Scenic Drives in Europa
Europas unterschätzte Roadtrip-Routen: Diese Scenic Drives lohnen sich alle mal
Roadtrips in Europa? Da denken viele sofort an die Amalfiküste, eine Route durch Südfrankreich oder vielleicht auch an Island. Wunderschön, aber eben auch längst kein Geheimtipp mehr. Dabei gibt es in Europa Straßen und Regionen, die landschaftlich mindestens genauso viel hergeben, im deutschsprachigen Raum aber kaum jemand auf dem Schirm hat. Genau dort wird es besonders spannend: wenn nicht schon an jedem Aussichtspunkt zehn Wohnmobile stehen und die Strecke dazwischen mindestens genauso viel Spaß macht wie das Ziel selbst.
Wenn sich das für Dich gut anhört, bist Du hier genau richtig. Von Rumänien über Nordmazedonien bis Estland warten Straßen, Küsten und Berglandschaften, die im Vergleich zu den bekannten Klassikern erstaunlich wenig Aufmerksamkeit bekommen. Und gerade das macht sie so interessant, sodass sie fast schon darauf warten, von Dir entdeckt zu werden.
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Transfăgărășan, Rumänien – fast schon zu schön, um wahr zu sein
Wer schon mal von der Transfăgărășan in Rumänien gehört hat, dann bestimmt als „schönste Straße der Welt“, denn genau so wurde sie durch Top Gear berühmt. Trotzdem ist sie bei kaum jemandem auf dem Radar, wenn es dann an die tatsächliche Roadtripplanung geht. Und das ist fast schon absurd, wenn man bedenkt, wie spektakulär diese Route tatsächlich ist. Die Straße ist rund 90 Kilometer lang und führt durch die rumänischen Karpaten, genauer durch das Făgăraș-Gebirge, wo sie die Region Walachei mit Siebenbürgen verbindet.
Auf der Strecke wechseln sich Wälder, Stausee-Passagen, Serpentinen und hochalpine Abschnitte ab. Gerade weil die Straße kurvig ist und in vielen Teilen durch die Berge führt, lohnt es sich bei der Wahl des Mietwagens eher, auf ein kompakteres Modell wie einen Kleinwagen zu setzen. Damit bist Du auf engeren Passagen wendiger unterwegs. Ein spannender Sidefact: Die Transfăgărășan wurde in den 1980er-Jahren gebaut und war ursprünglich vor allem aus militärischen Gründen gedacht. Nach dem Einmarsch in die Tschechoslowakei sollte sie im Ernstfall eine schnelle Verbindung durch das Gebirge sichern. Nochmal richtig schön wird Deine Route rund um den Bâlea-See, ein Gletschersee auf schwindelerregenden rund 2.000 Metern Höhe. Während Deine Sicht weiter unten oft noch stärker von Wäldern und engeren Talabschnitten geprägt ist, öffnet sich die Landschaft weiter oben deutlich. Am Bâlea-See angekommen hast Du einen freien Blick auf die umliegenden Bergzüge und die Hochlagen der Karpaten. Vor Ort kannst Du auch sehr gut wandern und picknicken und dabei die beeindruckende Landschaft auf Dich wirken lassen.
Wenn Du noch weitere Stopps einbauen möchtest, eignet sich die Burg Poenari sehr gut. Sie liegt an der Strecke und ist nicht nur landschaftlich schön, sondern auch für Geschichtsinteressierte besonders spannend. Sie gilt als eine Festung von Vlad Țepeș, dem walachischen Fürsten aus dem 15. Jahrhundert, der später oft mit der Dracula-Figur in Verbindung gebracht wurde. Weiter unten lohnt sich die Gegend rund um den Vidraru-Stausee, wo Du die Fahrt unterbrechen und die Aussicht auf Wasser und Berge genießen kannst.
Wichtig für Deine Planung: Die Strecke ist nicht das ganze Jahr über offen. Gerade in den kälteren Monaten sind Teile geschlossen. Wenn Du die Route fahren willst, solltest Du sie deshalb für die wärmere Jahreszeit einplanen. Häufig ist sie nur von ungefähr Ende Juni bis Ende Oktober oder Anfang November befahrbar, je nach Wetterlage.
Must-Sees auf einen Blick:
- Transfăgărășan mit ihren Serpentinen durch die Karpaten
- Bâlea-See als einer der schönsten Stopps der Strecke
- Vidraru-Stausee
- Burg Poenari
- Panoramastopps auf den höheren Passagen
Nordmazedonien und Albanien: Europas schönster blinder Fleck für Roadtrips
Diese Region ist im deutschsprachigen Raum fast schon ein blinder Fleck. Während sich viele Südosteuropa-Routen auf Kroatien oder Montenegro konzentrieren, bleiben Nordmazedonien und Albanien oft außen vor. Dabei kannst Du hier gleich zwei völlig unterschiedliche Roadtrips miteinander verbinden: geschichtsträchtige Routen durchs Landesinnere und wunderschöne Küstenfahrten an der Albanischen Riviera.
