Niemand wird ernsthaft bestreiten, das es -wo Menschen arbeiten- Fehler gibt, sie gegeben hat und es sie auch in Zukunft leider immer geben wird. Einen Fehler zu verzeihen fällt deswegen auch den meisten Menschen nicht schwer. Das Problem der kurzfristigen Schliessungen im Winter ( oder Überbuchungen im Somer ) ist aber kein von einzelnen Personen verursachter Systemfehler, sondern hat -das zeigt die Vergangenheit- Methode, die auf wirtschaftlichen Fakten beruhen. Und deswegen ist die Frage erlaubt: wem nützt das ? Ganz sicher nicht den Reisenden !
Die Aufzählung der von ADEGi genannten möglichen Fehlerquellen sind als Ursache im Einzelfall nicht auszuschliessen, gehen aber in der Beurteilung der Gesamtsituation mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an der Realität vorbei. Noch einmal die rhetorische Frage: wem würde sofortige Ehrlickeit was nützen, ausser den Reisenden ?
In Bezug auf die Beurteilung des Reisejahres 2009 ist sicher die Ausage eines Hotel-Managers nicht repräsentativ. Das hat ja auch niemand behauptet. Der Tourismus in der Türkei hat eine grosse wirtschaftliche Bedeutung für das Land. Es gibt dort auch Zirkel und Gremien, in denen man sich austauscht, und deswegen ist auch eine solche Einzelmeinung nicht ohne background. Da müssen z.T. riesige Investitionen überlegt werden, egal ob Neubauten oder Totalrenovierungen. Der Markt gibt den Hotelanlagen nur ein konkurrenzfähiges Zeitfenster von maximal 5 Jahren. Da muss man sich rechtzeitig Gedanken über die eigene Zukunft machen.
Die Tourismusbranche darf doch nicht ernsthaft glauben, das sie aus der jetzigen wirtschaftlichen Krise ungerupft rauskommen wird. Ganz im Gegenteil, es ist eher wahrscheinlicher, das sich die Krise noch auf mehrere Jahre erstreckt. Keine Regierung in Deutschland wird der Tourismusbranche im Gegensatz zu den Banken oder der Autoindustrie Suventionen egal welcher Art gewähren, weil die Wertschöpfung im Tourismus zum grössten Teil nicht in Deutschland Arbeitsplätze sichert, sondern im Ausland.
Ich kenne die Buchungszahlen der Branche nicht, könnte mir aber vorstellen, das es einen erheblichen Bruch in den letzten 4-6 Wochen gegeben hat. Nach Erscheinen der Kataloge haben sich erstmal die eingedeckt, die wegen des festgelegten Zeitrahmens und ihrer Fixierung auf ein Ziel plus des Frühbucherrabattes Sicherheit verschaffen wollten. Der Einzelhandel kann bisher keine Einbussungen im Weihnachtsgeschäft feststellen. Das ist aus unseren Emotionen zu Weihnachten nachvollziehbar, aber der Kassensturz wird dann im neuen Jahr gemacht. Bleibt noch Geld für den Urlaub über oder nicht ? Kommt dann der Katzenjammer ?
Deswegen ist die abwartende Haltung des Hotelmanagers berechtigt, wenn er erst eine Prognose für 2009 frühestens nach den Buchungszahlen Ende Januar wagen will. Soweit ich weiss, waren die Wochen nach Weihnachten immer für gute Zahlen im Gewerbe bekannt.
Euphorische Stimmung bei der Preisfindung der Branche in diesem Sommer für das nächste Jahr ?
Die Arbeitslosenzahlen waren stark zurückgegangen, man sprach von 1 Million neuer Arbeitsplätze, die Gewerkschaften erkämpften Lohn- und Gehaltssteigerungen von bis zu 5%, gute Nachrichten für die Rentner, auch sie sollten spürbar mehr Geld erhalten, Deutschland hatte eine ( fast ) gute Fussballeuropameisterschaft gespielt, China sprach mit Taiwan, Nordkorea mit Südkorea, die Amerikaner wollen bald aus dem Irak abziehen, George "dabbeljuh" Busch wird ab November nicht mehr Präsident der USA sein, Bayern München ist deutscher Meister ( na ja, das sehen sicher nicht alle als gute Nachricht an, darf aber als Zeichen der Normalität in dieser Aufzählung sein ), der Ölpreis ist hoch ( aber Heizöl kaufen wir ja eh erst im Winter ), und bestimmt habe ich sicher noch einiges Wichtige vergessen.
Wann, wenn nicht jetzt, sollen sich die Beteiligten in der Reisebranche einen guten Schluck aus der Pulle gönnen ? Ist doch völlig normal und wirtschaftlich absolut korrekt, denn jeder will seinen Anteil haben.
Gruss Gabrie