Kultmöbel am Meer
Typisch deutsch: Was Du über den Strandkorb noch nicht wusstest
Kaum ein Strandmöbel ist so eng mit der deutschen Küste verbunden wie der Strandkorb. Doch wer hat ihn eigentlich erfunden, seit wann gibt es ihn und warum ist er vor allem an Nord- und Ostsee verbreitet? Wir nehmen den Klassiker am Meer genauer unter die Lupe, verraten Dir kuriose Fakten und zeigen Dir, an welchen Stränden Du es Dir besonders schön im Strandkorb gemütlich machen kannst.
Folge unserem WhatsApp Kanal!Gutscheine, Gewinnspiele, relevante News & Updates zum Thema Reisen!Zum KanalDie Vorteile eines Strandkorbs
Gut geschützt und flexibel
Zum Urlaub an der Nord- oder Ostsee gehört für die meisten UrlauberInnen ein Strandkorb dazu. Wenn Du dir einen für Deinen Urlaub am Meer mietest, bringt er so einige Vorteile mit sich, denn Du kannst in ihm Wasserspielzeug, Schaufel und Eimer für den Nachwuchs und andere wetterfeste Utensilien einschließen. Das erspart viel tägliches Geschleppe. Mit seinen bequemen Sitzmöglichkeiten kannst Du im Strandkorb wunderbar picknicken, ein Buch lesen oder ein Glas Wein zum Sonnenuntergang genießen.
Je nach Sonnenstand und Windrichtung drehst Du den Korb mithilfe der angebrachten Griffe einfach um, damit Du entweder optimal bräunen oder schattig und geschützt sitzen kannst. Und für ein kleines Nickerchen klappst Du einfach die Rückenlehne nach hinten – eine Neuerung der Körbe um 1910.
Ein durchschnittlicher Strandkorb ist etwa eineinhalb Meter breit, 1,60 Meter hoch und einen knappen Meter tief, bei einem Gewicht von rund 100 Kilogramm. Die MitarbeiterInnen der Strandkorbverleihe bringen sie im Frühjahr aus Gründen des Naturschutzes mit Pferdefuhrwerken an ihre Standorte, wo sie bis zum Saisonende verbleiben. Abschließend werden sie wieder abgeholt und zur Wartung ins Winterlager gebracht.
Die Geschichte des Strandkorbs
Die genaue Herkunft ist unbekannt
Genau weiß niemand, wann und wo jemand zuerst auf den Gedanken gekommen ist, eine überdachte Sitzgelegenheit aus Holz, Weidengeflecht und Segeltuch ans Wasser zu stellen, um die Insassen vor Wind und Sonne zu schützen. Möglicherweise kam diese Mode zusammen mit dem Entstehen der ersten Seebäder Norderney und Heiligendamm um 1800 auf. Zu dieser Zeit machten es sich der Adel und das wohlhabende Bürgertum zur Angewohnheit, an die See zu reisen, um dort Leib und Seele etwas Gutes zu tun und sich zu erholen. Um empfindliche Haut vor den Witterungseinflüssen zu bewahren und obendrein die Schicklichkeit und Privatsphäre der edlen Leute zu gewährleisten, wurden Hütten, Zelte und Karren in den Sand gestellt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass gelegentlich auch ein überdeckter Stuhl, wie er vielerorts aus dem Innenbereich schon geläufig war, verwendet wurde. Belegt ist es allerdings nicht.
Klare Hinweise auf die Existenz von Strandkörben weitgehend in ihrer heutigen Form gibt es spätestens seit 1871 für die Nordseeinsel Norderney.
Wie der Strandkorb zum Kultmöbel wurde
Als einer der Väter des modernen Strandkorbs gilt der Rostocker Hof-Korbmachermeister Wilhelm Bartelmann. Der Überlieferung nach wandte sich 1882 eine an Rheuma leidende Dame an ihn und wünschte sich eine Sitzgelegenheit, mit der sie geschützt vor Wind und Sonne Zeit am Strand verbringen konnte. Bartelmann fertigte daraufhin einen überdachten Einsitzer aus Weiden- und Rohrgeflecht, der zunächst als „Strandstuhl“ bezeichnet wurde.