Die Gegend rund um die alte Via Egnatia ist besonders spannend, weil hier Geschichte, Berge und Seen auf kurzer Strecke zusammenkommen. Diese Route verband schon in der Antike wichtige Regionen des Balkans und führte unter anderem über das Gebiet des heutigen Ohrid weiter nach Albanien. Ohrid in Nordmazedonien ist ein perfekter Ausgangspunkt. Der See, die Altstadt und die Lage allein lohnen sich schon. Von dort aus kannst Du Richtung Albanien weiterfahren und zum Beispiel über Struga, Pogradec und weiter Richtung Elbasan die Gegend erkunden. Genau dieser Abschnitt ist schön, weil sich auf kurzer Strecke immer wieder Seeufer, kleinere Orte und Bergkulissen abwechseln.
Steht Dir der Sinn dagegen eher nach Sommer, Meer und Küstenabschnitten ist, ist die Albanische Riviera das genaue Gegenteil zum historischen Inlandstrip. Gerade die Strecke zwischen Llogara-Pass, Dhërmi, Himarë und weiter Richtung Ksamil ist ideal für einen Roadtrip. Mal fährst Du hoch über dem Meer, mal direkt durch kleine Küstenorte, mal öffnet sich plötzlich der Blick auf eine Bucht, an der Du eine kurze Badepause einlegen kannst. Eine besonders schöne Bucht ist zum Beispiel der Gjipe Beach südlich von Dhërmi. Er liegt etwas versteckter und lässt sich gut in die Route einbauen, wenn Du unterwegs nicht nur die bekannten Orte, sondern auch noch einen besonderen Strandstopp mitnehmen möchtest. Der Ort Dhërmi eignet sich gut, wenn Du ein Dorf mit Meerblick suchst. Himarë ist angenehm für eine längere Pause oder eine Übernachtung und rund um den Llogara-Pass wirst Du mit wunderschönen Panoramablicken belohnt.
Safety first gilt auch beim Roadtrip: Gerade in Albanien können sich Straßen und Fahrstil schnell ändern, sodass vor allem auf Berg- und Küstenstraßen vorausschauendes Fahren besonders wichtig wird.
Must-Sees auf einen Blick:
- Ohrid-See und Altstadt von Ohrid
- Fahrt über den Llogara-Pass
- Küstenorte wie Dhërmi und Himarë
- Buchtstopps an der Albanischen Riviera
- Weiterfahrt Richtung Ksamil oder Butrint
Asturien, Spanien – Abstecher in den grünen Norden
Bei Roadtrips durch Spanien, landet oft zuerst der Süden auf der Liste. Andalusien, Sonne, Küste, Meer – alles schön, aber eben auch bekannt. Asturien im Norden Spaniens ist dagegen für viele noch eine echte Überraschung. Die Region wirkt wilder, grüner und weniger überlaufen. Statt Dich nur von Strand zu Strand zu hangeln, fährst Du hier durch Küstenlandschaften, kleine Orte, grüne Täler und beeindruckende Bergwelten.
Besonders schön ist die Küstenroute zwischen Llanes, Ribadesella und Cudillero. Llanes eignet sich sehr gut als Einstieg, weil Du hier direkt dieses typische Zusammenspiel aus Meer, Altstadt und grüner Landschaft bekommst. In Ribadesella kannst Du eine entspannte Pause am Wasser einlegen oder durch den Ort bummeln, bevor es weiter entlang der Küste geht. Cudillero bleibt Dir wahrscheinlich besonders in Erinnerung: Die bunten Häuserreihen ziehen sich amphitheaterartig den Hang hinauf und machen den kleinen Fischerort zu einem der schönsten Stopps entlang der Route. Wenn Du gerne wanderst, solltest Du unbedingt einen Abstecher in die Picos de Europa einplanen. Die Bergregion bildet einen willkommenen Kontrast zur Küste und zeigt noch einmal eine ganz andere Seite Nordspaniens. Besonders eindrucksvoll ist die Gegend rund um die La-Hermida-Schlucht, eine der längsten Schluchten Spaniens, deren Felswände teils mehrere Hundert Meter steil aufragen. Für erfahrene Wandernde ist die Route von Urdón nach Tresviso eine schöne, aber anspruchsvolle Option. Der Weg führt über rund 18 Kilometer durch felsige Landschaften und bietet immer wieder beeindruckende Ausblicke.
Wenn Du mit Kindern unterwegs bist, eignet sich die Wanderung zum Mirador del Tombo besser. Die Strecke ist mit etwa sieben Kilometern und rund 140 Höhenmetern gut machbar und führt an mehreren schönen Aussichtspunkten vorbei. So bekommst Du auch ohne allzu anspruchsvolle Bergtour einen guten Eindruck von der Landschaft der Picos de Europa.
