Es gibt eigentlich kein echtes Highlight. Es ist alles gleichmäßig perfekt. Aber es gab etwas Besonderes. Das hat mit dem Hotel nichts zu tun. Wer von kleineren griechischen Inseln abfliegt, der kennt das: Chaos im Terminal. Schlangen bis nach draußen. Dieses Mal war alles anders. Sandra (mehr zu Sandra, später!) hatte uns im Bus schon die Nummer des Eingangs zum Terminal durchgegeben. Und wir haben uns alle draußen ordentlich angestellt. Als wir dann an der Tür zum Terminal ankamen, wunderten wir uns, dass die Schlange nicht ins Gebäude ins ging. Hier kam Heiko ins Spiel. (Hoffentlich irre ich mich nicht mit dem Namen). Heiko hat nämlich das Wunder geschafft! Er hat die Passagier von zwei (!) gleichzeitig abfliegenden Air Berlin Airbussen auf engstem Raum in weitere Schlangen vor den Schaltern einsortiert. Alles war wunderbar geordnet, sortiert, keine Drängelei, keine Widerworte, eine echte Respektsperson, der Heiko, Wellness-Feeling im Terminal. Heiko hat sogar die Einhaltung seiner Vorgaben bis zum Schalter kontrolliert und hier und da Verbesserungsvorschläge unterbreitet. Er hat auch auf notwendige Abstände zur Gebäudewand hingewiesen, damit andere Flugreisende durchkommen. Ich habe mich gefragt, wer bezahlt Heiko eigentlich (Fraport hat den Flughafen von Kos nicht gekauft)? Und was hat er wohl vorher beruflich gemacht? Macht er das ehrenamtlich, weil er von eigenen Urlauben das Chaos leid ist? Auf jeden Fall beherrscht er seine Aufgabe vorbildlich und ist dabei noch stets freundlich. Hört sich ja schon fast an, als wenn ich ihm ein Zeugnis schreibe, dabei bin ich nicht sein Arbeitgeber, nur ein wirklich zufriedener Fluggast. Wie man hört, hätten sie einen wie Heiko in Rio gebrauchen können. Gut, dass er auf Kos war!
Das wichtigste beim Zimmer ist für mich die Sicht aufs Meer und die Küstenlinie. Das war von unserem Zimmer gut möglich. Positiv auch: Niemand konnte von anderen Zimmern auf unseren Balkon sehen (umgekehrt natürlich auch nicht). Dadurch bekommt man plötzlich in der Riesenanlage ein fast einsames Gefühl. Alle Fenster sind mit Insektenschutz ausgestattet. Das ist irre praktisch, besonders wenn man nachts ohne Klimaanlage bei geöffnetem Fenster schlafen möchte. Die Klimaanlage ist leise, die Regelung der Temperatur hat nicht richtig geklappt, allerdings kann man die Gebläsestärke auswählen. Der Safe ist zu klein, da passen nur Kompaktkameras und Tablets rein und Ihr solltet die Bedienungsanleitung genau lesen. Wir mussten zweimal den Service kommen lassen, weil wir nicht aufgepasst haben. Die Zimmer sind gut gedämmt, es wird aber auch in der Hochsaison eher nicht so viel gevögelt, weil die meisten Kinder dabei haben. Man hat aber auch keine Blähungen gehört oder so.
