litt ja unter dem Pfeil! Dem halfen auch keine Wundversorgung und Spritzen mehr bei seiner hochgradigen Infektion! Zu früh gefreut, die nahmen glatt den Oberarm - ätsch. Wir haben dann Spaß mit ihr getrieben und sie überall auf den Armen hin und her in die Sonne getragen. Nicht einmal zickig ist sie darüber geworden, sondern hat sich köstlich amüsiert - schade! Als wenn es ansteckt! Kurz darauf kam die nächste mit einem eingerissenen Fußnagel bis ins Nagelbett, barfuß rumgelaufen! Sowas tut mächtig weh. Wenigstens waren sie so folgsam, dass sie sich sofort meldeten, noch vor einer Entzündung! Nach einer Wundreinigung und den Spritzchen bekam sie einen Salbenverband verpasst, der aber nicht weiter groß auftrug, damit sie in den Schuh passt. Was die beiden "Spritzenkünstler" sonst noch mit dem Zeh anstellten, weiß ich nicht. Auch sie trugen wir natürlich auf Händen!
Es gab sonst nichts Aufregendes an dem Tag mehr, außer in der näheren Umgebung ohne Geröll ein bisschen auf Rufweite herumlaufen. Rechtsseitig gen Norden verliefen die großen Straßen nach Taganana, Almaciga und Benijo ans Meer. Ganz hagelneu in eindrucksvollen Serpentinen, die TF 134. Wir ließen das Zelt so wie es war. Es schien wohl allen gefallen zu haben so zusammen zu schlafen! Dafür blieben die Lüftungsblenden voll offen. Es war noch sehr warm und so schliefen alle nur in Minimal-Bekleidung, d. h. so gut wie gar keiner! Da wären Einzelzelte doch angenehmer gewesen; die Wärme staut sich nicht so. Vorher aber noch für alle Gymnastik.
Am übernächsten Morgen gemütlich zusammenpacken, es geht weiter! Die Bewohner dieser Gebirgsregionen sind sehr scheu, zurückhaltend und wortkarg, trotzdem war es ein herzlicher Abschied. „Ihr ward freundliche und angenehme Gäste wir haben uns über euren Besuch gefreut. So geht mit Gott, er möge euch beschützen.“ Das bedeutet dort schon einen richtigen Gefühlsausbruch. Und wir gingen um 9:30 Uhr, auf der Nordostseite der großen Hauptstraße TF 123, nicht sehr weit, nur bis der Bco. de las Huertas auf der anderen Straßenseite umgangen war. Die heutige Tour wird nicht weit aber hart! Das begann schon als wir vor Azanos die TF 134 querten. Mittlerweile konnte das unsere Mädels aber nicht mehr beeindrucken, wie sie mir sagten. Das Gelände war wirklich teuflisch mit allem was die Natur so zu bieten hat an Scheußlichkeiten und Schikanen des Untergrundes. Das belastete gewaltig die Fußgelenke! Es war der Parque Rural de Anaga. Ganz urwüchsig, aber eben schwer. Also wieder 4-er Gruppen am Seil bilden. Die Amor-Geschädigten waren nicht zusammen in einer Gruppe; keine böse Absicht, das hat gute Gründe. Diese Gegend wird kaum begangen. Ich entdeckte sie auch erst vor kurzer Zeit auf dem Weg zum Eremiten. Es war auch streckenweise die gleiche Route. Teilweise mussten sogar die Hände helfen um „Fuss zu fassen“. Zweimal rutschte jemand ins Seil, d.h. er/sie ging abwärts. Ohne Seil ……was wäre dann geschehen? Wir waren schon unverhältnismäßig lange für die paar Kilometer unterwegs bei etwa 1,5 km/h, so dass eine längere Pause angesagt war. Selbst um seine Notdurft zu verrichten durfte nicht ohne Seil, mit einem Begleiter per Karabinerhaken am Gürtel gekoppelt, außer Sehweite gegangen werden! Alle sahen diese Notwendigkeit ein. Man konnte tatsächlich keinen Schritt tun ohne Gefahr zu laufen abzurutschen! Nach der Pause wendeten wir uns nach Süden über die TF 123 hinweg; das Bco. de las Huertas hatten wir so umgangen. Jetzt ging es in den dichten Wald in großem Bogen weit nach Süden runter. Was vorher heiß und trocken war, das wurde nun nass und glatt. Kein richtiger Pfad; wir kämpften uns durch einen Dschungel von mannshohen Farnen und niederhängenden Flechten. Gott sei Dank gibt es dort weder Schlangen noch sonstwelche gefährlichen Tiere, nicht einmal Mosquitos. Nur Gecos und Libellen! Erstere sind harmlos, und die Libellen zu schnell als dass man sie anfassen könnte und sie dann allerdings ganz gemein beißen. Es war mir klar, dass wir heute so nicht mehr die große Herberge in der Nähe der Straße erreichen, das vorletzte Depot, würden! Das wäre nun wirklich zu viel gewesen. Auch ich steckte das nicht mehr ganz so locker weg! Um ca. 19:30 Uhr war auf einer kleinen Lichtung mit einem Bächlein Schluss für heute. Der Wunsch war die Zelte doch wieder alle zu koppeln. Angst? Es war aber kaum Platz dafür vorhanden, irgendwie gelang es dann doch. Nur schnell die Füße ins Wasser war aller Gedanke. Und so saßen dann alle nebeneinander längs des Bächleins. Ein bisschen Kraftfutter und die Dopingmittel, und schon verschwanden die ersten im Zelt. Für ein Feuerchen war alles viel zu nass.
