Hofburg in Wien, Österreich
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Ein Städtetrip soll es sein über die Pfingsttage, ganz klar, doch welches Reiseziel kommt infrage, wenn Du als Elternpaar eine Neunjährige im Schlepptau hat, die bei Laune gehalten werden will? Die alle Gemäldegalerien „laaaaaaaaaangweilig“ findet und Kunstausstellungen meist (und manchmal zurecht) öde? Ein Ziel, das von Deutschland aus bequem per Bahn zu erreichen und nicht sündhaft teuer ist? Unsere Antwort war schnell klar: Es geht nach Wien. Komm mit auf eine dreitägige Erkundungsreise durch die Donaumetropole, zu den Fiakern, den Riesenschnitzeln und den Fahrgeschäften dieser bunten Stadt.

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Fiaker im 1. Bezirk Wien ©
Fiaker im 1. Bezirk Wien ©

Entspannt ankommen: Öffis, Hotel und erste Eindrücke

Wer in Berlin lebt und einen Städtetrip in eine andere europäische Metropole wie Österreichs Hauptstadt unternimmt, ist erst einmal positiv gestimmt. Die Straßenbahn, die in Wien nur Bim heißt, kommt pünktlich, auf ihr – und auf allen anderen öffentlichen Verkehrsmitteln – ist eine kleine bunte, im Juni weit verbreitete Regenbogenflagge angebracht und mit der flugs auf dem Smartphone installierten App der Wiener Linien ist das 72-Stunden-Ticket für die ganze dreiköpfige Familie schnell gekauft. Die Fahrt von der Haltestelle Rosensteingasse in Hernals, wo unser gepflegtes und freundliches Hotel Senator liegt, bis zum Schottentor dauert 15 Minuten; hier beginnt die Innere Stadt, Wiens erster Bezirk.

Der Stephansplatz, Wiens absolutes Zentrum, ist von hier aus etwa einen Kilometer entfernt, um die Ecke beginnt die Fußgängerzone. Ein Fiaker fährt vorbei, die Augen der pferdeverrückten Tochter leuchten vor Begeisterung. Dagegen können Bibi und Tina nicht anstinken. An der Ecke Brandstätte und Bauernmarkt hat die Stadtverwaltung einen Wassersprüher aufgestellt, der alle PassantInnen bei mittäglichen 30 Grad Celsius mit kühlenden Nebelschwaden versorgt.

Stephansdom ©
Stephansdom ©

Die höchste Feuerwache der Welt

Und Abkühlung wünschen wir uns nur ein paar Minuten später, als wir schwitzend und schnaubend die 343 Stufen zur sogenannten Türmerstube – die Aussichtsplattform – erklimmen. Die befindet sich auf einer Höhe von 72 Metern – und bietet einen phänomenalen Blick über die ganze Stadt. Zum Greifen nah liegt vor uns die Karlskirche, im Südwesten grüßt der Wienerwald, im Norden breiten sich die Hügel von Grinzing und Nußdorf vor uns aus und im Osten fällt unser Blick auf das berühmte Riesenrad im Wurstelprater, das weltweit älteste, das noch betrieben wird. Seit 1897 sind die legendären roten Gondeln eins der Wahrzeichen der Stadt.

Ein interessanter Aspekt der Türmerstube: Von 1534 bis zur Silvesternacht 1955 beherbergte der Südturm die weltweit höchste Feuerwache. Der Panoramablick über ganz Wien verschaffte den Brandmeldern einen ungemeinen Vorteil: Brände konnten frühzeitig erkannt werden, womit verhindert wurde, dass sie sich ausbreiteten und größere Schäden anrichteten. Für diese Aufgaben waren stets die Türmer zuständig.

Aussicht Stephansdom Südturm ©
Aussicht Stephansdom Südturm ©

Hoch hinaus

Aus heutiger Sicht klingt das dauerhafte Leben auf dieser Höhe zwar romantisch, zumal oft auch die Familie des Türmers in der Türmerstube einzog. Dort gab es Betten, einen Tisch, einen Ofen und Vorräte. Doch das Leben in luftiger Höhe war hart, die körperliche Belastung durch die Kälte und das mehrmals täglich nötige Ab- und Aufsteigen der 343 Stufen zehrte an der Gesundheit. Und die Brandschau duldete kaum Pausen. Entdeckte der Türmer Feuer oder Rauch, hatte er Fahnen, Laternen und die Kirchenglocke zur Verfügung, um den Brand zu melden.