Das Abendessen ist wirklich sehr gut. Es gibt nicht nur Standard-Gerichte, sondern es wird auch griechische Küche geboten, was uns gut gefällt. Der Service ist extrem gut. Ihr kennt das von anderen griechischen Hotels. Normalerweise geben die Kellner taktische Regie-Anweisungen, meistens so laut wie Pep Guardiola. Dessen Doppelgänger arbeitet hier zwar auch, aber niemand brüllt herum: „Ey Kosta, ein Bier für Tisch 5“ oder „Niko, Tisch 7, Abräumen, sofort!“. Gibt’s hier nicht. Sie sind sehr freundlich, zurückhaltend und arbeiten meistens viele Jahre dort, wie man schnell erfährt. Als Gast merkt man, dass jeder an seinem Arbeitsplatz hängt und sich entsprechend reinhängt. Auch durch die Begrüßung am Restaurant-Eingang die immer sehr freundliches, nicht marionettenhaft auftritt, hebt sich dieses Hotel ab. 4,50 oder 4,70 für 0,5 l lokales Bier finde ich in Griechenland zu teuer. Bleibt es halt bei einem Bier. Eh besser für die Figur! Obwohl schon in der Ausschreibung der Reise, wie auch am Eingang zum Restaurant, um lange Beinkleider von Herren beim Abendessen gebeten wurde, haben sich nicht alle daran gehalten. Ich finde, man sollte diesen Männern Gelegenheit geben, unter sich zu bleiben, d. h. in so einem großen Restaurant könnte man eine Sektion für kurze Hosen einführen. Es würde jetzt zu weit führen, wenn diese sich auch noch am Kinderbuffet versorgen müssten, wie manche schon fordern, aber eine Ecke für unsere sportlichen Gäste im Schlabberlook, warum nicht? Kann man doch schön verpacken: „Relax Zone“ oder „Bermuda-Lounge“. Ist keine Diskriminierung, verstößt auch nicht gegen EU-Recht, wie mir darin versierte Urlaubsbekanntschaften beim Drink auf der Terrasse versichert haben. Ach so, Du willst nicht mit anderen Kurzbehosten zusammen sitzen? Warum denn nicht? Passen die Dir nicht? Auch das Frühstücks-Buffet ist sehr gut. Der Kaffee ist allerdings weniger gut. Er schmeckt nach dem Konzentrat von Douwe Egberts oder so. Bei der Masse wahrscheinlich nicht anders möglich.
Auch die Rezeption ist ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Man merkt das ja immer erst, wenn man mit ungewöhnlichen Anliegen kommt. Wir hatten so eines und uns wurde prompt und effektiv (!) geholfen, obwohl es wirklich nichts mit unserem Hotelaufenthalt zu tun hatte. In diesem Urlaub mussten wir erstmals ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Sowohl die Ärztin im Hotel, als auch die Klinik für die sie arbeitet, haben sehr gute Arbeit geleistet. Unter Klinik stellst Du Dir jetzt besser nicht das „Mount Sinai“ vor, eher die Größe des Autoverleihers an der Ecke zur Hauptstraße, aber tiptop. Apropos, Thema Autoverleih. Hier kommt Sandra ins Spiel. Sandra war unsere Reiseleitung. Ich muss sagen, die Reiseleiterinnen werden jedes Jahr noch besser. Ich meine, deren Dienstleistung, nicht nur die Optik. Früher gab es beim Termin mit der Reiseleitung immer einen „Orangensaft“, der in Wahrheit eine in warmem Wasser aufgelöste Vitamin-Tablette von „dm“ war, auch in besseren Hotels. Es gibt bei Sandra keine Getränke, dafür aber wichtige Informationen. Hör genau zu! Besuche alle die von ihr empfohlenen Stätten und Du hast alles gesehen. Sie nennt auch Sachen, die nicht jeder kennt. Der Tipp mit dem Café mit Blick auf die Burg: Fantastisch! Und sie sagt, es gibt einen Mietwagen für 31 EUR pro Tag. Einige Tage später haben wir Kontakt zur im Hotel vertretenen Vermietung „Kosmos“ aufgenommen. Nein, sagt der Herr, er könne nur 55 EUR anbieten. Wir also das Büro von Sandra angerufen und siehe da, 10 Minuten später der Rückruf: 31 EUR gehen in Ordnung, am nächsten Tag verfügbar. Das Auto war OK, wäre jetzt in D wegen der Vorderachse evtl. nicht durch die HU gekommen, aber egal, Klima funktionierte, Reifenprofil und Bremsen in Ordnung und sogar die Scheibenwaschanlage war aufgefüllt. Nachts fährst Du nämlich auf Kos immer mit Scheibenwischer wegen der Luftfeuchtigkeit. Radio brauchst Du nicht, weil man kriegt nur türkische Sender rein. Die Musik ist erstaunlich westlich, dafür dass im moderierten Teil jedes dritte Wort „Erdogan“ ist und die Türkei gerade auf dem Weg zu einer islamischen Republik ist. Machen deswegen schlechte Laune, die türkischen Sender, also Radio aus.