Auch kulinarisch ist Asturien ein guter Roadtrip-Stopp. Dich erwarten deftige regionale Küche, traditionelle Sidrerías, kleine Lokale und insgesamt weniger touristische Inszenierung als in vielen bekannteren Urlaubsregionen Spaniens.
Must-Sees auf einen Blick:
- Küstenroute zwischen Llanes, Ribadesella und Cudillero
- Abstecher in die Picos de Europa
- La-Hermida-Schlucht und Wanderung nach Tresviso
- Familienfreundliche Wanderung zum Mirador del Tombo
- Asturische Sidrerías und lokale Küche
Estlands Küstenroute – Das Roadtrip-Geheimtipp im Baltikum
Das Baltikum wird als Roadtripziel noch immer unterschätzt, dabei kann Dich gerade Estland mit seiner einzigartigen Natur ziemlich überraschen. Besonders spannend ist die Westküste mit den Inseln Saaremaa und Hiiumaa. Flache Landschaften, Wälder, kleine Häfen, Leuchttürme und Fähren machen die Umgebung so einzigartig.
Ein guter Einstieg für Deinen Roadtrip ist Haapsalu an der estnischen Westküste mit dem Mietwagen zu erkundigen. Die kleine Kurstadt eignet sich perfekt für den Start, weil Du hier direkt ein Gefühl für die Region bekommst: eine schöne Promenade zum Flanieren, Holzhäuser, Meerblick und eine historische Altstadt. Von dort aus kannst Du weiter Richtung Virtsu fahren und mit der Fähre nach Muhu übersetzen. Muhu ist über einen Damm mit Saaremaa verbunden und eignet sich gut als erster Inselstopp, bevor Du weiter nach Kuressaare fährst. Saaremaa ist die bekannteste der estnischen Inseln und genau richtig, wenn Du Windmühlen, Küstenlandschaften, Wälder und kleine Orte kombiniert auf einer Insel erleben möchtest. Kuressaare ist dort ein idealer Hauptstopp: nicht zu groß, aber lebendig genug für Cafés, Restaurants, eine entspannte Pause oder eine Übernachtung. Sehenswert sind außerdem die Bischofsburg von Kuressaare, die Angla-Windmühlen und der Kaali-Meteoritenkrater, der sich gut als kurzer Zwischenstopp einbauen lässt. An der Küste lohnt sich außerdem ein Ausflug zur Halbinsel Sõrve mit ihrem Leuchtturm ganz im Süden der Insel. Hiiumaa ist im Vergleich noch ursprünglicher. Hier findest Du viel Wald, wenig Verkehr, kleine Dörfer und mehrere schöne Leuchttürme. Besonders bekannt ist der Kõpu-Leuchtturm, einer der ältesten Leuchttürme der Region. Auch der Tahkuna-Leuchtturm im Norden und die Küsten rund um Kärdla oder Sääretirp eignen sich gut für entspannte Stopps.
Estlands Westküste ist ideal, wenn Du einen Roadtrip suchst, der weniger durch große Sehenswürdigkeiten überzeugt, sondern Dich mal wieder erdet und mit der Natur verbindet.
Wichtig für Deine Planung: In dieser Region wirst Du häufiger mit Fähren unterwegs sein, etwa beim Inselhopping zwischen Saaremaa und Hiiumaa. Gerade in der Hauptsaison lohnt es sich deshalb, die Überfahrten vorab im Blick zu behalten oder rechtzeitig zu buchen. So bleibt der Roadtrip entspannt und Du musst Deine Etappen nicht spontan nach dem nächsten freien Fährplatz ausrichten.
Must-Sees auf einen Blick:
- Haapsalu als entspannter Einstieg an der Westküste
- Fährfahrt von Virtsu nach Muhu und weiter nach Saaremaa
- Kuressaare mit Bischofsburg, Cafés und Inselatmosphäre
- Angla-Windmühlen und Kaali-Meteoritenkrater auf Saaremaa
- Sõrve-Leuchtturm im Süden von Saaremaa
- Hiiumaa mit Kõpu- und Tahkuna-Leuchtturm
Fazit
Europas schönste Roadtrips müssen nicht immer die sein, die in jedem zweiten Artikel auftauchen. Wieso nicht mal die Komfort Zone verlassen und überrascht werden? Die Transfăgărășan in Rumänien, die Route zwischen Nordmazedonien und Albanien, die Küstenstraße in Asturien oder Estlands Westküste mit Saaremaa und Hiiumaa zeigen, wie viel es abseits der bekannten Klassiker noch zu entdecken gibt. Und vielleicht sind es am Ende genau diese weniger offensichtlichen Routen, die am längsten in Erinnerung bleiben.
Europa mit dem Mietwagen erleben