Auch für die Wetterbeobachtung musste der Türmer herhalten, vor Gewittern musste er aufgrund der Feuergefahr durch Blitze warnen. Und nicht zuletzt hatte er, je nach Anlass, teilweise auch den Dienst des Glöckners zu verrichten. Mitte des 20. Jahrhunderts jedoch war die Funktion, die die Stube hoch oben im Turm innehatte, von modernerer Technik überholt, Wien führte flächendeckend zeitgemäße Brandmelde- und Alarmsysteme ein.

Pride Flagge in Wien ©
Pride Flagge in Wien ©

Ein Wiener Original

Nach so viel Historie hat die Tochter genug und fordert ein Eis ein. Vorher aber noch etwas Deftiges, okay? Na gut. Vom Stephansplatz aus schlendern wir in Richtung des berühmten Bermudadreiecks, einer Bar-, Club- und Kneipenmeile, die ihren Namen deswegen trägt, weil hier früher reihenweise Studierende beim nächtlichen Zechen „verschollen“ sind. Bei einem Würstelstand am Hohen Markt ist eine Käsekrainer fällig, von den Wienern liebevoll „Eitrige“ genannt. Wer hineinbeißt, weiß auch gleich, woher der Spitzname rührt.

Richtung Schwedenplatz am Südwestufer des Donaukanals kommen wir an der uralten Ruprechtskirche vorbei, um das Jahr 740 gegründet und 1200 erstmals erwähnt. Zur Erleichterung der Neunjährigen fällt die Besichtigung flach, weil soeben eine Hochzeitsgesellschaft langsam das Gotteshaus verlässt und vor den Eingangstüren das obligatorische Fotoshooting anhält.

Wir gehen weiter und nehmen die steilen Stufen hinunter zum Schwedenplatz. Beim Blick zurück sind wir ziemlich überrascht, dass sogar diese katholische Gemeinde ihre Kirche mit einer Regenbogenflagge ausgerüstet hat; sie baumelt aus der höchsten Fensteröffnung des Glockenturms. Nur ein paar Schritte weiter am U-Bahnhof Schwedenplatz gibt es dann endlich den innig ersehnten Eisbecher, die perfekte Abkühlung von innen.

Mozart Denkmal ©
Mozart Denkmal ©

Rosen, Regen und ein Schnitzel

Anfang Juni blühen drüben im Burggarten die Rosen und voller Pracht – also nichts wie hin, die Fahrt mit der Bim bringt uns über die halbe Ringstraße in die hübsche Grünanlage hinter der Hofburg. In sämtlichen Farben steht die Rosenblüte, es duftet süßlich. Während wir durch die Anlage flanieren, Fotos knipsen und schlussendlich am rot blühenden Notenschlüssel vor dem Mozartdenkmal ankommen, zieht der Himmel plötzlich zu, von Osten her rast eine gewaltige Wolkenwand auf die Innere Stadt zu.

Mit Müh‘ und Not retten wir unsere trockene Haut, indem wir einmal quer über den Vorplatz der Hofburg sprinten; kaum im überdachten Eingangsbereich angekommen, setzt ein Wolkenbruch ein, der – begleitet von peitschenden Windböen – den Regen quer über den Platz treibt. Endlich mal was los, findet unsere Tochter. Aber als der extreme Niederschlag auch nach einer halben Stunde nicht abreißt, lässt ihre Begeisterung auch wieder nach. Der Regen irgendwann auch, und so endet der Tag bei einem riesigen Wiener Schnitzel in einem Hinterhof-Biergarten neben der Schottenkirche. 

Naturhistorisches Museum Wien ©
Naturhistorisches Museum Wien ©

Dinos und Menschwerdung

Nachdem der erste Tag zwar noch nicht besonders kindgerecht war, für ein neunjähriges Mädchen aber dennoch spannend (neue Stadt, Pferde, ein hoher Kirchturm, Eisbecher!), darf am nächsten Morgen das Kind entscheiden, was wir unternehmen. Naturkundemuseum. Die Wahl ist schnell getroffen, nicht zuletzt, weil alle Wetter-Apps Dauerregen ankündigen, und sie versprechen nicht zu viel. Die Tickets kaufen wir online während der Fahrt, und schon geht es hinein ins Vergnügen.