Die Idee kam gut an: Bereits 1883 entwickelte Bartelmann ein Modell für zwei Personen. Seine Frau Elisabeth erkannte das geschäftliche Potenzial und eröffnete im selben Jahr in Warnemünde eine Strandkorbvermietung. Bartelmann entwickelte das Strandmöbel unterdessen weiter und ergänzte unter anderem Markisen, Fußstützen und Seitentische.
Ganz neu war die Idee eines geschützten Sitzmöbels am Strand allerdings nicht. Ähnliche Strandstühle und Strandkörbe sind bereits aus den 1870er-Jahren bekannt. Auf Rostock wurden sie beispielsweise schon 1872 in einer Badezeitung erwähnt. Bartelmann trug jedoch entscheidend dazu bei, den Strandkorb weiterzuentwickeln und an der Ostseeküste populär zu machen.
In den folgenden Jahrzehnten verbreitete sich der Strandkorb immer weiter an Nord- und Ostsee. Auch ehemalige Mitarbeiter Bartelmanns gründeten eigene Werkstätten und entwickelten das Strandmöbel weiter. So wurde aus dem praktischen Wind- und Sonnenschutz nach und nach ein echtes Symbol für Urlaub an der deutschen Küste.
Dauerbrenner Strandkorb
Typisch deutsch
Nach dem Ende des Unternehmens Bartelmann führten andere Hersteller die Tradition fort. Bis heute gehören Strandkörbe fest zum Bild vieler deutscher Nord- und Ostseestrände. Und längst stehen sie nicht mehr nur am Meer: Auch in Gärten und auf Terrassen sind die maritimen Sitzmöbel beliebt.
Schätzungen zufolge stehen an den deutschen Küsten rund 100.000 bis 130.000 Strandkörbe. An vielen Urlaubsorten kannst Du sie für einen einzelnen Strandtag, mehrere Tage oder einen längeren Zeitraum mieten. Die Buchung ist vielerorts inzwischen auch online möglich. Wie genau die Vermietung und der Zugang zum Strandkorb funktionieren, unterscheidet sich je nach Urlaubsort und Anbieter.
Interessant ist, dass der Strandkorb bis heute vor allem ein deutsches Phänomen geblieben ist. Obwohl es an den Küsten der Niederlande, Dänemarks oder Großbritanniens ebenfalls ordentlich windig werden kann, sind Strandkörbe dort deutlich seltener anzutreffen. An deutschen Nord- und Ostseestränden sind sie dagegen seit mehr als einem Jahrhundert fester Bestandteil der Urlaubskultur.
Wie sehr der Strandkorb mit der norddeutschen Küste verbunden wird, zeigte sich aktuell sogar im Berliner Regierungsviertel: Der aus Mecklenburg-Vorpommern stammende Politiker Philipp Amthor ließ einen auf Usedom gefertigten Strandkorb auf den Balkon seines Büros im Bundeskanzleramt stellen. Damit wollte er seine Verbundenheit mit seiner Heimat zum Ausdruck bringen. Nachdem der Strandkorb für öffentliche Diskussionen gesorgt hatte, kündigte Amthor an, ihn wieder nach Mecklenburg-Vorpommern bringen zu lassen.
Hier findest Du die schönsten Strandkorbstrände
Wo der Urlaub im Strandkorb am meisten Spaß macht
Strandkörbe findest Du an so gut wie allen deutschen Seestränden auf dem Festland und auf den Inseln in Ost- und Nordsee.
Dies sind unsere Lieblingsstrände mit Strandkorb an der Nordsee:
Und diese Strände mit Strandkorb lohnen einen Besuch an der Ostsee:
- Strand Holnis bei Glücksburg
- Südstrand auf Fehmarn
- Timmendorfer Strand bei Lübeck
- Strand von Graal-Müritz
- Strand Glowe auf Rügen
- Strand von Cuxhaven auf Usedom