Am nächsten Morgen starteten wir ganz früh, trotz des dicken Nebels geradewegs auf die Herberge zu, die wir schon um 12 Uhr erreichten. Gerade richtig für eine Siesta und ein Bad. Die Herbergsführer erkannten mich sogar wieder, aber ohne meinen Harem. Zur Sicherheit habe ich hier noch das Handy nachgeladen, denn ab nun kommt lange kein Haus mehr. Nach dem Essen und der Übernahme des Depots verkrümelten sich alle bis 15 Uhr auf dem großen Gelände. Dann ging es weiter in den Bosque de Anaga auf der anderen Straßenseite, immer in weitem Abstand längs der Straße nach Chamorga. Hier kamen wir besser und schneller voran, weil der Wald lichter war, und der Boden nicht so schwierig. So viel zu schaffen, hatte ich nicht gedacht! Um 19 Uhr war Schluss. Es war noch schön hell; duschen musste heute ausfallen wegen Wassermangel. Wir saßen noch lange vor dem Zelt und genossen das Farbenspiel des Sonnenunterganges. Es wurde über den bisherigen Verlauf geredet und was man ändern könnte. Da gab es ein Mädchen, das entweder eine schwache Blase oder sich verkühlt, hatte. Jedenfalls musste sie nachts häufiger raus. Es war nicht die Amor-Geschädigte!
Sie bat darum am Eingang schlafen zu dürfen, was normalerweise mein Platz war. Kein Problem! Es war ziemlich schwüle Luft, aber sonst keine Wolken. Morgen hofften wir bis zum Bosque de laurisilva en Anaga zu kommen. - Noch ein Urwald!
Am nächsten Morgen waren alle viel besser drauf. Das packen flutschte nur so. Die Nacht war es auch schön kühl gewesen. Der erste Wasserfall oder ein Flüsschen sollte einen Stop bedeuten. Es sollte aber noch einige Stunden dauern bis dahin, aber wir wurden fündig! Nun runter mit den Klamotten, das Wasser winkt. Alles flog auf einen großen Haufen; da ist hinterher sortieren angesagt. Und nach ein paar Stunden wieder los mit riesen Schritten. Irgendwie hatten sie mitgekriegt, dass Chamorga in 2 Tagen erreicht sein wird. Sicher hatten sie uns am Abend zuvor bei den Schreibarbeiten über die Schulter geschaut! Ich gönne ihnen die Freude, sie waren wirklich tolle „Kerlchen“. Aber hier schon das Nachtlager aufzuschlagen war zu früh. Machen wir noch 2 Stündchen durch, das baut auf! Heute war um 19 Uhr Schluss, und ab in die Heia, wer will kann es gleich tun!
Der vorletzte Tag! Bis hin zum Bosque sollte es gehen, und wenn’s noch drin ist bis zum Roque de Anambro. Im Wald ging es sich jetzt sehr gut; teilweise hatten wir einen herrlichen Ausblick auf die Küste unter uns. Es war ein richtiger Märchenwald á la Dschungelbuch. Nur das verwunschene Schloss fehlte. Alles vermoost und eine wirklich tropische Vegetation. Siestazeit! Aber es war schwer eine freie Lichtung zu finden. Danach rüber nach Norden zum Roque de Anambro, einer einzelnen hoch aufragenden Felsspitze. Da war auch wieder eine Quelle. Der Weg bis dahin war etwas schwieriger, jedoch die Mädels stürmten geradezu voran, wie Pferde, die nach getaner Arbeit das Futter riechen. Der Felsen ist schon von weitem zu sehen, und in dessen Nachbarschaft, an der Quelle, war der vorletzte Tag vorbei. Das Gelände war aber so uneben, dass wir doch wieder je zwei Einzelzelte als Doppel bauen mussten! Alle lagen breit ausgestreckt in der Sonne, auch hier wie nach getaner Arbeit! Dieser Abend dauerte lange, keiner wollte schlafen gehen. Es gab eigentlich keinen so richtig erlösenden Jubel als ich mitteilte, dass wir morgen unser Ziel Chamorga erreichen werden und ob wir uns dann ein großes Bier gönnen sollten!