Über die ersten vier Räume zieht sich die gigantische Sammlung an Mineralien jeder Form, Farbe und Herkunft, und wo ein erwachsenes Oberstübchen schon bald den sprichwörtlichen Geist aufgibt, begeistern sich die Synapsen der Tochter für nahezu jedes einzelne Exponat. Zugegeben, es sind wirklich beeindruckende dabei. Doch erst, als sich unsere Tochter nach gefühlten zwei Stunden davon losreißen kann, erwachen die elterlichen Lebensgeister von neuem. Über die Abteilungen Meteoriten und Fossilien gelangen wir schließlich zum Saal der Saurier.

Der zwischenzeitliche Blick aus dem Fenster beweist: Museum war die richtige Entscheidung, immer noch kracht der Regen auf den Maria-Theresien-Platz, der zwischen dem Kunsthistorischen Museum auf der anderen Seite und dem Naturhistorischen Museum liegt. Der Sauriersaal ist hervorragend gestaltet, sogar ein bewegliches Modell gibt es, vor dem sich nicht nur die Kinder erschrecken, wenn man ihm zu nah kommt. Schwer, sich irgendwann davon loszureißen – aber über die Abteilung Urgeschichte gelangen wir zur Anthropologie. Sehr spannend und liebevoll gemacht, doch weswegen bildet sich auf der linken Seite des Saals eine lange Schlange vor einer Trennwand? 

Australopithecus Afarensis ©
Australopithecus Afarensis ©

Museumsspaß und Wiener Weinberge

Wir beschließen, uns anzustellen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Hinter Trennwand befindet sich ein Monitor, eine nebenan befestigte Kamera wirft das eigene Konterfei auf das Display. Sobald das Gesicht erfasst ist, kannst Du auswählen, welche Vormenschen-Gattung Du sein willst – und flugs verwandelt ein Simulator, der vom Smithsonian National Museum of Natural History in Washington D. C. entwickelt wurde, das eigene Antlitz in eine prähistorische Menschenart. Ich habe für mich den Australopithecus afarensis ausgewählt, die Gattung, zu der auch der berühmte Fund „Lucy“ aus Äthiopien gehört und die schätzungsweise vor 3,8 bis 2,9 Millionen Jahren lebte.

Auch der große Rest ist ausnehmend spannend, nur macht die Konzentration nach ein paar Stunden schlapp. Im Obergeschoss, das sich der Anthropologie und der Eiszeit anschließt, sind wir recht schnell durch, und weil jetzt um 16 Uhr tatsächlich die Sonne scheint, beschließen wir, nach Grinzing zu fahren und dort einzukehren.

Das ist von uns Eltern nicht gänzlich uneigennützig gedacht, um es zuzugeben. Wer Wien nicht kennt, wird kaum wissen, dass die Stadt nach Norden hin ziemlich hügelig wird, in Grinzing und Nussdorf – beides Stadtteile des 19. Bezirks Döbling – beginnen genau hier die Weinberge, die bis an das bebaute Stadtgebiet heranreichen. Wer Wien hingegen kennt, wird wissen, dass der Wein hier nicht nur angebaut, sondern auch getrunken wird. Und zwar im sogenannten Heurigen beziehungswise Buschenschank. 

Heuriger Wien ©
Heuriger Wien ©

Nichts für strenge VegetarierInnen

Vom Schottentor sind es nicht einmal 25 Minuten Fahrt mit der Bim. An der Endhaltestelle biegen wir gleich links in die berühmte Cobenzlgasse ein, die mitunter recht steil in nordwestlicher Richtung ansteigt. Links und rechts ist die Gasse gesäumt von Weinlokalen, und nach etwa einem Kilometer beginnen die Weinberge. Nach dem stundenlangen Regen hat sich inzwischen die Sonne einen Platz am Spätnachmittagshimmel erkämpft, es wird sehr schnell sehr warm und wir beschließen, dass jetzt Zeit für eine Einkehr ist. Relativ weit unten, nahe der kleinen Grinzinger Kirche, finden wir einen hübschen Buschenschank mit Innenhof. Die einzigen Gäste außer uns sind ein paar fröhlich-laute AmerikanerInnen, die schon ein wenig zu tief ins Glas geschaut haben.