Die Lage ist bestens, weil es direkt angrenzend keine Hotels gibt. Wenn man fast jede Sommerferien in Hotels dieser Art verbringt, fällt auf, dass der Zuschnitt des relativ (!) schmalen Grundstücks quer statt längs zur Küstenlinie (wie auch bei den Nachbarhotels), den Nachteil hat, das Meer bei den vielen notwendigen und teilweise längeren Spaziergängen fast nie zu sehen. Man sieht das Meer im Grunde nur vom eigenen Balkon aus oder natürlich am Strand. Auch von den Terrassen beim Frühstück oder Abendessen gibt es keine Meersicht. Wenn man den ganzen Tag am Strand ist, werden sich die wenigsten darüber Gedanken machen. Die Skulpturen haben uns sehr gut gefallen. Sie lenken auch etwas von der fehlenden Meersicht ab.
Beliebte Aktivitäten
- Sonstiges
Das Wort „Freizeitangebote“ ist schon irgendwie witzig. Als wenn es im Urlaub etwas anderes als Freizeit geben würde. Vielleicht fällt das Essen ja auch unter Arbeit, keine Ahnung. Was haben wir in unserer „Freizeit“ gemacht? Sport! Mein Sohn hat Windsurf-Kurse und Einzelstunden bei Prosport gebucht und ich habe Katamaran-Unterricht genommen und SUP gemacht. Alles gut organisiert, sehr gute Betreuung, freundliche Trainerinnen und Trainer, keine Hektik, macht einfach Spaß! Windsurfen ist an diesem Spot durch die Wellen etwas anspruchsvoll. Der Wind ist für Könner meistens zu gering. Wer es hier lernt, der kommt sicher überall klar. Die Pools sind traumhaft. Besonders der olympische Pool. Es gibt auch Fitness-Kurse. Meine Frau hat die Trainerin in den höchsten Tönen gelobt. Sie muss sehr professionell sein und viel Erfahrung haben. Der Fitness-Raum hat eine gute Ausstattung. Die Geräte funktionieren und quietschen nicht. Außerdem ist der Raum angenehm klimatisiert. Die Öffnungszeiten könnten etwas erweitert werden. Die zweistündige Mittagspause ist etwas lang. Bei meinem Klinikaufenthalt hörte ich eine Geschichte, wie ein Gast eines anderen Hotels sich auf einem Stepper das Bein gebrochen hat und den ganzen Stepper zerstört hat. Vielleicht braucht man doch eine Aufsicht und die will auch mal Pause machen … Vor dem Fitness-Raum ist ein Kneipp-Becken. Musst Du unbedingt ausprobieren! Es ist kälter als kalt. Ungefähr so kalt wie der Jenissei Ende November, also vereisungsgefährdet. Das andere Kneipp-Becken ist dagegen moderat kalt, keineswegs zum Schwimmen geeignet, sagen wir: Nordsee im Hochsommer. Wenn Du im letzten Jahr an der Nordsee warst und dieses Jahr (2017) überlegst in dieses Hotel zu fahren: Ich warne Dich. Dir wird etwas fehlen. Du brauchst neue Themen. Weil das Thema „Wetter“ gibt es in Griechenland nicht. Es ist im Juli und August immer zwischen 33 und 35 Grad warm, immer etwas oder etwas mehr Wind. Wir haben 14 Tage keine einzige Wolke gesehen und das Meer, das Meer wird Dir viel zu warm sein. Man kann einfach eine halbe Stunde still im Meer stehen ohne zu frieren. Das ist doch nichts für Dich, oder? Also lieber wieder nach Sylt! Sansibar statt Tam-Tam!
| Infos zur Reise | |
|---|---|
| Verreist als: | Familie |
| Dauer: | 3 Wochen im August 2016 |
| Reisegrund: | Sonstige |
| Infos zum Bewerter | |
|---|---|
| Vorname: | HMHB |
| Alter: | 46-50 |
| Bewertungen: | 11 |