Mit viel Eifer standen alle auf und waren kurz darauf auch reisefertig. Aber sie waren eigentlich immer schnell und pünktlich gewesen. Also los nochmals durch den Nebelwald nach Chamorga, das wir schon um 14 Uhr erreichten! In der Herberge erwartete man uns an einem geschmückten Eingangstor mit Salz, Brot und Wein.
Die Forstleute und Ranger hatten fast jeden unserer Schritte überwacht. Sie waren nun auch gekommen. An der kurzen Strecke von Azanos hätten sie beinahe eingegriffen.
Wir stellten nach der Begrüßungszeremonie und dem ersten großen Bier doch fest, dass wir alle sehr ungepflegt um den Kopf herum aussahen! Es hatte eben die ganze "Vor dem Spiegel sitzen" Ausstattung und das Werkzeug gefehlt. Wir Männer waren absolut mit unseren Bärten nicht einverstanden. Warum können die nicht bei solchen Gelegenheiten nach innen wachsen? Dann kann man sie wenigstens innen abbeißen und ausspucken! So wie wir jetzt aussahen, ähnelten wir eher einer schlechten Imitation Robinson Crusoe's. Ebenso die Frauen mit den langen verfilzten Haaren und abgebrochenen Fingernägeln. Wir fanden uns ganz und gar nicht IN. Der überwältigende Wunsch das mit Waschen, Kämmen und Bürsten, Bürsten, Bürsten ..... zu ändern, wurde von den Frauen der Herberge sehr wohl bemerkt. Und schon wurden die Bärte gestutzt und unsere Mädels versorgten sich gegenseitig. Das sah aus wie bei Familie Schimpanse mit der Haarpflege: Eine "bearbeitete" die andere in einer Reihe! Es war insbesondere bei den Mädchen mit den langen Haaren, und das hatten sie alle, eine aufwendige und unangenehme Arbeit alles zu entfilzen und zu glätten! Die taten mir richtig leid!
Bald sahen wir aber wieder welchen Frevel wir begangen hatten solche hübschen Frauen durch die Wälder zu schleppen!
Drei Tage blieben wir dort, eigentlich bis wir mindestens den halben Ort an lebendem Inventar kannten; und der ist sehr weit verstreut. Alle kamen sie und brachten etwas mit!
Wir haben viel voneinander gelernt! Vieles was das Programm nicht vorsah, aber wir haben nie darüber oder über jemanden geredet! Schließlich sind wir Gott sei Dank Menschen und keine Maschinen.
Vielleicht begegnen wir uns einmal irgendwo wieder mit vertauschten Rollen!?
Alle wie ihr da seid, ihr ward einmalig und großartig, ich werde euch nicht vergessen. - Danke Mädels!
Mich habt ihr jedenfalls mit eurer außergewöhnlichen und disziplinierten Leistung sehr beeindruckt und überzeugt!
Jede einzelne kann berechtigt stolz auf sich sein, so wie ich es auf euch alle bin!
Nochmals zur allgemeinen Erinnerung!
Merkt euch alle Eines, das Wichtigste*:*"Solche Touren werden mit dem Kopf geplant und durchgeführt, nicht mit von vor Öl triefenden, grinsenden "Boddybuilding-Playboy-Muskelprotzen!" 
Laßt uns nun gehen und Abschied voneinander feiern in der Försterei Paso und unseren Schutzengeln, die uns ohne unser Wissen immer begleitet haben, danken!
Adios muchachas, adios muchachos!
Lebt wohl! Bis vielleicht auf ein andermal, irgendwann, irgendwo!? Wohin der Wind uns auch immer treiben mag!! Und passt gut auf euch auf!
---------- Das wollte ich euch noch gesagt haben! --------
P. S. Noch heute haben wir untereinander ziemlich guten Kontakt und mailen uns häufig. Unser "Amor-Pärchen" ist längst verheiratet und hat auch schon eine kleine Senorita!
Herzlichen Gruß von
Dieter