Ein Hotel in einem ehemaligen Wasserturm, das klingt erstmal nach einer guten Idee und die Erwartungen sind dementsprechend hoch. Die Befürchtung, dass der extravagante Rahmen zu Abstrichen bei der Umsetzung zwang, erweist sich leider als wahr. Was das Bauwerk nicht hergab, hätte man mit pfiffigen Ideen bei Ausstattung und schweizerisch gutem Service wettmachen können. Leider bleibt es in beiden Disziplinen beim Konjunktiv. Nach Erlebnisgastronomie nun also Erlebnishotellerie. Das spannende Projekt Wasserturm hält mit nichten das, was es verspricht und was man von Mövenpick gewohnt ist. Der Preis ist dem Angebot nicht angemessen und müssten ein Drittel niedriger sein. Aber damit lassen sich die Projektkosten nicht amortisieren ...
Die Zimmer sind kojenhaft klein und in ihrer Einrichtung ein wenig zu "stylisch" geraten. Hanseatisch spröde überwiegen erdige Brauntöne, die von einem kühlen Lila unterbrochen werden. Die Fenster sind der architektonischen Grundlage entsprechend zu klein, lassen sich aber öffnen bzw. kippen und bieten einen guten Blick auf Hamburg. Das größte Fenster befindet sich mitten im Zimmer und ermöglicht einen Blick ins Bad. Mövenpick folgt damit dem gleichsam unvermeidlichen wie überflüssigen Trend der Mittelklasse-Hotellerie zum Public Viewing menschlicher Primärbedürfnisse. Da gerät die Tatsache, dass die LCD-Fernseher in manchen Zimmern zu tief und in den meisten zu hoch montiert sind zur visuellen Nebensache. Wer will da noch fernsehen, wenn im Bad das Licht angeht?
Einst Prototypen gehobener Erlebnisgastronomie präsentieren sich Mövenpick-Restaurants heute als Stäbchenparkett-Bühnen für Standardmenüs aus dem Mövenpick-Handbuch. Ganz gute Küche also und wer sich aus Angst vor freilaufenden Globalsierungsgegnern nicht mehr aus dem Haus traut oder kein Döner mag, findet mit Sicherheit etwas auf der Karte, das er so oder so ähnlich auch von zu Hause kennt. Eine Zumutung allerdings ist das Frühstück am Sonntag. Das kann, wer mag, zwar bis 14: 00 Uhr eingenommen werden. Einen freien Tisch jedoch muss man sogar als Hotelgast (!) entweder tags zuvor reservieren oder mit vollem Körpereinsatz verteidigen. Da wird der Gang zum reichhaltigen Buffet zum Risiko ...
Was in einem Hotel dieser Klasse nicht passieren darf, ist passiert: Im Bett waren Spuren der Vorbewohnerin deutlich, nein: sehr deutlich zu sehen. Das neue Laken wurde in der Hoffnung, die Spuren verwischen zu können, einfach darüber gespannt ... mission impossible!!! Eine Beschwerde wurde an der Rezeption fassungslos angenommen und das Malheur während unserer Abwesenheit spurlos beseitigt. Zum Dank gab es ein Obsttörtchen auf Zimmer und eine Willkommenskarte (?) der Direktion.
Das Hotel liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Messehallen, direkt an den viel (aber zum Glück langsam) befahrenen Gleisen der Nah- und Fernzüge und mitten im Schanzenviertel, das in erster Linie von einem offenen, multikulturellen und sehr entspannten Teil der Bevölkerung bewohnt wird. Hardcore-Ästheten mit Sauber- und Ordentlichkeitsfetisch könnten sich hier ein klein wenig irritiert fühlen. Ihnen sei geraten, den Blick in den ebenso possierlichen wie sattgrünen Schanzenpark zu wenden.
Beliebte Aktivitäten
- Kultur & Erlebnis
- Ausgehen & Nightlife
| Infos zur Reise | |
|---|---|
| Verreist als: | Paar |
| Dauer: | 1-3 Tage im August 2008 |
| Reisegrund: | Stadt |
| Infos zum Bewerter | |
|---|---|
| Vorname: | Roland |
| Alter: | 36-40 |
| Bewertungen: | 2 |