Ein Buschenschank ist ein meist einfaches Lokal, das recht günstig typische Wiener Gerichte wie Backhendlsalat, Schnitzel oder Ochsenbrust anbietet. Genau das Richtige für die am Vorabend neu entfachte Schnitzelbegeisterung der Neunjährigen. Und für die Erwachsenen in der Familienreisegruppe die Chance, sich zum wohlschmeckenden Fleischgericht (ja, es gibt auch Vegetarisches, doch das Angebot ist überschaubar) ein – oder ehrlicherweise zwei – Viertel des hier selbst gekelterten Weins zu trinken. Die Wahl fällt auf den traditionellen und sehr guten Backhendlsalat, dazu gibt es einen Gemischten Satz.

Riesenrad Wien ©
Riesenrad Wien ©

Treten S‘ ein, nur herein

Dann geht es zurück ins Hotel, um Kraft für den nächsten Tag zu sammeln. Auf der Fahrt zum Praterstern kommt mir das berühmte Prater-Lied von Michael Heltau in den Sinn: „Schön ist so ein Ringelspiel“ – und schnell wird klar, dass der Wurstelprater, Teil einer riesigen Grünanlage fast doppelt so groß wie der Central Park, nicht nur Kinder begeistert.

An diesem sonnigen Pfingstmontag steht aber vor allem eines im Mittelpunkt: unsere Tochter. Die mitgenommenen 100 Euro für Fahrgeschäfte und Snacks sind schneller aufgebraucht als gedacht – sei’s drum.

Direkt am Eingang lockt das weltberühmte Wiener Riesenrad, das älteste seiner Art, das noch in Betrieb ist. Ein absolutes Muss: die roten Gondeln, das stählerne Gerüst und der Blick über den Prater machen die Fahrt jeden Euro wert. Danach geht es Schlag auf Schlag – Wildwasserbahn, Fun House, Riesenrutsche, zwischendurch eine Käsekrainer und ein Eis. Die „Wilde Maus“ ist zu wild, das Kettenkarussell zu hoch, doch an Alternativen mangelt es nicht: Die Neunjährige kommt voll auf ihre Kosten.

Stephansplatz, Wien © Alexander Spatari/Moment via Getty Images
Stephansplatz, Wien © Alexander Spatari/Moment via Getty Images

Ein Sterne-Essen zum Abschluss

Das kulinarische Highlight des Städtetrips erwartet uns aber am frühen Abend. 30 Gehminuten westlich des Praters befindet sich an der Ecke Taborstraße und Obere Donaustraße ein Ein-Stern-Lokal, für das wir einen Gutschein geschenkt bekommen hatten. Mit unseren Wurstelprater-Freizeitklamotten fühlen wir uns anfangs etwas fehl am Platze, aber die überaus nette Bedienung nimmt uns diese Bedenken rasch.

Danach lautet unser Problem nur noch: Was in aller Welt bestellen wir nur bei dieser einmaligen Gelegenheit? Den halben Hummerschwanz auf Safranrisotto? Die schwarzen Spaghetti mit verschiedenen Muscheln oder die Mafaldine mit Trüffelcreme? Das österreichische Rinderfilet? Die Pizza mit 23 Karat Blattgold, Kaviar und eine Flasche Champagner für 469 Euro wird es jedenfalls nicht, so viel ist rasch klar.

Am Ende gibt’s einen Tomatensalat als Appetizer, Fish & Chips für die Tochter, Oktopus auf Tomatenmousse und den Hummerschwanz, dazu einen überragenden Grünen Veltliner und zum Abschluss einen Cheesecake. Derart verwöhnt, flanieren wir anschließend noch am Donaukanal nach Norden bis zum Schottenring, und trotzdem es Montagabend ist, sind die improvisierten Bars am Wasser an diesem herrlichen Sommerabend zum Bersten gefüllt. Für uns aber heißt es Abschied nehmen von Wien, als die Nacht über die Stadt hereinbricht und mir der Fendrich-Song durch den Kopf geht: Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen? Das aber heben wir uns für den nächsten Besuch auf.

Autor Holger Küppers

Holgers Tipp

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Autor Holger Küppers
Geschrieben von:Holger KüppersIn Süddeutschland aufgewachsen, lebe ich seit einem Vierteljahrhundert in Berlin. Von dort zieht es mich immer wieder in die weite Welt, mal für einen Urlaub, mal für längere Zeit. Urlaub am Strand? Ein Städtetrip nach New York? Aktive Erholung in den Bergen im Sommer wie im Winter? Hauptsache unterwegs!