Wie schon beschrieben, zerfällt das Hotel in viele verschachtelte Gebäude, die zum Teil mit engen unterirdischen Gängen untereinander verbunden sind, was euphemistisch mit dem Begriff "Village" umschrieben wird. Je nach Bauzeit wirken die Häuser leicht renovierungsbedürftig oder ansehnlich, architektonisch ist das Ganze aber eine krude Mischung aus schiefen Winkeln und angestaubtem 70er-Jahre-Schick. Ein Glanzpunkt ist die obere Poolterrasse mit ihrem spektakulären Blick, den Palmen und dem schönen (allerdings kalten) Pool. Die Liegen sind sehr hart und unbequem, und auch hier fehlt Großzügigkeit, sodass man Bauch an Bauch liegt. Der Speisesaal erinnert an eine Gesamtschule in der deutschen Provinz, unterirdisch, ausschließlich Neonlicht, sehr laut und mit hässlichem Mobiliar. Ein für mich besorgniserregender Punkt war, dass im Speisesaal an fast jedem Tisch gehustet wurde - am Wetter kann es kaum gelegen haben, sodass man vermuten kann, dass die Klimaanlage einschlägige Bakterien verbreitet. Dies ist, wie gesagt, nur eine Vermutung, aber ein Tischnachbar bestätigte uns, dass er jedesmal, wenn er in den Speisesaal kommt, anfangen müsse zu husten. Und das im Süden bei warmem Sonnenwetter! Die Atmosphäre dieses Hotels ist trotz mancher Glanzpunkte unangenehm und lieblos, und ich kann es nicht wirklich empfehlen. Insgesamt stellt sich der Eindruck ein, dass hier (leicht fassadenhaft) versucht wird, bestimmte Standards gerade so einzuhalten und sonst überall zu sparen. Mein Urteil mag damit zusammenhängen, dass ich eher Individualist bin und mit Hotels nie recht warm werde, aber die beschriebenen Mängel bestehen. Limone selbst ist, wie der ganze Gardasee, ein von der Natur begnadetet Ort, aber wie so oft schafft es der Massentourismus, einen Teil seines Zaubers zu zerstören.
Das erste Zimmer, das man uns anbot in der sog. "Villa" Calmetta (ein primives Reihenhäuschen direkt am lärmenden Fluss) lehnten wir ab und zahlten einen saftigen Aufpreis. Das neue Zimmer mit Seeblick und Balkon war ganz gut eingerichtet, aber der Teppich wirkte doch überaltert, und im Bad fanden sich ein paar der sprichwörtlichen Schimmelflecken... Die Betten waren eine Katastrophe, nicht nur wegen der typisch südländischen Stopfdecken, sondern die Matratzen wirkten einerseits hart, andererseits durchgelegen. Wir wachten fast jede Nacht auf und waren morgens dann regelrecht zerschlagen, was die Erholung sehr beeinträchtigte.
Beim Essen mag ich weniger anspruchsvoll sein als andere, insgesamt fand ich es gut und auch reichhaltig, im Grunde eher zu viel. Allerdings differierte die Qualität. Unangenehm machte sich bemerkbar, dass fast alle Speisen sehr fett gebraten und angerichtet wurden, wodurch die Leichtigkeit, die die italienische Küche ja haben kann, doch ausblieb. Der Kaffee war fast ungeniessbar, der Wein ging. Schade, dass nicht einmal die Möglichkeit bestand, Getränke außerhalb des Standardprogramms zu bestellen. Positiv kann ich festhalten, dass wir trotz Halbpension ein leichtes Mittagsbuffet gratis bekamen, das immer lecker war. Auch der inkludierte Nachmittagscafé mit Kuchen etc. war eine nette Überraschung. Wer Bietrinker ist, sollte dieses Hotel meiden.
Die Rezeption war sehr nett und verstand gut deutsch, und auch die Zimmermädchen grüßten freundlich, wenn man sie mal sah. Das latent autoritäre Personal im Speisesaal allerdings ist wirklich gewöhnungsbedürftig, was auch damit zu tun haben mag, dass es eigentlich nur zum Abräumen da ist und man auf diese Weise keinen wirklichen Kontakt hat. Wer welchen Tisch bekommt, blieb bis zum Schluss unorganisiert. Insgesamt blieb der Eindruck, hier eigentlich nur gerade geduldet zu sein und wie Vieh abgefüttert zu werden. Wer das Internet nutzen will, darf dafür 3 Euro pro 30 Minuten (!!) zahlen, muss seinen Personalausweis an der Rezeption abgeben und wird registriert wie ein Schwerverbrecher.
Limone ist wunderschön, allerdings kann man die hohen, schroffen Berge im Rücken auch als bedrückend empfinden. Die enge Küstenstraße mit den vielen Tunneln setzt vor jede Unternehmung eine gewisse Hürde, und die Bootspassagen sind recht teuer (z.B. nach Gardone hin und zurück 25,00 EUR pro Person). Wir haben versucht zu wandern (mit Karte), mussten auf dem steilen Pfad allerdings schließlich aufgeben, obwohl wir auch schon mal im Harz wandern. Der Kiesstrand ist hübsch, aber klein. Eigentlich ein idealer Aufenthalt für ein oder zwei Tage, aber dann wirkt Limone doch etwas beengend. Da es Mai war, war der Ort noch nicht überlaufen, und vor allem die Seepromenade hat Charme. Andenkenläden sollte man mögen...
Beliebte Aktivitäten
- Sonstiges
Es wäre unfair, Unterhaltungsangebote zu bewerten, die ohnehin nicht mein Ding sind. Mit Animation kann ich nichts anfangen, und die hier gebotene populäre Livemusik im Schlagerstil schreckte schon aus weiter Entfernung ab. Letztlich hat dieser Urlaub dazu geführt, dass ich künftig auf Pauschalurlaube verzichten und zum Ferienhausurlaub zurückkehren werde.
| Infos zur Reise | |
|---|---|
| Verreist als: | Paar |
| Dauer: | 1 Woche im Mai 2010 |
| Reisegrund: | Sonstige |
| Infos zum Bewerter | |
|---|---|
| Vorname: | Philipp |
| Alter: | 41-45 |
| Bewertungen: | 1 |


